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Straßenbau

Schlepper sollen auf der B 16 fahren - notfalls per Klageweg

B 16 Ausbau
Michael Ammich
am
26.06.2017

Dillingen - Der Bauernverband zeigt klare Kante. Der BBV-Kreisverbände Dillingen und Günzburg wollen sich nicht mehr über den Tisch ziehen lassen.

Waren die Landwirte, so Kreisobmann Klaus Beyrer, bei der Dillinger Ortsumfahrung von der Politik und den Behörden noch „gelinkt“ worden, werde es beim geplanten dreispurigen Ausbau der Bundesstraße 16 zwischen Günzburg und Dillingen anders laufen. Nachdem die Staatsvertreter wie im Sozialismus scheinbar keinen Respekt mehr vor dem Eigentum hätten, würden die Grundstücksverhandlungen diesmal nicht so reibungslos vonstattengehen, warnt Beyrer die Politiker schon einmal vor.
Der Unmut der Dillinger und Günzburger Landwirte ist berechtigt. Sie sollen zwar ihren Grund und Boden für die geplante dreispurige Bundeskraftfahrstraße zwischen Günzburg und Manching hergeben, aber für den landwirtschaftlichen Verkehr wird sie gesperrt sein. Eine Kraftfahrstraße ist nämlich ausschließlich für Fahrzeuge bestimmt, die schneller als 60 km/h fahren können. Das heißt, die landwirtschaftlichen Zugfahrzeuge bleiben außen vor. Welcher Schlepper kann schon schneller als 60 km/h fahren?
In der Dillinger BBV-Geschäftsstelle haben sich die Spitzen des Günzburger und Dillinger Bauernverbands und vier betroffene Landwirte aus Gundelfingen und Wittislingen versammelt, um ihr entschlossenes „Nein“ zum Ausbau der B 16 zur dreispurigen Kraftfahrstraße kundzutun. Dass sie sich derart heftig gegen die Planungen wehren, hat seinen Grund auch in der Art und Weise, wie Politik und Behörden mit ihnen beim Bau der Dillinger Umgehung umgesprungen sind.

Bitter: Die Behörden haben uns gelinkt

Damals habe man den Bauern zugesichert, dass sie auch weiterhin die dreispurige Bundesstraße mit ihren Schleppern befahren dürften. Entsprechend bereitwillig hatten sie in der Folge ihre Grundstücke für die B 16-Umfahrung abgetreten. Allerdings staunten sie nicht schlecht, als dann die blauen „Kraftfahrstraße“-Schilder an den Auffahrten angebracht wurden. „Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt, die Politik und die Behörden haben uns gelinkt“, stellt Kreisobmann Beyrer bitter fest.
Für die Dillinger und Günzburger Bauern ist die B 16 eine Lebensader, auf der sie ihre Kartoffeln zum Kartoffel Centrum Bayern (KCB) in Rain, ihr Getreide zur Firma Mühlschlegel in Thannhausen oder zu den Landhändlern in Lauingen und Gundelfingen transportieren. Ist erst einmal die geplante neue Getreideerfassung der Firma Mühlschlegel in Leipheim in Betrieb, wird sich die Situation noch einmal verschärfen. Auch dorthin führt der direkte Weg nämlich über die B 16. Darf diese nach dem dreispurigen Ausbau nicht mehr von Schleppern befahren werden, müssten sich die Landwirte Umwege durch die Dörfer suchen. „Und dort wird dann wieder über schnelle Traktoren und verschmutzte Straßen geschimpft“, sagt Ulrich Mayerle. Am Ende werden die Dorfgemeinden Umgehungsstraßen fordern, die mitsamt den Ausgleichsflächen wieder den Flächenverbrauch anheizen.
Mayerle ist zwingend auf die B 16 als Transportweg angewiesen. Ein Betriebsschwerpunkt des Wittislinger Landwirts liegt auf dem Anbau von Pommes-Frites-Kartoffeln. Im KCB in Rain muss die Ware innerhalb eines auf eine halbe Stunde bemessenen Termins angeliefert werden. Jede Verzögerung kann einen Qualitätsverlust bedeuten, für den es Preisabzüge gibt. Deshalb lässt sich der Transport der Kartoffeln auch nicht so ohne Weiteres mit Speditionslastwagen abwickeln. Dasselbe gilt für das Getreide, das Mayerle zur Firma Mühlschlegel in Thannhausen liefert. „Ich kann ja schlecht einen Lkw stundenlang neben dem Mähdrescher am Feldrand stehen lassen.“ Außerdem hat Mayerle bereits auf der Donaualtheimer Flur ein Grundstück für die Dillinger Ortsumgehung abgegeben. „Wenn wir jetzt noch einmal Flächen abtreten müssen, dann wollen wir wenigstens auf der Bundesstraße fahren dürfen.“
Das sehen die Gundelfinger Gemüsebauern Josef Hopf, Werner Hopf und Georg Bucher nicht anders. Schon durch den Bau der B 16-Umfahrung von Lauingen und Gundelfingen Mitte der 90er-Jahre hatten die Bauern viel Land verloren und zahlreiche Äcker wurden zerschnitten. Anschließend sei die Ortsdurchfahrt von Gundelfingen massiv zurückgebaut worden, sodass sie jetzt nur schwer mit Schlepper und Anhänger zu befahren ist, klagt Werner Hopf.

Wir müssen jetzt auf stur schalten

Wenig hält Gundelfingens Ortsobmann Georg Bucher vom Vorschlag aus den Reihen der Kommunalpolitiker, die Wirtschaftswege neben der neuen, dreispurigen Bundesstraße für den landwirtschaftlichen Verkehr bedarfsgerecht zu verbreitern. Dies würde nur zu einem noch größeren Flächenverbrauch und zu noch mehr Ausgleichsflächen führen.
Beyrer befürchtet, dass in die Planungen einmal mehr zwar die örtliche Wirtschaft, nicht aber die Landwirtschaft eingebunden wird. „Dabei handelt es sich um Leute, die entlang der B 16 keinen Quadratmeter Grund besitzen.“ Straßenbau, Kiesabbau, kommunale Entwicklung – allmählich sei der Verlust an bäuerlichen Nutzflächen im Kreis Dillingen nicht mehr tragbar. Auch Kreisbäuerin Annett Jung geht der geplante Ausbau der B 16 ohne Zulassung des landwirtschaftlichen Verkehrs zu weit. „So kann man mit den Grundeigentümern nicht mehr länger umspringen, wir müssen jetzt auf stur schalten.“
Die Günzburger Kreisbäuerin Marianne Stelzle sieht das ähnlich: „Wir müssen uns rechtzeitig wehren, damit wir später nicht wieder die Gelackmeierten sind.“ Günzburgs BBV-Kreis­geschäftsführer Matthias Letzing hält die Planungen für einen „Schildbürgerstreich“. Der Bevölkerung sei es nicht zu vermitteln, dass sich der gesamte landwirtschaftliche Verkehr künftig durch ihre Wohnorte wälzen soll. Auf die bloßen Worte der Politiker und Behörden würden sich die Landwirte diesmal nicht mehr verlassen, sagt Letzing. „Den staatlichen Planern glauben wir nichts mehr.“
Günzburgs Kreisobmann Stephan Bissinger hat seinen Betriebsschwerpunkt im Kartoffelanbau und muss die Erdäpfel termingerecht von Ichenhausen nach Rain bringen. Beließe man es bei der Zweispurigkeit der B 16, könnten die Schlepper an vielen Stellen gut von den Autofahrern überholt werden, sagt Bissinger. Bei einem dreispurigen Ausbau gebe es jedoch alle paar Kilometer, abwechselnd in beiden Fahrtrichtungen, ein Überholverbot. Dürften Schlepper die ausgebaute B 16 befahren, müssten sie folglich vom Überholverbot ausgenommen werden, um den Verkehrsfluss zu gewährleisten.
Auch Bissingers Stellvertreter Herbert Riehr baut Kartoffeln an. „Das ist eine hochsensible Frucht, das KCB ist auf einen exakten Liefertermin angewiesen.“ Die Wertschöpfung, die von der nord- und mittelschwäbischen Landwirtschaft im Getreide- und Kartoffelbereich aufgebaut wurde, muss erhalten bleiben, fordert Riehr. „Die Landwirte der Region dürfen nicht abgehängt werden.“ Er verweist zudem darauf, dass sich die modernen Schlepper in ihrem Fahrtempo immer mehr der Geschwindigkeit von Lastwagen annähern. Folglich könnten die Schlepper ebenso wie die Lkw die neue B 16 problemlos befahren. Noch nie habe der Günzburger BBV die Landwirte aufgerufen, keine Grundstücke für Straßenbaumaßnahmen abzutreten, betont Riehr. „Aber jetzt bleibt uns wohl nichts anderes mehr übrig.“

Notfalls bleibt nur der Klageweg

B16 Ausbau

Der Dillinger BBV-Kreisgeschäftsführer Eugen Bayer betrachtet die Zulassung des landwirtschaftlichen Verkehrs auf der neuen B 16 als zentrale Forderung des Bauernverbands bei den Grundstücksverhandlungen. Mit Blick auf die bereits gebaute dreispurige Umgehung von Dillingen zeigt sich Bayer „maßlos enttäuscht“, dass die Politik diese Forderung hier nicht ernst genommen habe. „Das wird uns nicht noch einmal passieren, so kann man mit den Landwirten nicht umgehen.“ Immerhin hätten die Bauern 60 ha Grund für die Dillinger Umgehung abgetreten. Mitsamt den Ausgleichsflächen belaufe sich der Verlust sogar auf 100 ha. Mehrere 100 ha würden auch für den dreispurigen Ausbau der B 16 zwischen Dillingen und Günzburg fällig. Schließlich holt Bayer den Knüppel aus dem Sack: Der Bauernverband werde darauf hinarbeiten, dass die Landwirte die für den Ausbau der B 16 benötigten Grundstücke nicht verkaufen, und notfalls den Klageweg beschreiten.
Sein Schlusswort adressiert Beyrer an den Dillinger CSU-Landtagsabgeordneten Georg Winter: „Nur weil sich ein heimischer Abgeordneter mit einem Schwaben-Highway ein Denkmal setzen will, werden wir Bauern nicht auf das Befahren der B 16 verzichten.“

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