Login
Ausbildung

Jetzt bin ich eine Erlebnisbäuerin

20181025_124744
Anja Fischer
am
28.12.2018

Aus dem persönlichen Tagebuch einer von 28 Kursteilnehmerinnen

20181025_103947

Schwabmünchen/Lks. Augsburg 28 Frauen unterschiedlichen Alters haben sich in diesem Jahr im Qualifizierungslehrgang zur Erlebnisbäuerin getroffen. Sie kommen aus ganz Bayern und so verschieden wie ihr persönlicher Hintergrund und der ihrer Betriebe ist, so einheitlich war ihr Wunsch, mit dem sie sich zu dieser Weiterbildung beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten angemeldet haben: Sie wollen Besuchern auf ihrem Bauernhof ein unvergleichliches Erlebnis bieten. Es war der 15. Lehrgang, den das Landwirtschaftsamt unter der Federführung von Annemarie Frank anbot. Die Teilnehmerinnen haben in den 16 Tagen einiges erlebt und für das Wochenblatt in einem Tagebuch zusammengefasst.

20180504_100038

Der erste Tag: Wir sind alle gespannt, was uns erwartet. Kinderbesuche hat fast jede von uns schon auf ihrem Hof gehabt, nun wollen wir lernen, was wir daran verbessern können, um unseren Besuchern noch mehr Erlebnis auf unseren Höfen bieten zu können.

20181025_103757

Der erste Blick: Alle scheinen nett zu sein. Nach der Vorstellung ist klar: Obwohl wir alle dasselbe Ziel haben, sind unsere Voraussetzungen sehr unterschiedlich.

20180504_100051

Der erste Unterricht: Wir lernen in den beiden ersten Seminartagen etwas über unser mögliches Angebot und wie wir mit Hofführungen einen guten Ersteindruck hinterlassen können. Dann geht es schon um Sicherheitsaspekte, ein passendes Betriebskonzept und die Informationen zu Modul 1b, dem zweiten Seminarteil.

Modul 1b: Lehrfahrt

An zwei Tagen besuchen wir im Großraum Erlangen vier verschiedene Erlebnishöfe. Dort dürfen wir uns ansehen, wie die Erlebnisbäuerinnen aus den vorhergehenden Kursen arbeiten. Viele Ideen stürmen auf uns ein, einiges davon gefällt uns gleich so gut, dass wir es später selbst in unsere Konzepte einbauen werden. Und ehrlich gesagt, ist schon die gemeinsame Busfahrt und Übernachtung für uns ein Erlebnis. Unsere Gruppe versteht sich super und das schweißt zusammen.
Am 20. Februar sehen wir uns wieder für zwei Tage. Diesmal sind wir direkt auf einem Erlebnisbauernhof untergebracht. Wieder eine ganz andere Erfahrung. Erstmal vergleichen wir unsere Eindrücke von der Lehrfahrt und formulieren dann die Lernziele für unsere geplanten Angebote. Unsere Besucher sollen ja nicht nur Spaß haben, sondern auch etwas mitnehmen. Wie zum Beispiel Kostproben, die wir anbieten können. Was wir dazu beachten müssen, lernen wir in der Qualifizierung. Am zweiten Tag erzählt uns eine langjährige Erlebnisbäuerin von ihren Erfahrungen und lässt uns selbst einige Dinge erleben. Toll, wie sich das für uns selbst anfühlt. Wir bekommen auch eine Hausaufgabe: Für das nächste Treffen sollen wir eine Hofvorstellung vorbereiten.
Das Modul 2b hat es in sich. Alle waren in den letzten Wochen zu Hause unglaublich kreativ, haben gedichtet, gebastelt – alles, um ihren Hof auf persönliche Weise vorzustellen. Sogar ein Puppentheater wird aufgeführt und ein selbst getextetes Lied vorgesungen. Wahnsinn, was da alles entstanden ist! Thematisch steigen wir ins Drehbuchschreiben ein, unser Leitfaden für ein gelungenes Programmangebot. Gar nicht einfach, so einen Besuchsvormittag auf dem Papier zu füllen. Zudem lernen wir das Arbeiten mit Lernstationen kennen.
Heute wird es theoretisch: Wirtschaftlichkeitsberechnung und Betriebskalkulation stehen auf dem Lehrplan. Wichtig, aber trocken. Dachten wir zumindest. Unsere Dozenten beweisen uns aber: Auch so etwas kann man spannend vermitteln. Als Hausaufgabe haben wir alle eigene Lernzirkel mitgebracht. Unglaublich, wie viele Ideen hier wieder zusammengekommen sind.
In diesem Modul steht wieder mehr Praxis auf dem Programm: Erlebnispädagogik steht an. Wir dürfen damit selbst unsere Erfahrungen machen und können was, von dem wir begeistert sind, wieder an unsere späteren Besucher weitergeben. Interessant: Das Element Ruhe wird vorgestellt. Wir sind uns einig, dass das auch im Alltag viel zu oft fehlt. Und fast jede nimmt sich vor, auch damit zu arbeiten.

Modul 3: Praxisprüfung

Jede führt auf ihrem Betrieb ein selbst ausgearbeitetes Programm vor. Jeweils zwei Prüferinnen sind bei der Gruppe dabei. Die Aufregung vorher ist groß. Riesig. Nach der Prüfung die Erleichterung: Die meisten von uns sind gut vorbereitet, die einzelnen Angebote sind vielfältig, authentisch, erlebnisreich und gut strukturiert. Fast alle bestehen ihre Probe. Und eines ist klar: Beim nächsten Treffen muss das gefeiert werden!
Unsere letzten drei gemeinsamen Tage stehen an. Schade, wir sind eine tolle Truppe, alle verstehen sich gut. Für uns ist klar, dass man sich wieder treffen wird. Die Angebote der IG Lernort Bauernhof bieten sich hierfür an. Doch noch haben wir drei Tage und zwei Abende vor uns. Wir beschäftigen uns mit unseren Betriebskonzepten und Marketing und haben am Ende noch eine Gesprächsrunde als Abschluss, in der wir uns, unsere Angebote, Werte und Überzeugungen noch einmal vorstellen. Gute Tipps für Werbung und Co. werden uns noch mit auf den Weg zu unserem Erlebnisbauernhof gegeben.
Dann ist das Seminar vorbei. Wir hatten viele schöne, interessante und lehrreiche Stunden, haben viel daraus mitgenommen und freuen uns nun auf unsere Arbeit. Manche werden sich in den nächsten Monaten bei der Urkundenverleihung wieder sehen, andere können ihr Seminar erst im nächsten Jahr beenden. Wir waren und sind aber eine tolle Gemeinschaft von Erlebnisbäuerinnen und eines ist klar: Langweilig wird es auf unseren Höfen sicher nicht werden!
Auch interessant