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Herbstversammlung

Dauerfeuer gegen die Bauern nervt

Herbstversammung Bauernverband
Michael Ammich
am
13.11.2017

Wasserschutz, Biotopkartierung und Biberproblem - die Augsburger BBV-Ortsobleute befassten sich in Biburg mit Agrarpolitik und vergeben „Silberne Ähren“.

In den Augen des einen werden die Bauern in den Medien oft „durch den Dreck gezogen“, die andere sieht die Landwirte beim Thema „Umwelt- und Gewässerschutz“ in der Pflicht. So trafen auf der gemeinsamen Herbstversammlung der Augsburger Ortsbäuerinnen und Ortsobmänner in Biburg zwei unterschiedliche Wahrnehmungen aufeinander.

Der stellvertretende Generalsekretär des BBV, Georg Wimmer, verwahrte sich gegen das agrarkritische Dauerfeuer aus zahlreichen Nichtregierungsorganisationen, während Wasserberaterin Tamara Linz vom AELF Krumbach die Landwirte zu größeren Anstrengungen beim Gewässer-, Grundwasser- und Bodenschutz ermahnte.

Ganz auf der Linie Wimmers eröffnete Kreisobmann Martin Mayr die Tagung mit einem Blick auf die Koalitionsverhandlungen in Berlin. „Ich befürchte, dass der Bauernverband hier bei einigen Themen intervenieren müssen wird.“ Schon deshalb reagierte Mayr mit Unverständnis auf die Devise mancher Berufskollegen, die da meinen, „den Bauernverband brauchen wir nicht“. Wie sehr die bäuerlichen Familien den BBV brauchen, werde Wimmer in seinem Vortrag sicher deutlich machen, bekundete der Kreisobmann.

Nährstoffeinträge in Gewässer vermeiden

BBV Augsburg

In ihrem Vortrag erläuterte Tamara Linz vom Fachzentrum Agrar­ökologie am AELF Krumbach die Projekte, die sie als Wasserberaterin vorantreiben möchte. Dazu gehören ganz allgemein die Vermeidung von Nährstoffeinträgen in Gewässer, der Erosionsschutz, die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben bei der Düngung und beim Pflanzenschutz sowie die Beratung zu den Fördermöglichkeiten für die entsprechenden Maßnahmen.

Damit sich die Landwirte auch in der Praxis mit diesen Themen ausei­nandersetzen können, bietet die Wasserberaterin Vorführungen und Felderbegehungen, Demonstrationsflächen und -betriebe an, die sich in besonderer Weise dem Gewässer- und Bodenschutz widmen. Zum  Gewässerschutz steht Linz auch für eine einzelbetriebliche Beratung zur Verfügung.

Hintergrund ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie, die das Ziel eines guten ökologischen Zustands der Gewässer verfolgt. „Die Landwirte sind aufgerufen, hier ihren Beitrag zu leisten“, sagte Linz. Dies könne durch eine Vielzahl freiwilliger Maßnahmen geschehen.

Im Landkreis Augsburg gebe es aber auch sogenannte „rote Gebiete“ über Grundwasserkörpern, in denen zwangsweise Verbesserungsmaßnahmen durchgeführt werden müssen.

Am Beispiel des Projekts „boden:ständig“ rund um den Rothsee bei Zusmarshausen führte die Wasserberaterin Beispiele an, wie der Beitrag der Landwirtschaft zum Gewässer- und Erosionsschutz aussehen kann: Anbau von Zwischenfrüchten, Mais mit Direkt- oder Mulchsaat nach Zwischenfrucht, die Anlage von Gewässerrandstreifen oder auch ein Wechsel der Ackerfrüchte in Hanglagen.

Linz wies darauf hin, dass im Rahmen des Kulap geförderte Gewässerrandstreifen weder gedüngt noch mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden dürfen. Erlaubt seien jedoch das Mähen und Mulchen der Randstreifen sowie ihre Nutzung als Weide.

Gewässerschutz mit Randstreifen im Kulap

Als Praktiker erläuterte Konrad Zott aus Dinkelscherben, warum er mehrere Gewässerrandstreifen im Bereich der Zusam angelegt hat. Ursprünglich beliefen sich seine mit Kleegras eingesäten Pufferstreifen auf 3 m Breite. Allerdings wären die Grasstreifen nach fünf Jahren als Dauergrünland mit Umbruchsverbot eingestuft worden.

Deshalb nahm Zott die Randstreifenförderung durch das Kulap in Anspruch. Das Programm verlange zwar eine Breite von mindestens sechs und höchstens 30 m, lockt dafür aber mit einer stattlichen Prämie von 920 €/ha. Zott hat sich für eine Streifenbreite von 9 m entschieden.

Die Pflege der Gewässerrandstreifen verursache „null Mehrarbeit“, bekräftigte Zott. Er mähe sie immer mit seinem übrigen Grünland mit. Außerdem müsse er sich jetzt keine Gedanken mehr über die gesetzlich geforderten Mindestabstände beim Düngen und Pflanzenschutz machen.

Der Biber allerdings lasse sich auch von Gewässerrandstreifen nicht beeindrucken, bedauert Zott. Trotz der 9 m hole sich der Nager nach wie vor den Mais von den Feldern. Immerhin: Das Risiko, mit schweren Maschinen in Biberhöhlen in Ufernähe einzubrechen, habe sich durch die Randstreifen erheblich verringert.

Die Beratung erweitert

Laut BBV-Kreisgeschäftsführer Thomas Graupner beschäftigt sich der Augsburger BBV derzeit intensiv mit Umwelt-Themen wie der Biotopkartierung, dem Biberpro­blem, den Ausgleichsflächen und der neuen Düngeverordnung. Aller berufsständische Einsatz habe nicht verhindern können, dass die Düngeverordnung einen bürokratischen Mehraufwand in die Betriebe bringt, bedauerte Graupner.

Um die Bäuerinnen und Bauern nicht mit dem komplexen Gesetzeswerk im Regen stehen zu lassen, hat der BBV sein Beratungsangebot erweitert. Eine Basis-Beratung klärt über das Erstellen von Düngebedarfsermittlung, Nährstoffvergleich und Stoffstrombilanz auf. In der kostenpflichtigen Premium-Beratung werden gemeinsam mit den Betriebsleitern betriebsindividuelle Lösungsansätze ausgearbeitet. Dazu gehören beispielsweise Anpassungsmöglichkeiten im Pflanzenbau, in der Fütterung und im Güllemanagement.

Silberne Ähre des BBV

Schließlich wurden viele Ortsbäuerinnen und -obmänner für ihre 15-jährige ehrenamtliche Tätigkeit mit der „Silbernen Ähre“ des BBV geehrt: Blandina Refle (Walkertshofen), Maria Reiter (Anhausen), Barbara Pfänder (Birkach), Judith Hausmann (Ehingen-Ortelfingen), Rosemarie Kraus (Grünenbaindt), Christine Schäble (Königsbrunn), Iris Foag (Kühlenthal), Brigitte Welzhofer (Langweid-Stettenhofen), Eva Eisenschmid-Strobel (Langenneufnach), Elfriede Blessing (Mickhausen), Anna Müller (Münster), Elfriede Müller (Breitenbronn-Ried), Michael Herb (Thierhaupten), Rosmarie König (Untermeitingen).

Walter Schuler (Königsbrunn), Thomas Sirch (Altenmünster), Michael Menner (Aretsried), Hubert Kessler (Ehingen-Ortelfingen), Gerhard Seibold (Ettelried-Anried), Alois Fichtel (Häder), Dominikus Foag (Kühlenthal), Walter Dirr (Langweid-Stettenhofen), Leonhard Eisenschmid-Strobel (Langenneufnach), Werner Blessing (Mickhausen), Johann Pröll (Ostendorf), Peter Knöpfle (Scherstetten), Eugen Reiß (Schwabmühlhausen), Karl Wagner (Schwabmünchen), Johann Fröhlich (Thierhaupten) und Franz Krass (Willmatshofen).

Medaille für Ringler

Über eine hohe Auszeichnung durfte sich der ehemalige Kreis- und jetzige Ehrenkreisobmann des BBV Augsburg, Gerhard Ringler, freuen. Im Namen des bayerischen Landwirtschaftsministers Brunner überreichte ihm der Leiter des AELF Augsburg, Wolfgang Sailer, die Staatsmedaille für seine jahrzehntelange ehrenamtliche Tätigkeit zugunsten des bäuerlichen Berufsstands. In seiner Laudatio listete Sailer die vielen Ehrenämter auf, die Ringler bis heute wahrnahm und noch wahrnimmt.

Von 1981 bis 2006 war Ringler Ortsobmann in Langerringen, von 1991 bis 2007 stellvertretender Kreis­obmann im BBV-Kreisvorstand  Augsburg. Anschließend übte Ringler bis 2017 das Amt des Kreisobmanns aus. Von 1991 bis 2017 war er Mitglied im schwäbischen BBV-Bezirksvorstand und der BBV-Landesversammlung, von 1987 bis 2017 auch Mitglied und mehrfach alternierender Vorsitzender der Vertreterversammlung der SVLFG. Von 1998 bis 2017 erwies sich Ringler als verlässliche Stütze im Vorstand der Betriebs- und Dorfhelferstation Augsburg.

Auch in die Politik wusste und weiß Ringler seinen Sachverstand einzubringen: Seit 2002 ist er Kreisrat im Landkreis Augsburg. Als Vertreter des BBV habe er immer uneigennützig und verantwortungsvoll zum Wohl der bäuerlichen Familien mit Verbänden, Organisationen und Politikern verhandelt und nach pragmatischen Lösungen gesucht, sagte Sailer. Ein derart umfassendes Engagement für die Allgemeinheit sei heute nicht mehr selbstverständlich. Bis heute sei Ringler als Ratgeber und Gesprächspartner gefragt, zumal er einen „einzigartigen Humor“ habe und stets offen sei für Neues und die Probleme anderer.

Ringler bekannte sich zum BBV als Einheitsverband und erinnerte an die Lage der Landwirtschaft, bevor der BBV nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde. Damals seien die Bauern ein „uneiniger Haufen“ gewesen. Umso wichtiger sei es heute, dass der gesamte Berufsstand mit einer Stimme spricht. Er selbst, so Ringler, werde sich künftig im Berufsverband in die zweite Reihe stellen. Das falle ihm mit Blick auf die gut aufgestellte neue Kreisvorstandschaft nicht schwer.

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