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Waldbau

Nationalpark - wir wollen nicht die Lackierten sein

Waldbesitzer Nordschwaben
Michael Ammich
am
08.01.2018

Der Waldbesitzerverband Nordschwaben verteidigt den Waldbesitz auch vor Überplanungen durch einen Nationalpark.

Ein Zeichen der Stärke und Geschlossenheit setzten rund 300 Donau-Rieser Waldbesitzer, die sich in Wemding zur Jahresversammlung der WBV Nordschwaben trafen. Endlich einmal verschont von großen Sturm- und Käferkalamitäten macht ihnen der Griff des Staates und der Naturschutzverbände nach ihrem Eigentum zu schaffen. „Wir brauchen keine Käseglocke über unseren Wäldern“, erteilte WBV-Vorsitzender Alois Michel den Plänen zu einem Nationalpark „Donau-Auen“ eine klare Absage. „Wir haben die Wälder auch ohne Nationalpark zu dem gemacht, was heute so sehr schützenswert ist.“

Im Grunde sieht das der örtliche CSU-Landtagsabgeordnete nicht anders. „Meine Begeisterung für einen Nationalpark Donau-Auen hält sich in Grenzen“, bekannte Wolfgang Fackler. Deshalb scheue er sich auch nicht, die Kritik der Bauern und Waldbesitzer aus seinem Wahlkreis ungeschönt an die bayerische Staatsregierung weiterzugeben. Allerdings sollten sich die Gegner eines Nationalparks bewusst sein, dass der Landkreis Donau-Ries nicht der Hauptbetroffene ist, auch wenn die Gebietskulisse bis heute unklar sei. Bayern verstehe den Nationalpark als „Angebot an die Bevölkerung“. Dazu gehört aber auch, dass sich die Bevölkerung davon überzeugen lässt, so Fackler.

Für die WBV Nordschwaben fand der Abgeordnete nur lobende Worte. Er schätzt die ehrliche Atmosphäre im Kreis der Waldbesitzer und besonders die unverblümte Offenheit ihres Vorsitzenden. „Alois Michel sagt, was er denkt. Er vertritt die Waldbesitzer vehement und standhaft nach Außen hin.“ Fackler bescheinigte den Waldbauern, dass sie die große Herausforderung des Waldes als Standortfaktor, Holzlieferant und Erholungsraum gut meistern.

Rechte der Eigentümer werden beschnitten

Waldbesitzer Nordschwaben

Differenziert betrachtete Vize-Landrat Reinhold Bittner das „Angebot“ eines Nationalparks Donau-Auen. Er forderte die Gegner des Projekts zum fairen Umgang mit Andersdenkenden auf und in den Debatten keine verbrannte Erde zu hinterlassen. Bittner räumte mit dem Märchen auf, dass ein Nationalpark eine Fläche von mindestens 10.000 ha haben müsse. „Der kleinste deutsche Nationalpark umfasst gerade mal 78 Hektar.“ Ebenso nüchtern sollte die Fläche betrachtet werden, die ein Nationalpark Donau-Auen nach den bisherigen Planungen im Donau-Ries-Kreis einnehmen würde, nämlich lediglich rund 500 ha nassen Auwald. „Wenn also tatsächlich ein Nationalpark kommt, geht die Welt in unserem Landkreis nicht unter.“

Ganz anders sieht das Wemdingens Bürgermeister Dr. Martin Drexler. Es könne nicht angehen, dass sich ständig Grundeigentümer in einem Schutzgebiet wiederfinden, ohne vorher gefragt worden zu sein. So werde es schwierig, Menschen noch zu land- oder forstwirtschaftlicher Arbeit zu motivieren, und das umso mehr als sich bestimmte Schutzvorschriften immer wieder als praxisfremd erweisen. Drexler ärgert sich darüber, dass die Rechte der Eigentümer an ihrem Grund und Boden zunehmend beschnitten werden.

Wir werden uns bis zum Ende wehren

Auch Kreisobmann Karlheinz Götz treiben die Nationalpark-Pläne die Zornesröte ins Gesicht. Der Donau-Ries-Kreis umfasst eine Fläche von 106 000 ha, von denen ein Drittel vor allem auf Privatwald entfällt, stellte er fest. Im Landkreis gebe es dazu noch Dutzende von Schutzgebieten aller Art und damit schon genügend Einschränkungen für die Land- und Forstwirtschaft. „Da brauchen wir keinen Nationalpark mehr.“ In ihrer Aufgabe, im Wald vorausschauend auf die kommenden Generationen zu wirtschaften, werden sich die Donau-Rieser Landwirte und Waldbesitzer „bis zum Ende wehren“, kündigte der Kreisobmann an.

Alois Michel hielt Vize-Landrat Bittner vor, das Nationalpark-Pro­blem zu verharmlosen. Es genüge ja schon ein Blick auf die FFH-Gebiete, um zu sehen, dass die Landwirte und Waldbesitzer bei einem Nationalpark wieder „die Lackierten“ seien. „Wir sind bezüglich der FFH-Gebiete angelogen worden und das lassen wir uns kein weiteres Mal gefallen.“

Schließlich forderte auch die neue bayerische Waldprinzessin Maria Sinning die Forstbesitzer auf, sich für ihre Rechte stark zu machen und eine Stilllegung von produktiven Wäldern nicht zu akzeptieren. Die Waldeigentümer seien Ansprechpartner der Bevölkerung und sollten diese stets über ihre Leistungen für das Allgemeinwohl und die Umwelt aufklären.

Ungünstig geformte Privatwaldgrundstücke machen Erschließung schwierig

Nach soviel Kritik und Diskussion kam auch das eigentliche Geschäft  der WBV, die Waldwirtschaft und Holzvermarktung, nicht zu kurz. Dass sich diese in den oft kleinen und oft noch ungünstig geformten Privatwaldgrundstücken nicht einfach gestaltet, machte der neue Bereichsleiter Forsten am AELF Nördlingen, Peter Birkholz, klar. Maßnahmen zum Waldumbau ließen sich dort kaum umsetzen.

Eine ordentliche Erschließung sei vielerorts nicht möglich, ein Harvestereinsatz undenkbar und Nachbarschaftsstreitigkeiten wegen fehlender Abmarkungen vorprogrammiert. Das können die Eigentümer mit dem Instrument der Waldneuordnung jedoch ändern. Ihnen müsse nur erst einmal klar werden, dass sich die nachkommende Generation nur ungern mit solch kleinen und zersplitterten Besitzverhältnissen beschäftigen werde.

Im Rahmen einer Waldneuordnung werden die zersplitterte Besitzstruktur durch Zusammenlegen von Grundstücken verbessert, bedarfsgerechte Forstwege angelegt sowie die Parzellen ordentlich vermessen und abgemarkt. Anschließend kann jeder Eigentümer sein Grundstück anfahren, ohne dafür ein Nachbargrundstück in Anspruch nehmen zu müssen. Die Neuordnung sichert die Bodenwerte, ermöglicht den Waldumbau und erhöht die Wertschöpfung. Allerdings müssen die Waldbesitzer bereit sein, manches Grundstück aufzugeben und sich dafür mit einem wertgleichen anderen Grundstück abfinden zu lassen.

Die Verfahrenskosten trägt der Freistaat. Bisher, so Birkholz, wurde eine Waldneuordnung in Schwaben nur einmal durchgeführt, nämlich in Ziemetshausen. Im Durchschnitt musste dort jeder Eigentümer 1400 €/ha an Eigenleistung aufwenden. Nach Abschluss der Maßnahme seien die Waldbesitzer zufrieden gewesen. „Ihr Geld war durch die verbesserte Wirtschaftlichkeit ruckzuck wieder drin.“

Über 3 Mio. Euro Umsatz im letzten Jahr

Der neue WBV-Geschäftsführer Michael Hagenheimer bezifferte den Umsatz im Wirtschaftsjahr auf 3,062 Mio. €. Das sind rund 1,3 Mio. € weniger als im Vorjahr – mit einem enormen Sturmholzanfall. Für das Nadelholz wurden den WBV-Mitgliedern im Schnitt 66 €, für das Laubholz einschließlich der Submission 141 €/fm ausgezahlt. Im Hackschnitzelbereich schlug der Schütt­raummeter mit 5,4 € und Brennholz mit 59 €/fm zu Buche. Die durchschnittliche Poltergröße hat sich im Vergleich zum Vorjahr von 37 auf 27 fm verringert. Derzeit sind der WBV 1994 Mitglieder mit insgesamt 25 000 ha Wald angeschlossen. Für 1524 ha gibt es Waldpflegeverträge.

Der bisherige Geschäftsführer der WBV, Stefan Wurst, agiert jetzt als Geschäftsführer der Holz E.V.A. GmbH, der Holzvermarktungsgesellschaft der WBV Nordschwaben. Mit dem Winterpreis von 88 € für den Festmeter Fichte habe der Waldbesitzer gut leben können, sagte Wurst. Im Sommer stieg der Preis sogar auf 90 €. Für den laufenden Winter können die Mitglieder mit einem Preis von 87 € rechnen. Stabil bei 32,50 € bleibt der Papierholzpreis. Angespannt sei der Hackschnitzelmarkt, auf dem zuviel Material unterwegs sei, sagte Wurst. Auch die Brennholzvermarktung gestalte sich aufgrund der wachsenden Zahl von Nah- und Fernwärmenetzen sowie der günstigen Öl- und Gaspreise schwierig.

Werner Fuchs von der KFR Steuerberatungsgesellschaft in Oettingen schlüsselte das über die WBV abgesetzte Holz in die einzelnen Segmente auf. Demnach wurden in 2016/17 insgesamt 47 832 Einheiten vermarktet: 36 500 Nadel-, 2509 Laub­stammholz, 3980 Papierholz, 3898 Hackschnitzel und 945 Brennholz.

Die neue Vorstandschaft

Waldbesitzer Nordschwaben

Abschließend wählten die WBV-Mitglieder einen neuen Vorstand und Beirat. Alois Michel (Harburg-Salchhof) wurde als Vorsitzender bestätigt, wird jedoch sein Amt in zwei Jahren an die Röglinger Bürgermeisterin Maria Mittl abgeben, die bis dahin als dritte Vorsitzende fungiert. Zum zweiten Vorsitzenden wählten die WBV-Mitglieder Willi Weber vom AELF Nördlingen, der den Monheimer Stadtwald beförstert. Beisitzer sind Peter Hofmann (Hagau), Bürgermeister Karl Wiedenmann (Mönchsdeggingen), Hans Wiedenmann (Ronheim), Georg Schnell (Tagmersheim), Werner Fuchs (Oettingen) und Stefan Meyer (Wittesheim).

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