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Fruchtfolge ist kein starres Konstrukt

Feld winter
Toni Ledermann
am
15.01.2018

AELF Augsburg organisiert „Entdeckungsreise“ entlang der Wertschöpfungskette auf dem Pfänder-Hof.

Feld

Ich wollte mal hinter die Kulissen des Pfänder-Hofs schauen, bei dem ich oft einkaufe“, sagte eine Schwabmünchner Bäuerin zu Beginn der Führung durch Betriebsleiter Florian Pfänder, der zusammen mit seinem Bruder Johannes, seinen Eltern Hans und Maria, die den Hofladen leitet, und weiteren Mitarbeitern auf dem Biobetrieb westlich von Schwabmünchen arbeiten.
Ernährungsberaterin Gabriele Braun vom AELF Augsburg hatte zu diesem Termin Bäuerinnen, aber auch andere Konsumenten eingeladen. Beeindruckt waren diese davon, dass die Familie Pfänder bereits seit 1985 nach den Bioland-Richtlinien arbeitet. Braun wies in ihrer Begrüßung darauf hin, dass das Bayerische Landwirtschaftsministerium bei dieser Aktion Wert darauf legt, „ganz unten bei der Produktion zu beginnen“ und heimische Produkte in den Mittelpunkt zu stellen.
Zentrales Ziel der Ernährungstage ist es, das Wissen in der Bevölkerung über Ernährung und Lebensmittel, deren Inhaltsstoffe und Herstellung sowie die besondere Wertschätzung für gute Produkte zu fördern. „Im Fokus steht die Betrachtung der Herkunft und Verarbeitung unserer Lebensmittel entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette“, erklärte die Fachfrau, die auch gleich den Gästen auf den Zahn fühlte, indem sie wissen wollte, wie viel Gemüse sie gestern gegessen haben. Und da auch Kinder dabei waren, hakte sie nach und wollte wissen, was die Kleinen vormittags als Pausenbrot dabeihatten. Es zeigte sich, dass Gemüse durchaus geliebt und geschätzt wird.
Braun dankte Florian Pfänder für die Bereitschaft, die interessierten Gäste über seine Gemüsefelder zu führen, die Sortier- und Lagerhalle sowie den Hofladen zu zeigen. Aber auch die Arbeitsgeräte für den Gemüseanbau von der Saat bis zur Ernte fanden Interesse. Direkt vom Hofladen ging es in die Felder, von denen viele nahe am Betrieb liegen.
Ein Gast wollte wissen, wie es die Pfänders mit der Fruchtfolge halten. „Zu Beginn einer jeden Fruchtfolge steht bei uns überjähriges Kleegras. Dieses dient der Fixierung von Stickstoff und der Unkrautbekämpfung und sorgt außerdem für eine Verbesserung der Bodenstruktur. Auf solch eine mehrende Kultur folgen zehrende Kulturen wie Gemüse, Getreide und Hackfrüchte. Dabei ist eine Fruchtfolge kein starres Kon­strukt, sondern durchaus variabel. Besonderen Wert legen wir da­rauf, dass unsere Flächen im Jahresverlauf möglichst wenig brachliegen. Dies erreichen wir durch den konsequenten Anbau von Zwischenfrüchten“, erklärte Florian Pfänder.

Mehrere Anbaufamilien

Weiter informierte der Betriebsleiter über die unterschiedlichen Anbaufamilien. Dies sind in der Fruchtfolge: Korbblütler, Kreuzblütler, Gänsefußgewächse, Kürbisgewächse, Leguminosen, Liliengewächse, Nachtschattengewächse, Doldenblütler sowie Süßgräser und Getreide. Angebaut werden auf 56 ha folgende Sorten: Feldgemüse 25,40 ha, Speisekartoffeln 5,50 ha, Dinkel 7,7 ha, Winterweizen 3,1 ha, Ackerbohnen 0,6 ha, Kleegras 7,2 ha und 2 ha Wiesen. Brach liegen jeweils pro Jahr 4,5 ha.
Eine Bäuerin fragte nach der Bodenbearbeitung. „Hier spielt die altbewährte Technik des Pfluges eine wichtige Rolle. Der Einsatz ist insbesondere vor Gemüsekulturen von Bedeutung, da diese hohe Ansprüche an das Saatbeet stellen: Es sollte
fein-krümelig und frei von Ernterückständen der Vorfrucht sein. Neben der Gewährleistung dieser Anforderungen erzielt man zudem einen lockeren Boden, der die Durchwurzelung fördert. Vor Getreide und Zwischenfrüchten verzichten wir so weit wie möglich auf den Pflug und grubbern stattdessen.“

Mit Sämaschine und Kreiselegge

Zwischenfrucht

Weiter ging der Jungbauer auch auf die Saat- und Pflanztechnik ein: Getreide und Zwischenfrüchte werden mit einer pneumatischen Sämaschine in Kombination mit einer Kreisel­egge gesät. Für Gemüsekulturen, die gesät werden, stehen pneumatische Einzelkornmaschinen für eine präzise Ablage des Saatgutes im Boden zur Verfügung. Kohlgemüse und Sellerie werden mit einer Revolverpflanzmaschine des Herstellers Lauwers gepflanzt. Für Salat habe man eine separate Pflanzmaschine von „Ferrari“ gekauft. Sie legt auf die Beete zunächst Mulchfolie und pflanzt in diese ein.
Jeder, der über ein Bauerngärtchen oder ein großes Feld verfügt, kennt das Problem der Unkrautbekämpfung. Wie aufwendig ist diese bei Pfänders? „Auch dabei spielt die Fruchtfolge eine wichtige Rolle, denn durch einen Wechsel von Sommerungen und Winterungen lässt sich die Ausbreitung von mit diesen Kulturen vergesellschafteten Unkräutern begrenzen“, erklärte der Experte. Während der Vegetation werden Unkräuter mittels verschiedener maschineller Verfahren in Schach gehalten. Getreide, Kartoffeln, Sellerie und Kohl werden mehrmals gestriegelt. Bei Kartoffeln und diversen Gemüsearten, die auf Dämmen beziehungsweise in Reihen angebaut werden, wird zudem maschinell gehackt. Außerdem wird eine Reihenfräse und ein Abflammgerät eingesetzt.

Hacken von Hand ist immer noch nötig

Pfänderhof

Nicht wegzudenken ist das Hacken von Hand in den Reihen. Dies ist insbesondere bei Karotten, Rote Beete, Pastinaken, Petersilienwurzeln und Lauch erforderlich. Frischgemüse wird täglich von Hand geerntet, Wurzelgemüse und Lauch mit einem sogenannten Klemmband­roder. Bei Kartoffeln und Zwiebeln kommt der Kartoffelroder zum Einsatz.
Zum Thema Lagerung erfuhren die wissensdurstigen Gäste: „Damit wir unseren Kunden bis in den Frühling hinein Wurzelgemüse, Kartoffeln, Zwiebeln und Kraut anbieten können, lagern wir es im späten Herbst ein. Eine mehrmonatige Lagerung erfordert eine exakte Regulation der Kühlung und eine optimale Luftfeuchtigkeit. Zudem stellen die Kulturen unterschiedliche Anforderungen an die Lagerung. Daher haben wir verschiedene Kühlräume eingerichtet. Kartoffeln bei 4,5 bis 5 Grad und 95 bis 98 Prozent relativer Luftfeuchte, Kraut/Kohlgemüse bei 0,5 Grad und 98 Prozent relativer Luftfeuchte und Zwiebeln möglichst trocken bei 0,5 Grad.“
An fünf Tagen in der Woche bietet der Hofladen im Gewölbekeller des Wohnhauses ein reiches Angebot an Obst und Gemüse an. Ergänzt wird dieses durch ein umfassendes Sortiment an Milch- und Trockenprodukten, Brot, Eiern und Säften. Auch auf dem Bauernmarkt in Schwabmünchen sind die Pfänder-Produkte zu bekommen. Auch Florians Bruder Johannes ist Betriebsleiter und die Altenteiler Hans und Maria Pfänder helfen auf dem Biobetrieb mit. Hinzu kommen sechs Festangestellte sowie zwei bis acht Saisonarbeiter, Lehrlinge und Praktikanten.

 

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