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Jahresbilanz

Erzeugergemeinschaft Franken-Schwaben: weniger Tiere vermarktet

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Michael Ammich
am
27.12.2018

Erzeugergemeinschaft Franken-Schwaben zieht Bilanz unter schwierigen Rahmenbedingungen.

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Es klang fast schon wie das Pfeifen im Walde. „Aus Problemen werden manchmal Chancen“, versuchte Stephan Neher die Mitglieder der Erzeugergemeinschaft Franken-Schwaben aufzumuntern. Wie alle Nutztierhalter leiden auch sie unter dem kritischen Dauerfeuer aus Medien, Politik und Bevölkerung. Bei aller Kritik an dieser Entwicklung hofft Neher aber auch auf ein paar Steilvorlagen aus der Tierschutzecke, die am Ende nicht nur das Wohl der Tiere, sondern ebenso das Wohl der bäuerlichen Familien verbessern könnten. Als Beispiel nannte er das Verbot der Käfighaltung, das die „industrielle“ Legehennenhaltung erschwert und seither zahlreichen kleinen und mittleren Familienbetrieben eine gute Einkommensquelle eröffnet habe.

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Mit der EG Franken-Schwaben steht den bäuerlichen Tierhaltern ein starker und zuverlässiger Partner zur Seite, betont der Vorstandsvorsitzende auf der Mitgliederversammlung in Gottmannshofen. Potente Verbündete seien auch nötig, nachdem vor allem der Tierschutz die Fleischerzeuger vor enorme Herausforderungen stellt. Ganz oben steht hier die betäubungslose Ferkelkastration, der die Politik kürzlich noch einmal eine Gnadenfrist bis Ende 2020 eingeräumt hat.
Lange, vielleicht zu lange hielten die Zuchtsauenhalter bei diesem Thema still, weil sie alles auf die Karte „Ebermast“ gesetzt hatten, räumt Neher ein. Dies war jedoch eine krasse Fehleinschätzung, weil sich Eberfleisch entgegen den Erwartungen der Schlachtindustrie so gut wie nicht verkaufen ließ. Und auf einmal stand die Branche ohne praxistaugliche Alternative da, obwohl sie seit Jahren wusste, dass das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration eigentlich mit dem Jahr 2019 in Kraft treten sollte. Also mussten jetzt schnell Alternativen auf den Tisch:
  • Impfung der Eber mit Improvac, das die Entwicklung des typischen Ebergeruchs verhindert. Nachteil: Der Aufwand für die dreimalige Impfung ist sehr hoch.
  • Betäubung mit dem Narkosegas Isofluran, wie sie in der Schweiz praktiziert wird. Nachteil: Das Betäubungsgas wirkt nur bei 80% aller damit behandelten Tiere.
  • Injektionsnarkose mit Ketamin und Azaperon. Nachteil: Erhöhtes Narkoserisiko und Nachschlafphase von bis zu vier Stunden.
„Grundsätzlich sind alle drei Alternativen machbar, aber mit Problemen belastet“, betont Neher. Und mit diesen Problemen kämen viele Betriebe nicht klar, was wohl zu einem Strukturbruch in der Ferkelerzeugung führen würde. Deshalb fordern viele Zuchtsauenhalter einen „vierten Weg“, nämlich die lokale Betäubung durch den Landwirt selbst. Aber auch hier würden sich die Ferkelerzeuger in eine Problemzone bewegen, die gesetzlich vorgeschriebene Schmerzausschaltung sei nämlich nicht garantiert, erklärt Neher. Das Verfahren benötige also noch Zeit, bis es praxisreif und tierschutzgerecht angewandt werden kann.
Nicht nur in Sachen Ferkelkastration stößt sich der EG-Vorsitzende am Gebaren vieler Medien. Diese steuerten Stimmung in der Bevölkerung weniger mit Sachargumenten, sondern viel mehr mit Emotionen.
Umso intensiver müsse der bäuerliche Berufsstand jetzt Aufklärungs- und Informationsarbeit betreiben, um die teils ahnungslosen, teils in die Irre geführten Verbraucher wieder auf seine Seite zu ziehen. Hier leiste der Verein „Unsere bayerischen Bauern“ eine beispielhafte Arbeit. Was Neher weniger gefällt, sind die scheinbar knausrigen Bauern in Schwaben, die den Verein finanziell deutlich weniger unterstützen als ihre Berufskollegen in anderen Regionen Bayerns. Was nichts kosten würde und deshalb vielleicht auch für die sparsamen Schwaben machbar wäre: die Reihen schließen und sich gegenüber Gesellschaft und Politik über eine gemeinsame Sprachregelung einigen.
Am Herzen liegt dem Vorstandsvorsitzenden auch die Biosicherheit auf den schweinehaltenden Betrieben – Stichwort „Afrikanische Schweinepest“. Sei die Tiersuche in einem deutschen Betrieb erst einmal aufgetreten, wird die Katastrophe ihren Lauf nehmen und zum Existenzrisiko für alle deutschen Schweinehalter werden.

Jahresbilanz

EG-Geschäftsführer Burkhard Hock legte den Mitgliedern die Kennzahlen des Wirtschaftsjahrs 2017/18 vor, die von einer rückläufigen Entwicklung der Vermarktungszahlen geprägt sind. Über die EG wurden 1 274 304 (- 65 362) Ferkel und 723 175 (-12 763) Schweine verkauft, 40 786 (+ 947) Stück Großvieh, 37 798 (- 1439) Kälber und 9173 (+ 817) Fresser. Im Ferkelbereich konnte die Organisation ihren Mitgliedsbetrieben nach einem beispiellosen Absturz der Preise 7,2 Mio. € weniger auszahlen als im Vorjahr. Hock macht mehrere Ursachen für den schleppenden Ferkelabsatz aus, insbesondere die Diskussionen um das Tierwohl und den Importdruck aus Dänemark und Spanien. Die von der EG vermarkteten Ferkel stammten zu 33 % aus Schwaben und zu 39 % aus Franken.
Aus der Ebermast konnten erheblich weniger Tiere als erwartet abgesetzt werden. Zumindest in Süddeutschland ist die Ferkelkastration also unverzichtbar für die Vermarktung im Massengeschäft. Auch der EG-Geschäftsführer warnt die Schweinehalter vor der ASP.
Die Deutschen essen immer weniger Schweinefleisch. Mit dem rückläufigen Pro-Kopf-Verbrauch geht ein Anstieg des Selbstversorgungsgrads auf mehr als 120 % einher. Damit ist der Schlachtschweinebereich stark vom Export abhängig. Hier zeichnet sich in der Ferne ein Hoffungsschimmer ab: Aufgrund der in China stark verbreiteten ASP nimmt dort die Nachfrage nach Schweinefleisch aus der EU wieder zu. Dennoch sieht Hock bis Weihnachten bei den Preisen keine Luft nach oben. 14,6 Mio € weniger als im Vorjahr konnte die EG heuer an die Schweinemäster überweisen. 39 % der umgesetzten Schlachtschweine kamen aus Franken, 51 % aus Schwaben und 10 % aus Baden-Württemberg.
Beim Großvieh zeichnete sich seit dem Sommer ein Anstieg der in den Monaten zuvor stark gefallenen Preise ab. 46% des vermarkteten Großviehs wurden aus Franken und 47% aus Schwaben bezogen. Der Gesamtumsatz der EG belief sich im Wirtschaftsjahr 2017/18 auf 254,2 Mio €, das sind 15,4 Mio € weniger als im Vorjahr. Was den Gewinn deutlich schmälert: Nicht nur die gestiegenen Spritpreise und die Mautgebühren verteuern die Tiertransporte, sondern insbesondere auch die Tierschutzauflagen. Pro Lkw dürfen heute nämlich deutlich weniger Tiere gefahren werden als früher.

Beiratswahlen

Bei den Beiratswahlen durften die schwäbischen EG-Mitglieder zwölf Personen aus ihrem Kreis für vier Jahre in das 34-köpfige Gremium entsenden. Gewählt wurden im Bereich der Ferkelerzeugung Jakob Asam, Franz Kratzer, Berthold Mederle, Stephan Neher und Josef Schmid. Für den Bereich Schweinemast einigte sich die Versammlung auf Gustav Holand, Hermann Kästle jun., Stefan Löhle, Richard Oswald und Werner Rögelein. Isidor Held jun. und Thomas Wiedemann wurden für den Bereich Rindermast und Kälbererzeugung in den Beirat berufen. Das Gremium wird später aus seinem Kreis die Vorstandschaft der EG Franken-Schwaben wählen.
Schließlich oblag es Neher, verdiente Mitarbeiter der EG zu ehren. Der Vorstandsvorsitzende überreichte an Holger Gollinger und Robert Veth Urkunden und Präsente für ihre 25- und 10-jährige Tätigkeit im Ferkelaußendienst. Ebenfalls mit einem Geschenkkorb bedacht wurden zwei ausgeschiedene Mitarbeiter: Karlheinz Göttfert arbeitete 24 Jahre als Disponent und Peter Baumgarter 33 Jahre als Leiter der Kälberabteilung für die Erzeugergemeinschaft. Aus dem Beirat verabschiedet wurden Hermann Kästle nach 23 Jahren und Reinhard Seiler nach 14 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit.
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