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Anbau

Energiepflanzen - Chancen dieser Kulturen nutzen

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Michael Ammich
am
02.07.2018

Führung in Neuhof zeigt die Möglichkeiten des alternativen Energiepflanzenanbaus auf.

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Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“, lautet ein altes Sprichwort. So ganz stimmt dies allerdings nicht. Auch der Mais war den Landwirten bis in die 1970er Jahre hinein kaum bekannt und heute beklagt sich die Gesellschaft über die „Vermaisung der Landschaft“. Manchmal dauert es eben nur ein wenig länger, bis sich eine Erkenntnis durchgesetzt hat. Das gilt offenbar auch für den Anbau alternativer Energiepflanzen, die derzeit neben dem Silomais noch ein Schattendasein fristen. Um das zu ändern, hat die Landesanstalt für Landwirtschaft auf der staatlichen Versuchsstation Neuhof bei Kaisheim umfangreiche Anbauversuche mit alternativen Energiepflanzen angelegt. Das Problem: Kein einziger Landwirt war der Einladung zur Begehung der Versuchsparzellen gefolgt.

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So war es also nur ein kleines Häuflein Interessierter, darunter ein Bienenzüchter und ein Vertreter des örtlichen Gartenbauvereins, das an der geführten Begehung teilnahm. Schade, denn die Versuche am Neuhof zeigen, dass es vielfältige Möglichkeiten gibt, einen soliden und noch dazu die Biodiversität auf den Felden erhöhenden Energiepflanzenanbau nahezu ohne Ertragseinbußen im Vergleich zum Biogasmais zu betreiben.

Für einen erfolgreichen und von der Gesellschaft akzeptierten Energiepflanzenanbau ist nicht nur seine Wirtschaftlichkeit ausschlaggebend, sondern auch die Artenvielfalt und Biodiversität auf den Schlägen. Insbesondere Dauerkulturen wie Miscanthus, Durchwachsene Silphie oder auch Wildpflanzenmischungen leisten aufgrund ihrer intensiven Bodendurchwurzelung einen wichtigen Beitrag zum Boden- und Wasserschutz. Sie bieten vielen Tieren Nahrung und Lebensraum und werten durch ihre Blüten das Landschaftsbild auf. Teils entsprechen sie den Vorgaben des Greenings, teils sind sie mit einem verringerten Arbeitsaufwand verbunden. Selbst Getreide kann als Biogassubstrat die Fruchtfolge bereichern und im Mischanbau mit Leguminosen blühende Tupfer in die Landschaft setzen.

Anbau nachhaltiger gestalten

Dorothea Hofmann, Projektleiterin am Demonstrationszentrum für den alternativen Energiepflanzenanbau am Neuhof, räumt ein: „Die Biogasanlagen kommen am Mais nicht vorbei.“ Der Energiepflanzenanbau lasse sich jedoch nachhaltiger gestalten, beispielsweise durch die Mischung von Getreide mit Leguminosen.
Hofmanns Kollegin Viktoria Ammer machte klar, dass es einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit bedürfe, damit die Landwirte die Chancen des alternativen Energiepflanzenanbaus begreifen. Um diesen Prozess zu beschleunigen, hat sich die LfL Partner wie das Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ) und die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau gesucht. Der staatliche Versuchsanbau am Neuhof wird von Versuchstechniker Armin Baur betreut.
Ulrich Deuter, wissenschaftlicher Mitarbeiter am TFZ, Dorothea Hofmann, Viktoria Ammer und ihr Kollege Dr. Klaus Fleißner vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung an der LfL führten durch die Versuchsparzellen. Für die Zurückhaltung der Landwirte beim Anbau alternativer Energiepflanzen machte Deuter vor allem mangelhaften Kenntnisstand verantwortlich. An den verschiedenen Versuchsparzellen wurde aber deutlich, dass diese Scheu vor dem Neuen in den allermeisten Fällen unbegründet ist.
  • Igniscum: Das bis zu 4 m hohe Knöterichgewächs gehört zur kleinen Schar alternativer Energiepflanzen, die sich zumindest im Versuchsanbau als Reinfall erwiesen. Nachdem die Erträge der Dauerkultur deutlich geringer ausfielen als erwartet, wird Igniscum nicht mehr zum Anbau empfohlen. Ein weiterer Grund dafür liegt in der großen Schwierigkeit, die Fläche nach dem Ende des Anbaus wieder von den wuchernden Rhizomen frei zu bekommen.
  • Miscanthus: Die Dauerkultur ist nur für die thermische Verwertung oder die Verwendung als Einstreu für Pferde und Kleintiere gedacht. Von Februar bis April werden die trockenen, bis zu 4 m hohen Stängel mit dem Häcksler geerntet. Die Häckselschnitzel wandern bei der thermischen Verwertung in Hackschnitzelheizungen. Miscanthus benötigt zum Gedeihen eine gute Wasserversorgung, verträgt jedoch keine Staunässe. Sein Stickstoff-Düngebedarf ist gering. Auch nach 25 Jahren kann die Dauerkultur noch Erträge von mehr als 20 t Trockenmasse pro Hektar liefern.
  • Riesenweizengras: Die Dauerkultur kann ab dem zweiten Anbaujahr geerntet werden und liefert Trockenmasseerträge von 16 bis 18 t pro Hektar. Nach Miscanthus und Durchwachsener Silphie erwies sich das Riesenweizengras als ertragreichste Energiepflanzenkultur im Versuchsanbau. Auch wenn es keine ansehnliche Blütenpracht entwickelt, ist es ein ideales Biogassubstrat. Die Nutzungsdauer beschränkt sich auf rund fünf Jahre, danach nimmt das Unkraut überhand.
  • Switchgrass: Das mehrjährige Präriegras leidet ebenfalls schnell unter Verunkrautung. Mit einem Ertrag von 8 bis 16 t Trockenmasse eignet es sich sowohl für die Biogaserzeugung als auch die thermische Verwertung. Im Frühjahr benötigt das Switchgrass Wärme, um schneller als die Unkräuter hochzukommen.
  • Durchwachsene Silphie: Die Dauerkultur kann entweder angesät oder gepflanzt werden. Die Pflanzkosten bewegen sich bei 4000 bis 6000, die Saatkosten bei 1100 bis 1300 €/ha. Allerdings steht die Dauerkultur bis zu 15 Jahre lang, auf die sich die hohen Begründungskosten verteilen. Die Keimfähigkeit der Samen liegt aufgrund des züchterischen Fortschritts inzwischen bei 80%. Auf guten Standorten kommt die Durchwachsene Silphie mit mehr als 20 t/ha an den Trockenmasseertrag von Biogasmais heran. Pflanzenschutz und Bodenbearbeitung benötigt sie nur im ersten Jahr, geerntet werden kann sie ab dem zweiten Jahr. Für sehr trockene Standorte ist die Silphie nicht geeignet. Ihre sattgelben Blüten bilden zwischen Juli und September eine gute Bienenweide. Allerdings kann die Silphie aufgrund ihrer tiefen Wurzeln Probleme mit Drainagen verursachen. Geerntet wird die Kultur vom Häcksler mit Rapstrennmesser.
  • Sida: Das bis zu 3 m hohe Malvengewächs lässt sich in der Biogasanlage oder thermisch verwerten. Als Biogassubstrat bringt es einen Trockenmasseertrag von 15 t, als thermischer Energieträger von 10 t/ha. Die Pflanzung von Sida ist effizienter als die Saat, bei der das Unkraut überhand nehmen kann. Ist Sida jedoch erst einmal etabliert, erweist sie sich als sehr widerstandsfähig, auch gegen Frost.
  • Mais mit Silphie-Untersaat: Chemischer Pflanzenschutz ist möglich und anders als auf einem reinen Silphie-Feld ergibt sich bereits im ersten Anbaujahr durch den Mais ein Ertrag.
  • Buchweizen: Eignet sich als Biogassubstrat ebenso wie als Gründüngung und liefert einen zweiten Ertrag nach der Ernte der Vorfrucht. Buchweizen ist schnellwüchsig und bildet bereits 100 Tage nach der Saat einen silierfähigen Bestand mit einem Trockenmasseertrag von 4 bis 6 t/ha. Die Kulturen kommen gut mit Trockenheit zurecht und stellen eine gute Bienenweide dar. Außerdem benötigen sie nur wenig Stickstoffdünger und Pflanzenschutz.
  • Sommertriticale und Hafer: Ebenfalls gute Zweitkulturen. Es gibt Sorten, die speziell als Zweitfrucht gezüchtet werden. In den Anbauversuchen erwies sich Hafer anfälliger als Sommertriticale, der wiederum eine gute Wasserversorgung für sein Wachstum benötigt.
  • Quinoa: Das Fuchsschwanzgewächs ist anspruchslos und braucht wenig Wasser. Der Trockenmasseertrag liegt bei 4 bis 7 t/ha. Die alte Kulturpflanze lässt sich für die Biogasproduktion nutzen und benötigt 100 bis 110 Tage Wachstum, bis sie silierfähig ist. Die Bodenbearbeitung sollte vor der Aussaat möglichst wasserschonend erfolgen, beispielsweise durch einen Grubberstrich.
  • Winterrogen und Wintertriticale: Als Zweitkultur mit Weidelgras-Untersaat liefert Winterroggen 6 bis 8, bei guter Wasserversorgung bis zu 10 t Trockenmasseertrag/ha. Wintertriticale bringt bei guter Sortenwahl einen Trockenmasseertrag von 11 bis 13,5 t/ha.
  • Sorghum: Die maisähnliche Pflanze zeichnet sich durch ihr hohes Ertragspotenzial aus. Beim Körnertyp bewegt es sich bei 12 und beim Futtertyp bei 20 t Trockenmasse/ha. Züchter bieten Sorten an, die früh abreifen, um den erwarteten Trockenmassegehalt zu erreichen. Sorghum kann nach GPS-Getreide als Vorfrucht bereits Mitte bis Ende Mai angebaut werden. Limitierender Faktor ist die Wasserversorgung.
  • Leindotter: Die anspruchslose und widerstandsfähige Pflanze benötigt keinen Pflanzenschutz, da sich ihre Reihen schnell dicht schließen. Bei einem Kornertrag von 2 bis 3 t/ha liegt der Ölgehalt des Leindotters bei 40%. Das Öl kann sowohl energetisch als auch zu Speiseöl verwertet werden.

Vor- und Nachteile von Mischungen

  • Wildpflanzenmischung „Hanfmix“: Die Mischung besteht aus 27 ein- und mehrjährigen Kulturarten und Wildpflanzen und hat nur einen geringen Nährstoffbedarf. Bereits im ersten Standjahr sind Trockenmasseerträge von 12 bis 22 t/ha zu erwarten. Ausgesät wird der Hanfmix Ende April bis Anfang Mai, genutzt werden kann er 10 bis 15 Jahre lang. Allerdings dürften die hohen Saatgutkosten von 6000 bis 8000 €/ha manchen Landwirt vor dem Anbau abschrecken.
  • Durra-Mischung: Enthält rund 30 Kulturarten. Der Vorteil der Mischung: Sie ist so breit aufgestellt, dass immer etwas wächst, und sie stellt wenig Ansprüche an die Nährstoffversorgung. Auch mit Trockenheit kommt die Durra-Mischung gut zurecht. Ab dem zweiten Jahr sind Trockenmasseerträge von bis zu 15 t/ha zu erwarten. Michael Ammich

Kaisheim/Lks. Donau-Ries Alte Getreidearten und –sorten wie Emmer und Einkorn liegen im Trend. Seit 2011 laufen an der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft Projekte zur Erfassung und Erhaltung der genetischer Ressourcen von landwirtschaftlich genutzten Pflanzen. An der staatlichen Versuchsstation Neuhof bei Kaisheim stellte Dr. Klaus Fleißner vom LfL-Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung alte Getreidesorten vor, die in der regionalen Produktion, Verarbeitung und Vermarktung ein Wertschöpfungspotenzial versprechen.

Um erst einmal die alten, verloren gegangenen Arten und Sorten zu erfassen, sind umfangreiche Recherchen in der Literatur, über das das Internet und persönliche Kontake erforderlich, erklärt Fleißner. Dem schließen sich die Suche nach diesen Sorten in Genbanken und die Anlage von Genbankmustern auf den Versuchsflächen der LfL an. Nach der Charakterisierung der Pflanzen in Sortensteckbriefen startet die LfL die Vermehrung der ausgewählten Sorten auf ihren Versuchsbetrieben. Danach kommt es zur Klärung der entscheidenden Frage: Lassen sich die alten Arten und Sorten in Zusammenarbeit mit Akteuren der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette zu innovativen Produkten verwerten?

Hier hat das Nachbarland Österreich wieder einmal eine Vorreiterrolle übernommen. In der Grenzregion des Rupertiwinkels und Salzburger Voralpenlandes wurde die Getreidesorte „Laufener Landweizen“ wiederentdeckt. Naturschützer arbeiten hier gemeinsam mit Landwirten, Müllern, Bäckern und Brauereien zusammen, wobei durch den ökologischen Anbau auch ein Beitrag zum Natur- und Artenschutz geleistet wird. Durch das Projekt soll sich die regionale, faire und betriebsindividuelle Wertschöpfung erhöhen.

Auf dem Versuchsgut Neuhof wachsen derzeit vier verschiedene alte Getreidesorten wie der „Champagner Roggen“ aus Brandenburg oder „Ackermanns Bayernkönig“ aus dem Freistaat. Der Champagner Roggen ist sehr winterhart, verhältnismäßig standfest, liefert einen guten Ertrag und eine gute Backqualität, erklärt Fleißner. Wie die meisten alten Getreidesorten ist er mit 1,20 bis 1,40 m recht hoch und bildet damit entsprechend viel Stroh, das sich thermisch verwerten lässt. – auch das ein Grund, warum der Champagner Roggen ein Bestandteil des Versuchsanbaus auf dem Informations- und Demonstrationszentrum Energiepflanzen am Neuhof ist. Der Nachteil des starken Höhenwachstums: Die alten Getreidesorten gehen schnell ins Lager, besonders wenn sie im Frühjahr zu reichlich mit Stickstoff gedüngt wurden.

Ackermanns Bayernkönig, eine alte Kreuzung aus Landweizen und Spelz, enthält mehr als 14% Rohprotein und zeigt ein überdurchschnittliches Backvolumen. Aber auch hier fällt durch die hochgewachsenen Halme jede Menge Stroh an. Das muss allerdings kein Nachteil sein, sagt Fleißner. Beim Backweizen beläuft sich nämlich der Marktwert des Strohs mit rund 10 €/dt auf fast 70% des Körnermarktwerts. Stroh ist ein sehr vielseitiger Rohstoff, der beispielsweise zu Ethanol und Dämmmaterial verarbeitet und thermisch verwertet werden kann. Der Kornertrag der alten Getreidesorten bewegt sich zwar nur bei 50 bis 60% der modernen Sorten, räumt Fleißner ein. Der hohe Strohertrag könne jedoch für ein willkommenes Zusatzeinkommen sorgen.

Der Pflanzenzuchtexperte der LfL ist jetzt auf der Suche nach Landwirten, die sich als „Schatzbewahrer“ der alten Getreidesorten annehmen wollen. Da es sich bei diesen um Erhaltungssorten handelt, ist ihre Zulassung wesentlich einfacher und kostengünstiger als die von neuen Sorten. Um die alten Kulturpflanzen vor dem endgültigen Aussterben zu bewahren, ist die LfL auf die Unterstützung der Landwirte, insbesondere der Biobauern, angewiesen. Wie das Beispiel des „Laufener Landweizen“ zeigt, gibt es durchaus ein Absatzpotenzial in der auf Regionalität und Biodiversität bedachten Verarbeiter- und Verbraucherszene.

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