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Schweinehaltung

Öffentlichkeitsarbeit intensivieren

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Externer Autor
am
04.03.2019

Schweineprüfring Dillingen: Mäster sehen sich in der Kostenspirale gefangen

Der Preis für Bioschweine ist fast dreimal so hoch wie der für konventionelle.

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Sonderheim/Lks. Dillingen Mehr für’s Tierwohl tun? Gerne, aber dann muss die Gesellschaft auch mitgehen. Damit sie das tut, sollte die Landwirtschaft in ihrer Öffentlichkeitsarbeit noch einen Gang zulegen, sage Stephan Neher auf der Jahresversammlung des Schweineprüfrings Dillingen. Außerdem forderte der Vorsitzende der EG Franken-Schwaben seine Berufskollegen auf, sich Gedanken über alternative Haltungs- und Vermarktungssysteme zu machen.
Prüfringvorsitzender Gustav Holand eröffnete die Versammlung in Sonderheim mit einem Rückblick auf 2018. Die extreme Trockenheit habe die Futterkosten der Schweinemäster steigen lassen, während der Schlachtschweinepreis nahezu auf der Stelle trat. Auch die Zukunft sei mit vielen Unsicherheiten verknüpft, betonte Holand mit Blick auf die Düngeverordnung und die Roten Gebiete. Solche Einschränkungen zum Zweck des Boden- und Wasserschutzes seien aber wohl nur der Anfang und auf die Landwirte würden sicher noch weitere Restriktionen zukommen.
Fachberater Peter Müller vom AELF Wertingen machte den Schweinemästern klar, dass über Erfolg und Misserfolg nicht nur die Preise, Futter- und Betriebsmittelkosten entscheiden, sondern auch die produktionstechnischen Fähigkeiten. Dass es hier bei einigen Mästern noch hapert, zeigt der Betriebsvergleich auf. Demnach kam das obere Viertel der Betriebe auf Gesamtkosten von 133,60 € pro gemästetem Schwein, das untere Viertel jedoch auf 141,60 €. Nicht anders beim Erlös: Während die besseren Betriebe pro Schwein 161 € kassierten, waren es bei den schlechteren nur 153,10 €. Die unterschiedlichen Deckungsbeiträge machen die Mängel im Produktions- und Kostenmanagement augenfällig: Das obere Viertel der Betriebe verzeichnete im vergangenen Jahr je Mastplatz einen Deckungsbeitrag von durchschnittlich 78 €, das untere Viertel von lediglich 31,90 €, so Müller.
Der Fachberater legte die Ergebnisse der Leistungsprüfung im Prüfring Dillingen vor:
  • In 45 Ringbetrieben wurden die Daten von insgesamt 39 800 Schweinen gesammelt und bewertet. Das sind 5 Betriebe und 1109 Tiere weniger als im Vorjahr. In den schwäbischen Schweineprüfringen wurden auf 199 Betrieben insgesamt 176 388 Mastschweine abgeschlossen.
  • Die täglichen Zunahmen beliefen sich im Dillinger Ring im Mittel auf 796 g und damit 4 g mehr als im Vorjahr. Die Verlustrate sank um 0,2 auf 1,8 % Der Magerfleischanteil der geschlachteten Schweine stieg um 0,1 auf durchschnitltich 59,4 %.
  • Die Ferkelkosten erhöhten sich im Mittel um 5,30 auf 78,70 €. Pro Mastplatz reduzierte sich der Deckungsbeitrag um 51,70 auf durchschnittlich 54,30 €.
  • Die Ringbetriebe hatten ihre Ferkel zu 51,8 % über die EG Franken-Schwaben gekauft. 79,5 % der eingestallten Ferkel kamen aus nur einem Betrieb.
  • Bei 45,9 % der Mastschweine waren im Dillinger Ring Nebenprodukte das bevorzugte Futter. Schwabenweit lag dagegen die Getreidemast mit 50,7 % vorne. Auf diese Fütterung setzten die Mäster im Kreis Dillingen nur bei 15,6 % ihrer Schweine. Bei der Getreidemast erzielten sie einen Deckungsbeitrag von 14 ct pro Tag und Tier, bei der Mast mit Nebenprodukten waren es 18 ct.
  • 9,7 % der im Dillinger Ring gehaltenen Schweine wurden an Metzger verkauft, 54,6 % an die EG Franken-Schwaben und 29,4 % an den Handel. Bei der Metzgervermarktung erhielten die Mäster rund 7 ct mehr pro kg Schlachtgewicht. Lediglich 0,7 % der gemästeten Schweine stammten aus ökologischer Landwirtschaft. Ihr Preis war mit 4 €/kg fast dreimal so hoch wie der Preis für konventionelle Schweine.
  • In Schwaben werden 87,7 % der Mastschweine auf Vollspalten- und 4,1 % auf Teilspaltenböden gehalten.
Mario Flemm von der EG Franken-Schwaben freute sich, dass die Nachfrage nach Schlachtschweinen endlich wieder ein ordentliches Niveau erreicht hat. Die Preise seien jedoch noch immer nicht zufriedenstellend. Immerhin, der Bedarf ist derzeit höher als das Angebot. Das sollte sich denn auch günstig auf die Preise auswirken. Diese lagen im vergangenen Jahr immer noch um 10 ct/kg unter dem zehnjährigen Mittel.
Flemm stellte ein neues Schweinepreis-Modell der VION vor. Demnach sollen die Preise durch eine kontinuierliche Belieferung der Schlachthöfe für längere Zeit stabil gehalten werden. Die Ermittlung des Wochenpreises orientiert sich jeweils am Preisniveau der zurückliegenden vier Wochen. Die Vorteile des Modells: Das Risiko von Preisschwankungen verringert sich und es gibt keine Hauspreise. Die Nachteile: Im Sommer könnte es tendenziell bessere Preise geben, jedoch eventuell schlechtere im Herbst und Winter. Dazu kommt, dass sich die Verkäuferseite vertraglich binden muss. Nachdem die VION nur 20 % der deutschen Schweine abnimmt, befürchtet Flemm keine großen Auswirkungen auf den Markt. Das VION-Modell eigne sich vor allem für große Betriebe mit Rein-Raus-Verfahren. Der Bedarf an GQ-Schweinen ist laut Flemm zwar vorhanden, aber der Absatz gestalte sich nicht gerade reißend. Mit dem aktuellen Zuschlag von 4 ct/kg Schlachtgewicht sei wohl auch das obere Ende erreicht.
Andrea Baumeister vom Viehhandel Schleker bezifferte die Zahl der von dem Ehinger Unternehmen umgesetzten Schlachtschweine auf 245 000 Stück. Im ersten Halbjahr 2018 bewegte sich der Kilo-Preis bei 1,41, im zweiten Halbjahr bei 1,42 €.
„Die Gesellschaft hat Landwirte herangezüchtet, die nur rationalisieren und auf die Kosten achten“, stellte Stephan Neher fest. „In diesem System werden wir immer einen Preisdruck haben.“ Deshalb müssten sich die Bauern nach Alternativen in der Tierhaltung und Vermarktung umsehen anstatt immer nur die Produktionszahlen zu erhöhen, zumal allein sie die Zeche für die immer neuen Tierwohl-Labels zu zahlen hätten. Der EG-Vorsitzende sprach sich dafür aus, statt neuer Labels lieber den GQ-Standard auszubauen. Außerdem dürften die Tierhalter gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel und den Vermarktern nicht ständig als Bittsteller auftreten. Und was die ständig schärferen Vorschriften für die Landwirtschaft betrifft: „Wir Landwirte sind bereit voranzugehen, wenn die Gesellschaft dabei mitgeht.“ So sollten beispielsweise der Bund entlang jeder Autobahn Blühstreifen und jeder Gartenbesitzer eine Blühecke anlegen. Mit Blick auf die Ferkelkastration beharrte Neher auf dem „vierten Weg“, also der örtlichen Betäubung der Ferkel. Diese sollte allerdings nicht – wie vom Bauernverband gefordert – von den Ferkelerzeugern selbst, sondern von Tierärzten vorgenommen werden.
In der Diskussion ärgerten sich die Schweinemäster, weil sie sich in einer Kostenspirale gefangen sehen. Selbst mit den Tierwohl-Zuschlägen sei nichts verdient, merkte Fachberater Peter Müller an. Diese würden ja lediglich den Mehraufwand decken. Differenzierter sah das Wolfgang Grob, Leiter des Fachzentrums Schweinezucht- und Haltung am AELF Wertingen. Landwirte, deren vorhandene Ställe bereits den Tierwohl-Anforderungen entsprechen, könnten sehr wohl einen Zusatzgewinn einfahren, weil sie dafür keine großen Investitionen tätigen müssen. Michael Ammich
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