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Schwarzwild

Mit Saufängen gegen Wildschweine

Wildschwein-Sachsenried
Roland Lory
am
30.10.2017

In der Region um den Sachsenrieder Forst gibt es eine deutliche Schwarzwild-Problematik. Eine Möglichkeit, den Schweinen Herr zu werden, ist der Bau von Saufängen. Die Methode ist aber umstritten.

Wildschwein-Sachsenried

Alle wollen sie loswerden, dennoch sind die Schwarzkittel im südlichen Bayern weiterhin auf dem Vormarsch. Eine Möglichkeit, den Schweinen Herr zu werden, ist der Bau von Saufängen. Doch die Methode ist nicht unumstritten. Dies zeigte sich auch bei einer Veranstaltung des Arbeitskreis Wildtier in Bayern/Region Sachsenrieder Forst (WilTiB) im Gasthaus Janser in Schwabniederhofen.

Für Andreas Tyroller, Fachberater an der Hauptgeschäftsstelle Oberbayern des Bayerischen Bauernverbands für Wald und Jagd, ist der Saufang die „effektivste und tierschonendste Bejagung“. Robert Bocksberger, Leiter des Forstbetriebs Landsberg, teilte diese Auffassung nicht.  Den Saufang sieht er als „Schädlingsbekämpfung“. „Das ist ein brutaler Eingriff. Wir können nicht anfangen, ganze Rotten niederzustrecken.“ Tyroller räumte allerdings ein: „Ob das noch mit herkömmlicher Jagd zu tun hat, ist eine andere Frage.“

Die Fallen sind in der Gesellschaft ein sensibles Thema. Darauf wies Moderator Wolfgang Scholz hin, Weilheim-Schongauer BBV-Kreis­obmann und stellvertretender Bezirkspräsident in Oberbayern. Geeignete Stellen gibt es seiner Meinung nach durchaus. „Wir haben Standorte, die fernab sind von Rad- und Fußwegen.“ Entscheidend sei, dass alle Beteiligten dahinterstehen.

Das Ganze müsse allerdings „sorgfältigst vorbereitet sein“. Scholz zeigte sich überzeugt: „Wir brauchen drastische Maßnahmen, um eine Reduktion“ der Schwarzkittel zu erreichen. Ähnlich sieht es Tyroller. Seiner Meinung nach stehen zwei Wege offen.

  • Zum einen Schadensminimierung durch den Einsatz von Nachtzielgeräten, das Anlegen von Schussschneisen und Schwerpunktbejagung.
  • Zum anderen eine drastische Bestandsreduktion. Und zwar, indem man die Kirrung beschränkt, auf strukturelle Bejagung setzt sowie Drückjagden (auch revierübergreifend), Saufänge und Frischlingsfänge organisiert.
     

Die Leitbache sollte zuerst fallen

Der Berater betonte nachdrücklich, dass maximal eine Kirrung pro 100 ha angelegt werden sollte, beschickt mit höchstens 1 kg Kirrgut. Unter struktureller Bejagung versteht Tyroller die Entnahme der Leitbache. „Das muss das erste Tier sein, das fällt, am besten vor einer revierübergreifenden Drückjagd, natürlich unter Einhaltung des Mutterschutzes.“

Tyroller hat einige „Beobachtungen“ gemacht:

  • Die Sauen „verbreiten sich nach wie vor ungebremst“.
  • Die Jagdgenossenschaften reagieren oft erst, wenn es zu spät ist.
  • Die Jagdgenossenschaften sind sich ihrer Verantwortung für den Wildschaden oft nicht bewusst.
  • Die Jagdgenossenschaften sind sich oft ihrer Macht nicht bewusst.
  • Den Jagdgenossen entgleitet mehr und mehr ihr Eigentum, das Jagdrecht.
  • Schuld sind zuerst mal die anderen.

In Sachen Wildschweine hätten viele die Dimension „nicht auf dem Schirm“, betonte Tyroller. Dabei verwies er unter anderem auf die hohe Vermehrungsrate dieser Tiere.

Und die Schäden nähmen weiter zu. Es gibt nach den Worten des Referenten mittlerweile Jagdgenossenschaften, die eine Umlage erheben. Der Grund: Sie können die Schäden nicht mehr bezahlen. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle mit Schwarzkitteln steigt an. Das ist dann eine Kollision mit einem 80-kg-Körper. „Da „können Sie froh sein, wenn Sie das überleben“.

Auch die „Pille“ für die Sau ist offenkundig machbar. In Australien werde sie bei Hausschweinen (Eber) eingesetzt. Die Einsatzreife für Schwarzwild könnte „in einigen Jahren“ vorliegen, schätzt Tyroller.

Gekommen, um zu bleiben

Wildschwein-Sachsenried

Schließlich ging es an dem Abend, zu dem die Unteren Jagdbehörden, Bürgermeister, die Bayerischen Staatsforsten, Jagdvorstände sowie Jäger und Landwirte der Region Sachsenrieder Forst eingeladen waren, noch um die Afrikanische Schweinepest (ASP).

„Sie ist nicht vom Himmel gefallen“, betonte Tyroller. Er bringt das Thema seit inzwischen sechs Jahren zur Sprache. Nachdem die Seuche 2007 in Georgien festgestellt wurde, breitetete sie sich später in Polen und im Baltikum aus. Ende Juni 2017 wurde die ASP im östlichen Tschechien registriert und mittlerweile auch in Rumänien.

Das Problem rückt also näher. „Die ASP hat gar nichts mit der Schweinepest zu tun“, gab Tyroller zu verstehen. „Das ist eine völlig andere Erkrankung. Das einzige, was gleich ist, ist der Name.“

Für Haus- und Wildschweine sei die Seuche binnen einer guten Woche „zu praktisch hundert Prozent tödlich“. Für den Menschen sei sie ungefährlich und auf ihn auch nicht übertragbar. Einen Impfstoff gibt es bisher nicht. Das Virus bleibt am Boden und an Kadavern laut Tyroller bis zu 200 Tage lang aktiv.

Der BBV-Berater gibt sich keinen Illusionen hin: Die ASP sei „eine Wildseuche, die gekommen ist, um zu bleiben“. Wenn sie bei Hausschweinen festgestellt wird, wird der Bestand gekeult. Man richtet einen Sperrbezirk ein. Ein Transport- und Schlachtverbot wird angeordnet. „Das wäre eine Wahnsinnsverwerfung für den Schweinemarkt“, sagte Tyroller. Würde bei Wildsauen die ASP registriert, gäbe es ebenfalls einen Sperrbezirk, eine Pufferzone und ein Jagdverbot für mindestens 21 Tage.

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