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Milchviehhaltung

Kühe auf Kompost

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Dr. Ing. Agr. Michael Götz
am
11.06.2018

Einen Kompostierstall für behornte Kühe hat Familie Oberholzner in Elixhausen. Damit die Liegefläche trocken bleibt, muss sie richtig gepflegt werden.

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Der biologisch bewirtschaftete Hof von Familie Sabine und Rupert Oberholzner befindet sich in Elixhausen im Salzburger Flachgau. Die Familie hält 31 behornte Pinzgauer Milchkühe in einem Kompostierstall und 30 Stück Jungvieh auf Tiefstreu mit Stroh. Die Kühe liegen weich und können dank der offenen Fläche einander gut ausweichen.

Ein heller, gut durchlüfteter Stall

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Der im Jahre 2015 gebaute Stall mit ansprechender Lärchen-Holztäfelung steht wie eine große Arche beim traditionellen Bauerngehöft. Es ist ein heller, gut durchlüfteter Stall. Die Längsseiten lassen sich mittels aufziehbarer Vorhänge, Curtains, öffnen. Der Dachfirst ist offen und auch an den Giebelseiten gibt es Schlitzöffnungen.

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Eine gute Lüftung ist für einen Kompostierstall besonders wichtig, denn bei der Kompostierung des Liegeflächenmaterials entsteht viel Feuchtigkeit, die abgeführt werden muss, da es sonst zu Kondenswasser vor allem unter dem Dach kommt. Die Liegefläche ist 40 bis 50 cm tief mit Hobelspänen und Dinkelspelzen eingestreut, zu Beginn sind es nur etwa 20 cm mit Resten vom vorhergehenden Kompost. Die Kühe sinken beim Gehen zwar etwas ein, aber es scheint sie nicht zu behindern.

Tägliche Pflege der Kompostmatratze

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Wichtig ist die Pflege des Kompostes. Zwei Mal täglich lockert der Landwirt den Kompost mit einem Grubber oder einer Bodenfräse auf, damit Luft in die Matratze gelangt und das Gemisch mithilfe aerober Mikroorganismen verrottet. Dabei wird auch der Kot in den Kompost eingearbeitet. Man spricht von „Kompostierställen“, da das Material zuerst noch verrotten muss. Der Kompost entsteht mit der Zeit.

Damit die Mikroorganismen arbeiten können, darf die Einstreu nicht zu nass werden. Es dürfen also nicht zu viele Kühe pro Fläche gehalten werden. Der Stall wurde für 40 Kühe mit 400 m² Liegefläche ausgelegt, also eine Kuh pro 10 m². Zurzeit halten Oberholzners nur 31 Kühe.

Die Mikroorganismen brauchen Temperaturen von 30 bis 45 °C, um optimal arbeiten zu können. Die Wärme entsteht beim Umbau des Materials durch die Mikroorganismen. Kälte und Feuchte im Stall beeinträchtigen die Umsetzungsprozesse. Dann kann die Einstreu nass werden; das Material verdichtet sich, der Kompost kühlt ab und die Tiere und deren Euter verschmutzen.
Dem beugt der Landwirt vor, indem er mehr Dinkelspelzen einstreut. Diese bringen den Mikroorganismen mehr Energie und damit wird es wärmer im Kompost. Alle 5 bis 7 Tage streut der Landwirt durchschnittlich etwa 15 m³ frische Einstreue nach. Wenn es kalt und feucht ist, etwas mehr, und vor allem mehr Dinkel.
Zweimal im Jahr räumt der Landwirt den Kompost ganz aus, weil die Liegefläche sonst zu hoch ansteigen würde. Ganz billig ist der Kompost nicht. Das Sägemehl kostet 14 €, die Hobelspäne 11 € und die Dinkelspelzen 10 €/m³. Auf ein Jahr gerechnet macht dies etwa 240 €/Kuh aus, allerdings sind die Kühe im Sommer Tag und Nacht auf der Weide, sodass weniger Einstreumaterial notwendig ist. Den Kosten steht der Düngerwert des Kompostes, das Ausbringen und der Humusaufbau gegenüber.

Kühe mit Hörnern brauchen Platz

Familie Oberholzner hat sich für einen Kompostierstall entschieden, da die offene Liegefläche den Kühen viel Bewegungsfreiheit bietet und diese einander gut ausweichen können. Das war dem Landwirt und seiner Frau besonders wichtig, weil sie Kühe mit Hörnern halten wollten. „Mir haben es die Pinzgauer angetan“, sagt der Landwirt. Und bei denen gehören die Hörner einfach dazu.
Kühe mit Hörnern benötigen mehr Platz als Kühe ohne Hörner. Beobachtet man die Kühe eine Zeit lang, sieht man schnell, wie sie auf Distanz zueinander gehen und zwar bedeutend stärker als Kühe ohne Hörner. Oft sieht man Kratzer am Fell, die von den Hörnern stammen. Das passiere vor allem am Fressplatz, wenn es nicht gelinge, die Kühe rechtzeitig am Fressgitter einzusperren, erklärt die Bäuerin.
Mit Hochleistungskühen können die Pinzgauer nicht mithalten. Der Herdendurchschnitt liegt bei 5200 kg. Eine gute Leistung für eine Zweinutzungsrasse, zumal die Kühe nur mit Heu und Gras und ohne Kraftfutter gefüttert werden. Die Milch geht in eine Heumilchkäserei, welche 59 ct/kg bezahlt, darin eingeschlossen sind 17 ct Zuschläge für Bio- und 5 ct für Käsereimilch.
Gemolken werden die Kühe in einem 2 x 3 Tandem Melkstand. So können auch die trockenstehenden Kühe durch den Melkstand gehen, ohne dass sie das Melken der anderen behindern. „Wir würden es wieder so machen“, antwortet die Bäuerin auf die Frage, ob sie mit dem Stall zufrieden ist.
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