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Baumarten

Vom Liebling der Waldbauern

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Toni Ledermann
am
15.07.2019

FBG und AELF Mindelheim informieren über die Weißtanne.

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Mörgen/Lks. Unterallgäu Der zweite diesjährige Waldbegang der Forstbetriebsgemeinschaft und des AELF Mindelheim widmete sich der Weißtanne. Dazu wurden die Waldbesitzer in den Forst östlich von Mörgen eingeladen. Referenten waren AELF-Förster Walter Bayer sowie LFD Rainer Nützel.

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Bei der Begrüßung freute sich FBG-Vorsitzender Georg Paulus über ein großes Interesse, da sehr viele Interessierte gekommen waren. Einige der Gäste sprachen sogar vom besten Besuch in dieser beliebten Informationsreihe. Referent Bayer schickte voraus, dass verschiedene Weißtannenbereiche gezeigt werden. Generell sei Geduld bei dieser Baumart gefragt, da sie etwa zehn Jahre nach der Anpflanzung erst richtig zu wachsen beginne – und die kleinen Tännchen beim Rehwild als Knabberei hoch im Kurs stehen.

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Erste Station war ein kleines, umzäuntes Waldstück, in dem die Rechtler von Mörgen im Jahr 2016 Weißtannen eingebracht haben. Bei dem Areal handelt es sich um eine Käferlücke, so dass auf allen Seiten ein hoher Baumbestand vorhanden ist. Als weitere Tannenarten neben der heimischen Weißtanne nannte Bayer die Nordmanntanne und die Riesentanne.

Historisch gesehen sei die Weißtanne in unseren Breiten erst nach den Eiszeiten wieder zugewandert. Sie war damals eher südlich der Alpen beheimatet und dort vor allem auf den Höhenzügen zu finden, etwa auf dem Apennin und hinein bis nach Griechenland und Sizilien. Dort sei sie immer noch beheimatet. Ein sicheres Zeichen dafür, dass diese Baumart gewappnet sei für die Klimaerwärmung. Überdies seien Weißtannen durchaus kälteverträglich, haben eine sehr starke Wurzelentwicklung und kommen auch auf verdichteten Böden gut zurecht, besser jedenfalls als Fichte, so Bayer.
Vergleicht man die Holzqualität zwischen Fichte und Weißtanne, so bestünden nur geringe Unterschiede, teilweise seien Weißtannen sogar geringfügig überlegen. Um dies zu dokumentieren, hatte Bayer extra ein Holzbrett mitgebracht. Charakteristisch sei, dass Tanne völlig harzfrei ist, was im Innenbereich deut- lich von Vorteil ist. In jedem Wald gelte die Weißtanne als Stabilisator, da sie tief wurzle. Weißtanne werde auch als „Nährstoffpumpe“ bezeichnet, da durch sie Nährstoffe, die sich tiefer im Boden befinden, wieder nach oben „gezogen“ würden. Ungeeignet für den Anbau von Weiß- tannen seien Auenflächen, in denen oft das Wasser stehe, oder Niedermoore. Auch frostgefährdete Muldenlagen eignen sich nicht.
Sehr früh habe man erkannt, dass das Tannenholz wechselnde Feuchtigkeit besser verträgt als Fichtenholz. Die Dachschindeln und andere Teile alter Bauernhöfe, Wasserleitungen und die Brunnentröge seien daher bevorzugt aus Tannenholz gefertigt worden. Ihre größte Stärke sei jedoch ihre Fähigkeit, besonders in der Jugendphase mit extrem wenig Licht auszukommen. Weißtanne sei in der Lage, im Schatten zu keimen und bilde alsbald flach geformte Nadeln aus, die jeden Lichtstrahl einfangen. So könne sie jahrzehntelang geduldig warten, bis im Kronendach eine Lücke entsteht. Diese Schattenfähigkeit werde im Allgäu auch genutzt, in dem die Weißtanne als Vorbaumart eingesetzt wird.
Waldbauern, die die Weißtanne anbauen wollen, sollten sich trotz aller Vorteile bewusst sein, dass Frost den jungen Bäumen durchaus zusetzen könne. Bayer warnte davor, in Euphorie auszubrechen, wenn durch Naturverjüngung eine Weißtanne heranwächst, da auch Mäuse und Vögel deren Wachstum behindern. Weißtanne sei durchaus verjüngungsfreudig. Befindet sich ein Altbaum in der Nähe, bildeten sich kleine Keimlinge, so genannte Weißtannen-Sterne. Aber in wenigen Jahren können alle diese kleinen Pflänzchen wieder verschwunden sein.
Die Tanne ist auch nicht ganz vor Krankheiten gefeit, allerdings weniger durch den Borkenkäfer. Ein Schlauchpilz, der über die Sternmiere übertragen wird, befällt zunächst nur die Nadeln. Später verursache der Pilz an Jungtannen Verdickungen an den Ästen oder wilde Verzweigungen, die so genannten „Hexenbesen“. Wächst dieser Pilz in den Stamm ein, entstehe eine dicke Aufbauchung, dann auch „Rädertanne“ genannt. Besonders nach feuchten Frühjahren mache eine weitere Pilzerkrankung, die Nadelbräune, besonders jungen Tannen zu schaffen.

Pflanzung von Weißtanne wird gefördert

Der nächste Exkursionspunkt war ein ehemaliges Käfernest, in dem nun etwa 20 cm große Weißtannen gepflanzt wurden, geschützt hinter Plastikgitternetzen mit etwa 1,60 m Höhe. Dass hier nur etwa 150 Bäumchen stehen, erklärte Bayer mit der vorgegebenen Bagatellgrenze bei der Förderung, die pro Bäumchen bei Weißtanne und Laubholz 1,10 € als Grundfördersatz betrage, Minimum 250 €. Möglich seien auch Zuschläge, etwa beim Kauf einer zertifizierten Pflanze, dann kommen jeweils noch 6 ct zusätzlich dazu. Werden die neuen Pflänzchen in ein früheres Borkenkäferareal eingebracht, weitere 7 ct., weitere 33 ct bei einem Waldbesitzer mit weniger als 2 ha Fläche, so dass sich auf die Förderung bis zu 1,70 € aufaddieren könne. Werden die Pflänzchen durch ein Wuchsgitter geschützt kommen dafür und die Haltestäbe nochmals Zuschussgelder hinzu. Diese Bezuschussung könne aber nur vor Maßnahmebeginn und in Verbindung mit einem Förster beantragt werden, gab Bayer zu bedenken.

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