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Ernte 2018

Gegen praxisferne Bestimmungen

MN-Erntefahrt DR-MA-9.7.
Michael Ammich
am
23.07.2018

Im Donau-Ries ärgert man sich über die neue Düngeverordnung und sorgt sich wegen schlechter Preise.

Während sich die Landwirte im Nordosten Deutschlands ernsthafte Sorgen über große Trockenschäden machen, steht bei den Bauern im nördlichen Schwaben bei durchschnittlichen Erträgen mehr die Furcht vor schlechten Preisen und überspannten gesetzlichen Vorgaben im Vordergrund. Kreisobmann Karlheinz Götz ärgerte sich auf der Erntefahrt des AELF Nördlingen bei Warching vor allem über die praxisfernen Bestimmungen der neuen Düngeverordnung. Besonders unter dem Aspekt des Klimawandels wäre es angebracht, die Pflanzen dann mit Nährstoffen zu versorgen, wenn sie diese brauchen, und nicht nur, wenn es die Ausbringfristen der Düngeverordnung zulassen.

Ausgangspunkt der Erntefahrt war der Bauernhof der Familie Lechner in Warching. Sie bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb mit 50 Laufstallkühen samt weiblicher Nachzucht, 85 ha Nutzfläche und einer 150 kW-Biogasanlage. Hohen Erträgen stehen in der Region oft die schwierigen Juraböden entgegen. Es sei eine raue Gegend, sagt Alfons Lechner. „Wir haben manchmal Spätfröste im Juni und frühe Nachtfröste schon im August.“ In den 70er Jahren gab es noch 24 Landwirte im Dorf, erinnert sich der Senior-Betriebsleiter und BBV-Ortsobmann. Jetzt sind es nurmehr sieben Bauern, von denen noch ganze vier Milchvieh halten.

2005 hat sich die Familie Lechner mit dem Bau einer Biogasanlage, in der sie auch die Gülle ihrer Rinder verwertet, ein zweites Standbein geschaffen. Mit der Abwärme werden mehrere Wohnhäuser im Ort mit Heizenergie versorgt. Um sich nicht an der viel gerügten, angeblichen „Vermaisung“ der Landschaft zu beteiligen, bauen die Lechners als alternative Energiepflanzen neben dem Mais auch Sonnenblumen, Durchwachsene Silphie und Riesenweizengras an.
Die Biogasanlage ist eine von derzeit rund 90 im Donau-Ries-Kreis, erklärt Manfred Faber, Leiter des AELF Nördlingen. Um die Anlagen mit Substrat zu versorgen, wird rund ein Fünftel der 73 000 ha umfassenden landwirtschaftlichen Nutzfläche des Landkreises benötigt: 4000 ha GPS-Getreide und rund 8500 ha Biogasmais. Rund 40% der Nutzfläche einschließlich des Grünlands dienen der Futterproduktion. Das könnte sich jedoch ändern, befürchtet Faber. Die Viehhaltung zieht sich nämlich immer mehr aus dem Donau-Ries-Kreis zurück. Den Anfang machten viele Ferkelerzeuger, die vor allem dem Druck durch das ständige und kostenintensive Draufsatteln von immer neuen und strengeren Vorschriften nicht mehr standhielten. Aber auch die Rinderhaltung ist auf dem Rückmarsch. Das könnte bald zu einem Problem für die Verbraucher werden, sagt Faber. „Wenn es so weiter geht, wird eines Tages ein Mangel an regionalen Produkten und gepflegtem Grünland herrschen.“

Strukturwandel im Donau-Ries

Um jährlich 61 hat sich die Zahl der Donau-Rieser Betriebe in den vergangenen Jahrzehnten durchschnittlich auf heute 2266 reduziert. „Und das wird so weitergehen“, meint der Behördenleiter. Dabei wäre doch eine vielfältige Landwirtschaft mit zahlreichen Produktionsschienen ein gewichtiger Vorteil für den ländlichen Raum. Aber schon heute lassen sich im Landkreis 60 % der bäuerlichen Familienbetriebe nurmehr im Nebenerwerb bewirtschaften. 137 Betriebe mit insgesamt rund 5000 ha Fläche haben bislang auf den ökologischen Landbau umgestellt, was einem Anteil der Ökobetriebe von 6% entspricht. Aber: Bei der Biomilch zeigt sich, dass die Aufnahmefähigkeit des Markts an seine Grenzen stößt. Etliche Molkereien nehmen keine weitere Biomilch mehr an und der Preis für das vom Verbraucher ach so sehr geforderte Produkt beginnt bereits zu sinken. „Die Luft für Öko wird dünner, der Markt wächst nur langsam“, bedauert Faber. Immerhin: Die Zuckerfabrik in Rain plane die Einführung einer Öko-Schiene.

Die Maisfläche bewegt sich im Landkreis seit einigen Jahren stabil bei rund 17 000 ha. „Die Landwirte haben hier die Grenzen erkannt“, bestätigt der Amtschef. Als Hauptkultur wird Winterweizen angebaut, dagegen schrumpft die Fläche für die Wintergerste. Mit einem Anteil von 20% an der gesamten bäuerlichen Nutzfläche hat sich das Grünland im Donau-Ries-Kreis stabilisiert.

Eine Lanze für den Maisanbau

Kreisobmann Karlheinz Götz will eine Lanze für den Maisanbau brechen. Während andere Kulturen zunehmend unter dem Klimawandel mit seinen langen Wärme- und Trockenzeiten leiden, profitiere der Mais von dieser Entwicklung. Als Bremser könnte jedoch die neue Düngeverordnung wirken. Sorgen macht Götz insbesondere der hohe Anteil von „roten Gebieten“ im Donau-Ries-Kreis. Die Landwirte würden ja gerne zur Verbesserung des Grundwassers und der Gewässer beitragen, so der Kreisobmann. Dafür wären aber weniger praxisferne und pauschale Vorgaben erforderlich, sondern betriebsindividuelle Lösungsansätze mit entsprechender Beratung. Allein schon der mit der Düngeverordnung verbundene bürokratische Aufwand überfordere viele Bauern.

Ist die Schweinehaltung im Landkreis ohnehin schon auf dem Rückzug, so wird die Lage durch das ab 2019 geltende Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration und einen möglichen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest verschärft. „Ist die Schweinepest erst einmal da, ist die Schweineproduktion in Deutschland tot“, malt Götz den Teufel an die Wand. Wenig erfreulich ist auch die dem Brexit geschuldete finanzielle Lücke im EU-Agrarhaushalt. Dem Wunsch mancher Politiker nach dem Verschieben von Fördergeldern für Umweltleistungen aus der zweiten in die erste Säule erteilt der Kreisobmann eine klare Absage. Das könnte nämlich schnell zu einem Problem für die bayerischen Landwirte werden. Im Freistaat laufen bereits viele Agrarumweltmaßnahmen, die dann aufgrund des Verbots einer Doppelförderung nicht mehr zum Tragen kämen. Umso notwendiger wäre die vom Bauernverband seit Jahren geforderte Einführung einer steuerbegünstigten Risikorücklage, damit die bäuerlichen Betriebe Krisenzeiten sicher überbrücken können.
Manfred Schott, Geschäftsführer des Kartoffel Centrum Bayern (KCB) in Rain und der BayWa-Agrarsparte Schwaben, hält die Gefahr für groß, dass einige Analysten trotz der tockenheitsbedingten Ertragsausfälle sagen werden: „Ach, die Ernte war ja doch besser als gedacht.“ Die Folge solcher „Analysen“ könnten dann sinkende Preise sein. Laut Schott wurde der Sojaanbau in den USA und Südamerika stark ausgedehnt, so dass große Mengen auf die europäischen Märkte drücken.
Der KCB-Geschäftsführer räumt ein, dass die für 24 Mio. € installierte neue Technik im Aviko-Kartoffelwerk in Rain immer noch nicht rund läuft, weshalb weniger Kartoffeln als geplant verarbeitet werden können. Daher wandern vor allem Chargen geringer Qualität in die Biogasanlage des Pommesfrites-Herstellers. Geschuldet seien die Qualitätsverluste häufig der warmen Witterung im April, die für eine schlechte Kühlung der Kartoffellager sorgte. „Aber wir erfüllen unsere Verträge“, versichert Schott. „Kein Landwirt ist zu Schaden gekommen.“ Kreisobmann Götz sah die Sache allerdings ein wenig anders. „Die Entsorgung von Kartoffeln in einer Biogasanlage ist für die Landwirte ein ethisches Problem.“ Allerdings gebe es EU-weit tatsächlich einen Kartoffelüberschuss von 200 000 t.

Die Vorteile des Silphieanbaus

An einem Silphie-Schlag der Familie Lechner erläuterte Ralf Brodmann, Geschäftsführer der baden-württembergischen Metzler & Brodmann Saaten GmbH, bekannt unter dem Markennamen „Donau-Silphie“, die Vorteile dieser alternativen Energiepflanze. War die Durchwachsene Silphie noch vor wenigen Jahren aufgrund der hohen Pflanzkosten von 6000 €/ha für die Biogasbauern nur wenig attraktiv, so hat sich das inzwischen geändert. Wie auf dem Betrieb Lechner wird sie heute meist als Untersaat von Mais angesät, der sie schützt und im ersten Anbaujahr, wenn die Silphie noch nicht geerntet werden kann, einen Ertrag liefert. Obwohl nur halb so viel Maiskörner wie üblich auf dem Feld ausgesät werden, erreicht der Maisbestand 80% des normalen Maisertrags, versichert Brodmann.
Außerdem bringe die Silphie aufgrund ihrer tiefen Verwurzelung einen ausgezeichneten Schutz vor Erosion und bilde jährlich 5 bis 8 t Humus pro Hektar. „In der Folge nimmt das Bodenleben über die Jahre hinweg massiv zu“, sagt Brodmann. Und nicht zu vergessen: Mit ihren zahllosen leuchtend-gelben Blüten ist die Silphie eine hervorragende Bienenweide. 2016 hat Brodmann die alternative Energiepflanze erstmals für Landwirte auf 400 ha als Untersaat im Mais angebaut. Heute bietet er die Ansaat von Silphie bundesweit an. Für 1300 ha haben die Landwirte das Angebot inzwischen angenommen. Brodmann gewährt ihnen eine Garantie: Geld nur gegen einen ordentlichen Bestand. 1950 €/ha verlangt er von den Bauern für das Ansäen, das Saatgut, die Garantie und eine umfassende beratende Begleitung.

Die Wintergerste eine Katastrophe

Lechner

Alfons Lechner (Warching): „Auf dem Grünland, das für meinen Milchviehbetrieb sehr wichtig ist, war heuer der erste Schnitt brauchbar - aber nur, weil ich die Wiesen im Herbst mit Gülle gedüngt habe. Für den zweiten Schnitt war es zu trocken, er lieferte einen geringen Ertrag. Auf unseren steinigen Juraböden und in unserem rauen Klima wächst ja nichts. Meine Wintergerste war schon Anfang Juli komplett gedroschen – so früh wie nie zuvor. Obwohl die Gerste optisch gut ausgesehen hat, liegt der Ertrag um 30 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Der Winterweizen steht bisher gut, auch wenn er nicht gerade hoch ist. Das gibt nur wenig und kurzes Stroh. Insgesamt rechne ich mit einem durchschnittlichen Weizenertrag. Beim Mais zeigte sich ein ungleichmäßiger Feldauflauf, teils gab es keinen Bodenschluss. Grundsätzlich hat er sich dann aber super entwickelt. Meine Haferbestände haben sich anfangs zögerlich entwickelt, dann aber enorm zugelegt. Trotzdem rechne ich beim Hafer nur mit einem durchschnittlichen Ertrag, weil ihm die Feuchtigkeit fehlte.“

Gerstmeier

Franz Gerstmeier (Buchdorf): „Ich bewirtschafte einen Milchvieh- und Ackerbaubetrieb und bin an einer Biogasanlage beteiligt. Auf dem Grünland brachte der erste Schnitt einen durchschnittlichen Ertrag bei guter Qualität. Auch der zweite Schnitt war trockenheitsbedingt nur durchschnittlich. Je nach Region und Niederschlagsverteilung waren die Grünlanderträge heuer sehr unterschiedlich. Wo es lange trocken war und dann ergiebig regnete, hat sich beim Getreide ein extremer Zwiewuchs entwickelt. Mit meiner Gerste liege ich heuer geringfügig unter dem üblichen Ertrag. Gemessen an den Witterungsbedingungen steht der Winterweizen optisch recht gut da. Beim Dinkel erwarte ich keine berauschenden Erträge, da ist je nach Schlag die Wasserversorgung der entscheidende Faktor. Abgesehen von wenigen Schlägen, auf denen es eine mangelnde Wasserversorgung und einen späten Aufgang gab, rechne ich beim Mais mit überdurchschnittlichen Erträgen. Gut entwickelt haben sich auch die Zuckerrüben. Aber der Raps hat unter der Trockenheit zur Blütezeit gelitten, so dass der untere Schotenansatz fehlt. Insgesamt erwarte ich keine Rekord-, aber auch keine Missernte. Ärgerlicher als die Ertragsverluste sind für mich die schlechten Preise.“

Götz

Karlheinz Götz (Birkhausen): „Zu meinem Schweine- und Bullenmastbetrieb gehören 90 ha Nutzfläche. Der erste Grünlandschnitt war perfekt, nachdem er recht früh erfolgte. Dann hat es geregnet und ich habe die Wiesen mit Gülle gedüngt. Damit war auch der zweite Schnitt noch gut und lieferte viel Heu. Die Wintergerstenernte war eine Katastrophe, der Ertrag liegt 25% unter dem Vorjahresergebnis. Aufgrund der Trockenheit im April sind viele Seitentriebe abgestorben. Nach dem Regen im Juni haben sie nachgeschoben und sind dann bis zur Ernte grün geblieben. Bereits am 28. Juni habe ich mit dem Dreschen der Gerste begonnen. Da hat sich gezeigt, dass der Ertrag selbst auf guten Standorten um ein Viertel geringer ist als im Vorjahr. Meine Winterweizenbestände sind zwar dünn, aber stehen recht schön da. Aufgrund der unzureichenden Bestockung im Frühjahr rechne ich nur mit einem unterdurchschnittlichen Ertrag. Der Mais hat sich dagegen bombig entwickelt, er hat die Wärme im Frühjahr richtig genossen. Die Zuckerrüben gedeihen bislang nach einem guten Feldaufgang ebenfalls prächtig. Für meine Kartoffeln bete ich händeringend um Regen. Wegen der Frühjahrstrockenheit ist der Knollenansatz unterdurchschnittlich. Dafür hält sich heuer der Krautfäuledruck in Grenzen und auch den Kartoffelkäfer habe ich im Griff.“

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