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Kaniberbesuch

Fest verankert in der Bauern-DNA

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Michael Ammich
am
11.06.2018

Ministerin Michaela Kaniber lobt in Rudelstetten im Donau-Ries den Tierwohl- und Umweltschutzeinsatz.

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Nach 50 Tagen im Amt absolvierte Bayerns neue Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber ihren Antrittsbesuch im Ries auf dem Spargel-Hoffest der Familie Murr in Rudelstetten. Dass es dann während ihrer Rede ununterbrochen blitzte, donnerte und auch noch das Mikrofon ausfiel – Kaniber nahm es mit Humor. „Das kommt davon, dass Ihr hier im öffentlichen Festzelt kein Kreuz aufgehängt habt“, zitierte sie einen Festbesucher. Ansonsten offenbarte sich Kaniber als ebenso kenntnisreiche wie leidenschaftliche Agrarpolitikerin, der die bäuerlichen Familienbetriebe am Herzen liegen.

Die Staatsministerin hob das starke Engagement der Familie Murr in der Direktvermarktung hervor: „Das ist genau die Art von Landwirtschaft, die mir imponiert – Landwirtschaft zum Anfassen und zum Schmecken.“ Der Betrieb in Rudelstetten sei ein gutes Beispiel für den Ideenreichtum, die Kreativität und den unternehmerischen Fleiß und Mut der Bäuerinnen und Bauern. Vor mehr als 30 Jahren sei die Familie Murr zum Pionier des Spargelanbaus in der Region geworden. Heute finden in der Spargelzeit rund 70 Arbeitskräfte auf ihrem Hof ein Einkommen.
Ihre Mastschweine verarbeiten die Murrs im eigenen EU-zertifizierten Schlacht- und Zerlegebetrieb und beim Verkauf setzen sie auf Direktvermarktung und Bauernmärkte. „Damit ist die Familie ein authentischer Botschafter unserer heimischen Landwirtschaft.“ Bei ihr könnten die Verbraucher erleben, dass Tierwohl und Umweltschutz für die Landwirte keine Fremdwörter seien, sondern feste Bausteine der bäuerlichen DNA.
Die Verantwortung für Tier-, Umwelt- und Klimaschutz ende jedoch nicht beim Landwirt, stellte Kaniber klar. Gefragt sei auch der Verbraucher, der immer noch ohne großes Nachdenken einen Grill für 800 € kaufe, auf diesem aber Würstchen für 99 ct vom Discounter brutzeln lasse. Es müsse endlich Schluss sein mit dem Generalverdacht und den permanenten Anschuldigungen gegen die Bauern. „Wir brauchen wieder mehr Respekt vor den Leistungen der bäuerlichen Familienbetriebe.“ Als Landwirtschaftsministerin sei sie für alle Betriebe und Produktionsschienen da, gleich ob konventionell oder ökologisch, versicherte Kaniber. „Unsere Viefalt ist unsere Stärke.“ Ein bunter Strauß an Förderprogrammen und Initiativen sei der Grund, dass heute jeder dritte deutsche landwirtschaftliche Betrieb seinen Sitz in Bayern hat.

Entlasten von den Aufzeichnungspflichten

Auch für den neuen Ministerpräsidenten Markus Söder gelte: „Bayern ist Bauernland.“ Das werde schon daran deutlich, dass er bei der Ressortumbildung das Landwirtschaftsministerium in seiner Selbstständigkeit belassen habe. Damit sei Bayern das einzige Bundesland, in dem dies der Fall ist und außerdem alle zur Verfügung stehenden Agrargelder auch tatsächlich beim Bund vollständig abgerufen würden. Kaniber zufolge wehrt sich die Staatsregierung gegen jede weitere Verschärfung der Düngeverordnung. So werde man in Bayern in den „roten Gebieten“, zu denen die Hälfte des Landkreises Donau-Ries gehört, den Phosphateintrag nicht berücksichtigen. Alle Landwirte, die sich an Kulap-Maßnahmen zum Gewässerschutz oder freiwilligen Kooperationen mit Wasserversorgern beteiligen, sollen von zusätzlichen Auflagen in den „roten Gebieten“ ausgenommen werden. Auch in den „grünen Gebieten“ will die Staatsregierung insgesamt rund 40 000 kleinere Betriebe von den Aufzeichnungspflichten entlasten.
Kaniber versprach, gemeinsam mit Verbänden wie dem BBV und den forstlichen Zusammenschlüssen einen Eigentumspakt zu schließen. Künftig sollen die Grundeigentümer frühzeitig bei Fragen der Privilegierung, beim Bau von Überlandleitungen oder bei der Kompensation eingebunden werden. „Der Schutz des Eigentums ist Kern unserer Politik.“ Ebenso steht Kaniber fest zur bäuerlichen Tierhaltung. Hier gebe es in Bayern genau jene Strukturen, die sich die Gesellschaft wünsche. „Die Landwirte erwirtschaften zwei Drittel ihres Einkommens aus der Tierhaltung. Das lassen wir uns nicht kaputt machen.“

Mehrheiten für den vierten Weg finden

Für die Tierhalter forderte die Ministerin Planungssicherheit, praktikable Lösungen und echte Perspektiven. In der Debatte um Kastenstände und die Ferkelkastration strebt sie Lösungen an, die Strukturbrüche bei den bäuerlichen Ferkelerzeugern verhindern. Sie sei bereits dabei, auf Länderebene Mehrheiten für den „vierten Weg“ – die lokale Betäubung der Ferkel durch den Landwirt selbst – zu organisieren. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner habe dafür bereits ihre Zustimmung signalisiert.
Auf der Agenda Kanibers steht auch die attraktive Gestaltung der Dörfer, um den grassierenden Flächenverbrauch einzuschränken. Es gelte, die Dörfer durch Revitalisierung und Innenentwicklung zu stärken, beispielsweise über das Instrument der Dorferneuerung. Mit dem Projekt „HeimatUnternehmen“ will Kaniber in den Dörfern die Grundversorgung weiter ausbauen. Dazu gehöre auch die Stärkung der Direktvermarktung, wie sie die Murrs vorbildlich praktizierten. Und an die Verbraucher gerichtet: „Wer am Ende des Tages bayerische Premiumqualität wertschätzt, wird auch bereit sein, für diese zu bezahlen. Wer das verstanden hat, wird auch die Wertschätzung für unsere Landwirte wieder finden.“
Mitbetriebsleiter Ulrich Murr beklagte hingegen, dass sich die Gesellschaft in ihrer Haltung gegenüber der Landwirtschaft merklich verändert habe. „Böser Bauer, böser Bauernverband, aber guter Verbraucher, der mehr Tierwohl fordert“, heiße es jetzt.

Einkauf: Lügen, dass sich die Balken biegen

Dabei hätten doch alle Bauern nichts lieber als Tierwohlställe und eine regionale wie ökologische Produktion. Aber öko mache die Welt nicht satt und die Verbraucher zögen beim Einkauf von Premiumprodukten nicht mit. „Beim Einkaufsverhalten wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Und was ist bitte schön an einer eingeflogenen Biobanane ökologisch? Die Scheinheiligkeit und Umerziehungsversuche nerven uns Landwirte.“ Trotz niedriger Preise und hoher Produktionskosten sorgten die Bäuerinnen und Bauern nämlich dafür, dass hierzulande jeder satt wird.
Der Landtagsabgeordnete Wolfgang Fackler dankte der Familie Murr für ihr attraktives Spargel-Hoffest. Der neuen bayerischen Landwirtschaftsministerin bescheinigte er eine hohe Motivation und ein festes Zupacken. Das sei auch nötig, denn die 2300 bäuerlichen Betriebe im Donau-Ries-Kreis möchten schließlich wissen, woran sie sind. Im Landkreis bildeten die Familienbetriebe nach wie vor eine starke Säule der gesamten Wirtschaft. „Deshalb müssen wir sie unterstützen.“
Von der Gesellschaft und Politik erwartet Fackler, dass sie die Landwirtschaft nicht skandalisieren, sondern bei der Beurteilung ihrer Arbeit das rechte Augenmaß bewahren.

„Wir wissen, was wir an unseren Bäuerinnen und Bauern haben“, beschloss der Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange das Spargel-Hoffest auf dem Sonnenhof der Familie Murr in Rudelstetten.

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