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Das Tierwohl steht an erster Stelle

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Michael Ammich
am
18.06.2018

Tag der offenen Tür auf dem Betrieb Christ in Ehingen zeigt das große Engagement der Landwirtschaft.

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Sich erst einmal informieren und dann über die Landwirtschaft diskutieren. Diesen Leitgedanken haben sich mehrere Tausend Besucher am „Tag des offenen Hofes“ auf dem Milchviehbetrieb Christ in Ehingen zu Herzen genommen. Beim Stallrundgang konnten sie sich überzeugen, dass die heimischen Bäuerinnen und Bauern alles für ihre Tiere geben. Das Tierwohl und die Gesundheit stehen dabei an erster Stelle, denn eine kranke oder schlecht gehaltene Kuh gibt keine Milch. „Wir dürfen unsere Landwirtschaft nicht schlechtreden“, stellte denn auch der Donau-Rieser Landrat Stefan Rößle zur Eröffnung der Veranstaltung fest.

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Unter den Festgästen befand sich mit Bezirksgeschäftsführer Markus Müller, Kreisbäuerin Ruth Meißler, Kreisobmann Karlheinz Götz, Vizekreisbäuerin Susanne Löfflad, Vizekreisobmann Simon Michel und Kreisgeschäftsführer Michael Stiller nicht nur viel Prominenz aus dem Bauernverband. Auch die Politik ließ sich nicht lumpen und war mit dem Bundestagsabgeordneten Ulrich Lange, den Landtagsabgeordneten Wolfgang Fackler und Johann Häusler sowie Bezirksrat Peter Schiele auf dem Tag der offenen Tür vertreten. Einen Extraglanz verlieh der Veranstaltung die neue bayerische Bierkönigin Johanna Seiler aus Appetshofen im Landkreis Donau-Ries. „Sie alle dürfen heute einen echten Vorzeigebetrieb live erleben“, hieß Kreisobmann Karlheinz Götz die Besucher nach dem Gottesdienst in der Maschinenhalle willkommen. „Sie können aber auch sehen, wie unsere Bäuerinnen und Bauern Tag für Tag Großes leisten.“ Auf dem Betrieb Christ bedeute die Milchviehhaltung auch Leidenschaft für das Tier.

Ein bäuerlich geprägter Landkreis

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Landrat Stefan Rößle bezeugte Betriebsleiter Markus Christ, seinem Bruder Matthias und seiner Mutter Ruth großen Respekt für „das, was sie auf die Beine gestellt haben“. Ein moderner landwirtschaftlicher Betrieb erfordere viel Arbeit und Verantwortung, betonte Rößle. Auch wenn die Zahl der Donau-Rieser Betriebe in den vergangenen Jahren von 3000 auf jetzt nur noch rund 2000 gesunken ist, sei der Landkreis nach wie vor bäuerlich geprägt. Bei aller Diskussion um das Tierwohl, um Monokulturen und Pflanzenschutz – die Gesellschaft brauche ihre Bäuerinnen und Bauern.

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Damit ein Betrieb im Strukturwandel bestehen könne, müsse sich die bäuerliche Familie wirtschaftlich entsprechend aufstellen, so der Landrat. Am Betrieb Christ lasse sich beobachten, wie das in vorbildlicher Weise geschehen kann. „Unsere Bauern stehen für Qualität, Regionalität und Heimat.“ Der Dank des Landrats und des Ehinger Pfarrers Markus Paulsteiner galt nicht nur der Familie Christ, sondern ebenso den Festbesuchern, die bei der Kollekte während des Gottesdienstes rund 800 € gespendet hatten. Das Geld soll Entwicklungsprojekten für die ländliche Bevölkerung in Malawi zugutekommen. Ehingens Bürgermeister Erhard Michel wünschte sich, dass die vielen Informationen auf dem Tag des offenen Hofes die Bevölkerung dazu bewegen, sich für die Landwirtschaft einzusetzen. Nur dann könnten Betriebe wie der von Markus Christ eine Zukunft haben. Die bayerische Bierkönigin wiederum hatte naturgemäß vor allem die Getreideproduktion im Blick. Für die Brauereien sei es wichtig, nachhaltig erzeugte Produkte aus der Region verarbeiten zu können, sagte Johanna Seiler.

Bereits im Alter von 20 Jahren hatte Markus Christ den Bauernhof in Ehingen übernommen, nachdem sein Vater früh verstorben war. Gezielt entwickelte er den Betrieb, stockte den Milchviehbestand auf und baute einen Laufstall samt Melkkarussell. Auf der alten Hofstelle gegenüber sind seither 30 Mastbullen, die Kälber und die Nachzucht untergebracht. Im lichten und luftigen Laufstall mit Spaltenboden und Tiefboxen stehen derzeit 190 Milchkühe, der Stalldurchschnitt bewegt sich bei 8300 kg. Gemolken wird im Karussell mit seinen 20 Kuhplätzen. Den Kühen wird eine Mischration vorgelegt: 45 % Gras- und 40 % Maissilage, 5 % Rübenschnitzel, dazu noch Stroh, Biertreber und hofeigenes Kraftfutter. Letzteres besteht aus Rapsextraktionsschrot, Gerste, Weizen, Grascobs und Mineralfutter. Insgesamt bewirtschaftet der Betrieb Christ 70 ha, von denen 30 ha auf Grünland und 40 ha auf Ackerland mit Winterweizen, Wintergerste und Silomais sowie 2 ha Wald entfallen.

Wichtige Rolle für erneuerbare Energien

Eine wichtige Rolle spielen auf dem Betrieb Christ die erneuerbaren Energien. Über eine Photovoltaikanlage mit 80 kWp und eine kleine Biogasanlage mit einer Leistung von 50 kW wird umweltfreundlich Strom erzeugt. Zwar galt beim Bau der Anlage noch ein altes Erneuerbare Energiengesetz, doch das spätere EEG 2012 sah für Kleinanlagen bis zu 75 kW einen einheitlichen Vergütungsgsatz von 25 ct/kWh vor – allerdings nur dann, wenn das Substrat zu mindestens 80 % aus Gülle besteht. Obwohl Markus Christ also nicht mehr vom neuen EEG profitieren konnte, rechnet sich die Biogasanlage. Schließlich kann er damit nicht nur Strom erzeugen und in das öffentliche Netz einspeisen, sondern auch die Gülle aus seinem Milchvieh- und Bullenstall veredeln. Außerdem ist Christ mit seiner güllebetriebenen Kleinanlage nicht vom Substratzukauf abhängig.
Da die Biogasanlage nur 10 m neben dem Milchviehlaufstall errichtet wurde, musste Christ kein eigenes Güllelager bauen und kann den wertvollen organischen Wirtschaftsdünger gleich vor Ort verwerten. Über einen Querkanal fließt die Gülle vom Stall in den unterirdischen Fermenter mit einem Volumen von 1000 m³. Dieselbe Kapazität weist auch der Nachgärbehälter auf. Ein Gasspeicher kann 150 m³ Biogas aufnehmen. Um sich den Kraft-Wärme-Bonus des EEG zu sichern, beheizt Christ mit der Abwärme des kleinen Blockheizkraftwerks zwei benachbarte Wohnhäuser und das Melkhaus, das über eine Fußbodenheizung verfügt. Zusätzlich wird im Winter mit der Abwärme das Trinkwasser für die Kühe angewärmt. Dadurch können die Wasserleitungen im Stall nicht einfrieren. 400 000 € hat Markus Christ in seine kleine Biogasanlage investiert, das sind 8000 €/kW Leistung. Damit dem ledigen Betriebsleiter die Arbeit nicht ganz so schwer von der Hand geht, helfen sein Bruder Matthias und seine Mutter Ruth auf dem Hof fleißig mit.
Für die Besucher gab es am Tag des offenen Hofes freilich noch mehr zu sehen als einen Laufstall mit Kühen und eine Biogasanlage. Zahlreiche mit der Landwirtschaft verbundene Unternehmen stellten ihre Maschinen und Dienstleistungen vor, das AELF Nördlingen, der Donau-Rieser BBV und die landwirtschaftliche Sozialversicherung informierten über ihre Angebote. Die kleinen Festgäste durften sich über eine Strohhüpfburg, ein Glücksrad und einen Maltisch freuen und sich mit dem Melken am künstlichen Euter versuchen. Eines ist gewiss: Nach dem Besuch des Betriebs Christ wird sich der eine oder andere Verbraucher seine Gedanken machen und die Welt der bäuerlichen Produktion und Arbeit mit anderen, hoffentlich unvoreingenommenen Augen sehen.
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