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Donau-Ries: Wir brauchen keinen Nationalpark

Donauauen
BLW
am
04.08.2017

Donauwörth - Der BBV Donau-Ries schreibt an Horst Seehofer und Ulricke Scharf. Für den 13. August ist eine Demon­stration (auch mit Traktoren) und eine Podiumsdiskussion angesetzt.

Das Bayerische Kabinett hat trotz fehlender Flächen die Donau-Auen weiterhin für einen Nationalpark favorisiert. Daher will der BBV Donau-Ries Flagge zeigen, lädt alle Land- und Forstwirte, Handwerks- und Gewerbetreibende, Grundstückseigentümer, Jäger und Fischer zu einer Demon­stration (auch mit Traktoren) und zu einer Podiumsdiskussion am Sonntag, 13. August, auf die Bäldleschwaige in Tapfheim-Rettingen, 16 Uhr.
Außerdem wandte sich der BBV in einem „offenen Brief“ an Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Umweltministerin Ulrike Scharf: „Aufgrund eines Ministerratsbeschlusses vom Juli 2016 plant die bayerische Staatsregierung (ohne Not) die Ausweisung eines 3. Nationalparkes. Erst fast ein Jahr später haben wir mit Schreiben vom 15.05.2017 der Bayerischen Staatsministerin für Umwelt und Verbraucherschutz erfahren, dass die Donau-Auen zwischen Neuburg und lngolstadt Teil eines Nationalparks Donau-Region sein könnten. Als Vertreter der Land- und Forstwirte und Grundstückseigentümer sind wir über diese Vorgehensweise sehr enttäuscht.“ Denn Scharf habe bei der Infoversammlung in Weichering (31.5.2017) betont, dass die Diskussion um den 3. Nationalpark in einem „offenen Dialog“ stattfinden soll. Leider habe man aus der Zeitung erfahren müssen, dass neben der Rhön die Donau-Auen weiterhin im Rennen sind.
Auch aus rechtlichen Gründen könne man die Ausweisung eines Nationalparks Donau-Auen nicht nachvollziehen (§ 24 des Bundesnaturschutzgesetzes und Art. 13 des Bayerischen Naturschutzgesetzes).
Auch widerspreche ein möglicher Nationalpark Donau-Auen den Richtlinien der Internationalen Naturschutzorganisation (IUCN). Der Schutz landwirtschaftlicher Flächen durch Zäune wurde mit dem Verwaltungsgerichtsurteil 2016 (Az.: Au 2 K 16.416) strikt untersagt! „Wie sollen dann die Flächen geschützt werden?“ fragen die Verfasser.
Außerdem stelle der Auwald eine wichtige natürliche Überschwemmungsgebietsfläche dar. Seine Aufgabe könne er nur erfüllen, wenn er regelmäßig gepflegt und bewirtschaftet werde. Neben den landwirtschaftlichen Nutzflächen und den anliegenden Dörfern wären auch die Staustufen „massiv gefährdet“! Außerdem würden die rechtlichen Vorgaben einer Nationalparkverordnung dem Abtransportieren von Schwemmmaterial entgegenstehen.
Allein im Donau-Ries habe man 2500 Mitgliedsbetriebe. Von den 106.736 ha land- und forstwirtschaftlichen Flächen sind bereits über 42.000 ha mit sechs Naturschutz- (396 ha), 22 Landschaftsschutzgebieten (31.715 ha), 17 FFH- und SPA- Gebieten (10.000 ha) und 43 Geotopen (45 ha) überplant. Diese enorme Schutzgebietsdichte führe bereits jetzt zu erheblichen Einschränkungen in der Entwicklung der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe, schreiben die BBV-Leute und belegen dies mit Beispielen.
Auch einen wirtschaftlichen Mehrwert für die Region, etwa durch Tourismus, können die BBV-Verantwortlichen nicht erkennen. Sie erinnern daran, dass der Schutzwert und die Artenvielfalt des Auwaldes nur durch die aktive Bewirtschaftung der vergangenen Jahrzehnte entstanden seien. Eine Nichtbewirtschaftung würde zu einem Rückgang der Artenvielfalt führen. Zudem stünde ein Nationalpark im krassen Widerspruch zu den FFH- und SPA-Managementplänen.
Darüber hinaus bringe ein Nationalpark mit so großen Außengrenzen erhebliche Probleme mit Wildtieren. Ein Nationalpark würde auch jegliche Handlungsmöglichkeit gegenüber dem Austrocknen der Auwälder nehmen. Die Unterzeichner, Kreisobmann Karlheinz Götz, Kreisbäuerin Ruth Meißler und Geschäftsführer Michael Stiller bitten daher, von dem Vorhaben abzusehen. Mit den bestehenden FFH- und SPA-Gebieten wurde die Schutzwürdigkeit des Auwaldes längst vollzogen, man brauche keine weitere Gebietskulisse.

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