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Veranstaltung

Auch Erben sollen den Wald pflegen

Schwaben Waldbesitzer
Michael Ammich
am
23.10.2017

Der Mittelschwäbische Waldbesitzertag in Wettenhausen zieht mehrere tausend Laien und Profis an.

Immer weniger Waldbesitzer sind Land- oder Forstwirte, die schon in ihrer Ausbildung das forstliche Handwerkszeug gelernt haben. Heute kommt ein Großteil der jungen Forstbesitzergeneration über Erbschaften zu ihrem Waldbesitz, das Handling von Motorsäge und Hohlspaten ist ihnen oft so fremd wie der Umgang mit einem Zahnarztbohrer. Auf dem großen Mittelschwäbischen Waldbesitzertag in Wettenhausen im Landkreis Günzburg konnten sich die „Amateure“ mit forstwirtschaftlichen Profis austauschen und eine Menge Informationen zur optimalen Waldbewirtschaftung sammeln.

Veranstaltet wurde der Waldbesitzertag auf dem Gelände des Klosters Wettenhausen vom AELF Krumbach, dem Bayerischen Staatsforstbetrieb Weißenhorn, den Forstbetriebsgemeinschaften Günzburg-Krumbach und Neu-Ulm sowie der Sozialversicherung für Landwirtschaft, For­sten und Gartenbau (SVLFG).

Den Besuchern standen Ansprechpartner von mehr als 40 Ausstellern zur Rede und Antwort, da sollte eigentlich keine Frage offen geblieben sein. Von den Baumschulen und Landtechnikfirmen über forstliche Dienstleister bis hin zu Baum- und Waldsachverständigen scheuten die Aussteller keine Mühe, den Besuchern die Bedeutung einer sachgemäßen Forstwirtschaft vor Augen zu führen.

Schützen und Nutzen

Zur Eröffnung des Waldbesitzertags hob der Chef des AELF Krumbach, Axel Heiß, die Bedeutung der Forstwirtschaft als Standbein der Wirtschaftskraft im ländlichen Raum hervor. Damit die Waldbesitzer ihre Forste pflegen, das Holz nutzen und die Waldbiotope schützen können, greifen ihnen die forstlichen Zusammenschlüsse mit ihrem umfangreichen Beratungs-, Bildungs- und Vermarktungsangebot unter die Arme, sagte der Leitende Forstdirektor.

Nicht weniger wichtig seien auch die Unternehmen, die Ausrüstung und Dienstleistungen für die Waldeigentümer bereitstellen. Damit leisteten die Zusammenschlüsse und Unternehmen einen unverzichtbaren Beitrag, dass die Besitzer die Leitidee der Bayerischen Forstpolitik – „Schützen und Nutzen“ – umsetzen können.

Die Ansprüche an den Wald und seine Bewirtschafter steigen in allen Bereichen, erklärte Heiß. Neben der Holznutzung stellten sie insbesondere der Klimawandel, das Erholungsbedürfnis der Menschen und die Arbeitssicherheit vor große Herausforderungen. „Zu allen diesen Themen haben wir am Ausstellungsgelände beim Kloster und auf einem Waldparcours kompetente Ansprechpartner versammelt.“

Klimawandel fordert Waldbauern heraus

Schwaben Waldbesitzer

Auch Landrat Hubert Hafner befand den Waldbesitzertag als gute Sache. Schließlich sei der Klimawandel eine ungeheure Herausforderung für die Waldeigentümer. An ihnen liege es, den Wald und seine Bäume als Wasser- und Kohlendioxidspeicher, als Sauerstoffspender, Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten und als Erholungsraum für die Bevölkerung zu pflegen und zu erhalten. Mehr als ein Viertel der Günzburger Landkreisfläche ist von Wäldern bedeckt, von denen wiederum 9400 ha auf Privatwald entfallen, stelle Hafner fest.

Wie Bürgermeister Matthias Kiermasz verlauten ließ, ist die Gemeinde Kammeltal Mitglied der FBG Günzburg-Krumbach und profitiert damit von dessen Dienstleistungen. Auch Kiermasz sprach den hohen gesellschaftlichen Erwartungsdruck an, der auf den Waldbesitzern lastet. Diese stünden vor der Aufgabe, Ökonomie und Ökologie in eine gesunde Balance zu bringen.

Schwester Amanda Baur, die Priorin des Dominikanerinnenklosters Wettenhausen, erinnerte daran, dass der Wald in der Klostergeschichte von jeher eine wichtige Rolle gespielt hat, insbesondere als Bauholzlieferant. Allein im Dachstuhl der barocken Klosterkirche sei das Holz eines kleinen Waldes verbaut worden.

Allein in Mittelschwaben gibt es rund 10.000 Waldeigentümer, zwei Drittel der hiesigen Forste sind in Privatbesitz. Ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung betrachtet den Wald jedoch aus dem Blickwinkel des Naturschutzes und des Erholungssuchenden. Dass die mittelschwäbischen Forste wie alle Wälder darüber hinaus auch eine wichtige Funktion im Klimaschutz und als Wirtschaftsfaktor haben, ist ihnen kaum bewusst. Umso wichtiger ist ein Waldbesitzertag als Schaufen­ster für die gesamtgesellschaftlichen Leistungen der Waldeigentümer.

Kindern die Liebe zum Holz vermitteln

Wer hier sein Wissen vertiefen wollte, war bei den Fachvorträgen gut aufgehoben. Revierleiter Hubert Forstner vom AELF Krumbach und der Örtliche Beauftragte der Waldneuordnung Ziemetshausen, Paul Haider, sprachen über die Waldneuordnung als Grundlage einer rationellen Forstwirtschaft, die sich bei vielen zersplitterten Waldparzellen nur schwer durchführen lässt.

Olaf Schmidt von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) erläuterte, was es mit der integrativen Forstwirtschaft auf sich hat. Sein Amtskollege Dr. Franz Binder widmete sich in seinem Vortrag dem Problem des Klimawandels und der richtigen Auswahl der Baum­arten, die mit der Erderwärmung zurecht kommen. Aktuelles zum Thema „Waldschutz“ steuerte Dr. Ralf Petercord von der LWF bei und Michael Schenk von der SVLFG erklärte, wie man im Wald sicher arbeitet.

Um schon bei den Kindern die Liebe zum Holz und das Verständnis für eine nachhaltige Forstwirtschaft als Grundlage für gesunde, artenreiche und stabile Wälder zu wecken, standen das Walderlebniszentrum Roggenburg und die „Holzkunst Wilburger“ bereit. Hier konnten die Waldbesitzer von morgen spielerisch den Umgang mit dem unverzichtbaren Rohstoff Holz erlernen.

Bei verschiedenen Vorführungen erhielten sie nicht nur einen guten Eindruck von der modernen maschinellen Forstwirtschaft, sondern auch von der mühseligen Arbeit, die früher mit ihr verbunden war. Letzteres zeigten das Holzrücken mit dem Pferd und die historische Gattersäge des Klosters Wettenhausen. Wie sich die rationelle Forstarbeit heute gestalten kann, war an einem mobilen Sägewerk und weiteren modernen Forstmaschinen zu sehen. Vorführungen zur sicheren Baumfälltechnik sorgten dafür, dass die Waldbesitzer den Unfallschutz und ihre eigene Sicherheit nicht vergessen.

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