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Düngeverordnung

Stoffstrom-Bilanz: Thema, das die Bauern in Atem hält

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Toni Ledermann
am
20.05.2019

Bäuerliche Organisationen informieren in zwei Veranstaltungen zu den Auswirkungen.

Benningen/Mittelrieden Landwirt- schaftsamt, Maschinenring und Bauernverband im Unterallgäu organisierten gemeinsam zwei Termine in Benningen und Mittelrieden, um die Landwirte über das Thema „Stoffstrombilanz“ zu informieren. Fachberater Johannes Utler erklärte zunächst, was bei der Düngung konkret zu beachten ist: Vor der Düngungsphase am Jahresanfang müsse die 170-kg-Grenze sowie der Lagerraum für Wirtschaftsdünger berechnet werden. Betriebe, die über 200 t bzw. 3 m³ und Jahr abgeben, befördern oder aufnehmen, müssen die Vorgaben der Verbringungsverordnung beachten. Formulare dazu sind im Internet unter www.lfl.bayern.de/verbringungsverordnung abzurufen.

Praktisch: Online-Version übernimmt Daten aus MFA

Zur Berechnung der Düngebedarfsermittlung für N und P laut der Düngeverordnung, erläuterte Josef Peis vom AELF Mindelheim, dass es neben der aus dem letzten Jahr bekannten Excel-Anwendung nun auch eine Online-Version gibt, die die Flächen und Bodenuntersuchungen gleich aus dem Mehrfachantrag übernimmt. Dieses Programm steht unter www.lfl.bayern.de/duengebedarfsermittlung. Flächen in „roten Gebieten“ können nur mit diesem Programm berechnet werden!
Überraschendes zeigten die Ausführungen von Peis über die Durchführung von Fachrechtskontrollen. Die eine Hälfte führe das Fachzentrum „Agrarökologie“ aus Krumbach von sich aus durch, die anderen 50 % erfolgten aufgrund von Anzeigen durch andere Behörden beziehungsweise Bürger, wobei 40 % anonym eingingen. „Die Leute wissen über die Gesetzeslage Bescheid und melden Verstöße bei den Behörden“, sagte Peis und appelliert deshalb an alle Landwirte, sich an die gesetzlichen Vorgaben zu halten, „da es um den Ruf von uns allen geht.“ Die Schwerpunkte der Verstöße seien die Bereiche „Aufnahmefähigkeit des Bodens“ und dann der Abstand zu Gewässern.
Nach der Düngung, am Jahresende, sei der Nährstoffvergleich nach der DüV zu erstellen. Kleine Höfe ohne Viehhaltung und ohne Gülleaufnahme seien von der Verpflichtung befreit. Der Nährstoffvergleich nach der Stoffstrombilanz-Verordnung sei aktuell nur für einige Betriebe notwendig. Das Berechnungsprogramm kann unter www.lfl.bayern.de/naehrstoffbilanz heruntergeladen werden.
Welche Betriebe müssen nun nach der Stoffstrombilanzverordnung, die seit dem 1. Januar 2018 gilt, berechnen?
  • Betriebe > 50 GV und > 2,5 GV/ha
  • Viehhaltende (> 750 kg N-Anfall) Betriebe, die > 750 kg N aus Wirtschaftsdünger aufnehmen oder im letztjährigen Nährstoffvergleich den mehrjährigen Kontrollwert für N oder P überschritten haben.
  • Biogasanlagenbetreiber, die Wirtschaftsdünger aufnehmen, sofern ein funktioneller Zusammenhang mit einem stoffstrombilanzpflichtigen Betrieb besteht.
Ab dem 1. Januar 2023 gelte die Verordnung auch für Betriebe mit mehr als 20 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche oder mehr als 50 GV/Betrieb. Da sich die Entscheidungskriterien immer auf den Betrieb beziehen, sei hier die Definition, was denn ein Betrieb ist, essenziell. Peis: Ein Betrieb ist alles, was in Deutschland von ein und demselben Verfügungsberechtigten (100 % personengleich) bewirtschaftet wird.

Entscheidend ist, wer verfügungsberechtigt ist

Ein Beispiel: Eine Landwirtschaft wird von Ludwig Huber geführt, die angegliederte Biogasanlage ist steuerrechtlich getrennt und wird von Ludwig Huber und seiner Frau Monika gemeinsam verwaltet. Somit sind dies zwei unterschiedliche Betriebe, da nicht zu 100 Prozent personengleich, und müssen nach den oben genannten Kriterien eingestuft und unter Umständen entsprechende Bilanzen erstellen.
Welche Nährstoffströme werden durch eine betriebliche Stoffstrombilanz erfasst? Alle dem Betrieb zugeführten und abgegebenen Mengen an Stickstoff und Phosphor (beispielsweise Düngemittel, Futtermittel, Tiere, Milch, Ernteprodukte, Saatgut).
Auf eine entsprechende Frage antwortete Peis, dass die Mengen über Lieferscheine und Rechnungen zu belegen sind. Grundsätzlich müssen die Mengen spätestens drei Monate nach Vorgang erfasst sein, für 2018 und 2019 reiche es jedoch die Belege zu sammeln. Peis empfiehlt, die entsprechenden Belege zu kopieren und separat einzuordnen.
Bei den Kontrollen für die Bilanzjahre 2018 und 2019 müssen die Nährstoffgehalte (zum Beispiel der Futtermittel) nicht belegt werden, es dürfen die Standardwerte aus den Basisdaten verwendet werden (im Programm hinterlegt). Wichtig sei, die Belege sieben Jahre aufzubewahren.
Die Stoffstrombilanz muss jährlich erstellt werden, bewertet werde dann der dreijährige Durchschnitt für Stickstoff je Betrieb beziehungsweise je Hektar. Es gebe zwei Bewertungsverfahren, aus denen betroffene landwirtschaftliche Betriebe ein Verfahren wählen können:
  • Bewertung der dreijährigen betrieblichen Stoffstrombilanz (Bruttobilanz) mit einem zulässigen Bilanzwert in Höhe von 175 kg N/ha oder
  • Bewertung der dreijährigen betrieblichen Stoffstrombilanz auf der Grundlage der Berechnung eines zulässigen dreijährigen Bilanzwertes nach Anlage 4 der Verordnung (betriebsindividueller Wert).
Peis empfiehlt den betriebsindividuellen Wert, da dieser viel aussagekräftiger sei.
Für Phosphor gebe es momentan noch keine Bewertung. Auch das Ergebnis der Stoffstrombilanz sei noch ohne Konsequenzen, aber da ein Dreijahresschnitt erfolge, sollten dann, wenn die Ergebnisse scharf gestellt werden, keine absurden Überhänge vorhanden sein, ansonsten bestehe grundsätzlich die Gefahr, dass sich die alten Überhänge nicht mehr ausgleichen lassen.
Die Bilanz sei bis zu sechs Monate nach dem Bezugszeitraum zu erstellen. Als Bezugszeitraum könne grundsätzlich das Kalender- oder Wirtschaftsjahr gewählt werden, er müsse aber dem der Nährstoffbilanz identisch sein.
Fragen zu diesem Komplex beantwortet für das Unterallgäu Josef Peis (Tel. 08261-9919-21) oder per E-Mail: josef.peis@aelf-mh.bayern.de. Für technische Fragen (Ausbring- technik) steht Landtechnikberater Mathias Eberle (Tel. 08261-9919-48) zur Verfügung. Toni Ledermann
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