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Ausbildung

Studierende tauschen Klassenzimmer mit Kuhstall

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Patrizia Schallert
am
14.05.2018

Die 18 Hauswirtschafts-Studierenden des AELF Wertingen besuchen den Betrieb Sing in Bergheim, Lks. Dillingen.

Wissen, wie melken geht und selber melken sind zweierlei. Das mussten auch 18 Studierende erfahren, die im Rahmen ihrer hauswirtschaftlichen Ausbildung am AELF Wertingen auf dem Milchviehbetrieb der Familie Sing in Bergheim in der Melkgrube standen. Das Fach Unternehmensführung sieht vier praktische Stunden in der pflanzlichen und tierischen Produktion vor. „Damit unsere Studierenden einen praxisnahen Einblick in die reale Landwirtschaft bekommen, haben wir den Unterricht vom Klassenzimmer in den Kuhstall und auf die Felder verlegt“, sagten Sabine Klostermeir vom Sachgebiet Landwirtschaft und Pflanzenbauberater Stephan Haase.

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Betriebsleiter Leonhard Sing und sein Sohn Michael hießen die Studierenden auf ihrem Hof willkommen. Um die 150 ha Nutzfläche zu bewirtschaften und die 450 Tiere umfassende Fleckviehherde zu versorgen, sind viele helfende Hände notwendig. Der Betriebsleiter wird dabei nicht nur von seiner Frau Andrea und seinem Sohn Michael unterstützt, sondern auch von seinen Eltern Leonhard (78) und Doris (73) sowie von den Kindern Melanie (25), Simone (21), Bianca (17) und Andreas (11). „Außerdem ist mein Kumpel Michael Knappe aus Gottmannshofen eine große Hilfe auf unserem Betrieb“, betont Michael Sing. Er sei stets zur Stelle, wenn der 23-Jährige mit der europaweit erfolgreichen Schautanzformation „Tanztreu“ unterwegs ist.

Auf den Feldern werden Mais, Weizen, Gerste, Raps und Hafer angebaut. Die nicht zuchtfähigen Kalbinnen und Bullen werden auf dem Betrieb gemästet und anschließend über Viehhändler vermarktet.

Milchproduktion und Biogasanlage

Die Milch – der Stalldurchschnitt bewegt sich bei 8000 kg – produziert der Betrieb unter den Vorgaben des Tierwohl-Labels des Deutschen Tierschutzbunds und liefert sie an die Molkerei Gropper. Rund 70 Milchkühe werden vom Roboter gemolken, die übrigen in einem Doppel-Achter-Melkstand. Als Futter werden ihnen Mais- und Grassilage, Stroh, Gerste-, Weizen-, Hafer-, Soja- und Rapsschrot vorgelegt. Über Transponder erhalten die Tiere am Melkroboter und an den Kraftfutterstationen Milchleistungsfutter. Die hofeigene 75-kW-Biogasanlage wird zu 80 % mit Gülle und zu jeweils 10 % mit Festmist und Mais betrieben.

Nach der Begrüßung wurden die Studierenden in zwei Gruppen geteilt. Pflanzenbauberater Haase marschierte mit einigen Damen zu den Feldern des Betriebs Sing. An den verschiedenen Kulturen erklärte er, wie Getreide oder Mais beurteilt werden. Gemeinsam mit Haase untersuchten die Frauen eine Erdscholle auf ihre Durchwurzelung, die Konsistenz und den Gehalt an Regenwürmern. Auf dem Grünland bestimmten die angehenden Hauswirtschafterinnen verschiedene Gras- und Kräuterarten.
Die zweite Gruppe begab sich mit Junglandwirt Michael Sing in den Milchviehstall. Besonders angetan waren die Studierenden von den erst einige Tage alten Kälbchen, die ab ihrer Geburt zwei Wochen lang in Kälberiglus untergebracht werden. Nach der Trennung von der Mutter erhalten sie Biestmilch und dann einen Milchaustauscher. Auf dem Betrieb Sing werden die Kälber in drei Altersgruppen eingeteilt und auf Stroh gehalten. Die erste Gruppe wird 40 Tage lang am Tränkeautomat mit MAT gefüttert, dazu gibt es Kälberkorn und Heu. In der zweiten Gruppe wird der MAT im Laufe von weiteren 40 Tagen stetig reduziert, zusätzlich erhalten die Tiere eine TMR, Heu und ein wenig Mais. In der dritten Gruppe sind die Kälber von der Milch abgesetzt.
Für mehr Tierwohl und zur Vorbeugung gegen Zugluft ist ein Kälberhimmel angebracht. „Sobald es draußen wärmer wird, fahren wir die Abdeckung schrittweise hoch und öffnen die Curtains an den Fenstern, damit genügend Frischluft in den Stall gelangen kann“, erklärt der angehende Landwirtschaftsmeister. Nach der Gruppenphase werden die männlichen und weiblichen Tiere getrennt. Die Bullen kommen je nach Platzangebot im Alter von vier bis fünf Monaten in den mit Gummimatten ausgelegten Bullenstall, wo sie in Gruppen gemästet werden.

Zum Abschluss der Exkursion kredenzte die Betriebsleiterin Wurstsemmeln und Kaffee. Die Molkerei Gropper hatte Joghurt und Drinks gesponsert, die Firma Green Energy Zintl und der Agrarfachversand Wahl kleine Präsente für die Studierenden.

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