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Bezirksversammlung des Bauernverbandes

Stellvertreterkrieg mit Glyphosat

Michael Ammich
am
11.04.2018

Enderle bei schwäbischer Bezirksversammlung der Bayerischen Jungbauernschaft

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Wörleschwang/Lks. Augsburg Die jungen Bäuerinnen und Bauern entscheiden über die Zukunft der Landwirtschaft. Deshalb ist es für den Bauernverband auch so wichtig, dass sich die Jungbauernschaft in die berufsständische Arbeit einbringt, sagte BBV-Bezirkspräsident Alfred Enderle auf der schwäbischen Bezirksversammlung der Bayerischen Jungbauernschaft (BJB) in Wörleschwang. Und weil zum Unternehmertum auch der Blick über den Tellerrand gehört, berichtete Christoph Bader über seine Erlebnisse im Land der aufgehenden Sonne. Im vergangenen Jahr hatte sich der Agrarstudent aus dem Kreis Günzburg gemeinsam mit einem Kommilitonen sieben Wochen lang in Japan umgesehen.

BJB-Bezirksvorsitzende Jennifer Schneider begrüßte die Gäste und ihre Stellvertreterin Ludwina Peter blickte kurz auf die Aktivitäten des letzten Jahres. Ein Höhepunkt war die Teilnahme der schwäbischen BJB an der Regio Agrar 2017 in Augsburg mit einem eigenen Messestand. Dort hatten die attraktiven Models aus dem Jungbäuerinnen- und Jungbauernkalender die Blicke auf sich gezogen. Mit weiteren Aktionen wurde die Präsenz der Jungbauernschaft auch in den Medien sichergestellt.

Mit Agrarmonster auf der Augsburger Messe

Bei Seminaren zur effektiven Büroorganisation und zum Milchmarkt sowie bei einer Lehrfahrt ins Baltikum konnten sich die Mitglieder weiterbilden. Besonders freute sich Peter über die Neugründung der Landjugend Lauchdorf im Kreis Ostallgäu. Auf der Grünen Woche in Berlin konnte die schwäbische Jungbauernschaft wertvolle Kontakte knüpfen, bevor es erneut zur Regio Agrar nach Augsburg ging. Dort trat sie mit einem „Agrarmonster“ auf, das durch die Messehallen zog, um auf die vielen Probleme aufmerksam zu machen, mit denen die bäuerlichen Familienbetriebe konfrontiert sind.
Nachdem die Bezirksvorsitzenden Jennifer Schneider und Peter Jutz über die Arbeit des Bezirksvorstands informiert hatten, schilderte der Vertreter der Jungbauernschaft im Bezirksjugendring, Benedikt Jall, die Zusammenarbeit. Schließlich stellte sich die neue BJB-Landesvorsitzende Tina Stünzendörfer vor.
Der Vorsitzende des Heimstättenvereins Jungbauern-, -bäuerinnenschule Grainau, Herwig Leipert, lobte die gute Zusammenarbeit der Jungbauernschaft, wünschte sich aber eine noch eifrigere Teilnahme an den dort angebotenen Grundkursen. Leipert ermunterte die BJB, auf ihren Versammlungen junge Landwirtinnen und Landwirte zu Wort kommen zu lassen, die bereits Grainauer Grundkurse besucht haben. „Das wäre eine gute Marketing-Aktion.“
Wie Leipert erklärte, ist die Jungbauernschule in Grainau unter den zehn ländlichen Bildungszentren in Bayern das einzige, das ohne Träger arbeitet. Das bedeutet, dass es seinen Betrieb selbst erwirtschaften muss. Umso dankbarer ist der Vorsitzende des Heimstättenvereins über einen staatlichen Förderbescheid.
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Ein Gutachten bescheinigt der vor 61 Jahren gegründeten Institution eine erfolgreiche Arbeit. Allerdings: Die Räumlichkeiten mit ihren 120 Betten in Mehrbettzimmern seien nicht mehr zeitgemäß. Ein geplanter Neubau wird mehrere Millionen Euro kosten. Ohne staatliche Unterstützung ist laut Leipert dieser finanzielle Kraftakt nicht zu meistern.

In seinem Grußwort ließ auch Enderle eine hohe Wertschätzung der Jungbauernschaft erkennen. „Ich hoffe, dass umgekehrt auch Ihr die Mitarbeit im Bayerischen Bauernverband nicht als Zwangsveranstaltung betrachtet, sondern Euch mit Freude einbringt.“

Als Beispiel für das mediale Dauerfeuer, das auf die Landwirtschaft zielt, führte Enderle den „Stellvertreterkrieg“ um den Pflanzenschutzwirkstoff Glyphosat an. Den Kritikern gehe es dabei gar nicht so sehr um diesen einzelnen Wirkstoff, sie betrieben vielmehr eine Kampagne gegen den chemischen Pflanzenschutz insgesamt. „Wir Bäuerinnen und Bauern sind gut beraten, uns für solche Diskussionen gut aufzustellen.“

Mit gemischten Gefühlen registrierte Enderle das stark gestiegene Interesse der Bevölkerung an der Landwirtschaft. Zum einen setzt es die bäuerlichen Familienbetriebe unter Druck, zum anderen biete es aber auch die Chance für eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit.
Zuletzt sprach Christoph Bader über seine Japan-Reise. Der Agrarstudent der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf stammt aus einem Milchviehbetrieb mit Schafzucht in Neuburg im Landkreis Günzburg. Im August und September 2017 hatte er das Land von Südwesten nach Nordosten erkundet und dabei viel über die Landwirtschaft dort erfahren. Für ihre Ernährung sind die 126 Mio. Einwohner Japans stark auf Importe angewiesen. Lediglich 12 % der Landesfläche werden – vorwiegend für den Reisanbau – landwirtschaftlich genutzt. Dazu kommt ein weiteres Problem: Die meisten japanischen Bäuerinnen und Bauern sind älter als 60 Jahre und finden keinen Hofnachfolger.

Wagyu-Rinder sind in Japan noch viel wert

Ausgangspunkt der Japan-Reise war die Universitätsstadt Kagoshima im Südwesten. Gleich bei der Ankunft fielen Bader das schwülheiße Klima und die kleinteiligen Reisparzellen auf. Bei der Überwindung der Sprachschwierigkeiten und dem Zurechtkommen mit den landestypischen Gepflogenheiten half ihm ein Professor, der Experte für die Haltung der ebenso berühmten wie kostbaren Wagyu-Rinder ist. Beim Besuch der Wagyu-Betriebe hat Bader immer wieder den gefühlvollen Umgang der Menschen mit den Rindern bewundert: „Man hat gesehen, dass das Tier in Japan wirklich noch etwas wert ist.“
Wegen der knappen Flächen müssen die Japaner den größten Teil der Futtermittel importieren. Aus den Futterkomponenten stellen Unternehmen TMR-Ballen her, die sie an die Bauern verkaufen. In der Kulturlandschaft liegen diese Ballen dann „so weit das Auge sieht“ herum. Auf einer Wagyu-Farm, die ihre Rinder extensiv hält, wird derzeit untersucht, wie sich die reine Grünlandfütterung auf die Fleischqualität auswirkt.
Michael Ammich
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