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Wahlen

Auf spannende fünf Jahre geblickt

Kreisobmann Günzburg
Michael Ammich
am
20.02.2017

Günzburg - Der neue Kreisobmann des Günzburger Bauernverbands heißt Stephan Bissinger. Mit ihm kommt ein frischer Typ ins Spiel, der als Marketingleiter bei Deutz-Fahr die Öffentlichkeitsarbeit von der Pike auf gelernt hat. Sein Vorgänger Michael Wiedemann hatte sich nach fünfjähriger Amtszeit zum Verzicht auf eine erneute Kandidatur entschlossen, um sich wieder mehr auf seinen eigenen Betrieb zu konzentrieren.

Von den in Kemnat versammelten 52 Ortsobmännern und Stellvertretern haben 47 ihre Stimme an Bissinger vergeben. Der 37-jährige Ichenhausener hat in Weihenstephan Landwirtschaft und Agrarmarketing studiert. Er bewirtschaftet einen Ackerbaubetrieb mit rund 100 ha Fläche. Schwerpunkt ist der Anbau von Industriekartoffeln und -gemüse. Außerdem vertreibt Bissinger Agrarsoftware.
Mit 51 von 52 Stimmen bestätigten die Günzburger Obmänner Herbert Riehr in seinem Amt als stellvertretender Kreisobmann, das er bereits fünf Jahre lang ausgeübt hatte. Seit 20 Jahren ist Riehr Ortsobmann von Dürrlauingen, wo er im Nebenerwerb ebenfalls einen Ackerbaubetrieb mit rund 120 ha Nutzfläche bewirtschaftet. Der 59-Jährige ist den Landwirten als Vorsitzender der Getreide-EG Aislingen-Bibertal und der Kartoffel-EG Donau-Lech bekannt. Außerdem fungiert Riehr im BBV als Sprecher der Nebenerwerbslandwirte im Landkreis Günzburg und in Schwaben.
Bei den Wahlen zum Beirat der Kreisvorstandschaft wurden Andrea­s Vogel (Oberegg) und Alfred Hörmann (Remshart) neu in ihr Amt berufen. Als Beisitzer bestätigt wurden Michael Kollmann (Hochwang), Matthias Sauter (Oxenbronn), Richard Bader (Konzenberg) und Harald Schmidberger (Waltenhausen).
In seinem Rückblick auf die vergangene fünfjährige Wahlperiode konnte der scheidende Kreisobmann Michael Wiedemann von zahlreichen Aktivitäten des BBV Günzburg berichten. Ein Highlight war für ihn die Beteiligung der Landwirte in der Region an einem Imagefilm über die moderne Landwirtschaft. In den Jahren 2013 und 2015 waren bei den „Kindertagen auf Bauernhöfen“ mehr als 800 Mädchen und Buben auf insgesamt 20 Betrieben zu Gast. Eine große mediale Wirkung wurde 2014 mit der „Tour de Flur“ erzielt, bei der die Bevölkerung mit dem Fahrrad die moderne Landwirtschaft erfahren konnte. Gemeinsam mit dem Maschinenring, dem AELF Mindelheim und dem vlf war der Günzburger BBV mit einem eigenen Stand auf der Berufsbildungsmesse an der Berufsschule vertreten.

Aufsehen erregt

Aufsehen erregte die Kreisvorstandschaft im Jahr 2015 mit ihrer Aktion „Die Preise gehen den Bach runter“. Dabei wurden auf einem Floß die Figuren eines Schweins, von Ferkeln und einer Kuh in die Mindel gelassen. Dürftig fiel dagegen die Resonanz bei einer Demonstration gegen den geplanten Flutpolder in Leipheim aus. Inzwischen sei der Widerstand gegen den Polder unter den örtlichen Bauern jedoch stark angewachsen, sagte Wiedemann. „Zu den schönsten Veranstaltungen, an denen ich mitwirken durfte, gehörte 2015 ein großes Hoffest in Kötz. Dort haben wir einer riesigen Besuchermenge gezeigt, dass wir Landwirte zusammenstehen.“ Im selben Jahr hatte sich der BBV Günzburg auch an einer großen Protestkundgebung in Augsburg beteiligt und sich in der Region mit einer Aktion vor einer Aldi-Filiale gegen die Schleuderpreise bei Lebensmitteln gewehrt.
Im vergangenen Jahr schließlich führte der Kreisverband in Edel­stetten ein Agrarkrisengespräch mit mehreren Politikern durch, außerdem eine Protestaktion gegen die geplante Ostumfahrung der B 16 bei Ichenhausen. „Auch hier haben wir Bauern gezeigt, dass wir uns auf die Hinterfüße stellen.“ Ein persönlicher Höhepunkt war für Wiedemann der Kindersicherheitstag auf seinem eigenen Betrieb in Krumbach.
„Es waren spannende fünf Jahre für mich als Kreisobmann“, bekannte Wiedemann. Dabei habe er sich stets auf ein harmonisches Miteinander im Kreis- und Bezirksverband des BBV stützen können. Nach 30 Jahren als Ortsobmann und 25 Jahren im Kreisvorstand sei jedoch auf seinem Betrieb viel liegen geblieben, das jetzt nachgeholt werden müsse. Deshalb, so Wiedemann, verzichte er auf eine erneute Kandidatur.
In seinem Vortrag über aktuelle Entwicklungen in der Agrarpolitik stellte der schwäbische BBV-Hauptgeschäftsstellenleiter Markus Müller, der die Wahlleitung übernommen hatte, die volkswirtschaftliche Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft heraus. Von den 10 Mrd. € Produktionswert, die allein von den bayerischen Bäuerinnen und Bauern jährlich erwirtschaftet werden, entfällt die Hälfte auf die tierische Erzeugung.
Mit dem vor- und nachgelagerten Bereich gehört die Agrarbranche zu den umsatzstärksten Wirtschaftszweigen Bayerns. „Landwirte investieren und produzieren in der Heimat, sie verlagern ihre Unternehmen nicht in das Ausland“, betonte Müller. Ohne die Leistungen der bäuerlichen Familien für den Erhalt einer abwechslungsreichen Kulturlandschaft wäre der Freistaat für Touristen weit weniger attraktiv.
Keineswegs gering zu schätzen seien auch die Leistungen, die von der Landwirtschaft zum Nutzen der Umwelt erbracht werden. Dazu gehören beispielsweise die Maßnahmen auf 240 000 ha ökologischen Vorrangflächen im Rahmen des Greenings. Darüber hinaus erbringt jeder zweite landwirtschaftliche Betrieb freiwillige Agrarumweltleistungen über das Kulap und das Vertragsnaturschutzprogramm. Damit ist im Freistaat jeder dritte Hektar mit solchen Leistungen belegt. Allerdings, so Müller, dürften die bäuerlichen Familien für ihre Leistungen auch eine entsprechende Gegenleistung erwarten. „Die Bäuerinnen und Bauern müssen ja schließlich von ihrer Hände Arbeit leben können.“
Der Bauernverband insgesamt bekenne sich ausdrücklich zur EU. Nicht zielführend sei es jedoch, wenn aus Brüssel bei Mängeln in der HI-Tierkennzeichnung oder beim Lagern eines Siloballens auf der Fläche sofort Sanktionen gegen den betreffenden Betrieb verhängt werden. Mit Blick auf das „Natura 2000“-Netzwerk der EU erwartet Müller, dass es für die Betriebe und ihre Flächen einen ausreichenden Bestandsschutz gibt und ihre Weiterentwicklung noch möglich ist. Auf der anderen Seite lasse es die EU an Möglichkeiten für ein wirksames Vorgehen gegen große Biberschäden fehlen.

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