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Regenerative Energie

Biogasanlagen - ab 5000 Kubikmeter Gülle interessant

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Michael Ammich
am
08.07.2019

Informationsabend über die Wirtschaftlichkeit güllebetriebener Hofbiogasanlagen.

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Grünenbaind/Lks. Donau-Ries Sie sind klein, aber fein und mit ihnen lässt sich Geld verdienen. Auf einem Informationsabend der Raiffeisen-Volksbank Ries erfuhren rund 50 Landwirte aus der Region, dass sich trotz der restriktiven Förderung des Biogassektors mit güllebetriebenen Hofbiogasanlagen noch ordentliche Gewinne erzielen lassen. Wie das geht, erklärten ihnen Christian Quirrenbach von der Firma NQ-Anlagentechnik und Martin Klink, der auf seinem Milchviehbetrieb in Grünenbaind erfolgreich eine kleine Hofbiogasanlage betreibt.

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Große Biogasanlagen werden kaum mehr gebaut, weiß Christian Quirrenbach, Geschäftsführer der NQ-Anlagentechnik in Rudelstetten. Dabei wäre das gesamtwirtschaftliche Umfeld gar nicht so schlecht. Der Zins ist immer noch extrem niedrig und der Freistaat Bayern strebt immer noch einen hohen Anteil an erneuerbaren, dezentralen Energien an, erklärte Michael Deibler, Leiter des Bereichs Gewerbe und Agrar bei der RV-Bank Ries.

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Betriebsleiter Martin Klink führte die Berufskollegen durch seine Hofbiogasanlage neben dem Milchviehstall. Im Januar 2017 ging sie mit einer Leistung von 75 kW in Betrieb. Mit seinen 250 Großvieheinheiten kommt Klink in den grünen Bereich für den wirtschaftlichen Betrieb einer solchen Anlage. Er füttert sie täglich mit 70 bis 80 m³ Gülle, 4 t Feststoff, davon 2,5 t Festmist und 1,5 t Silomais. Für die Produktion des Energiemaises benötigt Klink eine Anbaufläche von 10 ha.

Quirrenbach führte den Landwirten anhand von Beispielanlagen und einer Wirtschaftlichkeitsberechnung vor Augen, unter welchen Bedingungen sich eine kleine Hofbiogasanlage tatsächlich rechnet. Er warnte davor, sich blauäugig in ein Biogas-Abenteuer zu stürzen. Eine Biogasanlage will nämlich sorgfältig geplant und die Kostenfrage sauber kalkuliert sein. Ein großes Thema sei auch die Anlagensicherheit, zumal Gesellschaft und Medien die Landwirtschaft und besonders die Biogasanlagen ins Visier genommen hätten.
Die gängigsten Modelle für kleine Hofbiogasanlagen mit einer Leistung von 40 bis 75 kW bestehen aus einem Ein-Behälter-System mit 100 % oder aus einem Zwei-Behälter-System mit mindestens 80 % tierischen Einsatzstoffen. Das Zwei-Behälter-System kommt in zwei Drittel aller Hofbiogasanlagen zum Einsatz, sagt Quirrenbach und führt eine für den Donau-Ries-Kreis typische 75 kW-Anlage an: Fermenter mit einer Kapazität von 1000 m³, Gärrestlager mit Tragluftdach und1400 m³ Fassungsvermögen, 80 % tierische Einsatzstoffe und 20 % Silage.
Wie rechnet sich eine solche Anlage? Die Kosten für die schlüsselfertige Montage einschließlich Technik, den Anschluss an das Stromnetz und für die Baunebenkosten belaufen sich bei einem hohen Automatisierungsgrad auf rund 760 000 €. Geht die Anlage im Sommer 2020 in Betrieb, ergeben sich durch die Stromerzeugung und die Nutzung der Wärmeenergie jährliche Einnahmen von rund 145 000 €.
Auf der Ausgabenseite stehen die Kosten für die Einsatzstoffe, der Strombedarf der Anlage, die Kosten für ihren Unterhalt und ihre Wartung sowie der Lohnansatz des Anlagenbetreibers. Legt man eine komplette Fremdfinanzierung auf 15 Jahre bei 2 % Zins zugrunde, errechnet sich im Mittel einer 20-jährigen Anlagenlaufzeit ein jährlicher Barwert vor Steuern von 52 000 €. Zur Aussicht auf einen ordentlichen Geldgewinn kommt noch ein weiterer Vorteil: Der Vieh haltende Betrieb kann durch den dazugewonnenen Güllelagerraum die Anforderungen der neuen Düngeverodnung mit Blick auf die Lagerkapazität leicht erfüllen.
Weist die Hofbiogasanlage einen hohen Automatisierungsgrad auf, kann ihr Betreiber mit einer täglichen Arbeitszeit von einer Stunde rechnen, deren Großteil er im Büro verbringen wird. „Billige Anlagen werden schnell zur Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“, warnt Quirrenbach. „Und unter einem Güllevolumen von 5000 Kubikmetern muss ich unter den aktuellen Rahmenbedingungen mit einer 75 kW-Anlage gar nicht erst antreten, wenn sie wirtschaftlich sein soll.“ Aus 5000 m³ Gülle, 160 t Festmist und eben so viel Futterresten lässt sich eine Anlagenleistung von 51 kW erzielen. Um auf einen Gasertrag von 75 kW zu kommen, benötigt die Anlage noch 500 t Maissilage, wozu eine Anbaufläche von 12 ha erforderlich ist. Zwar darf eine Hofbiogasanlage formal eine Leistung von 100 kW aufweisen, doch sollte diese nicht ausgeschöpft werden, um eine Reserve zu haben.
Eine gut geplante Hofbiogasanlage verhilft ihrem Betreiber zu einem Top-Güllemanagement, versichert Quirrenbach. Nicht zu vergessen ist der Faktor Klimaschutz. Durch das Vergären von Wirtschaftsdünger ergibt sich nämlich über den Entzug von Methan und der Stromerzeugung aus der Gülle eine positive Klimabilanz. Darin liegt auch der Grund, dass die Bundesregierung die Gülleverwertung in Biogasanlagen überhaupt noch fördert. „Wer also jährlich mehr als 5000 Kubikmeter Gülle bereitstellen kann, der sollte über den Bau einer Hofbiogasanlage nachdenken“, empfiehlt Quirrenbach.

Abschließend informierte Carina Mayer, Versicherungsreferentin der RV-Bank Ries für den Bereich Gewerbe und Agrar, die Landwirte über die vielfältigen Möglichkeiten, sich gegen Verluste abzusichern. Eine gute Versicherung sei schon für die Baumaßnahmen angeraten, ebenso eine Betriebshaftpflichtversicherung für den laufenden Anlagenbetrieb. Für Umweltschäden, beispielsweise durch das Auslaufen von Gülle in ein Gewässer, ist eine Vollkaskodeckung möglich. Die Anlagengebäude lassen sich wie ein Wohnhaus versichern. Weiter empfiehlt Mayer Versicherungen für Ertragsausfall, Maschinenbruch und Maschinenbetriebsunterbrechung. Und zu guter Letzt für den Fall der Fälle: „Anwälte können teuer werden, aber dafür gibt es eine Rechtschutzversicherung.“

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