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Fest

Fahnenweihe - Feldzeichen für Dillinger Bauern

MN-Fahnenweihe BBv DLG-MA-16.6.-1
Michael Ammich
am
17.07.2018

Als erster BBV-Kreisverband in Schwaben haben die Dillinger eine eigene Fahne: Stifter sind der Kreisobmann und seine Frau.

MN-Fahnenweihe BBv DLG-MA-16.6.-2
Ein Fest, wie es in Schwaben noch keines gab: Als erster Kreisverband im Regierungsbezirk erhielt der BBV Dillingen eine eigene Fahne. Gestiftet wurde sie von Kreisobmann Klaus Beyrer und seiner Frau Petra. Unter diesem „Feldzeichen“ werden sich künftig die Dillinger BBV-Mitglieder bei festlichen Anlässen versammeln und geschlossen ihr Bekenntnis zu den Werten des bäuerlichen Berufsstands demonstrieren. „Das sind wir, das ist unsere Identität“, sagte die stellvertretende Landesbäuerin Christine Singer bei der Fahnenweihe im festlich geschmückten Dillinger Stadtsaal: „Mit den Füßen auf dem Boden, mit dem Kopf in der Region, mit den Händen bei der Arbeit und mit dem Herzen bei den Menschen.“
„Es war mir seit langer Zeit ein Bedürfnis, dass der BBV-Kreisverband Dillingen eine eigene Fahne erhält“, erklärte Beyrer. Mit seiner Stiftung wolle er einen Beitrag zur Identifikation der Mitglieder mit ihrem Berufsverband leisten und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Künftig soll die Fahne mit der Aufschrift „Wir säen in Hoffnung und ernten mit Dank“ zu festlichen Anlässen, Hochzeiten, aber auch Beerdigungen von BBV-Mitgliedern getragen werden. Beyrer zufolge handelt es sich um die erste eigene Fahne eines schwäbischen BBV-Kreisverbands.
Die Fahnenweihe war mit dem 70-jährigen Gründungsjubiläum des BBV Dillingen und dem 40-jährigen Gründungsjubiläum des Landfrauenchors Dillingen verbunden. So war es nur selbstverständlich, dass die Andacht, gehalten vom katholischen Höchstädter Stadtpfarrer Daniel Ertl, von den erprobten Sängerinnen mitgestaltet wurde.
„Fahnen gibt es schon seit mehr als 2000 Jahren“, erklärte Pfarrer Ertl. Sie sorgten für Ordnung und Orientierung. Unter der Fahne zeigten die Menschen, woher sie kommen, wer sie sind und wofür sie stehen. Das gelte jetzt auch für für den Dillinger Bauernverband. Dessen Fahne mache deutich, was den Mitgliedern wichtig ist: das Bewahren und Pflegen der ihnen anvertrauten Erde und der Dank an den Schöpfer. „Das Aufschauen zu diesem Zeichen macht ihre Gemeinschaft aus.“ Das Füreinander-Dasein ist für den Bauernverband keine hohle Phrase, stellte Ertl fest. Und wer ein gutes Angebot habe, der könne die Menschen an sich binden.
Für Kreisbäuerin Annett Jung verdeutlicht die Fahne des Dillinger BBV, dass sich seine Mitglieder in ganz besonderer Weise unter den Schutz Gottes stellen. Der Kreisverband erfreue sich eines steten Wachsens und Gedeihens, hob Eugen Bayer in seinem Grußwort hervor. Der BBV-Kreisgeschäftsführer konnte bei der Fahnenweihe auch ein ganz persönliches Jubiläum feiern, ist er doch schon seit 30 Jahren in dieser Funktion tätig. Als der Bayerische Bauernverband vor 70 Jahren kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus der Taufe gehoben wurde, seien Fahnen noch verpönt gewesen, erklärte Bayer.
1948 wurde der Dillinger BBV-Kreisverband gegründet und bis 1958 von den Nachbarverbänden Augsburg und Günzburg betreut. Dann erhielt er endlich seine erste eigene, provisorische Geschäftsstelle im Sitzungssaal der Dillinger Sparkasse. In den 80er-Jahren bezog der Verband eine Geschäftsstelle in der Großen Allee, bevor er 2013 endlich ein eigenes Grundstück erwerben und darauf ein seinen Bedürfnissen angemessenes Geschäftshaus bauen konnte. „Heute sind wir gut vernetzt mit den Nachbargeschäftsstellen in Donauwörth und Günzburg“, betonte Bayer.
Kreisobmann Klaus Beyrer wäre nicht er selbst, wenn er nicht auch den Anlass der Fahnenweihe zu einem agrarpolitischen Statement genutzt hätte. Der Fahnenstifter erinnerte an die Notzeiten nach dem Zweiten Weltkrieg, die schon wenig später in eine Zeit der Überschüsse mit Butterbergen und Milchseen mündete. In den vergangenen Jahren habe sich die EU immer mehr aus der Marktsteuerung zurückgezogen und die Landwirte in die freien Märkte entlassen, auf denen sie sich jetzt gegen die globale Konkurrenz behaupten müssen. „Damit können wir leben“, sagte Beyrer. „Aber wir brauchen faire Rahmenbedingungen“, zumal sich die Politik zunehmend von der Landwirtschaft abwende.
Ein Teil der Politiker denunziere die konventionelle Landwirtschaft und bringe damit die gesamte Agrarbranche bei der Bevölkerung in Misskredit, klagte der Kreisobmann. Die Politik betrachte die bäuerlichen Familien nurmehr als Besitzer der von ihr begehrten Flächen. Umso mehr habe der BBV die Aufgabe, die Landwirtschaft in das rechte Licht zu rücken und die Gesellschaft mitzunehmen. Nur so könne sie auch künftig noch erfolgreich sein – wenn ihr nicht dauernd vonseiten der Politik Steine in den Weg gelegt würden. Einer dieser Stolpersteine ist die neue Düngeverordnung. Deshalb übergab Beyrer gemeinsam mit Kreisgeschäftsführer Eugen Bayer eine Liste mit 1300 Unterschriften an die beiden Landtagsabgeordneten Johann Häusler und Georg Winter. In der Resolution fordern die Unterzeichner eine praxisgerechte Gestaltung der Düngeverordnung.
In ihrer Festrede zeigte sich die stellvertretende Landesbäuerin und oberbayerische Bezirksbäuerin Christine Singer beeindruckt von „dem, was der Dillinger BBV auf die Füße stellt“. Seine neue Fahne sei eine Einladung an alle Bäuerinnen und Bauern, sich geschlossen unter sie zu stellen. Die Landwirtschaft brauche wieder mehr solche Zeichen des berufsständischen Stolzes und Selbstbewusstseins, sagte Singer. Die Bäuerinnen und Bauern dürften durchaus stolz darauf sein, Verantwortung für die Schöpfung und insbesondere ihre Nutztiere zu übernehmen. Allerdings müsse der Bevölkerung erst einmal erklärt werden, was Nutztiere sind. Hier wie auch in anderen Belangen leiste ein Festabend wie dieser im Dillinger Stadtsaal ein Stück Öffentlichkeitsarbeit. Die Landwirtschaft habe die Aufgabe, die Bevölkerung zu ernähren, betonte die Vizelandesbäuerin. Diese verliere jedoch immer mehr den Bezug zu ihren Lebensmitteln. Die Arbeit der bäuerlichen Familien könne nur dann gedeihen, wenn sie das Vertrauen der Gesellschaft haben.
Zu den moderierten Grußworten befragte Kreisgeschäftsführer Eugen Bayer sechs Ehrengäste zu ihren Kindheitserinnerungen an die Landwirtschaft – und diese waren nicht nur erfreulich. So dachte der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Donau-Mindel, Alexander Jall, vor allem an das anstrengende Kartoffelklauben, aber auch an die leckeren Schlachtprodukte auf dem Bauernhof seiner Eltern. Ebenso hatte Thomas Schwarzbauer, Vorstandschef der Sparkasse Dillingen, bei seinen Erinnerungen die schwere bäuerliche Arbeit im Blick. Mit der Schaufel in der Hand habe er bei Erdarbeiten gelernt, was die Mechanisierung für die Landwirtschaft bedeutet.
„Das Schlimmste war für mich ebenfalls das Kartoffelklauben auf dem elterlichen Betrieb in Unterliezheim, den ich zeitweise selbst geführt habe“, sagte Landrat Leo Schrell. Aber es geht noch schlimmer, wenn man dem Landtagsabgeordneten Georg Winter glauben mag. Dem ausgebildeten Landwirt ist vor allem das Rübenhacken bei sengender Sommerhitze und das Schuften auf dem heißen Heuboden in der Erinnerung geblieben. „Die Landwirtschaft hat mein gesamtes Leben geprägt“, bekannte Winters Landtagskollege Johann Häusler, der zuvor lange Jahre als Geschäftsführer der damaligen EG Schwaben tätig war. Dillingens Oberbürgermeister Frank Kunz schließlich hatte immerhin eine Großmutter, auf deren Hof er als Kind mitgearbeitet hat – eine schöne Zeit.
Beschlossen wurde der Abend mit einer Kabarettvorstellung von Josef Hegele. Der ehemalige Polizeibeamte nahm dabei nicht nur den Dieselskandal, den Schlagersänger Rex Gildo und sein eigenes 70er-Jahre-Hemd aufs Korn, sondern auch den Dillinger Landfrauenchor. „Die Sängerinnen können sich konzentrieren, singen und ratschen zugleich“, wunderte sich Hegele. Als er sich einmal selbst in dieser weiblichen Kunst vor dem Badezimmerspiegel versucht habe, sei es grandios schiefgegangen. Michael Ammich
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