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Ernte 2018

Getreide mager, Hackfrucht besser

Erntebilanz
Michael Ammich
am
06.08.2018

Das Landwirtschaftsamt Nördlingen präsentiert erste Erntezahlen für Nord- und Mittelschwaben.

Beim Getreide fällt die schwäbische Erntebilanz heuer eher mager aus. Selbst auf guten Standorten gingen die Erträge im Vergleich zu den Vorjahren um bis zu einem Drittel zurück. Besser sieht es bei den Hackfrüchten aus. Wo die Böden ausreichend mit Wasser versorgt waren, hat ihnen die warme und trockene Frühjahrswitterung gut getan.

Auf dem Erntepressegespräch des AELF Nördlingen legte Helmut Stöcker vom Sachgebiet Landwirtschaft erste für Nord- und Mittelschwaben repräsentative Zahlen und Fakten vor.
Vom Juli 2017 bis zum August 2018 hat die Wetterstation an der Staatlichen Versuchsstation der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft auf dem Neuhof bei Kaisheim monatliche Temperaturen gemessen, die nahezu durchgehend über dem Mittel der Jahre 1971 bis 2000 lagen. Im Januar war ein Wärmeplus von fast 5, im April von 6 und im Mai von fast 4° C zu verzeichnen.

Allein im September, Februar und März bewegten sich die Temperaturen unter dem langjährigen Schnitt. Noch auffälliger ist die Niederschlagsverteilung. Im Juli 2017 hatte es 47, im August sogar 101 und im Januar 2018 immerhin 42 mm mehr geregnet als im langjährigen Durchschnitt dieser Monate. Dann setzte die Frühjahrs­trockenheit 2018 ein. Im Februar fielen 19, im März 20,7 und im April 39,5 mm weniger Regen. Im Mai gab es einen Regenschub von plus 20,8 mm, bevor im Juni wieder 38,6 mm weniger Niederschläge fielen.

Ausreichend Niederschläge im vergangenen Jahr

Für die Aussaat des Wintergetreides erwiesen sich der nasse Juli und August 2017 als Segen. Im September und Oktober lief es nach günstigen Aussaatbedingungen gleichmäßig auf. Auch in den folgenden Wintermonaten kam es zu recht hohen Niederschlagsmengen bei zugleich erhöhten Temperaturen. Die Böden konnten Wasser speichern bis zum Geht-nicht-mehr. Erst im Februar und März fielen die Temperaturen auf den winterlichen Tiefpunkt.

In der Trockenperiode von Februar bis Mitte Mai wurde das im Winter gespeicherte Wasser aufgebraucht. Das hatte für das Wintergetreide und die im Frühjahr 2018 ausgesäten Kulturen erhebliche Folgen: Beim Getreide reduzierten sich die Seitentriebe und Kornanlagen.

Auf tiefgründigen Standorten überstanden die Pflanzen die Trockenheit meist ohne Schäden – aber nur, wenn frühzeitig und ausreichend angedüngt wurde. Bei den Sommerkulturen führte die mangelnde Wasserversorgung  allerdings zu einem lückenhaften Feldaufgang. Die Niederschläge im Mai fielen häufig als Starkregen, mancherorts auch als Hagel. In der Folge kam es zu größeren Erosionsereignissen. Immerhin: In den bis Mai lückigen Sommerungen liefen jetzt auch die bis dahin nicht gekeimten Pflanzen auf. Andererseits regte das standortweise reichlich vorhandene Wasser das Wintergetreide zum Zwiewuchs an. So zeigten sich besonders in der so früh wie nie gereiften Wintergerste im gelben Ährenmeer viele grüne Nester.

Schnelle Entwicklung

Insgesamt entwickelten sich alle Kulturen recht schnell, der Vegetationsvorsprung wuchs gegenüber den „normalen“ Jahren auf rund drei Wochen an. Allerdings sorgte die Trockenheit im April dafür, das Schadinsekten vermehrt auftreten konnten. Pilzerkrankungen kamen dagegen erst spät nach den einsetzenden Niederschlägen zum Vorschein. Daher konnten vielerorts die ersten Fungizidbehandlungen eingespart werden. Als Blattkrankheiten dominierten der Gelbrost und die Septoria-Blattdürre. Beim Weizen führten die Nieder-
schläge während der Blütezeit verstärkt zu Infektionen mit Fusarium.

Unbefriedigend waren die Grünlanderträge beim ersten Schnitt, der später als in anderen Jahren erfolgte. Erst zum zweiten Wiesenschnitt war ausreichend Feuchtigkeit vorhanden, so dass die Erträge zufriedenstellend ausfielen. Die Luzerne überstand die lange Frühjahrstrockenheit dagegen ohne größere Probleme.

Unterschiedliche Ertragsaussichten

Die Ertragsaussichten bei den einzelnen Kulturen fallen heuer aufgrund der Witterungsextreme sehr unterschiedlich aus:

  • Winterraps: Die Pflanzen litten verstärkt unter der Trockenheit im Frühjahr und reiften aufgrund der erst spät ausgebildeten Seitentriebe ungleichmäßig ab. Daher sind nur unterdurchschnittliche Erträge zu erwarten.
  • Wintergetreide: Über alle Kulturen hinweg ist mit einem deutlichen Verfehlen des Durchschnittsertrags der vergangenen Jahre zu rechnen. Zu Qualitätsproblemen könnte die Fusariumbelastung führen.
  • Zuckerrüben: An Standorten, an denen sich ein optimaler Feldauflauf zeigte, haben sich die Rüben gut entwickelt. Spielt die Witterung weiter mit, können die Anbauer mit ähnlich hohen Erträgen wie in den zurückliegenden Jahren kalkulieren.
  • Mais: Stellenweise liefen die Pflanzen ungleichmäßig auf. Die warme Frühjahrswitterung und das Ausbleiben der Eisheiligen sorgten dann jedoch für ausgezeichnete Wachstumsbedingungen. Die Voraussetzungen für hohe Erträge sind damit bisher gegeben.
  • Kartoffeln: Die Erdäpfel hatten am wenigstens unter dem trockenen Frühjahr zu leiden. Krautfäule und Kartoffelkäfer halten sich in Grenzen.
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