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Betretungsrecht missachtet

Landwirt wehrt sich: Mit Gülle gegen Badegäste

Badewiese
Josef Gutsmiedl
am
06.07.2017

Burgberg/Lks. Oberallgäu - Ein klassischer „Zielkonflikt“ tat sich Mitte Juni am Ortwanger Baggersee bei Burgberg im Oberallgäu auf. Hier eine einladende Wiese direkt am Ufer eines beliebten Badesees – dort das Interesse eines Landwirts, der das Gelände zwischen der Bundesstraße B 19 und dem See als Mähwiese zur Futterproduktion nutzt. Der lange schwelende Streit eskalierte an einem sommerlichen Badetag: Landwirt Martin Köberle vertrieb Badegäste, indem er mit dem Güllefass anrückte.

Die „umstrittene“ Wiese ist zwar eingezäunt, doch immer wieder muss Landwirt Köberle feststellen, dass Leute auch auf seiner Futterfläche campieren und Sonnenschirme aufstellen. Und ganz spurlos gehe dieser Besuch auch nicht ab, klagt Köberle: Nicht selten finde er Abfall auf der Wiese und im Mähgut – Kippen, Flaschen, Tüten.  Er vermutet sogar, dass Müll im Futter vor zwei Jahren dazu führte, dass er eine Kuh einschläfern lassen musste.
Köberle hat daher immer wieder kleine Schilder am Zaun angebracht und darauf hingewiesen, dass das Grundstück keine Liegewiese ist. Auch direkte Gespräche mit Badegästen  fruchteten nicht immer. Die offizielle Liegewiese ist offenbar nicht so beliebt bei den Sonnenbadenden und auch nicht so gut zu erreichen; zudem geht es hier recht steil ins Wasser.
Jetzt platzte dem Landwirt allerdings der Kragen. Bei bestem Badewetter  lagerten wieder „Gäste“ auf der von ihm gepachteten Wiese. Köberle forderte sie auf, das Gelände zu verlassen. Das war vormittags. Als der Landwirt am Nachmittag erneut zum See kam, lagerten rund 40 Personen auf der Wiese und
ignorierten seine neuerliche Aufforderung. Das war Köberle dann doch zu viel: Er ging nach Hause, kam mit vollem Güllefass zurück und begann, die Gülle auf seiner Wiese auszubringen. Er bespritzte zwar nicht direkt die Badegäste, diese aber dennoch die Flucht angegriffen.

Niemand kontrolliert

Augenzeugen meinten, ein paar Tropfen habe der Wind doch auf die Leute getragen. „Eine Anzeige liegt aber noch nicht vor“, so Köberle, der sich im Recht sieht. Das Betretungsrecht sei da eindeutig und auf seiner Seite: Landwirtschaftliche Nutzflächen sind während der Zeit des Futteraufwuchses, also von April bis November, tabu. Er bemängelt, dass diese Vorschriften wohl zu wenig durchgesetzt würden. „Das kontrolliert ja niemand!“
Jetzt hat der Landwirt Sorge, dass  ihm über kurz oder lang die Wiese als Pachtgrund verloren gehen könnte, wenn der Burgberger Bürgermeister womöglich mit dem Besitzer der Wiese eins werde und das Gelände als offizielle Liegewiese im neuen Flächennutzungsplan ausgewiesen wird.

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