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Natura 2000

Technischer Fehler schürt Misstrauen

Eppisburger Ried
Michael Ammich
am
09.10.2017

Weisingen - Die im Eppisburger Ried wirtschaftenden Bauern fühlen sich von den Behörden hintergangen. Die Regierung von Schwaben sucht nun das Gespräch.

Eppisburger Ried

Das hat uns sehr weh getan“, reagierte Anton Burnhauser von der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Schwaben auf einen Bericht des Wochenblatts (2017, Heft 23) über das „Natura 2000“-Projekt im Eppisburger Ried. Die dort wirtschaftenden Bauern fühlen sich von den staatlichen Behörden bei der Ausweisung des FFH- und Vogelschutzgebiets hintergangen. Um ihre Sorgen und Befürchtungen zu zerstreuen, suchte Burnhauser in Weisingen (Lks. Dillingen) das klärende Gespräch mit örtlichen Bauern und Mitgliedern des Gemeinderats. Auch wenn Burnhauser einen offenen Dialog versprach und sehr ernsthaft auf die Anliegen der Betroffenen einging, am Misstrauen der Landwirte und Gemeinderäte gegenüber dem staatlichen Naturschutz vermochte er nur wenig zu ändern.

Burnhauser schmerzt dies umso mehr, als er die „Phase des Misstrauens für bereits überwunden“ hielt. Doch jetzt gelte es nach vorne zu schauen. Als Hauptursache für die geringe Neigung der Landwirte, den Naturschutzbehörden noch Glauben zu schenken, machte der Regierungsvertreter einen „technischen Fehler“ aus. Im Internet sei ein Managementplan kursiert, in dem die Flächen des FFH-Gebiets falsch dargestellt wurden. Dieser Fehler, der rund 100 Einwendungen von betroffenen Grundstücksbesitzern zur Folge hatte, sei inzwischen korrigiert worden. An sich, so Burnhauser, arbeiteten die Landwirte, die Gemeinden und der Naturschutz im Eppisburger Ried gut zusammen. So meldeten die Bauern beispielsweise regelmäßig das Vorkommen von Kiebitzen auf ihren Feldern. Burnhauser wünscht sich eine Kooperation „ohne Scheuklappen“. Der Naturschutz brauche die Bauern als Bewirtschafter der großen Flächen, die wiederum von Wiesenbrütern benötigt werden.

So schnell ließen sich die Bauern und Gemeinderäte jedoch nicht besänftigen. „Die Regierung von Schwaben hat uns weisgemacht, dass nur die Gräben und die an ihnen entlang führenden Wege vom FFH-Gebiet betroffen sind“, ärgerte sich der Eppisburger Vize-Ortsobmann Alwin Hieber. Das FFH-Gebiet erstrecke sich jetzt aber auch auf einen Teil der anliegenden Wiesen und Äcker. Außerdem umfasse das FFH-Gebiet entgegen der ursprünglichen Zusage auch Areale westlich der Straße von Eppisburg nach Fristingen. „So geht man nicht mit erwachsenen Leuten um.“

Abweichungen von der abgemarkten Kante

Hier hatte Burnhauser keinen leichten Stand, musste er doch bestätigen, dass sich das FFH-Gebiet tatsächlich von der abgemarkten Kante der Wassergräben jeweils 10 m nach links und rechts ausdehnt und damit auch bäuerliche Grundstücke miteinbezieht. Allerdings werden gut 80 % der Gräben von Grünwegen begleitet, die Bestandteil der 10 m breiten Pufferstreifen seien. Dadurch wird der Eingriff in die landwirtschaftlichen Nutzflächen beschränkt. Burnhauser verwies darauf, dass die im Managementplan vorgesehenen Maßnahmen nur auf freiwilliger Basis durchgeführt würden – und entfachte damit weitere Empörung. „Wer sagt denn, dass es bei der Freiwilligkeit bleibt?“, fragte der Eppisburger BBV-Ortsobmann Stefan Brenner. „Die Gesetzeslage kann sich auch einmal ändern.“ Burnhauser räumte ein, dass auch er keine „Garantie für Übermorgen“ geben könne. Es komme jedoch darauf an, dass der Staat den Landwirten Angebote liefert, mit denen sie auch etwas anfangen könnten.

Schön fände es Burnhauser, wenn die Landwirte die Initiative ergreifen und selbst Ideen entwickeln würden. Damit könnten sie ihre Bereitschaft zu Umweltleistungen verdeutlichen. „Wenn der Ausgleich dafür stimmt, werden wir keine Probleme bekommen. Warum auch sollte sich ein Landwirt für freiwillige Maßnahmen begeistern, wenn der finanzielle Anreiz fehlt?“

Auch der Gemeinderat und Eppisburger Jagdvorsteher Rainer Egger befürchtete, dass die Bewirtschafter im FFH- und Vogelschutzgebiet immer weiter eingeschränkt werden könnten. Hier sei man ja bereits von der Regierung von Schwaben „hereingelegt“ worden, hieß es aus den Reihen der Gemeinderäte. Entgegen der Zusagen sollten beispielsweise die Jagd eingeschränkt und das Baden in den Baggerseen des FFH-Gebiets verboten werden. Plötzlich sei jetzt von einer Beschränkung der Jagd im Winter auf zwei Monate die Rede. Burnhauser versprach, diese Angelegenheiten noch einmal mit den Betroffenen zu erörtern. „Die Einschränkung der Bewirtschaftung ist kein Ziel der Höheren Naturschutzbehörde, wir wollen kein Naturschutzgebiet im Eppisburger Ried und den Bewirtschaftern auch nichts überstülpen. Unser Ziel sind einvernehmliche Regelungen.“

Sogleich kam die nächste Kritik aus dem Gemeinderat: Ist der von der Regierung mit der Kartierung der Vogelvorkommen im Eppisburger Ried beauftragte Naturschützer überhaupt für diese Aufgabe qualifiziert und wie steht es um seine Neutralität? Bei dem Kartierer handle es sich um einen Amateur-Ornithologen ohne wissenschaftliche Qualifikation, sagte Burnhauser. Er sei jedoch in seinem Fachgebiet hoch angesehen, sehr erfahren und beherrsche sein Handwerk.

Ortsobmann Brenner erinnerte an den geringen Grünlandanteil in der Eppisburger Flur, der umso intensiver genutzt werden müsse. Für die Landwirte sei mit der Abgrenzung der Pufferstreifen entlang der Gräben im FFH-Gebiet am PC für den Mehrfachantrag ein enormer Arbeitsaufwand verbunden. Werde hier bei der Kontrolle ein Fehler festgestellt, drohten dem Landwirt Sanktionen. „Auf so etwas habe ich keinen Bock“, bedauerte Brenner. Vielleicht ließe sich dieses Problem ja lösen, indem die Gemeinde die von den Pufferstreifen betroffenen Grundstücks­teile anpachtet, schlug Burnhauser vor. Gemeinsam mit dem Naturschutz und den Landwirten könnte dann ein Pflegemodell entwickelt werden. Außerdem regte Burnhauser an, vonseiten des Freistaats die in den Pufferstreifen verlaufenden Grünwege künftig in die Kulap-Förderung zu integrieren, da diese ebenfalls einen hohen ökologischen Wert aufwiesen.

Mögliche Förderungen durch das Kulap

Claudia Eglseer vom „Natura 2000“-Team der Regierung von Schwaben stellte den Bauern und Gemeinderäten die Kulap-Fördermöglichkeiten für agrarökologische Maßnahmen im Eppisburger Ried vor:

  • Gewässer- und Erosionsschutzstreifen: Entlang von Gewässern ein 5 bis 30 m breiter Grünstreifen auf Ackerflächen mit Dünge- und Pflanzenschutzverbot und jährlich mindestens einmaligem Mähen, Beweiden oder Mulchen (Vergütung: 920 €/ha).
  • Umwandlung von Acker- zu Grünland: Nutzung als Wiese oder Weide erforderlich (370 €).
  • Umwandlung von Ackerland zu Wiesen: Nutzung als Wiese oder Weide erforderlich, Verzicht auf Grünlandumbruch, auch nicht zur Narben­erneuerung (370 €).
  • Extensive Mähnutzung: 1. Schnitt bis 14. Juni, 2. Schnitt ab 1. September (390 €) und bei Verzicht auf Düngung und chemischen Pflanzenschutz (540 €).
  • Extensive Mähnutzung: Schnittzeitpunkte: 1. Juni (230 €), 15. Juni (320 €) und 1. Juli (350 €).

Als aktiver Landwirt blickte Stefan Brenner mit großer Skepsis auf diese Fördermöglichkeiten. Diese wären für die Bauern mit Blick auf die Pufferstreifen allenfalls dann interessant, wenn sie die neben den Gräben verlaufenden Grünwege in die geförderte Pufferstreifenfläche miteinbeziehen könnten. Ansonsten bringe das Herausmessen der Pufferstreifen für den Mehrfachantrag den Landwirten nur „Arbeit ohne Ende und es wird ganz, ganz schwierig, sie dafür zu gewinnen“.
Am Ende der Aussprache wurde die Stimmung dann doch noch versöhnlicher. Sowohl die beiden Vertreter der Regierung von Schwaben als auch die Landwirte und Gemeinderäte waren sich einig, dass die staatlichen Standard-Förderprogramme in speziellen Fällen wie den Pufferstreifen im Eppisburger Ried nur wenig helfen. So sprach sich Burnhauser für die Ermöglichung von dezentralen, auf die Besonderheiten der jeweiligen Gebiete zugeschnittenen Fördermaßnahmen aus. Gleichwohl forderte er die Landwirte auf, die angebotenen freiwilligen Maßnahmen zu nutzen. „So lassen sich spätere Verordnungen verhindern.“

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