Login

Rote Gebiete – wo und warum?

20_rote_gebiete_1
Michael Ammich
am
18.02.2019

Infoveranstaltung zur Umsetzung der Düngeverordnung im Kreis Dillingen

20_rote_gebiete_2

Gottmannshofen/Lks. Dillingen Sind die Ängste der Landwirte vor einer Einordnung ihrer Flurstücke in die „Roten Gebiete“ begründet? Nein, meint Stephan Haase vom AELF Wertingen. „So wild ist das nicht.“ Von manchen Zusatzmaßnahmen zum Grundwasser- und Gewässerschutz könnten die bäuerlichen Betriebe sogar profitieren. Das Misstrauen der Grundstückseigentümer bleibt dennoch groß. Das bekam auch Jingbo Hasubek vom Donauwörther Wasserwirtschaftsamt zu spüren, als sie auf einer Infoveranstaltung die Hintergründe für die Einführung der „Roten Gebiete“ erklärte – und darunter fällt ein erheblicher Teil des Landkreises Dillingen.

Warum die Roten Gebiete notwendig sind

Hasubek erläuterte, warum die Ausweisung von Roten Gebieten nötig ist und stellte zuerst klar, dass diese Gebiete nicht von ihrer Behörde, sondern vom bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) festgesetzt werden. Die fachlichen Grundlagen für die Gebietskulissen bildet die EU-Wasserrahmenrichtlinie mit der Grundwasser- und Umweltqualitätsnormrichtlinie. Wo Schadstoffkonzentration ansteigt, müssen Maßnahmen durchgeführt werden, die diesen Trend umkehren. Koordiniert werden die Maßnahmen gemeinsam von den Landwirtschafts- und den Wasserwirtschaftsämtern.
Unter Grundwasserkörper (GWK) versteht die Wasserwirtschaft ein abgegrenztes Grundwasservolumen innerhalb eines oder mehrerer Grundwasserleiter. Ein Rotes Gebiet wird dort ausgewiesen, wo sich der GWK in einem schlechten chemischen Zustand befindet oder ein Trend zu steigenden Nitratwerten erkennbar ist.
Im Kreis Dillingen sind folgende Gemarkungen als Rote Gebiete ausgewiesen: Lauterbach, Buttenwiesen, Wortelstetten, Frauenstetten, Wertingen, Gottmannshofen, Hohenreichen, Hirschbach, Roggden, Bliensbach, Prettelshofen, Hettlingen und Laugna. Die Einstufung einer gesamten Gemarkung als Rotes Gebiet erfolgt dann, wenn sich ihre Fläche zu mehr als auf 50 % mit einem Roten Gebiet überlappt. Größere zusammenhängende Teilgebiete, in denen der Nitratgehalt im GWK 37,5 mg/l nicht überschreitet – die sogenannten Weißen Gebiete – können aus den Roten Gebieten herausgenommen und von Zusatzmaßnahmen zum Grundwasserschutz befreit werden.
Auf die Aufsührungen Hasubeks reagierten die Landwirte immer wieder mit Kopfschütteln. 570 offizielle Messstellen in Bayern seien nicht repräsentativ, lautete ein Vorwurf. Demgegenüber versicherte die Wasserwirtschaftlerin, dass selbst Probestellen mit einem kleinen Einzugsgebiet sehr wohl repräsentativ sind, wenn sich in ihnen die hydrogeologischen Verhältnisse des gesamten GWK widerspiegeln. Aber Hasubek hatte auch einen kleinen Trost für die Landwirte dabei: Wenn der Nitratwert in einem Roten Gebiet langfristig eine fallende Tendenz aufweist, kann das Gebiet auch wieder aus der Kulisse genommen werden.

Drei zusätzliche Maßnahmen beachten

Stephan Haase vom AELF Wertingen nahm dem Unmut der Landwirte ebenfalls ein wenig die Luft. Die im Kreis Dillingen von den Roten Gebieten betroffenen Bauern müssten lediglich drei zusätzliche Wasserschutzmaßnahmen auf ihren gesamten Grundstücken durchführen:
  • Jährliche Untersuchung des Gehalts von mineralisiertem Stickstoff auf allen Flurstücken,
  • jährliche Untersuchung des für den Betrieb mengenmäßig bedeutendsten Wirtschaftsdüngers und von Gärresten auf Gesamtstickstoff, verfügbaren Stickstoff und Gesamtphosphat,
  • Einhaltung von erhöhten Gewässerabständen: 5 m ab Böschungsoberkante bei einer Hangneigung von weniger und 10 m bei einer Neigung von mehr als 10 %.
Befreit von diesen Vorgaben sind beispielsweise Betriebe, die im aktuellen Nährstoffvergleich im dreijährigen Mittel einen Kontrollwert von höchstens 35 kg Stickstoff/ha nachweisen, sowie Flächen, auf denen bestimmte Kulap-Maßnahmen durchgeführt werden. Die jährliche Utersuchung des Wirtschaftsdüngers bringe den Landwirten auch einen Vorteil, sagte Haase. Auf diese Weise könnten sie erfahren, wie sich ihr Mineraldünger noch effizienter einsetzen lässt. „Die Umsetzung der Düngeverordnung mit sichtbaren und messbaren Erfolgen ist unsere letzte Chance, noch strengere Reglementierungen zu vermeiden. Hier müssen wir jetzt alle zusammenarbeiten.“ Haases Amtskollegin Susanne Ahle empfahl den Landwirten bei der Ermittlung von Flurstücken, die unter die Roten Gebiete fallen, den integrierten Bayerischen Landwirtschaftlichen Informationsdienst (iBALIS) in Anspruch zu nehmen. Der webbasierte Dienst weist die Roten Gebiete als „nitratgefährdete Gebiete“ aus. Im iBALIS lässt sich auch erkennen, auf welchen Flächen bereits eine Kulap-Maßnahme durchgeführt wird, die von Zusatzmaßnahmen befreit.

Förderfähige Umweltmaßnahmen

Ahle stellte die förderfähigen Agrarumweltmaßnahmen zum Boden- und Gewässerschutz vor:
  • Extensive Grünlandnutzung entlang von Gewässern und in sonstigen sensiblen Gebieten mit dem Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutz. Förderprämie: 350 €/ha.
  • Gewässer- und Erosionsschutzstreifen in und außerhalb von Roten Gebieten mit einer Breite von mindestens sieben und höchstens 30 m. Die Förderprämie bewegt sich hier bei 920 €/ha.
  • Blühstreifen an Waldrändern oder in der Feldflur,
  • emissionsarme Wirtschaftsdüngerausbringung,
  • Umwandlung von Acker- in Grünland entlang von Gewässern und in sonstigen sensiblen Gebieten,
  • ökologischer Landbau.
Ahle ermunterte die Landwirte an Blühstreifen die von der Landesanstalt für Landwirtschaft angebotenen Infotafeln aufzustellen – nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“.
Auch interessant