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Molkereien

Eine Partnerschaft auf Augenhöhe

MEG Krumbach
Michael Ammich
am
18.04.2017

Edelstetten - Die Verantwortlichen der MEG Krumbach sind zufrie­den mit dem Wechsel von Edelweiß zu Karwendel.

Im Jahr Eins nach ihrem Rauswurf bei der Molkerei Edelweiß fühlen sich die Mitglieder der MEG Krumbach bei ihrem neuen Partner, den Karwendel-Werken, gut aufgehoben. Auf der Jahresversammlung in Edelstetten bot ihnen Karwendel-Geschäftsführer Ernest Schäffer eine Partnerschaft auf Augenhöhe an. Wenn es nach dem MEG-Vorsitzenden Adolf Seitz geht, soll sich diese Partnerschaft auch in den Erlösen der Milcherzeuger niederschlagen. „Der Preis muss den Wert einer Ware wiederspiegeln.“
Offenbar setzen der Lebensmitteleinzelhandel und die Molkereien diesen Wert sehr niedrig an. Auf gerade einmal 28 Ct hat sich der Milchpreis für die MEG-Lieferanten im vergangenen Jahr belaufen. Damit kann Seitz nicht zufrieden sein: „Ein solcher Milchpreis ist nur ein Almosen.“ Auch die Karwendel-Werke, in denen seit Januar 2017 der weit überwiegende Teil der Milch aus der MEG Krumbach verarbeitet wird, haben mit einem aktuellen Basispreis von 32,36 ct die Schmerzgrenze ihrer Lieferanten noch keineswegs unterschritten. Bei solchen Preisen wundert es Seitz nicht, dass innerhalb eines Jahres 15 % der MEG-Betriebe das Handtuch geworfen haben. „Das zeigt die Stimmung auf den Milchviehbetrieben. Daran sind auch die Molkereien nicht ganz unschuldig.“
Erstaunlich findet es nicht nur der Vorsitzende, dass sich die Milchpreise immer auf einem niedrigen Niveau bewegen, gleich ob Butter und Käse billig oder teuer sind. „Offenbar darf jeder mit der Milch sein Geld verdienen, nur der Erzeuger nicht.“ Freilich muss auch Seitz einräumen, dass schlicht zu viel Milch auf dem Markt ist. Daran haben die zahlreichen Betriebsaufgaben nichts geändert. Erfreulicher ist für ihn der reibungslose Wechsel von Edelweiß zu Karwendel. „Wir haben mit unserem neuen Partner ein angenehmes Miteinander.“ Bei einem Milchpreis von derzeit knapp 33 ct werde aber kein Mitglied in Euphorie verfallen. „Für uns wäre es schon ein Erfolg, wenn wir bis zum Herbst wenigstens das Niveau von 35 ct erreichen könnten.“
Laut Geschäftsführer Alfred Fehrenbach hat die MEG Krumbach im vergangenen Jahr rund 15 Mio. kg Milch an drei Abnehmer geliefert, das sind rund 500.000 kg weniger als im Vorjahr. 11 Mio. kg gingen an die Molkerei Edelweiß, 1,2 Mio. kg an die Molkerei Müller und 2,74 Mio. kg an die Landkäserei Herzog in Schießen. Der MEG Krumbach sind derzeit 54 Lieferanten angeschlossen. Im Jahr 1995 waren es noch 216 Lieferanten.

Die Anbindehaltung der Milchkühe im Visier

Gertrud Wenz vom AELF Krumbach wies die Landwirte auf die Laufstall-Initiative der bayerischen Staatsregierung hin. Auf Info-Veranstaltungen sollen den Anbindehaltern kostengünstige Umbaulösungen vorgestellt werden. Kreisbäuerin Marianne Stelzle warnte die Erzeuger, dass sie sich auch künftig auf stärkere Preisschwankungen einstellen müssten. Umso wichtiger seien für sie verlässliche Partner, zu denen sicher auch die Karwendel-Werke gehören werden. Auch wenn sich ein Verbot der Anbindehaltung heute noch nicht konkret abzeichnet, sei künftig immer wieder mit einem Aufflammen der Diskussion zu rechnen, befürchtet Stelzle. Am Ende könnte dies für die Anbindehalter, zu denen in Bayern die Hälfte aller Milchviehbetriebe gehört, schwerwiegende Folgen haben.
Ernest Schäffer, Geschäftsführer für die Bereiche Rohstoffmanagement und Industriekäseverkauf, stellte den MEG-Mitgliedern ihren neuen Vertragspartner, die Karwendel-Werke, Buchloe, vor. Durch den Strukturwandel habe auch Karwendel im vergangenen Jahr 54 ihrer 715 Lieferanten verloren. Jährlich verarbeitet das Unternehmen 239 Mio. kg Milch, 13 000 t Rahm werden zugekauft. Mit acht eigenen Sammel-Lkw und weiteren Tankfahrzeugen einer Spedition wird die Milch bei den Erzeugern täglich oder auf Wunsch zweitägig erfasst. Mit ihren 500 Mitarbeitern erwirtschaften die Karwendel-Werke einen Umsatz von 340 Mio. €. Bekannte Marken sind Exquisa und Mirée. Neben den verschiedenen Frischkäsen werden auch Quark-, Feinkost- und Dessertprodukte hergestellt. Molkenkonzentrate, Magermilchpulver und Frischkäse für die Industrie. 42 % der Karwendel-Produktion gehen in den Export.
Mit Blick auf die wachsenden Ansprüche der Gesellschaft an die bäuerliche Tierhaltung sagte Schäffer: „Die Milchviehhalter werden zum Haustierhalter und der Rest wird ausgeblendet. Die Bevölkerung vergisst, dass die Landwirte Nutztiere halten und keinen Streichelzoo betreiben, und der Lebensmitteleinzelhandel hat inzwischen dieses Gutmenschentum übernommen.“ Mit immer neuen Tierwohl-Vorgaben treibe er die Milcherzeuger und die Molkereien vor sich her. „Das wird aber weder die Milchqualität noch den Milchpreis verbessern.“

Ab Juli 2018 nur noch GVO-freie Milch

Gleichwohl werden auch die Karwendel-Werke ab Juli 2018 nur noch GVO-freie Milch akzeptieren. Ab Januar 2018 erhalten alle zertifizierten Lieferanten einen Zuschlag von 0,5 Ct für ihre GVO-freie Milch, ab Juli 2018 bekommen dann alle Betriebe einen Zuschlag von 1 ct. Der Handel werde aber für die GVO-freien Milchprodukte wohl keine höheren Preise bezahlen.
Aktuell beläuft sich der Basispreis bei den Karwendel-Werken auf 32,36 ct bei 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß. Mitsamt Zuschlägen und Mehrwertsteuer ergibt sich ein Auszahlungspreis von 36,53 ct. Für die Biomilch bezahlte Karwendel 49,86 ct im März 2017. Im fünfjährigen Mittel bewegt sich der Karwendel-Milchpreis bei 35,92 bis 36,15 ct.
Schäffer zufolge beteiligen sich rund 300 Karwendel-Lieferanten am Milchmengenreduzierungsprogramm. Dennoch sei das Jahr 2016 hinsichtlich des Milchaufkommens ein Rekordjahr gewesen. Für 2017 erwartet Schäffer erneut hohe Mengen.
Ein schwieriges Geschäft sei derzeit der Eiweißverkauf. Auf das Fett umgelegt, bewege sich der Milchpreis bei 40 ct, auf das Eiweiß umgelegt jedoch nur bei 20 ct. So legen Sahne und Butter einen Höhenflug hin, während die Preise für Magermilchpulver abgestürzt seien.
Auch der Käsepreis befinde sich im Abschwung. „Aber die Milch gibt es nun einmal nicht ohne Eiweiß und nicht ohne Fett“, betont Schäffer. Butter werde zwar kontinuierlich stark nachgefragt, doch was helfe das den Milcherzeugern und Molkereien, wenn die Verbraucher die Butter möglichst billig vor allem bei den Discountern kaufen.
Walter Herzog, Inhaber der gleichnamigen Landkäserei in Schießen, berichtete von der Umstrukturierung seines Unternehmens von einem eingetragenen Kaufmannsbetrieb in eine GmbH. „Wir stellen die Weichen für die Zukunft, indem ich zwei Söhne an der Geschäftsführung beteilige.“ Im vergangenen Jahr belief sich der Umsatz der Landkäserei bereits auf mehr als 6 Mio. € – eine Steigerung um 10 % gegenüber 2015.
Im konventionellen Bereich hat sich Herzog durch die Zusammenarbeit mit Rewe und Feneberg neue Märkte erschlossen. Die Landkäserei freut sich über einen stabilen Markt für ihre Bioprodukte und ein starkes Wachstum in der regionalen Vermarktung. „Wir haben die Belieferung von Wochenmärkten noch weiter ausgebaut“, sagte Herzog. Dazu gehört auch die Aufstellung eines „Regiomaten“ vor dem Ladengeschäft in Schießen. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen Herzog 3 Mio. kg Biomilch und 2,7 Mio. kg konventionelle Milch verarbeitet.

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