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Schweineprüfring

Mäster kämpfen mit Preiswellen

Michael Ammich
am
30.01.2017

Dasing - Der Schwäbische Schweineprüfring Aichach-Friedberg/Schwabmünchen blickt auf 50-jähriges Bestehen zurück.

Schweineprüfring

Als der größte schwäbische Schweineprüfring Aichach-Friedberg/Schwabmünchen vor 50 Jahren gegründet wurde, belief sich in seinen Mitgliedsbetrieben die durchschnittliche Bestandsgröße auf rund 30 Mastschweine und die Mäster konnten gut davon leben. Heute sind mehrere 100 Mastplätze keine Seltenheit mehr und viele Mäster kämpfen in den ungeheuren Preiswellen, die sie einmal nach oben werfen und dann sogleich wieder nach unten drücken, ums Überleben. „Wir schaffen das“, rief ihnen ihr Vorsitzender Josef Held auf der Jahresversammlung und Jubiläumsfeier in Dasing zu.
Vor der 50-Jahr-Feier ging es aber erst einmal um nüchterne Zahlen, die Peter Müller vom Fachzentrum Schweinezucht und -haltung am AELF Wertingen vortrug. Im vergangenen Jahr waren dem Schweineprüfring Aichach-Friedberg/Schwabmünchen 78 Betriebe mit Leistungsprüfungsvertrag angeschlossen (zwei mehr als im Vorjahr). Gesteigert hat sich auch die Zahl der geprüften Tiere – um 4695 auf 71 858 Stück. „Das ist die höchste Bestandszahl, die wir im Prüfring jemals hatten“, sagte Müller.
Der Fachberater legte die wichtigsten Kennziffern der Leistungsprüfung vor. Demnach beliefen sich die Verluste in der Mast auf 1,92 % (+0,13 %/Vorjahr) und die durchschnittlichen Tageszunahmen auf 802 g (–2,0 g). Mit 60,10 € waren die Ferkel um 7,10 € billiger zu haben als 2015 und auch die Futterkosten waren mit 58,40 € pro um 1,20 € niedriger. Das bedeutet, dass sich auch die Gesamtkosten für die Mast pro Schwein um 10,10 auf 124 € verringert hatten. Allerdings sank auch der Erlös je Kilogramm Schlachtgewicht um 0,108 auf 1,468 € und damit der Deckungsbeitrag pro eingestalltem Tier um 1,60 auf 16,80 €. Mit 59,3 % hat sich der Magerfleischanteil gegenüber 2015 nicht verändert.
Von 179 174 Ferkeln, die von den Mitgliedsbetrieben bezogen wurden, stammten 8,3 % aus dem eigenen und 3,2 % aus einem bekannten Betrieb. 55,7 % der Ferkel lieferte die EG Franken-Schwaben, weitere 5,7 % kamen von Südferkel und 9 % aus dem Handel. 17,4 % wurden von außerbayerischen Organisationen gekauft. Gemästet wurden die Schweine zu 69,2 % mit Getreide und zu 24,2 % mit Getreide und Mais. Damit ist diese Form der Mast in keinem anderen schwäbischen Prüfring so verbreitet wie im Aichach-Friedberger.
Weitaus differenzierter gestaltete sich die Vermarktung: 12,6 % der ausgemästeten Schweine gingen an Metzger, 23,8 % an die EG Franken-Schwaben. 19,2 % wurden der EG-S Oberbayern angedient und 13,7 % weiteren Erzeugergemeinschaften. Die VVG Oberbayern-Schwaben erhielt 18,3 % der Schlachtschweine und die Viehzentrale 5,1 %, während sich sonstige Genossenschaften mit 1,6 % und der Handel mit 4,4 % begnügen mussten.

Mäster mit dem blauen Auge durchs Jahr 2016

Wie immer warf Müller einen Blick auf die enormen geldwerten Unterschiede zwischen dem oberen und dem unteren Viertel der Ringbetriebe. Während die besseren Mäster bei ihren Schweinen im Schnitt eine Tageszunahme von 803 g erreichten, waren es bei den weniger erfolgreichen nur 792 g. Auch die Verluste waren hier mit 2,1 % deutlich höher als bei den besseren Betrieben mit 1,5 %. Das obere Viertel konnte seine Ferkel im Mittel zu 58,60 € ankaufen, das untere Viertel zu 61,60 €. Am Ende beliefen sich die Gesamtkosten der Mast pro Tier beim oberen Viertel auf 120,40 € und beim unteren Viertel auf 136,60 €. Insgesamt ergab sich im Deckungsbeitrag ein sattes Minus von 48,90 € bei den weniger guten Betrieben gegenüber dem Deckungsbeitrag von 72,50 € in den besseren Betrieben.
„Wir Mäster haben es geschafft, durch das Preistal 2016 zu gehen und sind mit einem blauen Auge davongekommen“, stellte Ringvorsitzender Held fest. „Allerdings haben wir eine Achterbahnfahrt zwischen 1,30 und 1,70 € hinter uns.“ Derzeit seien bayerische Ferkel bei den Mästern begehrt wie nie zuvor, doch wenn sich erst einmal ein Verbot der Kastenstände und der betäubungslosen Ferkelkastration durchsetzt, dann „ist wirklich Druck im Kessel“.
Die 50-Jahr-Feier wurde vom ehemaligen Ringvorsitzenden und Aichach-Friedberger Kreisobmann Kaspar Breitsameter mit einem Rückblick auf die ersten 25 Jahre seit der Gründung eröffnet. Damals seien die Bauern noch skeptisch gewesen, ob ein landwirtschaftlicher Betrieb allein von Schweinen und ganz ohne Kühe überhaupt leben kann. Ab Mitte der 60er-Jahre ging dann die Spezialisierung der Landwirtschaft so richtig los. Die Mägde und Knechte hatten die Höfe verlassen, weil die Indu­strie mit höheren Einkommen lockte, Vollspaltenböden waren noch neu.
Als der Schweineprüfring Aichach-Friedberg/Schwabmünchen 1967 unter seinem 1. Vorsitzenden Florian Kastl ins Leben trat, war er bereits der 85. seiner Art in Bayern. Vorrangiges Ziel waren der gemeinsame Futterkauf und Vermarktung der Schlachtschweine. Sehr schwierig sei es damals jedoch gewesen, die benötigten Ferkel zu beschaffen, erinnerte sich Breitsameter. „Weil es noch keine Ferkelerzeugergemeinschaften gab, mussten sich die Mäster die Ferkel einzeln oder in winzigen Gruppen zusammenkaufen.“ In den 70er- Jahren entstanden die ersten Ferkel-EG und auch die Vermarktung der Schweine wurde einfacher.
1970 waren dem Aichach-Friedberger Prüfring 43 Mitgliedsbetriebe mit insgesamt 1326 Mastschweinen angeschlossen. „Wir können uns heute gar nicht mehr vorstellen, dass die Mäster mit einem Durchschnittsbestand von 30 Schweinen über die Runden kamen“, sagte Breitsameter, der 1978 das Amt des Ringvorsitzenden übernahm und es 15 Jahre lang ausübte. Mit der Einstellung eines zweiten Ringassistenten im selben Jahr begann eine Blütezeit für den Ring mit stark steigenden Mitglieder- und Vermarktungszahlen. Mit den 90er-Jahren setzten dann die Diskussionen um das Tierwohl ein und die BBV-Initiative „Offene Stalltür“ fand großen Anklang bei den Ringmitgliedern. „Wir hatten ja schließlich nichts zu verbergen“, bekräftigte Breitsameter. 1991 umfasste der Prüfring 65 Betriebe, 1993 gab Breitsameter den Vorsitz an Leonhard Büchel ab, der diesen bis 2008 behielt.
Über die nächsten 25 Jahre Historie berichtete Wolfgang Grob, Leiter des Schweine-Fachzentrums am AELF Wertingen. Im Jahr 2000 gab es in Bayern noch einen Ferkelüberschuss von 940 000 Tieren, während heute im Freistaat ein Defizit von 1,59 Mio. Ferkeln herrscht. Ihren Ausgang nahmen die sinkenden Ferkelzahlen schon in den 90er-Jahren, als die Zeit der schwankenden Preise begann.

Nach BSE wollten alle nur Schweinefleisch

Zugleich kam die arbeitsteilige Ferkelproduktion mit der Spezialisierung der Zuchtsauenhaltung auf. 1998/99 war es dann soweit: Mit nur 3 € verzeichneten die Mäster den bis heute niedrigsten Deckungsbeitrag pro Mastschwein – um dann bald darauf im Jahr 2001 mit 47 € den höchsten jemals ermittelten Deckungsbeitrag zu erwirtschaften. „Nach der BSE-Krise wollte alle Welt nur Schweinefleisch haben“, erklärte Grob den denkwürdigen Preissprung.
2002 wurde das QS-Programm auf den Weg gebracht, das den deutschen Verbrauchern ein weltweit einmaliges System zur Lebensmittelsicherheit bescherte. Wenig später folgte das GQ-Programm. In dieser Zeit begann aber auch eine bis heute schwierige Phase für alle Schweinemäster, die ihre Betriebe entwickeln wollten. Mit der Forcierung der Bioenergie übernahmen die Biogasanlagen von der tierischen Veredelung die Preisführerschaft auf dem Pachtmarkt, bezahlbare Flächen wurden knapp. 2008 wurde Josef Held Vorsitzender und musste erleben, wie sich rechtliche Fragen auf den Ringversammlungen immer mehr in den Vordergrund spielten.
Abschließend blickte Grob auf die Leistungsentwicklung. In den ersten 20 Jahren seines Bestehens stiegen die täglichen Zunahmen der Mastschweine um 30 g, in den letzten 20 Jahren dagegen um insgesamt 125 g – ohne Rückgang des Magerfleisch­anteils. Zugleich erreichten die Schweine immer höhere Mastendgewichte. Erstaunlich: Grob zufolge bewegte sich der durchschnittliche Deckungsbeitrag pro Mastschwein in den ersten elf Jahren nach Gründung des Prüfrings bei 23,60 € und in den letzten elf Jahren ebenfalls bei 23,60 €.
Grob listete einige Punkte auf, die den Prüfring Aichach-Friedberg/Schwabmünchen von den anderen drei schwäbischen Ringen unterscheidet: Die größeren Strukturen in der Schweinemast, den höheren Organisationsgrad der Mastbetriebe, die überwiegende Mast mit Getreide und die geringere Bedeutung der Vermarktung an den Handel. Außerdem ist er bislang der einzige, der eine weibliche Ringassistentin hatte.
Aus Sicht der Vermarkter warf Mario Flemm von der EG Franken-Schwaben einen Bick auf den aktuellen Schweinemarkt. Er bestätigte, dass das „ständige Rauf und Runter“ der Schweinepreise in den vergangenen Wochen die Mast ein Stück weit unkalkulierbar machte. Aber diese Schwankungen seien noch gar nichts gewesen im Vergleich zum heftigen Sprung, den der Preis vom Frühjahr bis zum Herbst absolvierte. Über das gesamte Jahr 2016 hinweg habe er sich bei der EG im Schnitt bei 1,48 € bewegt und liege damit im Trend der langjährig steigenden Preise.
Spürbar abgesunken ist jedoch der deutsche Pro-Kopf-Verbrauch an Schweinefleisch: von 53,6 kg im Jahr 2012 auf 51,1 kg im Jahr 2015. Damit kamen bei den deutschen Verbrauchern innerhalb von vier Jahren insgesamt 1,85 Mio. weniger Schweine auf die Teller. „Wir brauchen also die Exportmärkte“, so Flemm. Umso mehr mag es verwundern, dass die Zahl der über die EG Franken-Schwaben vermarkteten Schweine kontinuierlich angestiegen ist, und zwar auf 730 000 Stück allein im letzten Jahr. 71 500 dieser Tiere stammten aus dem Landkreis Aichach-Friedberg.

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