Login
Versammlung

Rapsanbau - Anbauflächen und Erträge sinken

20_raps_eg_1
Michael Ammich
am
29.07.2019

Die Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps Mittelschwaben zieht Bilanz.

20_raps_eg_2

Aislingen/Lks. Dillingen Auf der Jahresversammlung der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps Mittelschwaben kritisierte der Dillinger Kreisobmann Klaus Beyrer die stark gestiegenen Bioethanol- und Palmölimporte, die mit dem deutschen und euopäischen Raps konkurrieren. Mit der Erleichterung der Einfuhren aus Drittländern werde nicht nur der Rapsmarkt kaputt gemacht, sondern in den Exportländern auch die Produktion von Ölsaaten unter geringen ökologischen Standards gefördert.

EG-Vorsitzender Ulrich Mayerle blickte in Aislingen auf einen trockenen und heißen Sommer 2018 zurück. Dennoch sei die Rapsernte zufriedenstellend ausgefallen. Zur Artenvielfalt leiste der Raps durch seine großen Blühflächen einen wichtigen Beitrag, betonte Mayerle. Umso mehr bedauerte er den Rückgang der Rapsanbaufläche in Deutschland und der EU. Als Ursache für diese Entwicklung führte er die immer strengeren Vorgaben beim chemischen Pflanzenschutz an, ohne den der Raps nur schwierig zu kultivieren sei.

Die Landwirte stünden vor dem Problem, dass sich die Vorgaben für ihre Wirtschaftsweise rasend schnell verändern, die Richtung aber unklar sei. Wie soll ein Landwirt da noch investieren können? Mayerle forderte seine Berufskollegen und den Bauernverband auf, die Interessen des Berufsstands noch offensiver in der Öffentlichkeit zu vertreten.

Einlagern brachte keinen höheren Preis

Neben Einzelkontrakten hatte die Schwäbische Natur Energie GmbH (SNE) der Raps-EG auch im vergangenen Jahr wieder die Pool-Vermarktung angeboten. Viele Landwirte hätten ihren Raps jedoch bis zum Juni 2019 eingelagert, weil sie auf höhere Preise spekulierten, berichtete der SNE-Geschäftsführer Eugen Bayer. Am Ende mussten sie sich jedoch mit 32 €/dt zufrieden geben. Wer dagegen auf die Pool-Vermarktung setzte, durfte laut Bayer mit einem Preis von 34 bis 35 € rechnen. Die Kontraktpreise lagen bei 33 bis 35 €. „Wir haben heuer also alles richtig gemacht, weil sich der Rapspreis nach der Ernte kaum mehr bewegt hat“, stellte der SNE-Geschäftsführer fest. Über die Pool-Vermarktung wurden im vergangenen Jahr insgesamt 1530 t Raps abgesetzt. Davon gingen 600 t an das Lager der Raiffeisenbank Aschberg, 480 t an die BayWa, 200 t an das Raiffeisen-Lager Iller-Roth-Günz, 110 t an die Kunstmühle Aumann in Münsterhausen und 140 t an den Agrarhandel Tausend in Lauingen.
Öl und Schrot sind die Hauptprodukte, die aus dem heimischen Raps gewonnen werden. Während der Schrot gut nachgefragt wird, schwächelt der Preis für Rapsöl aufgrund der Konkurrenz durch das billigere Palmöl. „Seit Januar 2019 hat der Raps an den Börsen keinen Drive mehr bekommen“, stellte Bayer fest. Daran konnte auch die rückläufige Anbaufläche in Deutschland und der EU nichts ändern.
Nach ausreichenden Niederschlägen seien die Ernteaussichten heuer recht gut, doch könnten die zu erwartenden Erträge erneut auf den Preis drücken. Daher werde auch das Einlagern wohl wieder keine Möglichkeit sein, bessere Preise einzufahren. Bayer hofft auf einen Rapspreis von 40 €/dt einschließlich der Zuschläge. Entscheidend für die Höhe des Preises sei die Menge des Sprits aus Raps, die den Kraftstoffen beigemischt wird.
Gesellschafter der 1993 gegründeten SNE sind die Raps-EG Mittelschwaben und der BBV Dillingen. 2018 belief sich der Umsatz der SNE auf 2,1 Mio. €, von denen 0,5 Mio. € auf die Raps- und 1,6 Mio. € auf die Getreidevermarktung entfielen. Derzeit sind der Raps-EG rund 100 Mitglieder angeschlossen. 2018 begann die SNE mit der Vermarktung von Brauweizen und Winterbraugerste an einen, wie Bayer bemerkte, zuverlässigen, aber sehr qualitätsorientierten Abnehmer in der Region. Im Übrigen sei die SNE „schlank, aber gut aufgestellt“.

Pflanzenschutz wird immer komplizierter

Thomas Gerstmeier vom Fachzentrum Pflanzenbau am AELF Augsburg beleuchtete die aktuellen Entwicklungen beim Pflanzenschutz im Rapsanbau. Dieser werde immer komplizierter, wodurch sich der Rückgang der Anbaufläche beschleunigt. Seit 2007 reduzierte sich die Anbaufläche in Bayern um 38 % auf 106 100 ha, das ist ein Verlust von 11 500 ha. Zugleich sanken die Rapserträge von 45 auf nur mehr 34 dt/ha. Zu schaffen machte den Rapsanbauern im Freistaat heuer vielerorts der massive Befall mit Stängelschädlingen, insbesondere mit dem Kohltriebrüssler. Teils war ein zweimaliges Spritzen erforderlich.

Leichte Schäden stimulieren die Pflanze

Deutlich weniger Probleme verursachte der Rapsglanzkäfer, obwohl er sich zunehmend resistent gegen die herkömmlichen Pflanzenschutzwirkstoffe zeigt. Immerhin leistet das Insektizid Biscaya hier noch gute Dienste. Gerstmeier zufolge lastet auf schwach entwickelten Rapsbeständen ein höherer Schädlingsdruck als auf gut entwickelten. Untersuchungen hätten ergeben, dass leichte Schäden die Rapspflanze sogar zu einem Mehrertrag stimulieren. Erst ab einem Rapsglanzkäferbesatz von zehn Stück pro Hauptinfloreszenz sei mit Mindererträgen zu rechnen.
Bei der Mischung von Biscaya mit anderen Pflanzenschutzmitteln riet Gerstmeier zur Vorsicht. Solche Mischungen könnten nämlich anders als Biscaya allein zur Gefahr für Bienen werden. Die Zulassung für Biscaya läuft noch bis zum 30. April 2021. Wie es danach weitergeht, sei noch nicht abzusehen.

Ein Blick auf die Zucht
von Rapssorten

Ernst Bommer warf einen Blick auf den Rapsmarkt. Die globalen Saatgutmärkte seien mittlerweile von der Gentechnik getrieben, erklärte der KWS-Berater. 2019 wurde in Deutschland eine viermal größere Rapsanbaufläche umgebrochen als im Jahr zuvor. Das scheint die Ansicht zu bestätigen, dass der Raps eine Problemkultur ist. In Bayern wurde jedoch deutlich weniger Raps umgebrochen als im Norden oder Osten der Republik. Der KWS-Saatgutkonzern gebe in der Forschung sein Bestes, um die Zucht mit Blick auf Pflanzenschutz, Stressfestigkeit und Vermeidung von Resistenzen voranzubringen.

Zuchtziele von KWS seien beim Raps hohe und stabile Kornerträge, eine gute Resistenz gegen Krankheiten, gute agronomische Eigenschaften wie Dreschbarkeit und Standfestigkeit, Winterhärte und Trockenheitstoleranz sowie eine ansprechende Qualität, insbesondere mit Blick auf den Öl- und Eiweißgehalt.

Auch interessant