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Neue Rezeptideen schwirren ständig

MN-Bayerische Kücke-PS-22.4.-1
Patrizia Schallert
am
28.05.2018

Hauswirtschaftsmeisterin Silvia Schlögel erzählt von ihrem Unternehmen

Was soll ich heute nur kochen? – Eine quälende Frage, die sich viele Frauen täglich stellen. Nicht so Silvia Schlögel. „In meinem Kopf schwirren ständig neue Rezeptideen herum“, verrät die Hauswirtschaftsmeisterin und ehemalige Kreisbäuerin aus dem Landkreis Weilheim-Schongau. Auf dem Kratzhof in Harburg erzählt die erfolgreiche Kochbuchautorin rund 30 Bäuerinnen vom Werdegang ihres Unternehmens „Die Hauswirtschafterei – Leben auf dem Land“, das sie vor zwei Jahren gemeinsam mit ihrer Schwester und Hotelfachfrau Christine Schilcher und der Grafikerin Bettina Eder gegründet hat.

Kinder, Küche, Kuhstall?

„Als ich 1993 in einen Milchviehbetrieb mit 70 Kühen eingeheirat habe, hatte ich weder von Landwirtschaft eine Ahnung, noch einen hauswirtschaftlichen Beruf erlernt“, erinnert sich Silvia Schlögel. Dennoch sei von Anfang an klar gewesen, dass sie daheim bleibt und auf dem Betrieb mithilft. Also absolvierte die junge Bäuerin erst mal einen Melkkurs. Drei Jahre später besuchte Schlögel einen Landfrauentag. „Da habe ich mir gedacht, Silvia, das war’s – Kinder, Küche, Kuhstall, Landfrauentage.“ Trotzdem sei genau dieser Landfrauentag ein entscheidendes Erlebnis für ihre Zukunft gewesen. Die Kreisbäuerin habe nämlich eindringlich darauf verwiesen, wie wichtig eine hauswirtschaftliche Ausbildung ist.

Hauswirtschaftliche Ausbildung ist wichtig

Das nahm sich Schlögel zu Herzen. Bereits wenige Tage später saß sie in einem hauswirtschaftlichen Teilzeitkurs. Nach den bestandenen Prüfungen hatte sie vorerst genug vom Lernen. Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter kam, was kommen musste: Die Jungbäuerin meldete sich für die hauswirtschaftliche Meisterausbildung an. „Wer eine solche Ausbildung erfolgreich absolviert hat, ist verpflichtet, auch etwas daraus zu machen“, betont Schlögel. „Ich fand es schade, dass die meisten meiner Studienkolleginnen die Ausbildung nur für sich selbst machten. Für mich war eines klar: Diesen ganzen Aufwand habe ich definitiv nicht nur für meinen eigenen Haushalt betrieben.“ Weil aber drei Monate nach der Meisterprüfung ihr drittes Kind das Licht der Welt erblickte, war Schlögel vorerst mit Arbeit eingedeckt.

Doch irgendetwas fehlte der temperamentvollen Bäuerin im Leben. Nachdem das Kochen von jeher ihre große Leidenschaft war, absolvierte sie eine Ausbildung zur Ernährungsfachfrau und bot ab 2003 Koch- und Ernährungskurse an. Diese waren von Anfang an so gut besucht, dass sie in einem Winterhalbjahr 60 Kurse und Vorträge anbot. Dem nicht genug war die dreifache Mutter, Hausfrau und Milchbäuerin von 2007 bis 2017 Kreisbäuerin im Landkreis Weilheim-Schongau. „Dieses Ehrenamt hat mir dann viele Landfrauentage beschert“, sagt Schlögel mit Blick auf die prägenden Eindrücke bei ihrem ersten Landfrauentag. Mit knapp 50 Jahren wurde sie wohl zur jüngsten Ehrenkreisbäuerin Bayerns ernannt.

Kochbuchserie im dlv-Verlag

2012 brachte Schlögel gemeinsam mit den Landfrauen des BBV Weilheim-Schongau das Buch „Alle lieben Käsekuchen“ auf den Markt, das sich hervorragend verkaufte. Die Erlöse wurden gespendet. Allerdings währte die Freude über den Verkaufserfolg nicht lange, weil das Finanzamt seinen Anteil haben wollte. Mit dem Angebot des Deutschen Landwirtschaftsverlags (dlv), eine „Alle lieben ...-Kochbuchserie“ herauszugeben, erfolgte der Startschuss für insgesamt 13 Bücher. Jetzt lohnte sich der Aufwand auch für den eigenen Geldbeutel, sagt Schlögel. „Außerdem wird pro verkauftem Buch ein Euro an eine bäuerliche Hilfseinrichtung gespendet. Inzwischen sind so schon rund 130 000 Euro zusammengekommen.“

Vor drei Jahren wollten die drei koch- und backfreudigen Damen Bettina, Christine und Silvia auf eigenen Beinen stehen und ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Deshalb gründeten sie mit „Die Hauswirtschafterei – Leben auf dem Land GmbH“ ihr eigenes Unternehmen. Inzwischen haben sie nicht nur vier neue Koch- und Backbücher herausgebracht – weitere vier sind in Arbeit –, sondern bieten auch ein Catering für ab 80 bis 300 Personen an. „Für weniger Gäste lohnt sich der Aufwand nicht.“ Für den neuen Aufgabenbereich wurde auf dem Schlögel-Hof eine Küche mit Lager- und Kühlmöglichkeiten eingebaut.

Die Aufteilung im Team ist klar definiert: Silvia ist für neue Rezepte und das Marketing zuständig, Christine kümmert sich um die Büroarbeit und lektoriert die Rezepte und Bettina kann ihrer Kreativität beim Layout der Bücher, der Gestaltung von Plakaten, Flyern oder der Website freien Lauf lassen.

Gebacken und gekocht wird gemeinsam, und zwar quer durch eine ursprüngliche bayerische Küche. „Dabei legen wir großen Wert auf regionale und saisonale Produkte“, betont Schlögel. „Diese kosten zwar ein paar Euro mehr, aber wir wollen für unsere Kunden hochwertige Qualität auf den Tisch bringen.“ Der erste Auftrag für das neue Unternehmen war die Verabschiedung des Amtschefs des Landwirtschaftsministeriums, Martin Neumeyer, mit 300 Gästen, weitere Aufträge im Ministerium folgten. Stets dabei ist das Dreamteam bei den Hoffesten in München oder in der Bayernhalle auf der Grünen Woche in Berlin.

Das Rezept-Repertoire ist groß: es werden Menüs, Buffets oder Fingerfood angeboten, außerdem ist das Team auf besondere Bedürfnisse ihrer Kunden wie vegetarische, gluten- oder laktosefreie Gerichte vorbereitet.

Der absolute Renner seien derzeit „Flying buffets“, sagt Schlögel. „Das kann ich gar nicht verstehen, weil davon kein Mensch richtig satt werden kann. Außerdem ist für uns der Aufwand an Personal und Geschirr immens.“ Stichwort Personal: Das sei beim Catering eine der größten Herausforderungen. Inzwischen gibt es aber eine perfekte Lösung.

Sabine Schlögels Töchter Franziska und Simone, ihre Schwester und ihre Schwägerin haben die GbR „Die Kellnerei.de“ gegründet. Die Firma bietet nicht nur das Servieren an, sondern organisiert auch Räumlichkeiten und Geschirr.

Catering und Service

Schlögel empfahl den Bäuerinnen, sich bei einer Veranstaltung oder Feier nicht nur das Catering, sondern auch Servicepersonal zu gönnen: „Warum sollen die eigenen Familienmitglieder arbeiten, wenn ich meinen Geburtstag feiere?“ Abschließend bedauerte Schlögel, dass die Hauswirtschaft ein derart schlechtes Image hat. „Sie ist ein kreativer Beruf, mit dem sich auch Geld verdienen lässt. Er muss nur besser verkauft werden.“

Vom vielen Erzählen über Rezepte und den Fotos, die Schlögel an die Wand projiziert hatte, lief den Bäuerinnen das Wasser im Mund zusammen. Die Wirtin des Kratzhofs, Hauswirtschaftsmeisterin Ruth Kilian, hatte Rezepte der „Hauswirtschafterei“ zubereitet. Das gemeinsame Essen war der krönende Abschluss der Veranstaltung, die Marianne Weng, Frauenvorsitzende des vlf Donau-Ries, und Brigitte Steinle vom AELF Nördlingen organisiert hatten. SP

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