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Versammlung

Ferkelerzeugung - Zahl der Betriebe weiter rückläufig

MN-Ferkelerzeugerring-MA-13.2.
Michael Ammich
am
11.03.2019

Mitgliederversammlung der Ferkelerzeuger zeigt problematischen Trend

Gottmannshofen/Lks. Dillingen Die nicht enden wollende Diskussion um die Schweinehaltung drückt auf die Stimmung der schwäbischen Ferkelerzeuger. Dazu gesellen sich die Furcht vor einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland und das Hin und Her bei der betäubungslosen Ferkelkastration – alles keine Gründe, weiter an der Ferkelproduktion festzuhalten. So wundert es nicht, dass die noch vor Jahren gut besuchten Mitgliederversammlungen und die Ferkelerzeugertage des Ferkelerzeugerrings und des AELF Wertingen mittlerweile auf ein Häufchen unerschrockener, hartnäckig-optimistischer Produzenten geschrumpft sind.

Betriebsvergleich

Auf der Mitgliederversammlung des Ferkelerzeugerrings Wertingen in Gottmannshofen stellte Fachberater Peter Müller vom AELF Wertingen wie immer einen Betriebsvergleich an und wie immer zeigte sich dabei, dass die besseren Ferkelerzeuger erheblich höhere Deckungsbeiträge erzielen konnten. So hatte das obere Viertel der Betriebe gegenüber dem unteren Viertel mit 32,3 geborenen und 28,3 aufgezogenen Ferkeln pro Sau und Jahr einen Leistungsvorsprung von 11,9 geborenen und 10,1 aufgezogenen Ferkeln. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Zahl der Würfe und Ferkel pro Sau und Jahr. Allein schon der Unterschied bei der Zwischenwurfzeit belief sich auf 19 Tage. Während das obere Viertel Direktkosten von 1067 € pro Zuchtsau und Jahr verzeichnete, waren es beim unteren Viertel nur 1057 €. Das ist jedoch nur scheinbar ein Vorteil, denn unter dem Strich steht bei den besseren Betrieben nach dem Ferkelverkauf ein Deckungsbeitrag von 944 €, bei den Betrieben im unteren Viertel jedoch nur von 404 € pro Sau und Jahr.
„Entscheidend ist nach wie vor, dass möglichst alle Ferkel entweder direkt oder indirekt über einen Vermarkter an den Mäster auf der Preisbasis der Mäster-Großgruppe mit 30-Kilo-Ferkeln verkauft werden können“, betonte Müller. Als Alternative komme auch die eigene Mast von nicht direkt absetzbaren Ferkeln infrage. Der Fachberater empfahl den Ferkelerzeugern bei der Auswahl der eingesetzten Genetik neben der Zuchtleistung auch auf die Muttereigenschaften, die höheren Aufwendungen für den Zukauf und für die vermehrte Ammenferkelaufzucht zu achten. Der Anteil nicht voll masttauglicher Ferkel kann sich deutlich erhöhen, wenn nur die Zuchtleistung im Vordergrund steht. Bei großen Würfen ist nämlich das durchschnittliche Geburtsgewicht der Ferkel meist geringer und die Streuung höher. Ein geplanter Wechsel der Genetik sollte vorher mit dem Vermarkter oder dem abnehmenden Mäster abgesprochen werden.
Der Ferkelabsatz lief im ersten Halbjahr 2018 recht gut, doch schon im Sommer kam er massiv unter Druck. Dabei zerbrachen einige langjährige feste Beziehungen zwischen Ferkelerzeugern und Schweinemästern, bedauerte Müller. Erst ab Ende Oktober konnte sich der Ferkelmarkt stetig erholen. Wo das Verhältnis zwischen Erzeugern und Mästern nachhaltig gestört war, verloren die Ferkelproduzenten jedoch oft den für die Wirtschaftlichkeit unbedingt erforderlichen Zuschlag für die direkte Mästerbelieferung. Immerhin: Der schwäbische Ferkelpreis ist im Vergleich zu anderen Teilen Europas deutlich höher. Bayerische Ferkel werden von bayerischen Schweinemästern auch aufgrund des GQ-Zuschlags gut nachgefragt.
„In Deutschland und Bayern wird sich der negative Trend in der Ferkelerzeugung weiter fortsetzen“, sagte Müller. „Diese Entwicklung macht auch vor Schwaben nicht Halt.“ Von daher sei es nicht verwunderlich, dass derzeit kaum mehr Investitionen in die Modernisierung von Ställen oder Bestandsaufstockungen getätigt werden.
Abgesehen von den immer schärferen Vorschriften zur Schweinehaltung machen auch die strengen Kontrollen und die Umsetzung der neuen Düngeverordnung vielen Ferkelerzeugern das Leben schwer. Immerhin sei jetzt vom Bund die Übergangsfrist für die wirksame Schmerzausschaltung bei der Ferkelkastration um zwei Jahre verlängert worden. „Es ist zu hoffen“, so Müller, „dass es in dieser Zeit endlich gelingt, den rechtlichen Rahmen für praxisgerechte Verfahren zur Betäubung zu finden.“

Schrumpfprozess unübersehbar

Auf der Mitgliederversammlung des Ferkelerzeugerrings Wertingen legte Fachberater Peter Müller vom AELF Wertingen in Gottmannshofen die Eckdaten aus der Leistungsprüfung für das Wirtschaftsjahr 2017/18 vor. Auch hier war der Schrumpfprozess in der Ferkelbranche unübersehbar:

Die Zahl der schwäbischen Ringbetriebe ging gegenüber dem Vorjahr erneut zurück und zwar um 6 auf nurmehr 109. Der Zuchtsauenbestand sank um 1000 auf 14 152 Stück. An der Herdbuchzucht beteiligten sich drei Betriebe mit insgesamt 120 Sauen. Das sind 18 Stammsauen weniger als im Wirtschaftsjahr 2016/17.

Dem Ring waren 2 Deckbetriebe, 7 Warteabferkelbetriebe mit insgesamt 1337 Sauen sowie 5 Ferkelaufzuchtbetriebe mit insgesamt 5590 Sauen angeschlossen. Das sind jeweils ein Warteabferkel- und Aufzuchtbetrieb weniger als im Vorjahr.

Die Verlustrate in der Ferkelerzeugung stieg im Wertinger Ring um 0,4 auf 10,7 %, die Zahl der Würfe pro Sau und Jahr sank um 0,05 auf 2,17. Die Zahl der pro Sau und Wurf geborenen Ferkel erhöhte sich um 0,07 auf 12,09 und die Zahl der aufgezogenen Ferkel um 0,02 auf 10,8.

Im Jahr 2017/18 wurde auf 307 bayerischen Ferkelerzeugerbetrieben eine Wirtschaftlichkeitskrontrolle durchgeführt. Dabei ergab sich für das 30-kg-Ferkel ein durchschnittlicher Erlös von 70,90 €. Das sind 6,40 € weniger als im Vorjahr. Pro Sau und Jahr wurden von den Betrieben im Mittel 24,4 Ferkel verkauft, so dass sich pro Sau der Ferkelerlös auf durchschnittlich 1715 € und der Deckungsbeitrag auf 718 € beliefen. Das enspricht gegenüber dem Vorjahr einem Minus von 148 € im Deckungsbeitrag.

Die Zwischenwurfzeit der Sauen blieb mit durchschnittlich157 Tagen stabil, wähernd sich die Wurfgröße mit 10,8 aufgezogenen Ferkeln gegenüber dem Vorjahr leicht erhöhte. „Die bayerische Zucht legt ihren Schwerpunkt auf die Erhöhung der Zahl der aufgezogenen und damit mastfähigen Ferkel“, erklärte Müller. „Die Verlustrate soll minimiert und die Nutzungsdauer der Sauen optimiert werden.“ Mit 718 € pro Sau bewegte sich der Deckungsbeitrag zwar über dem Duchschnittsniveau der zurückliegenden zehn Jahre von 588 €, aber für eine Abdeckung der Vollkosten bei einem Stallneubau wäre ein stabiler Deckungsbeitrag von rund 600 € erforderlich. MA

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