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Waldbau

Holzstämme fliegen vom Kienberg

Bild 2_Hubschraubereinsatz im Pfrontener Bergwald_AELF Kaufbeuren
AELF Kempten
am
08.07.2019

Mit einem heftigen Ruck pflückt der Lastenhubschrauber eine rund zwei Tonnen schwere Fichte aus der Felswand des Kienbergs.

Bild 3_Hubschraubereinsatz im Pfrontener Bergwald_AELF Kaufbeuren
Pfronten/Lks. Ostallgäu Mit einem heftigen Ruck pflückt der Lastenhubschrauber eine rund zwei Tonnen schwere Fichte aus der Felswand des Kienbergs oberhalb von Pfronten. Innerhalb weniger Sekunden schwebt der Baum am Lastseil ins Tal, wo die Fichte von einem Prozessor entastet und auf einem riesigen Holzpolter abgelegt wird. Diese spektakuläre Holzaktion im Gemeindewald Pfronten wurde durch den Föhnsturm Vaia notwendig, der im vergangenen Herbst mit enormen Windgeschwindigkeiten über den Alpenraum gefegt ist und auch am Kienberg den Schutzwald auf rund einem Hektar umgeworfen hat. „Die entwurzelten und abgeknickten Fichten sind ein gefundenes Fressen für die Borkenkäfer und müssen jetzt schnellstens aus dem Waldbestand. Ansonsten bringt der Käfer auch den umliegenden noch gesunden Schutzwald zum Absterben“, befürchtet Forstdirektor Simon Östreicher, Betriebsleiter des Gemeindewalds Pfronten.

Gefährliche Arbeit

Bild 4_Hubschraubereinsatz im Pfrontener Bergwald_AELF Kaufbeuren
Deswegen haben die Waldarbeiter der Gemeinde und der Fachstelle Schutzwaldmanagement Allgäu in den letzten Wochen unter teils sehr gefährlichen Arbeitsbedingungen die Bäume von den Wurzeltellern abgetrennt und grob entastet. Auf Grund des sehr unzugänglichen und steilen Geländes konnten die rund 400 fm Schadholz anschließend nur mit dem Hubschrauber einer Schweizer Spezialfirma geborgen werden.
Bild 5_Windwurf am Kienberg_AELF Kaufbeuren
Bürgermeisterin Michaela Waldmann ist erleichtert über den weitestgehend unfallfreien Verlauf der Arbeiten: „Unsere Leute haben hier schwierigste Forstarbeiten erledigt und verdienen größten Respekt!“ Unmittelbar unterhalb des Kienbergs befinden sich Häuser und Straßen.
Bild 1_Hubschraubereinsatz im Pfrontener Bergwald_AELF Kaufbeuren
Damit auf der Schadfläche bald wieder ein schützender Wald entstehen kann, setzt Jochen Kunz von der Fachstelle Schutzwaldmanagement auf eine zweigleisige Strategie: „Wir werden im nächsten Jahr auf der Kahlfläche junge Lärchen, Tannen und Fichten pflanzen. Die Laubbäume wie Bergahorn und Buche stellen sich hoffentlich über eine natürliche Ansamung ein, so dass ein gesunder Mischwald hochwachsen kann. Dazu müssen aber die Jäger die Verjüngung des Schutzwaldes durch eine engagierte Jagd unterstützen, da sonst die kleinen Bäumchen dem Äser des Wildes zum Opfer fallen.“

Kosten über dem Erlös

Die Kosten für die sehr aufwändige Aufarbeitung und den Hubschraubertransport der Schadbäume liegen deutlich über dem Holzerlös, den die Gemeinde Pfronten erzielen kann. Die Bayerische Forstverwaltung unterstützt deswegen die dem Allgemeinwohl dienende Maßnahme im Schutzwald mit Fördergeldern und dem kostenlosen Einsatz der staatlichen Waldarbeiter, so dass sie für die Gemeinde insgesamt kostenneutral sein wird.
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