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Informationsveranstaltung

Düngeverordnung wird ernst genommen

Informationsveranstaltung
Toni Ledermann
am
27.07.2017

Ruderatshofen/Schwifting - Sowohl im Gasthof „Walburg“ in Ruderatshofen, als auch im „Dorfwirt“ in Schwifting mussten noch Tische und Stühle hereingebracht werden, um dem Besucherandrang bei den beiden Informationsversammlungen des BBV Ostallgäu, Geschäftsstelle Kaufbeuren–Landsberg, zum Thema Düngeverordnung gerecht zu werden. Geschäftsführer Thomas Kölbl und die Kreisobmänner Josef Nadler (Ostallgäu) und Johann Drexl (Landsberg) freuten sich über das große Interesse der Landwirte.

Der Titel der neuen Düngeverordnung „Verordnung über die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis beim Düngen“ ist genauso sperrig wie die vielen Einzelpunkte dieser politisch gewollten Vorgabe. Etwas Licht in dieses Regelwerk sollte Andreas Puchner  vom Münchner BBV-Generalsekretariat, Fachbereich „Agrar- und Umweltpolitik“, bringen.

Was kommt auf uns zu? Die beiden Kreisobmänner erläuterten vorab, dass von diesem Regelwerk jeder Landwirt betroffen ist, gleich ob er bio oder konventionell arbeitet. Angesichts der Umweltprobleme war die Politik gefordert, Maßnahmen einzuleiten, um gegenzusteuern. Vielfach seien die Nitratwerte des Grundwassers zu hoch. Dies sei das größte Problem. So könnte es tatsächlich dazu kommen, dass die Wasserversorger mit den Landwirten Verträge ausarbeiten, um diese Werte nachhaltig zu senken!

Besser selber aktiv werden

Da sei aber besser, wenn „die Landwirtschaft“ selber auf die Kommunen zugehe und eigene Initiativen ergreife, um von den hohen Werten herunterzukommen. Der Bauernverband habe sich während des Verfahrens intensiv an der Diskussion beteiligt und konnte so mehrere völlig praxisfremde Regelungen verhindern und eine weitaus höhere Belastung für die Landwirtschaft entschärfen. Man werde  sich auch weiterhin bei der Umsetzung auf Bundesländer­ebene zu Wort melden und auf einen praxistauglichen Vollzug pochen, erklärten die BBV-Vertreter.

Dass bei der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern möglichst wenig Ammoniakemissionen entstehen, sei freilich auch im Sinne der Landwirte. Die Düngeverordnung mache hier zum einen schärfere Vorgaben bei der Ausbringtechnik. Die Forderung einer Einarbeitungsfrist von einer Stunde nach Ausbringung konnte verhindert werden.

Dennoch sei klar gesagt: Es muss alles unternommen werden, um Emissionen, die nicht sein müssen, zu vermeiden, da ansonsten aufgrund der Vorgaben der NERC-Richtlinie mit weiteren Verschärfungen zu rechnen sei.

Vor allem, aber nicht nur, in sensiblen Gebieten, wie an Wasserläufen, müsse man mit höchster Sorgfalt arbeiten. Der Abstand zu Gewässern sei nun 4 m Minimum, früher waren es 3 m. Es sei „in unserem Interesse“ die Vorgaben einzuhalten. Fehlverhalten Einzelner falle auf die gesamte Bauernschaft zurück! Puchner wies darauf hin, dass die neue Düngeverordnung am 1. Juni 2017 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde und seit dem 2. Juni gültig ist. Darin seien die rechtlichen Regelungen zur guten fachlichen Praxis beim Düngen niedergeschrieben. Zu vielen Einzelpunkten seien weiterführende Ausführungsbestimmungen notwendig, deren Ausgestal­tung noch abzuwarten seien, so der Referent.

Die niedergelegten Sperrfristen gelten für alle Dünger, die einen wesentlichen Gehalt an Stickstoff (> 1,5 % N in der Trockensubstanz) enthalten. Dies betreffe also nicht nur die mineralischen Dünger, sondern auch organische wie zum Beispiel Gülle, Mist oder Klärschlamm. Die bayerischen Basisdaten zum Vollzug der Düngeverordnung, unter anderem für die Ermittlung des Düngebedarfs, würden bis Ende diesen Jahres aktualisiert.

Die Berechnung der Nährstoffbilanzen 2017 und zur Feststellung der 170-kg-Grenze für das Jahr 2017 erfolgten noch nach den bisher gültigen Basisdaten, so Puchner. Nach Paragraf 4 der bisher gültigen Düngeverordnung dürfe mit Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft nur so viel Stickstoff ausgebracht werden, dass im Durchschnitt der landwirtschaftlich genutzten Flächen des Betriebes 170 kg/ha und Jahr nicht überschritten werden.

Die neue Düngeverordnung schreibe für die meisten Betriebe eine Lagerkapazität von mindestens sechs Monaten für Gülle, Jauche und Gärreste vor. Nur Betriebe mit mehr als drei GV/ha oder Betriebe, die über keine eigenen Aufbringflächen verfügen, müssen ab 2020 neun Monate Lagerkapazität nachweisen.

Neu sei auch, dass Betriebe, die Festmist oder Kompost erzeugen, ab 2020 über eine Lagerkapazität von zwei Monaten verfügen müssen.

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