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Jagdgenossenschaft

Sorgen wegen der Schweinepest

ArgeJagdgenossenschaftenSchwaben2018
Ulrich Hins
am
11.02.2019

Waldverjüngung, Wolf und ASP sind aktuelle Arbeitsfelder der Jagdvorsteher.

Sontheim/Lks. Unterallgäu Die Situation der Waldverjüngung, die Wiederansiedlung des Wolfes und die Afrikanische Schweinepest werden derzeit in den Jagdgenossenschaften intensiv diskutiert. Damit rückt Alois Hartmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften in Schwaben, die Themen in den Mittelpunkt, die auch die Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften in Schwaben in Sontheim im Unterallgäu dominierten.

Der Zustand der Waldverjüngung werde heuer wieder für Diskussionen sorgen, wenn die Ergebnisse der Vegetationsgutachten vorliegen und davon abgeleitet die Abschussplanungen erfolgen. Die Waldbesitzer fordern einen Rehwildbestand, der eine natürliche Verjüngung des Waldes ohne aufwendige und teure Schutzmaßnahmen zulässt, fasst Alois Hartmann die Vorstellung der Arbeitsgemeinschaft zusammen.

Forstliches Gutachten
hat sich bewährt

„Das Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung hat sich bewährt“, stellt der Leitende Forstdirektor Dr. Ulrich Sauter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten klar, der in seinem Referat die Notwendigkeit einer natürlichen Waldverjüngung in den Vordergrund stellte. Gerade die Tanne und die Laubbaumarten seien einer erhöhten Verbissbelastung ausgesetzt und gerade diese Baumarten seien notwendig, um klimaresistente Wälder aufzubauen. Die verbissgefährdeten Baumarten fielen aus und würden von der Fichte überwachsen. Das führe zu einer Entmischung im Waldbestand und zur vermehrten Bestockung klimaempfindlicher Fichtenkulturen.
Die Ergebnisse der Vegetationsaufnahme zeigen die durchschnittliche Verbissbelastung auf Ebene der Hegegemeinschaften. Auf Ebene der Jagdgenossenschaften könnten Förster Aussagen zur Verbissbelastung treffen. Sauter empfiehlt, mit Waldbegängen in den Jagdrevieren die Situation der Waldverjüngung vor Ort mit den Beteiligten zu klären. Hilfreich zur Einschätzung der Verbisssituation seien auch Weiserzäune. Das seien eingezäunte kleine Areale, die vor Wildverbiss geschützt seien. „Die Waldbesitzer sind die Ersten, die den Klimawandel direkt zu spüren bekommen“, ist sich Dr. Sauter sicher. „Der Bayerische Bauernverband fordert ein Wolfsmanagement, das die Regulierung von Wolfspopulationen zulässt“, stellt Johann Koch, Referent für Wald und Jagd im Generalsekretariat des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), die Forderung der Berufsvertretung in den Mittelpunkt. Vorrangig sei, die Weidetiere zu schützen.
Die Gesellschaft fordere, Nutztiere möglichst naturnah zu halten, dazu gehöre auch die Weidehaltung. Mit der Weidehaltung werde auch die Landschaft gerade in Tourismusregionen offen gehalten. Das fördere einen sanften Tourismus auf dem Lande. Der Wolf, der diesem Ansinnen entgegenstehen kann, dürfe sich deshalb nicht unkontrolliert vermehren. Der Bauernverband fordere deshalb, den Schutzstatus des Wolfes herabzusetzen, sodass eine Regulierung möglich sein könne.

Rekordjagdstrecke
beim Schwarzwild

Die Landwirte sähen sich der Gefahr der Afrikanischen Schweinepest (ASP) ausgesetzt, die verheerende wirtschaftliche Schäden in der Landwirtschaft anrichten könne. Zur Prävention stünden auch die Jagdgenossenschaften in der Verantwortung. „Die Rekordstrecke mit über 95 000 erlegten Sauen spiegelt die verstärkten Anstrengungen der Jäger und deren zunehmend besseren Zusammenarbeit mit den Landwirten wider,“ erkennt Johann Koch an. „Sie zeigt aber auch den sehr hohen Grundbestand an Schwarzwild. Der Druck auf die Jäger zur Bejagung des Schwarzwildes ist deshalb von den Jagdgenossenschaften aufrechtzuerhalten“, forderte der BBV-Fachmann.
Neben den Hygienemaßnahmen in den schweinehaltenden Betrieben und den Hygienemaßnahmen bei Einreisen aus Ländern, in denen Schweinepest vorkommt, könne auch eine Reduzierung der Schwarzwildbestände bei uns die Gefahr der Verbreitung und Verschleppung der Schweinepesterreger mindern. In den Ländern, in denen Schweinepest auftrete, zeige sich eindeutig, dass die örtliche Verbreitung durch Schwarzwild das häufigste Verbreitungspotenzial darstelle.
Eine Hilfe zur tierschutzgerechten und erfolgreichen Bejagung von Schwarzwild könne der Einsatz von Nachtsicht-Vorsatzgeräten zum Anschrauben an Zielfernrohre sein. Koch weist darauf hin, dass in Bayern bereits weit über 1000 Vorsatzgeräte genehmigt seien. Landratsämter, die Nachtsichtvorsatzgeräte nicht genehmigen, müssten sich im Fall des Auftretens und der Verbreitung der ASP der Verantwortung stellen.
Koch wies auf die Regionalkonferenz zum Thema Afrikanische Schweinepest auf Regierungsbe-zirksebene am 28. Februar in Wertingen hin. Auf Einladung der Bayerischen Staatsministerien für Umwelt und Verbraucherschutz und für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie des Bayerischen Bauernverbandes solle ein möglicher ASP-Ausbruch in Bayern mit den damit verbundenen Fragen und Handlungsnotwendigkeiten gemeinsam mit den Betroffenen aus den verschiedenen Bereichen besprochen werden. Der Bayerische Bauernverband fordere die zuständigen Behörden auf, Tierseuchenübungen durchzuführen, um zu prüfen, ob die Zusammenarbeit zwischen den Behörden und den betroffenen Stellen auch funktioniere, sagte Koch.

Datenschutzverordnung auch für Jagdgenossen

Die seit 2018 geltende EU-Datenschutzgrundverordnung gelte auch für die Jagdgenossenschaften. Ulrich Hins, Beauftragter des Bayerischen Bauernverbandes für die Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften in Schwaben, wies auf die Auswirkungen hin.
Stelle die Jagdgenossenschaft ein sogenanntes Vearbeitungsverzeichnis auf, so sei eine wichtige Vorgabe der EU-Datenschutzgrundverordnung schon erfüllt. Ein großer Teil der Datenverarbeitung der Jagdgenossenschaft sei bereits vom Gesetzgeber vorgeschrieben, sodass sich hier keine großen Anpassungen ergeben dürften. „Der Teufel steckt allerdings im Detail“, damit wies Hins darauf hin, dass Jagdgenossenschaften nicht nur das Jagdrecht und das Jagdausübungsrecht verwalten, sondern mit der anderweitigen Verwendung des Reinertrags der Jagdnutzung oftmals weitere Tätigkeiten vornehmen. Und ab hier könnten die Bestimmungen der Datenschutzgrundverordnung durchgreifen. Da entstehe dann Handlungsbedarf der Jagdgenossenschaft.
Die Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften in Schwaben setzt sich aus den Sprechern der Arbeitsgemeinschaften auf Landkreisebene zusammen. Die Arbeitsgemeinschaft vertritt über 600 Jagdgenossenschaften in Schwaben, die Mitglied im Bayerischen Bauernverband sind.
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