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Vortragsveranstaltung

Düngeverordnung - Nur kompliziert ist nicht genug

Düngeverordnung
Michael Ammich
am
08.05.2017

Bissingen - Die Landwirtschaftsämter Nördlingen und Wertingen sowie die MR Dillingen und Donau-Ries informieren über die neue Düngeverordnung.

Nur kompliziert ist nicht genug, scheinen sich die Schöpfer der neuen Düngeverordnung gedacht zu haben. Also nahmen sie ein Gesetzeswerk in Angriff, das der Umwelt wohl weniger bringen wird als der landwirtschaftlichen Beratungsindustrie. Auf diese werden nämlich zahlreiche Betriebe angewiesen sein, wenn sie sich nicht im komplexen Dickicht der Bestimmungen verheddern und am Ende womöglich noch ein saftiges Bußgeld bezahlen wollen. Licht in die seit mehreren Jahren diskutierten Details der Düngeverordnung brachte eine gemeinsame Veranstaltung der ÄELF Nördlingen und Wertingen sowie der Maschinenringe Dillingen und Donau-Ries.
Der Informationsbedarf der Landwirte in Sachen Düngeverordnung ist offenbar erheblich, wie die Vielzahl der Besucher zeigte, die der Dillinger Ringgeschäftsführer Werner Müller in Bissingen begrüßen konnte. Moderiert wurde die Veranstaltung von Ottmar Hurler und Stephan Haase vom AELF Wertingen. Mit Dr. Matthias Wendland vom Institut für ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz an der LfL konnte ein Referent gewonnen werden, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die ausufernden Vorgaben der Düngeverordnung auf den Punkt zu bringen und verständlich zu interpretieren.

Umsetzung noch völlig offen

Schließlich wird der dicke Katalog der gesetzlichen Anforderungen schon seit vier Jahren immer wieder bearbeitet, nachgebessert und von Mal zu Mal verschärft. Bis zum kommenden Juli soll die novellierte Verordnung dann endlich in ihrer endgültigen Fassung vorliegen, auch wenn bei der Umsetzung noch viele Punkte offen bleiben werden.
Im Wesentlichen konzentriert sich die Düngeverordnung auf folgende Aspekte: Düngeplanung, Regelungen zur Ausbringung, Obergrenzen, Sperrfristen, Nährstoffvergleich, Lagerkapazität und Länderermächtigungen.
Düngeplanung: Vor der Ausbringung ist der Düngebedarf mit der Nährstoffmenge an Stickstoff und Phosphat nach ertrags- und schlagspezifischen Sollwerten zu ermitteln. Die Düngeplanung einschließlich der Berechnungen ist schriftlich aufzuzeichnen. Überschreitungen der zulässigen Werte sind eingeschränkt erlaubt, müssen jedoch begründet werden. Die Stickstoffbedarfswerte lassen sich aus einer Handreichung ablesen, die von der LfL zur Verfügung gestellt wird. Dabei darf je nach Höhe der Ertragserwartung eine gewisse Menge an Stickstoff zugeschlagen werden. Als Basis der Berechnungen dient das durchschnittliche betriebsindividuelle Ertragsniveau der vergangenen drei Jahre. Für organischen Dünger ist der Ausnutzungsgrad miteinzubeziehen.

Beim Mais mehr, bei Weizen weniger

Mit diesen Bestimmungen will die Düngeverordnung die Nährstoffeffizienz deutlich steigern. Im Ergebnis darf beispielsweise bei Mais mehr und beim Winterweizen weniger gedüngt werden als bisher. Beim Phosphatgehalt ist ein Wert von 10 bis 20 mg je 100 g Boden anzustreben.Ist der Gehalt im Boden höher, wird die Düngung nur bis in die Höhe der Nährstoffabfuhr erlaubt. Ein Online-Programm der LfL wird den Landwirten die entsprechenden Berechnungen erleichtern.

Ausbringung: Die neue Düngeverordnung erlaubt keine Düngerausbringung, wenn der Boden überschwemmt, wassergesättigt, gefroren oder schneebedeckt ist. Auf gefrorenem Boden dürfen jedoch bis zu 60 kg Nitrat/ha ausgebracht werden, wenn er mit einer Winterkultur oder Zwischenfrucht bedeckt ist oder es sich um Grünland handelt. Bei einer Hangneigung bis zu 10 % ist gegen angrenzende Gewässer ein Abstand von 4 m einzuhalten. Der Abstand verringert sich auf einen Meter, wenn das Düngegerät über eine Grenzstreueinrichtung verfügt. Bei einer Hangneigung von mehr als 10 % darf bis zu einem Gewässerabstand von 5 m gar nicht und auf den folgenden 15 m nur dann gedüngt werden, wenn der Acker bewachsen ist. Organische Dünger müssen innerhalb von vier Stunden eingearbeitet werden. Für Harnstoff gilt die Vier-Stunden-Frist nicht, wenn er mit einem Ureasehemmer versetzt ist. Ab 2020 dürfen organische Dünger auf bestelltem Ackerland nur noch streifenförmig aufgebracht oder direkt eingebracht werden. Für Grünland greift diese Bestimmung erst ab 2025. Ausnahmen aufgrund naturräumlicher oder agrarstruktureller Besonderheiten sind möglich.
Obergrenzen: Für alle tierischen und pflanzlichen  Dünger einschließlich Biogasdünger gilt eine Obergrenze von 170 kg pro Hektar und Jahr, bezogen auf den Durchschnitt der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Lager- und Ausbringverluste sind nicht mehr in derselben Höhe wie bisher anrechenbar.

Sperrfristen: Auf Ackerland beginnt die Sperrfrist nach der Ernte der Hauptfrucht und endet am 31. Januar. Ausnahme: Werden auf einer Fläche Winterraps, Zwischenfrüchte oder Feldfutter angebaut, beginnt die Sperrfrist erst zum 1. Oktober. Auf Grünland und auf Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau erstreckt sich die Sperrfrist vom 1. November bis zum 31. Januar.
Nährstoffvergleich: Ab 2018 müssen Betriebe mit mehr als 50 Großvieheinheiten oder mehr als 30 ha Nutzfläche oder mehr als 2,5 Großvieheinheiten pro Hektar eine Stoffstrombilanz erstellen. Diese Pflicht besteht auch für Betriebe, die Wirtschaftsdünger aufnehmen. Werden die geforderten Grenzen im Nährstoffvergleich überschritten und dies bei einer Kontrolle festgestellt, wird dem betroffenen Betrieb eine Beratung auferlegt.

Lagerkapazität: Für Wirtschaftsdünger, Gülle und feste Gärreste muss eine Lagerung für mindestens sechs Monate möglich sein. Für Betriebe mit mehr als drei Großvieheinheiten pro Hektar oder ohne eigene Ausbringfläche erhöht sich die vorgeschriebene Lagerkapazität auf neun Monate.

Länderermächtigungen: Die Bundesländer sind bei Gebieten mit hoher Nitratbelastung im Grundwasser oder mit einem schlechten Zustand der Oberflächengewässer zu zusätzlichen Maßnahmen verpflichtet. Dies können beispielsweise die Verlängerung der Sperrfristen, die Erhöhung der Lagerkapazität auf sieben Monate oder größere Gewässerabstände sein. Umgekehrt sind in Gebieten mit geringer Nitratbelastung Erleichterungen für die Düngung möglich. Ähnliche Bestimmungen gelten auch für Gebiete mit erhöhtem Phosphatgehalt im Wasser.

Die Folgen der neuen Düngeverordnung werden deutlich zu spüren zu sein, wie Wendland erklärte. So wird für viele Betriebe eine Ausweitung der Lagerkapazitäten erforderlich, ebenso ein verstärkter Anbau von Zwischenfrüchten, möglicherweise eine Umstellung der Fruchtfolge, eine erhöhte Gülleausbringung im Frühjahr oder eine Ausbringung in stehende Bestände. Aufgrund der drohenden Stoffstrombilanz werden sich Marktfruchtbetriebe künftig noch sorgfältiger überlegen, ob sie betriebsfremden Wirtschaftsdünger aufnehmen wollen.

Sperrfristen werden das größte Problem sein

In einem weiteren Vortrag befasste sich Norbert Bleisteiner, Leiter der Landmaschinenschule Triesdorf, mit Anpassungsstrategien im Hinblick auf die neue Düngeverordnung. Deren größte Herausforderung bestehe nicht in der Technik, sondern in den Sperrfristen. Weil nämlich künftig weitaus mehr Gülle im Frühjahr ausgebracht werden muss, ist eine erhebliche Steigerung der Schlagkraft erforderlich. Damit dürften die „Solo-Güllefässer“ nahezu ausgedient haben. Die Schlagkraft der Gülleausbringung lässt sich Bleisteiner zufolge insbesondere durch eine angepasste Technik und ein absätziges Verfahren erhöhen, durch die Ausbringung von Gülle in den stehenden Mais und durch den zusätzlichen Anbau von Kulturen mit breiteren Ausbringfenstern.
Was die Technik betrifft, so dürften sich hier größere Betriebe mit der Eigenmechanisierung leichter tun als kleinere. Immerhin kostet beispielsweise eine Schleppschuhtechnik mit 15 m Arbeitsbreite und einem 15 m³-Fass stolze 70 000 bis 100 000 €. Selbst die Umrüstung eines vorhandenen Fasses auf diese Technik würde noch mit 25 000 bis 40 000 € zu Buche schlagen. Um die Ammoniakverluste wirksam zu reduzieren, kommt jedoch vor allem der Scheibeninjektor infrage. Allerdings ist diese Technik erheblich teurer als der Schleppschuh und damit eher eine Lösung für Gemeinschaften und Lohnunternehmer.
Laut Bleisteiner bedeutet die Anpassung an die neue Düngeverordnung zuvorderst die Erhöhung der Schlagkraft, der Lagerkapazitäten und der Verbesserung der Stickstoffausnutzung, sprich der Effizienz. Letztere besteht in der Kunst, mit der vorgegebenen Düngermenge einen möglichst stabilen und hohen Ertrag zu erwirtschaften.
Dabei kommt es auch darauf an, die Nährstoffverluste auf weniger als 50 % zu beschränken. Dies wiederum bedingt eine verlustfreie Ausbringtechnik. Freilich gäbe es eine Alternative zu all den kostspieligen Investitionen: Die Landwirtschaft könnte weniger Wirtschaftsdünger produzieren, indem sie ihre Tierhaltung und die Biogaserzeugung .

Frühzeitig überlegen, was wo gedüngt wird

Künftig muss sich der Landwirt schon zu Jahresbeginn genau überlegen, was, wieviel und wo er düngen will. Erleichtern kann ihm das der „Triesdorfer Gülle- und Gärrestplaner“. Anhand des Planers lässt sich für jeden Betrieb der Anpassungsbedarf an die neue Düngeverordnung analysieren. „Spontan geht hier nämlich nichts mehr“, versicherte Bleisteiner. So lässt sich mit dem Triesdorfer Planer beispielsweise ausrechnen, ob die vorhandene Güllelagerkapazität noch ausreichend ist.
Sorgen bereiten Bleisteiner die „schwarzen Schafe“ unter den Landwirten, die sich wohl auch künftig an der Düngeverordnung vorbeizumogeln versuchen. „Sie werden dann dafür verantwortlich sein, dass ihre Berufskollegen mit weiteren Verschärfungen rechnen müssen. Hätten sich alle Bauern an die bisherige Düngeverordnung gehalten, dann hätten wir wohl gar keine neue gebraucht.“

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