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Rinderzucht

Milchleistung - rasant entwickelt dank Selektion

Hochleistungsbetriebe
Toni Ledermann
am
05.02.2018

Erstmals hielten die Holstein-Zuchtgenossenschaften Schwaben, Oberbayern-West und Weilheim ihre Jahresversammlung gemeinsam ab.

Der Veranstaltungsort wurde so „zentral“ wie möglich in der Gaststätte der Schwabenhalle Buchloe ausgewählt. Vorsitzender Fritz Lutzenberger ging in seinem Rückblick auf die Highlights des vergangenen Jahres ein. Dabei appellierte er an die Mitglieder, die Auktionen stärker zu beschicken, um den Käufern ein breites Angebot bieten zu können.
Traditionell wird bei dieser Versammlung an die verstorbenen Mitglieder gedacht. So auch heuer. Besonders erinnerte Lutzenberger an den früheren Obmann von Schwaben Karl Schweinberger (später Redakteur des Landwirtschaftlichen Wochenblattes), der unter anderem als herausragender Agrarjournalist von der DLG 2008 mit der „Max-Eyth-Gedenkmünze“ ausgezeichnet wurde.

Milchmarkt macht zu schaffen

Spitzenbetriebe

Zuchtleiter Lorenz Leitenbacher kam zunächst auf den Milchmarkt zu sprechen. Gravierend sei die Volatilität bei Butter. Wurden 2016 gerade mal 90 ct bezahlt, so stieg der Preis im letzten Jahr gleich auf 2,50 € an. Bei der neuen Düngemittelverordnung sieht der Fachmann „massive Konsequenzen für futterwüchsige Standorte“. So ging der Milchviehbestand in den Niederlanden wegen der Auflagen kräftig zurück. Bei „Cross Compliance“ kritisierte Leitenbacher die überbordende Bürokratie. Ebenso ein Dorn im Auge ist ihm, dass Landwirte GVO-freies Futter produzieren und dies quasi als Standard gesehen wird, ohne dass Bauern dafür einen Aufpreis bekommen! Weiter sieht Leitenbacher mit Sorge die massiven Übergriffe von ideologisierten Gruppen mit dem abwegigen Ziel die moderne Nutztierhaltung abzuschaffen.

Auf hohem Niveau konnte der SRB-Verband seinen Umsatz noch steigern: Waren es 2016 2 512 348 €, so konnte dies auf 2 542 776 € noch ein wenig gesteigert werden. Die besseren Preise hätten den Umsatz bei leicht rückläufigen Stückzahlen stabilisiert. Zurückgegangen ist der Verkauf bei den Auktionen von 919 Tieren auf 706. Der Stallverkauf blieb fast gleich: Von 1344 auf 1311 im Jahr 2016.

Eine deutliche Bestandsvergrößerung gab es bei den Schwarzbunten. Hier stieg die Zahl der Kühe um 2092 auf 38 854 an. Bei der Milchmenge gab es einen leichten Rückgang um 34 kg auf 9338 kg. Die weiteren Werte: 4,04 % Fett (-0,01) und 3,40 % Eiweiß (+0,01). Im Bereich der Rotbunten gab es ebenfalls eine Steigerung von 94 auf 4784 Kühe. Die Milchmenge betrug 8887 kg (-53).

Immer wieder interessant ist die Vorstellung der regionalen Leistungsentwicklung: In diesem Jahr liegt Schwaben sowohl bei der Anzahl der Betriebe von 342 und 23 783 Kühen an der Spitze, obwohl wegen der Strukturkrise 45 Betriebe weggefallen sind. In Oberbayern arbeiten 140 Bauern mit 8024 Kühen. Hier sind es 12 Höfe weniger. Bei der Milchablieferung kann Schwaben ein Plus von 144 auf 9128 Milch-kg vermelden (4,06 % Fett/-0,03; 311 Eiweiß-kg/+5). Oberbayern musste ein kleines Minus von 13 kg auf 9359 kg (4,05 Fett-%/ 318 Eiweiß-kg/wie im Vorjahr) hinnehmen.

Genetische Selektion konsequent umgesetzt

Verbandsausschuss

Ohne Zweifel habe die Holsteinzucht seit Einführung der genomischen Selektion eine rasante Entwicklung genommen und einen deutlich schnelleren Zuchtfortschritt realisiert als früher. In fast allen bedeutenden Holsteinpopulationen der Welt sind es die Jungbullen, die den Großteil der Besamungen ausmachen. Wie wohl bei keiner anderen Rasse wurde die Verkürzung des Generationsintervalls durch die Nutzung der aktuellsten weiblichen Rinder und der neuesten Jungbullen auf der Vaterseite so konsequent umgesetzt.

Als weiteres Thema sprach Leitenbacher die Futtereffizienz an. Richtig sei: Übergroße und überschwere Kühe mit mäßiger Leistung haben einen überproportionalen Erhaltungsbedarf. Aber im Gegensatz zur Mastleistung (anabole Stoffwechsellage) ist Milchproduktion in der Hochlaktation eine katabole Stoffwechsellage mit der Folge von Entgleisung bei ungenügender Futteraufnahme. Ziel seien also Kühe mit maximaler Futteraufnahme und höchster Leistung bei flacher Laktationskurve.

Traditionell berichten Vertreter der heimischen Besamungsstationen über die Entwicklungen. Für die Rinderbesamungstation Memmingen war dies Johannes Rupp, für Greifenberg Markus Hefele und für den Besamungsverein Nordschwaben Dr. Frank Bosselmann (Höchstädt). Sie besprachen die aktuell verfügbaren Stiere mit deren Vor- und Nachteilen.

Den Bericht des Tiergesundheitsdienstes legte Dr. Teo von Halsema (Kempten) vor, der auf verschiedene Krankheiten einging. Gegen die meisten Zoonose-Erreger gebe es keine vorbeugende Impfung. Daher spielten bei der Bekämpfung dieser Infektionserkrankung vor allem Hygienemaßnahmen und Infektionsüberwachung eine entscheidende Rolle. Verschiedene Zoonosen sind nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig – das heißt, der Arzt muss die Infektion (je nach Zoonose auch den Infektionsverdacht) an das zuständige Gesundheitsamt melden. Der Tierarzt verwies auch auf Euterschenkelgeschwüre, schlecht heilende Wunden würden hier vielfach unterschätzt.

Dr. Franz Götz vom Ostallgäuer Veterinäramt ging ebenfalls auf Krankheiten ein, wie die für Menschen ungefährliche Schweinepest. Er kündigte an, dass sein Haus zu CC verschiedene Veranstaltungen im Landkreis durchführen wird.

Wahlen zum Verbandsausschuss

Ein weiterer Tagesordnungspunkt waren die Wahlen zum Verbandsausschuss für den Bereich Oberbayern-West und Schwaben. Die Wahlen leitete der frühere SRB-Vorsitzende Lorenz Kreuzer. Leonhard Lautenbacher (Schwabsoien) und sein Stellvertreter Martin Lang (Wielenbach) wurden für das Gebiet Oberbayern-West, gewählt. Für den schwäbischen Bezirk votierten die Mitglieder für Fritz Lutzenberger, Manfred Waibel (Huttenwang) und Peter Fischer (Gutenberg). Stellvertreter sind Michael Hutter (Hirschzell), Manfred Wai-bel (Huttenwang), Helmut Miederer (Buchloe), Peter Fischer (Gutenberg) und Markus Binzer (Obermelden).

Verbandsverwalter Josef Keller dankte allen, die die Auktionen beschicken: „Es ist falsch zu glauben, dass das gleiche Geld beim Stallverkauf erzielt werden kann. Spitzenpreise von bis zu 25 000 € sind auf gut laufenden Auktionen regelmäßig zu realisieren.“

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