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Vermarktung

Fleischvermarktung - Schlachter ändern willkürlich Maske

Viehverwertung Absatzgemeinschaft
Michael Ammich
am
12.02.2018

Die Viehvermarktungsgenossenschaft Oberbayern-Schwaben ist stark, aber die Schlachtindustrie ist bei der Preisbildung stärker.

Das bekommen die Schweinelieferanten der VVG seit Jahresanfang wieder einmal zu spüren. Zum Nachteil der Erzeuger haben große Abnehmer die Abrechnungsmasken verändert. VVG-Mitarbeiter Franz Mitterberger zeigte sich von ihrem Kommunikationsverhalten „schockiert“. Ohne jede Vorwarnung hätten die Schlachter von heute auf morgen neue Masken diktiert, klagte er auf der Gebietsversammlung in Biberbach.

Tritt an das Schienbein der Erzeuger

Franz Mitterberger

Aber auch ohne diesen Tritt an das Schienbein der Erzeuger ist die Lage auf dem Schweinemarkt alles andere als rosig. Seit dem letzten Herbst setzte ein Preisabschwung ein, verursacht durch Überhänge bei gleichzeitigem Nachlassen der Nachfrage aus Russland und China und des deutschen Schweinefleischverbrauchs.

Während die Mastschweinebestände in Deutschland gegenüber dem Vorjahr nahezu stabil blieben, hat insbesondere Spanien die Schweineproduktion kräftig ausgebaut und damit die Bundesrepublik als größten Produzenten in der EU abgelöst. Nachdem die Ferkelerzeugung in Deutschland immer weiter zurückgeht, werden immer mehr Ferkel aus dem Ausland importiert, erklärte Mitterberger.

2017 wurden 11,8 Mio. Ferkel in die Bundesrepu­blik eingeführt, vor allem aus den Niederlanden und Dänemark. „Wir sind inzwischen Weltmeister im Ferkelimport.“ Russland dagegen werde sich auf absehbare Zeit vom Ferkel im- zum Exporteur verändern.

Rückläufiger Verbrauch

Sebastian Brandmaier

Der Inlandsverbrauch von Schweinefleisch nimmt seit Jahren ab. Heute konsumiert der deutsche Bürger im Durchschnitt nurmehr 35 kg pro Jahr – und das bei einem Selbstversorgungsgrad von 123 %.

Durch den fortschreitenden Konzentrationsprozess in der Schlachtindustrie wächst der Druck auf die Schweineproduzenten. Für höhere Margen sorgen allenfalls Projekte, wie sie die VVG mit Edeka und Netto eingefädelt hat. Wöchentlich liefert die Genossenschaft insgesamt 500 GVO-frei gefütterte Schweine an die beiden Discounter. Allerdings lässt die Nachfrage seitens der Verbraucher zu wünschen übrig, bedauerte Mitterberger.

Verstärkt wurde das Misstrauen der Konsumenten gegenüber dem Schweinefleisch, nachdem Ende 2017 in GVO-freien Futterpartien Salmonellen gefunden worden waren. Und dann steht auch noch die Afrikanische Schweinepest vor der Tür. Aktuell bleibt ebenso das Thema Ferkelkastration, da bislang kein einziger bayerischer Schlachthof Eber schlachten will. Trotz der schwierigen Marktlage konnte die VVG im vergangenen Jahr 546 160 Schlachtschweine und 629 093 Ferkel vermarkten. Der Schweinepreis belief sich im Jahresschnitt auf 1,68 €/kg.

Rindfleischpreis bleibt nahezu stabil

Deutlich besser präsentiert sich der Rindfleischmarkt. Die Preise blieben das gesamte Jahr hindurch auf hohem Niveau nahezu stabil, wie VVG-Geschäftsführer Sebastian Brandmaier berichtete. Rindfleisch war zuweilen ein knappes Gut, nachdem der bayerische Milchviehbestand trotz des guten Milchpreises erneut um ein Prozent auf 1,24 Mio. Stück zurückgegangen war. Zugleich stieg die Nachfrage nach Rindfleisch an. Der deutsche Pro-Kopf-Verbrauch bewegte sich 2017 bei 10,1 kg und erhöhte sich damit gegenüber dem Vorjahr um ein Kilogramm.

„Das zeigt, dass sich die Rinderhalter mit dem Tierwohl leichter tun als die Schweinehalter“, stellte Brandmaier fest. Im Jahresschnitt erhielt der Erzeuger 4,20 € für 1 kg U3-Jungbulle.

Die Vorteile der „VVG Grünlandkuh“

Hubert Mayer

Anders als Bioschweinefleisch wird das Biorindfleisch immer beliebter. So konnte die VVG 2017 insgesamt 1457 Biorinder absetzen – mit einem Preisaufschlag von bis zu 70 ct/kg gegenüber dem konventionellen Rind. Auch für Bionutzkälber gab es einen Aufschlag von 20 ct/kg. Besonders nachgefragt wird Biohackfleisch.

Um den Schulterschluss zwischen Landwirten und Verbrauchern zu stärken, hat die VVG ein eigenes Rindfleischprogramm entwickelt. Unter dem Siegel „VVG Grünlandkuh“ werden Schlachtrinder angeboten, die aus Bayern oder Baden-Württemberg stammen, nach QM- oder QS-Standard zertifiziert sind und GVO-frei gefüttert wurden. Betriebe, die sich an dem Programm beteiligen wollen, müssen Mitglied in der VVG sein und einen Dauergrünlandanteil von mindestens 40 % nachweisen.

Brandmaier listete die Vorteile der „Grünlandkuh“ auf: ein Mehrerlös von 20 ct/kg, kein zusätzlicher Aufwand für die Betriebe und einfach zu erfüllende Teilnahmebedingungen. „Außerdem löst das Programm ein Qualitätsversprechen ein, das direkt vom Erzeuger kommt.“ Der VVG-Geschäftsführer sieht ein großes Vermarktungspotenzial für die „Grünlandkuh“. Die Wertschöpfung auf den teilnehmenden Betrieben erhöht sich, eine eigene Mehrwertmarke wird aufgebaut und Marktanteile werden gesichert.

Emotionale Bilder prägen Kaufverhalten

Als VVG-Vorsitzender beklagte Hubert Mayer den enormen Spagat, den die Landwirte bewältigen müssen: Hier die Anforderungen der Politik und Gesellschaft, dort die Gewährleistung der Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen und zugleich kostengünstigen Nahrungsmitteln. Beim Versuch, das Bewusstsein der Verbraucher für dieses Dilemma zu schärfen, laufen sachliche Argumente oft ins Leere. Ihr Kaufverhalten basiert vor allem auf emotionalen Bildern der Landwirtschaft.

In der Folge werden die Auflagen für das Tierwohl, das Düngen und den Pflanzenschutz immer strenger. „Das führt zu einem Strukturwandel durch die Hintertür“, sagte Mayer.
Neben der Tierwohldiskussion trägt auch der Klimawandel Verunsicherung in den bäuerlichen Berufsstand, der darauf mit Zurückhaltung bei Investitionen reagiert.

Ohnehin sei der Landwirt durch den Konzentrationsprozess in der Schlachtindu­s­trie und im Lebensmitteleinzelhandel zum schwächsten Glied in der Kette geworden, so Mayer. Da kann es nur recht sein, dass sich die VVG mit ihren hohen Vermarktungszahlen und ihrer Zuverlässigkeit gegenüber ihren Marktpartnern eine starke Position verschafft hat. Ausdruck dieser Stärke sind auch die neue Geschäftsstelle in Waldkrai­burg und die Straffung der Verwaltung. Schrittweise wandelt die VVG ihre operativen Gesellschaften in Abteilungen um. „Das macht unsere Verwaltung noch effizienter und kostengünstiger.“

Größter Vermarkter von Kälbern in Bayern

Im vergangenen Jahr setzte die VVG 85.655 Stück Nutzvieh um, darunter 22.752 Färsen, 62.179 Kälber und 724 Stück Einstellvieh. Damit hat sich die VVG zum größten Kälbervermarkter in Bayern entwickelt.

Abgesetzt wurden zudem 110.763 Schlacht­rinder, davon 52.675 Bullen. Der Gewinn der VVG belief sich 2016 auf rund 864.000 €, für das Jahr 2017 ist laut Mayer trotz der schwierigen Marktbedingungen ein ähnlich gutes Ergebnis zu erwarten.

Ende 2017 waren der VVG 14.959 Mitglieder angeschlossen, das sind 54 Mitglieder mehr als im Vorjahr. „Unser großer Vieh- und Mitgliederbestand ist unsere Stärke“, betonte der Vorsitzende. Allein in Schwaben konnte die Genossenschaft zuletzt 34 neue Mitglieder gewinnen.

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