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Verbraucheraufklärung

Landwirtschaft ins rechte Bild rücken

Andrea Mayr
Patrizia Schallert
am
23.05.2017

Großaitingen/Lks. Augsburg - Für Kreisbäuerin Andrea Mayr hat die Verbraucheraufklärung oberste Priorität.

Mit Vollgas stürmte Andrea Mayr an die Spitze der Landfrauen im Augsburger BBV-Kreisverband. Obwohl sie nie Ortsbäuerin war, wurde sie vor fünf Jahren zur Vizekreisbäuerin gewählt und trat heuer schließlich als  Kreisbäuerin in die Fußstapfen von Anni Fries. „Ein Amt in der Kreisvorstandschaft war für mich vorher nie ein Thema, auch weil ich seit acht Jahren als BBV-Ernährungsfachfrau tätig bin“, sagt Mayr. „Aber es ist schon aufregend, dass ich jetzt als Kreisbäuerin unseren Berufsstand vertreten kann.“ Ihre größte Aufgabe sieht sie in der Aufklärung der Verbraucher über den wahren Wert der regional produzierten Lebensmittel. „Ansonsten will ich erst einmal alles auf mich zukommen lassen. Es macht ja auch wenig Sinn, alles auf einmal umzukrempeln. Schließlich hat mir Anni Fries einen gut funktionierenden Kreisverband hinterlassen, aber offen für Neues bin ich dennoch.“

Eigene Veranstaltungen für die Landfrauen

Neue Ideen bringt sicher auch die verjüngte, engagierte Vorstandschaft mit, gibt sich Mayer überzeugt. „Es weht ein frischer, neuer Wind und wir haben sofort nach der Wahl eine Whatsapp-Gruppe gegründet, bei der jedes Vorstandsmitglied seine Anregungen einbringen kann.“ Anders als manche ihrer schwäbischen Amtskolleginnen spricht sich Mayr weiterhin für eigenständige Veranstaltungen der BBV-Landfrauengruppe aus. Die Mehrfachbelastung auf den Betrieben verlange den Bäuerinnen vieles ab. Deshalb sollten die Frauen wenigstens auf Veranstaltungen den Stress hinter sich lassen können und die Chance haben, Entspannung und zu sich selbst zu finden und vor allem zur Ruhe zu kommen. „Gesundheitsthemen sind insofern sinnvoll, weil sie die Frauen interessieren und die entsprechenden Versammlungen immer gut besucht sind.“
Allerdings erkennt Mayr ein Pro­blem bei der Termimierung der Ortsbäuerinnentagungen. „Inzwischen haben nämlich viele junge, außerbetrieblich tätige Ortsbäuerinnen das Amt angetreten.“ Mayr möchte eine Umfrage starten, ob die Veranstaltungen wie bisher am Vormittag und Nachmittag oder eher am Abend stattfinden sollen. „Wir brauchen berufstätige Bäuerinnen, die sich ehrenamtlich im Bauernverband engagieren. Mit ihren außerlandwirtschaftlichen Berufen sind sie ein wertvolles Bindeglied zwischen Landwirtschaft und Verbraucher.“
Für die neue Kreisbäuerin hat die Aufklärung der Bevölkerung über die moderne, nachhaltige Landwirtschaft oberste Priorität. „Die Gesellschaft soll wissen, dass wir Bauern nichts Böses und selbst nur das Beste für unserer Tiere und Nutzflächen wollen.“ Manchmal scheitere das allerdings am Geld aufgrund der mangelnden Bereitschaft der Verbraucher, ihre Wertschätzung für die Arbeit der Bauern durch das Bezahlen angemessener Preise umzusetzen. Hier führt Mayr das Beispiel der Franzosen und Österreicher an: „Denen ist gutes Essen noch etwas wert, das müssen die Deutschen erst noch lernen.“ Vor ihrem Amtsantritt als Vizekreisbäuerin hat sich Mayr als BBV-Ernährungsfachfrau und Botschafterin für das Siegel „Geprüfte Qualität Bayern“ in Supermärkten engagiert. Die Aussagen mancher Verbraucher wie „Ist doch mir wurscht, was ich esse, Hauptsache es ist billig“ klingen ihr noch heute im Ohr. Es sei schon traurig, dass manchen Menschen ein Luxusschlitten vor der Türe und mehrere Urlaube im Jahr wichtiger seien als hochwertiges, schmackhaftes und gesundes Essen.
Einen weiteren Schwerpunkt ihrer künftigen Arbeit sieht Mayr in der Mobilisierung der Tagespresse. „Die Journalisten sollen endlich ihre Ohren für die regionale Landwirtschaft und die Aktionen der bäuerlichen Betriebe öffnen. Wir sind schließlich der Teil der Bevölkerung, der täglich für frische Lebensmittel auf dem Tisch sorgt.“ Die Tagespresse möge auch der Arbeit der Bäuerinnen mehr Aufmerksamkeit schenken, wünscht sich Mayr, und verweist auf das Projekt „Landfrauen machen Schule“. Dabei lernen schon Kinder, wie sie sich gesund ernähren können. Die Kreisbäuerin selbst trägt ihr Scherflein zur gesunden Ernährung bei, indem sie regional erzeugte Produkte in ihrem Hofladen in Großaitingen anbietet. Dort kann der Verbraucher neben den betriebseigenen Eiern, Hähnchen und Likören auch zwischen Nudeln, Wurstdosen oder Weinen wählen.

Geflügel, Hofladen und Saatgutvermehrung

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Fridolin, dem 24-jährigen, gleichnamigen Sohn und Hofnachfolger, dem 23-jährigen Techniker für Landbau, Johannes, dem 19-jährigen Fachoberschulabsolventen Sebastian, der Schwiegermutter Hildegard Mayr und ihren Eltern Antonia und Karl Schluifelder betreibt die Kreisbäuerin den „Geflügelhof Mayr“ in Großaitingen. Auf dem Betrieb werden 800 Legehennen und 16 000 Masthähnchen gehalten. Die Hennen werden vom Hofnachfolger Fridolin betreut, die Hähnchen vom Betriebsleiter Fridolin Mayr. Die Kreisbäuerin kümmert sich vornehmlich um den Hofladen und den Haushalt. Auf rund 100 ha Ackerland betreibt die Familie die Saatgutvermehrung von Winterweizen und Sommergerste, außerdem werden Raps, Körnermais und Zuckerrüben angebaut.
Vor 22 Jahren hatten Andrea Mayr und ihr Ehemann den Schweinemast- und Legehennenbetrieb von Fridolins Eltern übernommen. Die Schweinemast gaben sie jedoch zwei Jahre später auf und bauten den Schweinestall zu einem neuen Legehennenstall und einen Hofladen um. Der 2015 zusätzlich installierte Eierautomat ergänzt den Laden optimal. „Der Automat verschafft mir die Möglichkeit, den Hofladen pünktlich zu schließen.“ So bleibt der Kreisbäuerin neben ihrer Arbeit auf dem Betrieb und im Haushalt mehr Zeit für ihr Ehrenamt im BBV, ihren Einsatz als Leiterin des Kinder- und Jugendchors Großaitingen, als Kassiererin beim Musikverein und als Vorstandsmitglied des Liederkranzes.
„Die Wahl zur Kreisbäuerin war für mich ein großer Vertrauensbeweis der Ortsbäuerinnen“, betont Mayr. In die großen Fußstapfen von Anni Fries zu treten, sei nicht ganz einfach, schließlich habe diese 25 Jahre lang ihr Amt ausgeübt und immer ein offenes Ohr für ihre Bäuerinnen bewiesen. „Für viele Landfrauen ist es eine große Umstellung, dass Anni Fries jetzt altersbedingt nicht mehr ehrenamtlich für den Bauernverband tätig ist. Das Vertrauen, das meine Vorgängerin hatte, muss ich mir erst erarbeiten. Aber meine Berufskolleginnen werden sich gewiss noch daran gewöhnen, dass sie auch an mich jedes Problem herantragen können.“

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