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Sternfahrt im Jubiläumsjahr

Gesellig und informativ

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Brigitte Früh, Wochenblatt
am
18.10.2017

Fischen - Die diesjährige Sternfahrt des vlf Immenstadt führte zum Betrieb Greiter in Fischen. Dieser wurde dem Motto "kleine Milchviehlaufställe" absolut gerecht.

Thomas Greiter und seine Mutter Angelika mit vlf-Vorstand Wolfgang Seiband

Die diesjährige Sternfahrt im Jubiläumsjahr stand unter dem Motto „kleine Milchviehlaufställe“. Und damit waren die vlf-ler bei Thomas Greiter und seiner Mutter Angelika im Achweg in Fischen genau richtig. 2014 baute die Familie einen Laufstall, der für 25 Milchkühe ausgelegt ist. Für einen Unterländer mag sich das nach Liebhaberei anhören, für einen Betrieb im südlichen Oberallgäu ist diese Größenordnung aber beileibe nicht ungewöhnlich. Im Oberland stehen die meisten bäuerlichen Familienbetriebe auf mehreren Standbeinen: Milch­erzeugung, Tierzucht, Gästebeherbergung und – oft – zusätzlich ein Job außerhalb der Landwirtschaft.
Das trifft auch bei Familie Greiter zu. Thomas Greiter (27), der den 19 ha großen Grünlandbetrieb im Mai 2016 übernommen hat, ist beim Bauhof in Fischen in Vollzeit fest angestellt. Seine Mutter Angelika (56) arbeitet im landwirtschaftlichen Betrieb mit und kümmert sich um die Vermietung der Ferienwohnungen und Zimmer im separaten Gästehaus. Dabei wird sie von Oma Auguste (78) unterstützt. In der Außenwirtschaft ist der Betrieb komplett eigenmechanisiert, bei Arbeitsspitzen kann Greiter aber auch auf die Unterstützung von Nachbarn zählen.
Dass die Familie Greiter sich nun bereit erklärt hat, die Tore im Rahmen der Sternfahrt für die Mitglieder des vlf Immenstadt zu öffnen und die damit verbundene Arbeit auf sich zu nehmen, wurde vom vlf-Vorsitzenden Wolfgang Seiband und vlf-Geschäftsführerin Veronika Siefer entsprechend gewürdigt und Dank dafür ausgesprochen.

Bewusste Entscheidung

Blick ins Innere von Greiters Laufstall

„Thomas war von klein an Feuer und Flamme für die Landwirtschaft“, erinnert sich seine Mutter. Weil der Vater voll berufstätig war, sei der kleine Thomas oft mit dem Opa unterwegs gewesen und habe viel von ihm gelernt. Das gilt auch für Angelika Greiter, die wegen der Berufstätigkeit ihres Mannes immer schon in der Landwirtschaft mit angepackt hat.
Als ihr Mann vor zehn Jahren starb, war es für sie deshalb gar keine Frage, den Betrieb vorerst weiterzuführen. „Thomas sollte später selber entscheiden“, erläutert sie ihre Motivation. Man habe eben zusammengeholfen, um die Arbeit zu bewältigen.
Entschieden hat sich Thomas Greiter inzwischen. „Ich will den Betrieb fortführen“, stand für ihn fest. Aus diesem Grund und weil der alte Anbindestall veraltet war, entschied sich die Familie für den Bau eines Laufstalles. Angestrebt wurde damit insbesondere eine Verbesserung der Haltungsbedingungen für die Tiere als auch der Arbeitsbedingungen für die Menschen. Das zu verwirklichen war im Altstall, der Anfang der 1960er-Jahre gebaut wurde, nicht möglich. Deshalb entstand ein separater Neubau gleich nebenan. Dieser bietet nun an der Längsseite im Westen, wo die Traufe höher angelegt ist, außerdem die Möglichkeit einer Erweiterung.

 

Viel Eigenleistung beim Bau

Aus arbeitswirtschaftlichen Gründen hat sich Familie Greiter für Hochboxen mit Komfortmatten entschieden

Baubeginn war im April 2014, der Einzug erfolgte im November 2014 mit 13 Kühen und 6 Rindern. Mittlerweile ist der Bestand auf 20 Milchkühe und 20 Stück Nachzucht angewachsen. Das Jungvieh ist im alten Anbindestall untergebracht, die Kälber werden im neuen Stall gehalten – unter einem Dach mit den Milchkühen, aber räumlich und klimatisch getrennt in einem kleinen Kälberstall. Dort gibt es eine Tiefstreubucht und Einzelboxen sowie einen Auslauf nach Westen. Über das Tor kann die Kälberbucht auch bequem von außen maschinell entmistet werden. Oberhalb des Kälberstalls befindet sich ein Strohlager. Von dort aus kann man Stroh sowohl über eine Falle zu den Kälbern als auch in Richtung Abkalbebox im Kuhstall abwerfen.
In den Bau brachte Familie Greiter viel Eigenleistung ein. Damit das möglich war, ließ sich Thomas Greiter eigens einige Wochen lang von seiner Arbeit beim Bauhof beurlauben. Der 32 x 27 m große Laufstall mit zweireihiger Aufstallung, Spaltenboden und seitlichem Futtertisch ist in Holzbauweise ausgeführt und mit einem Sandwich-Dach eingedeckt. Ein breiter Lichtfirst, der an beiden Seiten geöffnet werden kann, und Hubfenster an beiden Längsseiten sorgen für Licht und eine gute Durchlüftung. Licht fällt auch durch die beiden Sektionaltore am Futtertisch in den Stall – sie sind nahezu vollflächig mit Lichtele­menten ausgestattet.
Weil Arbeitszeit am Betrieb knapp ist, hat sich Familie Greiter für Hochboxen mit Komfortmatten entschieden, die mit etwas Strohmehl eingestreut werden. Eine Viehbürste, ein Krankenstand, eine Abteilung für Trockensteher, eine Kraftfutterstation und ein Fressgitter zum Absperren komplettieren die Ausstattung.
 

Luxus im Vergleich zu früher

Doppel-Dreier-Fischgrätmelkstand bei Greiters.

Gemolken wird in einem Doppel-Dreier-Fischgrätmelkstand mit Abnahmeautomatik, der im Stall integriert ist. Normalerweise melken Thomas Greiter und seine Mutter morgens zu zweit. Im Winter muss Thomas Greiter aber manchmal sehr früh zum Winterdienst antreten, dann milkt Angelika Greiter alleine. Aber mit dem neuen Melkstand bewältigt sie die Arbeit problemlos. „Im Vergleich zu vorher ist es purer Luxus“, meint sie mit einem Schmunzeln. Abends obliegt die Melkarbeit und die Fütterung Thomas Greiter und seine Mutter kümmert sich um die Boxenpflege, die Kälber und was sonst noch anfällt. Drei Jahre nach dem Einzug in den Laufstall gibt es eigentlich nichts, was Familie Greiter vermisst oder anders machen würde – sie sind rundum mit dem Neubau zufrieden.
Zünftig ging es dann im Zelt zu, wo die „4 Unkultivierten“ aus Burgberg und Sigishofen, ein – nach eigenen Worten – „zusammengewürftelter Haufen“ und Spezl vom Betriebsleiter, musikalisch für Stimmung sorgten. Ein deftiges Mittagessen gab es am Stand der Hofvermarktung Egger, die süße Komponente steuerten die superleckeren Kuchen und Torten bei, die Mitglieder des vlf Immenstadt und die Familie Greiter gebacken hatten. Den Getränkeverkauf übernahmen Nachbarn und Freunde von Thomas Greiter. Auch eine Hüpfburg für Kinder und eine kleine Maschinenausstellung im Außenbereich zogen die rund 250 großen und kleinen Besucher an.

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