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Zuchtverband Schwäbisches Fleckvieh

Mit der Rasse auf einem guten Weg

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Michael Ammich
am
29.01.2018

Zuchtverband für das Schwäbische Fleckvieh mit Vermarktungsrekord/Milchleistung steigt um 53 kg

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Ist der Milchpreis hoch, bringt er auch die Rinderzucht in Schwung. Ist die Nachfrage nach Zuchttieren gut, dann geht es auch dem Zuchtverband für das Schwäbische Fleckvieh gut. Mit einem Viehumsatz von rund 12 000 Stück hat er in seiner 120-jährigen Geschichte einen neuen Vermarktungsrekord erreicht. Trotz der hohen Umsatzzahlen konnte die Nachfrage vor allem nach Jungkühen kaum gedeckt werden. Allein über den Export hat der Zuchtverband im vergangenen Jahr rund 1900 Jungrinder verkauft.
So sprach Vorsitzender Georg Kraus zum Auftakt der Kreiszüchterversammlungen in der Wertinger Schwabenhalle von einem guten Jahr für den schwäbischen Fleckviehzuchtverband. Zu den hohen Milch- und Rindfleischpreisen hatten sich 2017 auch noch gute Erträge und Qualitäten beim Mais und im Grünland gesellt – beste Voraussetzungen also für eine Steigerung des Zuchtviehabsatzes über fast alle Kategorien hinweg. „Mit der Fleckvieh-Zweinutzungsrasse sind wir auf einem guten Weg“, betonte Kraus. Bei manch anderen Rassen sei zwar die Milchleistung hoch, aber die Tiere bestünden oft nur „aus Haut und Knochen“. Das sei umso bedauerlicher, als für die Verbraucher auch das Aussehen der Milchkühe eine Rolle spiele.
Als Zuchtleiter und Chef des Fachzentrums Rinderzucht am AELF Wertingen blickte Friedrich Wiedenmann auf ein erfolgreiches Jahr. Gegenüber dem Vorjahr konnten die 1013 Herdebuchbetriebe im Zuchtverband die Milchleistung ihrer insgesamt rund 55 000 Kühe entgegen dem bayerischen Trend um 53 kg Milch steigern. Der Fettgehalt sank im Mittel um 0,06 %, der Eiweißgehalt blieb stabil.

Im Gebiet des Milcherzeugerrings Wertingen hatten 952 (-40) Betriebe mit insgesamt 54 117 (+253) Kühen teilgenommen. Die durchschnittliche Milchleistung belief sich auf 7866 (+53) kg.

Im bayernweiten Durchschnitt kamen die Fleckvieh-Herdebuchkühe auf eine Milchleistung von 7738 kg. Sie liegt damit um 123 kg über dem Mittel der Braunvieh-Herdebuchkühe.

Im Landkreis Dillingen waren dem Zuchtverband 168 Betriebe mit insgesamt 9347 Kühen angeschlossen.

An der Milchleistungsprüfung nahmen 154 (-7) Betriebe mit insgesamt 9347 (-14) Kühen teil. Die durchschnittliche Milchleistung belief sich auf 7952 (+90) kg bei 4,11 (-0,07) % Fett und 3,53 (+0,00) % Eiweiß.

Neu in den Kreis der 100 000-Liter-Kühe kamen Rosali von Konrad Steinle (Buggenhofen, Vater: Safir), Ema von Xaver Burghardt (Deisenhofen-Pulvermühle; Vater: Regis) und Frima von Stephan Wohlmann (Hausen; VV: Rolando). Damit gibt es im Zuchtverband 29 Kühe, die eine Lebensleistung von 100 000 kg Milch überschritten haben.

Die zehn erfolgreichsten Fleckviehzüchter waren 2017 (in Klammern die von 100 möglichen erreichte Punkte) Werner Häusler (Finningen; 72,3), Otto Kanefzky (Roggden; 69,9), Helmut Redel (Pfaffenhofen; 68,8), Hans Wiedemann (Glött; 67,6), Johann Seitz-Götz GbR (Schwennenbach; 67,2), Anton Wenger (Hirschbach; 66,7), Käßmeyer GbR (Glött; 66,2), Hermanns Agrar GbR (Reistingen; 66,2), Albert Sporer GbR (Oberliezheim; 65,4) und Matthias Wagner (Glött; 65,1).

 

Stallplakette Fleckvieh-Profi überarbeitet

Noch einmal überarbeitet hat der Zuchtverband die Kriterien für die Auszeichnung mit der Stallplakette „Fleckvieh-Profi“. Um sie zu erfüllen, muss nunmehr ein Stalldurchschnitt von mindestens 8000 kg Milch erreicht werden. Die Fett- und Eiweißmenge wird mit 40 % gewichtet und zu je 15 % die Zellzahl, die Zwischenkalbezeit, die Abgangsrate und die Lebensleistung. In vier von fünf Bewertungskriterien muss der „Fleckvieh-Profi“ über dem Durchschnitt aller Zuchtverbandsbetriebe liegen. 100 Punkte lassen sich demnach beispielsweise mit einer Fett- und Eiweißmenge von 986 kg, einer Zellzahl von 44 000, einer Zwischenkalbezeit von 341 Tagen, einer Abgangsrate von 4 % und einer Lebensleistung von 45 128 kg erreichen.
Im Zuchtprogramm wurden laut Wiedenmann auf weiblicher Zuchtbasis 488 Empfehlungen für die gezielte Paarung mit Bullenmüttern ab dem zweiten Kalb herausgegeben. Anpaarungsvorschläge gab es für 619 Jungkühe und 1622 Jungrinder. Inzwischen bewegt sich der Anteil der hornlosen Jungrinder bei 17 % und der hornlosen Jungkühe bei 6 %. „In der Zucht sind wir breit aufgestellt“, bekräftigte Wiedenmann. So stammten die Jungrinder insgesamt von 165 verschiedenen Vätern und 250 verschiedenen Muttervätern ab, die Jungkühe von 89 verschiedenen Vätern und 161 verschiedenen Muttervätern. Im Rahmen des Innovationszuchtprogramms Embryotransfer (IZP-ET) wurden 23 Tiere, darunter fünf hornlose, selektiert und gespült. Sie stammten von 18 verschiedenen Vätern und 17 verschiedenen Muttervätern ab. Bei 18 Transfers wurden hornlose Bullen mitverwendet.
Eine breite genetische Struktur weisen auch die 466 typisierten Kälber im Zuchtprogramm auf. Sie stammten von 117 verschiedenen Vätern und 135 verschiedenen Muttervätern ab. Die häufigsten gewählten Väter bei der Eigentypisierung im Anpaarungsprogramm waren 2017 Mahango, Incredible, Monumental, Zepter, Wattmeer, Walk und Wertvoll. Die Quote der Träger mit mindestens einem kritischen Erbfehler hat sich bei 466 typisierten Kälbern von 21 % auf 17 % reduziert. Bei der genomischen Untersuchung wurden über den schwäbischen Fleckviehzuchtverband insgesamt 830 (+140) Tiere typisiert, davon 241 (+129) weibliche.
„Zu unseren wichtigsten Zielen gehört die Erzeugung von Besamungsbullen der nächsten Generation“, erklärte Wiedenmann. Dass der Verband hier sehr erfolgreich ist, belegen die kontinuierlich hohen Preise für die besten verkauften Bullen. Im letzten Jahr waren das 35 000 € für den Stier Hosianna und 30 500 € für Himmlisch. Aus dem Zuchtprogramm gingen 21 Stationsbullen mit 17 verschiedenen Vätern hervor. Ihr Schnittpreis belief sich auf 10 986 €.

 

12 000 Zuchttiere vermarktet

Verbandsverwalter Georg Veh freute sich insbesondere über die starke Nachfrage nach Zuchtvieh aus dem schwäbischen Zuchtverband im Ausland. Fast 1900 Jungrinder gingen 2017 in den Export. Trotz des Rekords von insgesamt 12 000 vermarkteten Tieren lasse sich die Nachfrage – vor allem nach Jungkühen – derzeit kaum befriedigen, stellte Veh fest. Insgesamt wurden über die Auktionen und ab Stall 898 (+88) Jungkühe verkauft, desweiteren 163 (+24) Bullen, 226 (+87) Kühe, 1023 (+28) Kalbinnen, 1156 (+976) Jungrinder. Beim Export liegen die Preise deutlich über dem Inlandsniveau. Für die Ausfuhr sollten die Rinder mehrere Voraussetzungen erfüllen:

  • Alter von 7 bis 12 Monaten,
  • enthornt, normal entwickelt,
  • Herdebuchabstammung A,
  • Mutterleistung in der ersten Laktation mindestens 6000 kg oder eine durchschnittliche Laktion von 6500 kg Milch,
  • eine Blutuntersuchung auf das Schmallenberg-Virus ist nicht erforderlich, sodass keine Ausfälle nach der Abnahme zu befürchten sind.

Aufgrund der lebhaften Nachfrage sucht der Zuchtverband dauerhaft (Jung) Kühe für Aufstockungsbetriebe ab Auktion und ab Stall. Der Schwerpunkt liegt dabei auf laufstallgewöhnte Tiere. Betriebe, die ihre Milchviehhaltung aufgeben und geeignete Kühe zur Weiternutzung verkaufen wollen, sollten darauf achten, dass diese besamt sind. „Das erhöht die Verkaufschancen“, sagte Veh.
Einen Wermutsropfen konnte der Verbandsverwalter den Fleckviehzüchtern nicht ersparen. Trotz der gestiegenen Preise kam es im vergangenen Jahr zu einem Rückgang der Verkaufszahl um 180 auf nurmehr 691 Kuhkälber zur Zucht. Auch die Zahl der verkauften Bullenkälber zur Mast reduzierte sich um 192 auf 6622. Derselbe Trend zeichnete sich bei den Bullenkälbern zur Zucht mit 102 verkauften (-13) und den weiblichen Kälbern zur Mast mit 293 (-39) Tieren ab. Damit konnten 2017 über den Zuchtverband insgesamt 7708 (-424) Kälber vermarktet werden.
Michael Holand vom Fachzentrum Rinderzucht am AELF Wertingen stellte die neuen PAG-Testprogramme „HerdeComfort“ und „HerdePlus“ vor. Der PAG-Test liefert Hinweise auf den Trächtigkeitsstatus der Kuh. Die entsprechenden Eiweißbaustoffe lassen sich ab dem 28. Trächtigkeitstag in der Milch nachweisen. Richtig angewendet erreicht dieser Test eine Sicherheit von 98,8 %. Die Vorteile: Der Test läuft automatisch mit der Untersuchung der Milchprobe, es erfolgt kein Eingriff am Tier und durch den monatlichen Check ist die gesamte Herde im Blick. Ein früher Trächtigkeitsnachweis verringert die Zwischenkalbezeit und spart die Tierselektion.
Am neuen PAG-Testprogramm „HerdePlus“ nehmen im Zuchtverband Wertingen bereits 36 Betriebe teil. Hier wird nach einer gemeldeten Besamung beim nächsten Probemelktermin automatisch ein Bestätigungstest durchgeführt. Beim „HerdeComfort“ erfolgt zusätzlich ein Spätträchtigkeitstest ab dem 160. Trächtigkeitstag. Vorausgesetzt: Es müssen zwei positive PAG-Tests hintereinander vorliegen. Den PAG-Test „HerdeComfort“ nehmen im Verband derzeit drei Betriebe in Anspruch.
Holand wies die Züchter auf ein neues Stoffwechsel-Frühwarnsystem hin. Hier läuft ein Pilotprojekt, bei dem mit der Milchprobe zusätzliche Untersuchungen erfolgen. Im Gebiet des Zuchtverbands beteiligen sich aktuell rund 20 Betriebe am Frühwarnsystem. Weitere Betriebe werden gerne aufgenommen.
Schließlich wählten die Dillinger Fleckviehzüchter insgesamt sechs Landwirte, die sie in den kommenden fünf Jahren im Ausschuss des Zuchtverbands und des Milcherzeugerrings Wertingen vertreten werden. In den Verbandsausschuss wurden Anton Eberle (Mörslingen), Konrad Steinle (Buggenhofen) und Otto Kanefzky (Roggden) berufen. In den Ausschuss des Milcherzeugerrings kamen Hubert Sporer (Laugna), Otto Kanefzky (Roggden) und Johann Seitz-Götz (Schwennenbach).

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