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Ökolandbau

Bio - wollen allein genügt nicht

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Patrizia Schallert
am
25.03.2019

Fachzentrum beleuchtet Umstellung auf ökologischen Ackerbau.

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Bei den Molkereien gibt es inzwischen lange Wartelisten für umstellungswillige Milcherzeuger. Auch die Ackerbauern drängen jetzt immer mehr in den Ökosektor. Auf einer Veranstaltung des AELF Kaufbeuren in Dasing gingen die Referenten der Frage nach, ob und inwieweit eine Umstellung von intensiven Ackerbaubetrieben auf den ökologischen Landbau heute und in der Zukunft wirtschaftlich ist. Der Markt gäbe es her, aber vielen konventionellen Ackerbauern fehlt es an geeigneten Lager- und Aufbereitungskapazitäten für ihre künftigen Ökofrüchte, ein wesentlicher Faktor für die Umstellung.

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Damit hatten die Organisatoren nicht gerechnet: Knapp 100 Bäuerinnen und Bauern waren der Einladung zur Infoveranstaltung „Erfolgreiche Umstellung auf ökologischen Ackerbau“ nach Dasing gefolgt. Der bayerische Agrarbericht spricht Bände: Gab es im Freistaat vor vier Jahren noch 6800 Biobetriebe, so sind es jetzt rund 10 000. Allein im vergangenen Jahr legte die Ökofläche um 17 % auf nunmehr 345 000 ha zu, wie der Leiter des Fachzentrums Ökologischer Landbau am AELF Kaufbeuren, Franz Högg, erklärte. In zahlreichen Beispielen stellte er die Gesamtdeckungsbeiträge, Festkosten, Erträge und Preise für Marktfrüchte im ökologischen Ackerbau dem konventionellen gegenüber.

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„Die Umstellung auf den Ökoackerbau erfordert eine grundlegende Änderung der Bewirtschaftung, die nur mit einer positiven Grundeinstellung zum Ökolandbau gelingen kann“, betonte Högg. Voraussetzungen für einen erfolgreichen Ackerbau seien gutes fachliches Können und das Beherrschen der Produktionstechnik. „Trotz der höheren Preise und höheren Kulap-Förderung sind auch im Ökolandbau gute Erträge entscheidend.“

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In Deutschland wurde 2017 erstmals die 10-Mrd.-€-Grenze beim Umsatz von Biolebensmitteln überschritten, stellte Höggs Mitarbeiterin Claudia Schatz fest. Doch die Bioprodukte stammten teils zur Hälfte aus dem Ausland. Damit die Nachfrage nach ökologischen Lebensmitteln stärker aus heimischer und regionaler Produktion gedeckt werden kann, wurde 2012 das Landesprogramm „BioRegio Bayern 2020“ ins Leben gerufen. Ziele sind die Verdoppelung der Erzeugung von bayerischen Ökoprodukten bis 2020 und die Verbesserung der bayerischen Wertschöpfung.

Seit 2015 sind mehr als 1100 Artikel und rund 140 bayerische Unternehmen mit dem bayerischen Biosiegel zertifiziert und etwa 1100 landwirtschaftliche Betriebe eingebunden. Die Gründe für die Umstellung auf den ökologischen Landbau sind vielfältig, sagte Schatz. So schätze die Gesellschaft beim Ökolandbau das Produkt und die geleistete Arbeit. Umstellungswillige Betriebe, die Kulap-Prämien in Anspruch nehmen wollen, müssen sich für fünf Jahre verpflichten. Beim Acker- und Grünland beläuft sich die Kulap-Förderung für das erste und zweite Umstellungsjahr auf 350 €/ha, die Prämie für die Ökobeibehaltung für die restlichen drei Jahre beträgt 273 € und der Zuschuss für Kontrollverfahren 35 €/ha für maximal 15 ha.

Für die Umstellung ist der Abschluss eines Kontrollvertrags mit einer staatlich anerkannten Öko-kontrollstelle erforderlich, die das „Öko-Kontrollblatt“ vergibt. „Dieses Zertifikat ist die Voraussetzung, um die Kulap-B10-Förderung zu erhalten“, erklärte Schatz. Wer im Januar 2020 den Kulap-B10-Antrag stellen will, muss bis zum 1. 7. 2019 einen Kontrollvertrag für Pflanzenbau abschließen. Ab 1. 7. 2020 erfolgt dann die Ernte von Umstellungsware. Die Ernte der ab 1. 7. 2021 erfolgten Aussaat ist Ökoware.
Aus der Praxis berichtete Biopionier Josef Niedermaier aus Friedberg- Ottmaring. Er habe seine Flächen immer schon ökologisch bewirtschaftet und ist 1970 dem Bioland-Verband beigetreten. Bis 2007 stand Milchvieh im Stall, dann stellte Niedermaier auf den Anbau von Marktfrüchten und ihre Direktvermarktung um, die er vor drei Jahren jedoch wieder aufgegeben hat. Die Beikrautregulierung gelingt dem Biobauern deshalb so gut, weil er dank seines technischen Geschicks neben einem Striegel einen Präzisionsgrubber und eine Präzisionsfederzahnegge entwickelt hatte. Seine Patente verkaufte Niedermaier an die Firma Treffler, die diese Geräte produziert.
Anhand zahlreicher Bilder erläuterte Niedermaier, wie er seine Maschinen zur mechanischen Unkrautbekämpfung einsetzt. Durch verschiedene Saatzeiten und Zwischenfrüchte und die richtige Sortenwahl fährt er bei den Hauptfrüchten hohe Erträge ein und erreicht eine Vielfalt auf seinen Flächen. Der Ertragsmenge sei im Biobereich allerdings ein natürlicher Riegel vorgeschoben. „Wenn wir so viel produzieren könnten wie unsere konventionellen Berufskollegen, hätten wir auch dieselben Preise wie sie.“
Martin Winter erläuterte die Vermarktung pflanzlicher Produkte und die Anforderungen des Biomarktes. Er ist bei der Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG für den Ein- und Verkauf von Futtergetreide verantwortlich. Die Marktgesellschaft ist seit 1991 die größte heimische Ökoerzeugergemeinschaft. Ihr jährlicher Umsatz beläuft sich auf 80 Mio. € mit rund 90 000 t Ökorohware pro Jahr. Der AG gehören rund 980 Aktionäre an, ausschließlich Ökolandwirte.
„Rund 90 Prozent der Naturlandwaren sind Produkte unserer Mitglieder“, sagte Winter. Je nach Versorgungssituation stammten nur knapp 10 % der Ware aus anderen Verbands- oder EU-Betrieben im In- und Ausland. Rund die Hälfte der Lieferungen ist kleiner als 25 t. „Damit unterstützen wir kleine Betriebsstrukturen in Süddeutschland und Nebenerwerbsbetriebe.“ Die Aufgaben der Marktgesellschaft liegen vor allem in der Erschließung neuer Märkte und im Aufbau von Anbauprojekten. Weiter unterstützt sie die Mitglieder bei der Beschaffung von Saat- und Pflanzgut oder der Vermittlung von Dienstleistungen.
„Lager- und Aufbereitungsmöglichkeiten sind ein großes Manko im Biobereich“, bestätigte Winter. „Deshalb helfen wir hier den Betrieben und warnen vor einer planlosen Umstellung.“ Auch wenn die Nachfrage nach Biolebensmitteln und der Trend nach Verbandsware stetig steigten, hegten die Landwirte oft falsche Erwartungen. Es sei wichtig, die Marktsituation zu prüfen, Vermarktungswege zu eruieren und nicht ins Blaue anzubauen. Fraglos sei die Direktvermarktung ein erfolgversprechender Weg mit der größten Wertschöpfung für den Betrieb. Sie ist aber auch mit einem hohen Arbeits- und Zeitaufwand verbunden und das Risiko liegt allein beim Betrieb.
Weitere Vermarktungswege sind das freie Handelsgeschäft, der Vertragsanbau und die Teilnahme an heimischen Projekten oder ein Poolsystem für Druschfrüchte. Für alle Fälle legte Winter den Veranstaltungsteilnehmern den Abschluss oder die Aktualisierung einer Produkthaftpflichtversicherung ans Herz.
Anbauempfehlungen für Umstellungsbetriebe sind Winter zufolge U-Weizen, U-Triticale, U-Gerste, U-Erbsen, U-Soja und U-Ackerbohnen. „Keinesfalls sollten Sie U-Raps, U-Hafer, U-Roggen, U-Dinkel oder U-Buchweizen anbauen. Die Preise sind bescheiden und der Absatz minimal.“ U-Futtergemenge sollten die Landwirte nur bei Eigenverfütterung oder mit Abnahmevereinbarungen kultivieren.
Aktuell liegen die Preise für Umstellungsware aus der Ernte 2018 ab Station in €/t netto ab einer ganzen Lkw-Ladung für Futterweizen bei 250 – 270, Triticale 240 – 250, Futtergerste 250 – 270, Sojabohne 610 – 630, Erbse 420 – 430, Ackerbohne 410 – 420 und Mais 280 – 300. „Die genannten Preise gelten für Verbandsware. Wir unterscheiden uns hier nicht groß von anderen Verbänden.“ Wer mit EU-Bioware liebäugelt, müsse sich bewusst sein, dass sie weniger „wert“ ist, und mit einem Abschlag von bis zu 40 €/t rechnen. Bei Speisegetreide beliefen sich die Preise 2018 beim Weizen auf 370 – 430, Dinkel im Spelz auf 400 – 430, Roggen auf 320 – 350, Braugerste auf 380 – 410 und Hafer auf 310 – 330 t/€. Wohin die Reise für die Preise geht, vermochte Winter nicht vorherzusagen, dafür müsse die Frühjahrsaussaat abgewartet werden. Es seien noch Mengen am Markt und die Nachfrage noch nicht so stark. Sicher ist jedoch, dass Leguminosen gesucht bleiben.
Und was spricht für einen guten Ökovermarkter?, fragte Winter am Ende seines Vortrags:
  • Konzentration auf heimische Ware,
  • regionale und bundesweite Präsenz,
  • langfristige faire Partnerschaften mit Lieferanten oder Beteiligung am Unternehmen,
  • breites Kundenportfolio,
  • flexible Vermarktung mit Vertragsanbau, Vorkontrakten und aktuellem Handelsgeschäft.

„Wenn Sie das alles beachten, sind Sie gut aufgestellt!“

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