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Ernte 2019

Kulturen stehen bombig da

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Patrizia Schallert
am
01.07.2019

Presseerntefahrt des Landwirtschaftsamtes Augsburg in Langerringen.

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Die vielfältige Kulturlandschaft der Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg mit ihrem Wechsel von Feldern, Wiesen, Flüssen und Seen sind eine Augenweide, sagte der Amtschef Wolfgang Sailer auf der Presseerntefahrt des AELF Augsburg. Das erfreue nicht nur die heimische Bevölkerung, sondern auch zahlreiche Touristen. „Dabei wird jedoch schnell vergessen, dass unsere bäuerlichen Familien einen großen Beitrag leisten, damit unsere Heimat gepflegt erscheint.“
Aber alle Pflege und Fürsorge der Landwirte helfen wenig, wenn sich, wie Mitte Juni bei Landsberg geschehen, ein verheerender Hagelzug seinen Weg über eine bestimmte Region sucht. Der südliche Landkreis Augsburg, in dem die Erntefahrt stattfand, hatte jedoch Glück und wurde gerade noch einmal verschont. So stehen auch rund um Langerringen die Kulturen zur Erntefahrt bombig da. Selbst der Schädlingsdruck ist bislang nur gering, wie Dr. Michaela Diethelm vom Sachgebiet Landwirtschaft am AELF Augsburg bestätigte.
Derzeit gibt es in den Landkreisen Augsburg und Aichach-Friedberg insgesamt 1450 landwirtschaftliche Betriebe mit einer Nutzfläche von rund 55 000 ha. Ein Viertel davon ist Grünland, drei Viertel sind Ackerland. 45 % der Betriebe wirtschaften im Haupterwerb. Auf 33 % der Ackerfläche wächst Getreide, auf 28 % Mais. Weitere Anbauschwerpunkte sind Kartoffeln und Zuckerrüben.
„Bis auf Hopfen wächst in unserer Region so gut wie alles“, sagt Behördenleiter Sailer. „Im Landkreis Aichach-Friedberg habe ich sogar eine kleine Weinbaufläche entdeckt.“ Auch die Sojakulturen scheinen sich in Zeiten des Klimawandels und der bayerischen Eiweißinitiative allmählich vom Stief- zum Hätschelkind zu entwickeln. 200 ha der Eiweißpflanze gedeihen heuer bereits im Dienstgebiet des AELF Augsburg. Ein Problem bei Soja ist jedoch das Verbot des chemischen Pflanzenschutzes auf ökologischen Vorrangflächen, auf denen die Sojabohne angebaut werden darf. Dadurch steigt das Anbaurisiko, zumal es in der Region oft nass und kalt ist und Soja erst im September geerntet werden kann. Daher sieht Sailer bessere Chancen für andere Eiweißpflanzen.
An sich seien die Böden im Lechfeld mit ihrer geringen Humusauflage benachteiligte Flächen, stellt Sailer fest. Knapp unter der Oberfläche steht Kies an, in dem das Regenwasser schnell versickert. Schon bei einer Trockenphase von drei bis vier Wochen werde es knapp mit der Wasserversorgung der Pflanzen. Reagieren könnten die Landwirte mit dem Anbau von Kulturen, die einigermaßen mit der Trockenheit zurechtkommen.
Sailer zufolge ist die Landwirtschaft zwar gut aufgestellt. Dabei dürfe jedoch nicht vergessen werden, dass die Agrarförderungen daran einen erheblichen Anteil haben. Andererseits sind sie ein Ausgleich für die Leistungen der Landwirtschaft zum Allgemeinwohl, insbesondere durch ressourcen- und umweltschonende Wirtschaftsweisen. Um ihre Betriebe auf sichere Füße zu stellen, benötigten die Bauern jedoch auch gute Erträge, die sie durch den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln erreichen. Hier gelte der Grundsatz: So viel wie nötig und so wenig wie möglich.

Kreisobmann bringt mehrere Kritikpunkte vor

Umso unverständlicher ist Kreisobmann Martin Mayr die „Stimmungsmache“ in den Medien. Mit den Witterungsverhältnissen kämen die bäuerlichen Betriebe gut zurecht, mehr Sorgen macht sich Mayr um den Einfluss von Politik und Verbraucherseite. „Das nimmt Formen an, die nicht mehr tragbar sind.“ Das Versöhnungsgesetz zum Volksbegehren „Artenschutz“ geht nach Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber in Ordnung, für den Kreisobmann jedoch gar nicht. Für ihn ist es nicht nachvollziehbar, dass das Gesetz jetzt weniger beinhaltet, als zuvor am Runden Tisch erreicht worden sei.
An die neue Düngeverordnung hätten sich die Landwirte inzwischen halbwegs gewöhnt, sagt Mayr. Dass jetzt noch einmal verschärfte Regeln für die Roten Gebiete eingeführt werden sollen, stößt ihm jedoch sauer auf. Überhaupt seien viele der Gebiete willkürlich festgelegt worden. In diesem Zusammenhang kritisiert der Kreisobmann die Informationspolitik der Wasserwirtschaftsämter. „Auf viele Fragen bekommen wir von ihnen keine Antwort.“ Das Umweltministerium habe nur Gesetze im Kopf und lasse in seinem Tunnelblick keine anderen Argumente gelten. Weiter ging Mayr auf die katastrophale Situation am Kälbermarkt ein, der aufgrund der Vorsorge gegen die Blauzungenkrankheit massiven Handelsrestriktionen unterliegt. „Die Landwirtschaft hat gelernt, mit volatilen Preisen umzugehen“, schließt Mayr. „Wir haben bewiesen, dass wir alles umsetzen, was von uns gefordert wird. Aber die wachsenden Produktionsauflagen müssen auch entsprechend honoriert werden.“
Ein Beispiel dafür ist die bienenschonende Wirtschaftsweise auf dem Betrieb Pech in Untermeitingen. Stefan Pech, derzeit Studierender an der Landwirtschaftsschule Augsburg, betreibt nebenbei eine Bienenzucht mit neun Völkern. Als Imker verzichtet er aus Überzeugung auf die Blütenspritzung beim Raps, zumal hier der Aufwand in keinem Verhältnis zur Erhöhung der Erträge stehe. Im Landkreis gibt es „keinen Stress“ zwischen Imkern und Bauern, bestätigt Pech. „In Absprache mit den Imkern führen die Landwirte ihren Pflanzenschutz erst abends nach der Flugzeit der Bienen durch.“ In der Lechebene bewirtschaftet Familie Pech 20 ha artenreiche Magerrasen, die dem Vertragsnaturschutzprogramm unterliegen. Auf diesem Grünland wird auf Pflanzenschutz und Düngung komplett verzichtet. Gemäht wird erst ab dem 15. Juni.

Vize-Kreisobmann Walter Schuler bedauerte, dass es immer schwieriger werde, die Bevölkerung für informative Veranstaltungen der Landwirtschaft zu gewinnen. „Heute müssen wir unsere Angebote immer mehr als Event vermarkten.“ Als Beispiel führte Schuler eine öffentliche Radlrundfahrt am Pfingstmontag an, bei dem fünf Betriebe unmittelbar an den Ackerschlägen mit verschiedenen Kulturen das Gespräch mit den Verbrauchern suchten.

Besser geht’s nicht

Franz Ringler (Langerringen): „Besser geht’s nicht. Wenn das Wetter weiterhin passt, wird die Ernte beim Winterweizen heuer überdurchschnittlich. Einen Strich durch die Rechnung können nur noch Hagel oder ein Sturm machen. Seit der Aussaat hatte ich auf den gesamten 25 ha Weizen bislang keine Probleme, abgesehen von einem Schlag, der sortenbedingt leichten Mehltau aufwies, der jedoch gut zu behandeln war. Grundsätzlich ist das gute Wachstum aller Kulturen in unserer Region wegen der großteils guten Böden kein Wunder. Wenn die Qualitätsanforderungen passen, werde ich meinen Winterweizen an die örtliche Mälzerei verkaufen. Sollte dem nicht so sein, wird er als Futtergetreide vermarktet.“

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Johannes Bihler (Langerringen): „Meine 25 ha Sommergerste stehen heuer relativ gut und gesund da. Dafür haben sicher auch die ausreichenden Niederschläge während des gesamten Aufwuchses gesorgt. Außerdem ist unsere Region weitgehend von Unwettern verschont geblieben. Den anfänglich auftretenden Mehltau habe ich mit einem entsprechenden Pflanzschutzmittel gut in den Griff bekommen. Wenn es zu keinen unerwarteten Wetterereignissen kommt, rechne ich mit einer durchschnittlichen Ernte von rund 70 dt/ha.“

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Stefan Pech (Untermeitingen): „Noch spritze ich meine 4 ha Zuckerrüben und hacke nicht. Allerdings ist das seit vergangenem Sommer EU-weite Verbot von drei insektiziden Wirkstoffen aus der Gruppe der Neonicotinoide für die Landwirtschaft eine große Herausforderung. Heuer wird sich erstmals zeigen, wie sich dieses Verbot auf die Erträge auswirken wird. Der Zuckerrübenanbau ist nur dann rentabel, wenn die Menge passt. Das gilt ganz besonders dann, wenn die Preise wie jetzt im Keller sind. Der Saatzeitpunkt Ende März war optimal. Die anschließende Trockenheit zog ein verzögertes Auflaufen nach sich, durch den Frost im Mai und die Kälteperiode kam es zu einem Wachstumsstopp. Aufgrund des Neonicotinoidverbots musste ich heuer deutlich mehr Pflanzenschutzmittel mit anderen Wirkstoffen auf meinen Zuckerrübenfeldern einsetzen. Eine Ertragsprognose lässt sich jetzt im Juni noch nicht stellen.“

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Walter Schuler (Königsbrunn): „Bis jetzt bin ich mit meinem Mais sehr zufrieden, aber geerntet wird erst am Schluss. Eine Ertragsprognose ist schwierig, weil der Mais sein Wachstum noch vor sich hat. Ebenso lässt sich nicht abschätzen, ob der Maiszünsler Schäden verursachen wird, das hängt stark von der Witterung ab. Seit dem Grünland-Umbruchverbot ist der Drahtwurm eigentlich kein Thema mehr. Der Maiswurzelbohrer wurde im Landkreis zwar bereits gesichtet, die Schäden sind aber überschaubar. Der Frost im Mai hat auf meinen 35 ha großen Maisbeständen keine Schäden angerichtet. Im Vergleich zum Getreide ist beim Mais deutlich weniger Pflanzenschutz erforderlich.“

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