Login
Urlaub auf dem Bauernhof

Tipps zum Umgang mit Gästen - aufmerksam und freundlich

01gockelegg2
Externer Autor
am
13.06.2018

Das Landhaus Eggel aus Vorderreute wurde jüngst mit der Auszeichnung „Goldener Gockel“ prämiert. Warum? Unser Allgäu hat nachgefragt.

01gockelegg5

Das Allgäu gilt bei vielen Urlaubern als „Sehnsuchtsort“. Für die kleine Gemeinde Vorderreute, einem Ortsteil von Wertach, trifft die Bezeichnung in besonderem Maße zu. Sanft schmiegt sich das Dorf mit seinen Bauernhöfen an einen Hang über dem Wertachtal und eröffnet einen atemberaubenden Blick auf Wertacher Hörnle, Reuterwanne und Grünten.

01gockelegg4

Man muss nicht spirituell veranlagt sein um die besondere Atmosphäre dieses Platzes zu spüren. Vier Feriengäste liegen völlig entspannt in ihren Liegestühlen in einer Streuobstwiese und scheinen die Magie dieses Platzes mit allen ihren Sinnen aufzusaugen, während Hennen gackern, Ziegen meckern, Pferde wiehern und Kinder auf dem Trampolin neue Kunststücke ausprobieren. Der Hausherr, Reinhold Eggel, informiert derweil die Feriengäste über Wander- und Mountainbikestrecken, während seine Frau Helga und Tochter Marina die Ponys zum gemeinsamen Ausritt fertigmachen.

12 der 20 „Gockelhöfe“ sind im Allgäu

Das Landhaus Eggel aus Vorderreute wurde jüngst mit der Auszeichnung „Goldener Gockel“ prämiert. Nicht etwa wegen des beschriebenen, fast schon perfekten Idylls. Das Prädikat wird vom Landesverband „Bauernhof- und Landurlaub Bayern e.V.“ an Ferienhöfe verliehen, die von ihren Urlaubsgästen als besonders gastfreundlich bewertet wurden. 20 Höfe aus Bayern wurden in diesem Jahr von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber ausgezeichnet, zwölf stammen aus dem Allgäu. Einer davon ist das Landhaus von Helga und Reinhold Eggel.

01gockelegg1

Der Verband „Bauernhof- und Landurlaub Bayern e.V.“ sieht in Gästebewertungen ein wichtiges Qualitätsmerkmal, das Gastfreundschaft, Service und Atmosphäre auf den einzelnen Höfen widerspiegelt. Immer mehr Anbieter würden erkennen, wie wichtig Gästebewertungen im Internet sind, meint auch Gerda Walser, Vorsitzende des Verbandes, in dem 1400 bayerische Urlaubshöfe organisiert sind. Und die Statistik zeigt: 95 % aller Reisenden lesen Gästebewertungen, bevor sie ihre Buchungsentscheidung treffen.

Analyse-Verfahren per Computer

01gockelegg7

Beim Wettbewerb „Goldener Gockel“ vergibt nicht eine Jury die Gesamtpunktzahl, sondern ein unbestechliches, transparentes Computersystem. Möglich macht dies ein Analyse-Verfahren von TrustYou. Die Firma sammelt über den Zeitraum von einem Jahr alle Beurteilungen eines Betriebes. Meinungsäußerungen zu den Bereichen Gastfreundschaft, Gastgeber und Serviceleistungen werden untersucht. Zusätzlich berücksichtigte TrustYou zur Ermittlung des Ergebnisses auch Detailnoten auf Onlineportalen wie beispielsweise HRS oder HolidayCheck und die Gesamtnote, den TrustScore. Die Gesamtnote der Eggels mit ihren drei pfiffigen Viersterne-Themen-Wohnungen war hervorragend.

„Hier stimmt einfach alles“, lesen wir etwa in Holiday Check oder „Liebevoll geführter Familienbetrieb, sehr kinderfreundlich.“ Die Gastgeber werden immer wieder als „sehr nett“ und „zuvorkommend“ beschrieben.

01gockel8

Was also macht die Eggels so einzigartig? Was ist die herausragende Gastgeberqualität? Helga Eggel bringt es in echter Allgäuer Manier auf den Punkt: „Koi Gschieß mache, sondern die Gäste wirklich mögen“. Gästebeherbergung, meint sie, sei ihr eine Herzensangelegenheit. Gäste zu beherbergen müsse einem wirklich liegen.

Helga Eggel arbeitet in Vollzeit, ihr Mann Reinhold Eggel Teilzeit. Er bewirtschaftet die hauseigenen Flächen und den Forst. Den Rest der Zeit sind beide mit Tochter Marina für ihre Gäste da. Und zwar in dem Umfang, wie diese das wollen.

Kinder und Eltern sind begeistert

Momentaufnahme: Fröhlich grinsend fährt Reinhold Eggel mit seinem alten Massey Ferguson in den Hof des Landhauses: Auf dem Bänkle sitzen die Ferienkinder Elisa (9) und ihr Bruder Felix (6) aus Ubstadt bei Bruchsal. „Im nächsten Jahr sind wir wieder hier“, ruft Felix begeistert vom Traktor herunter. „Das habe ich mir zu meinem Geburtstag gewünscht.“ Vater Sascha zuckt mit den Schultern „Da kann man ja wohl schlecht nein sagen“, grinst er.

Die Familie aus dem Schwarzwald hat sich vor einem Jahr „eher zufällig“ für eine Woche im Landhaus Eggel entschieden. In diesem Jahr sind sie wiedergekommen, diesmal sogar mit Opa und Oma im Gepäck. „Man kann hier echt viel unternehmen. Die Lage von Vorderreute ist sehr günstig“, schwärmt Ehefrau Sonja und beginnt die attraktiven Urlaubsziele in der näheren Umgebung aufzuzählen: Alpseecoaster, Sturmannshöhle, Breitachklamm …“. Die Sache habe nur einen Haken: „Die Kinder wollen eigentlich nie weg von hier, von den Ponys, Zwergziegen, Hasen, Katzen, Hennen und dem tollen Abenteuerspielplatz. Und wenn Marina Eggel am späten Nachmittag kommt, um die Pferde für einen geführten Ausritt fertig zu machen und das Pony Winnetou vor den Gig spannt, haben die Eltern ohnehin nichts mehr zu sagen. Für die junge Familie aus dem Schwarzwald aber kein Problem: „Fühlen sich die Kinder wohl, geht es der ganzen Familie gut“, erklären sie unisono.
Gästebeherbergung hat in Vorderreute Hochkonjunktur und eine lange Tradition. Nur noch zwei von elf Bauernhöfen betreiben Landwirtschaft im Haupt- oder Nebenerwerb. Biobauer Georg Rief etwa, der seinen Hof mitten im Dorf hat, lädt die Urlauber gerne ein, um sie hinter die Kulissen seines Milchviehbetriebes sehen zu lassen und die leckere Milch seiner Biokühe zu kosten.
„Schon 1963 vermieteten meine Eltern an Kurgäste“, erzählt Reinhold Eggel. „Damals noch ohne fließend und Warmwasser. Wir Kinder mussten dann in den Dachboden oder Keller ziehen, wenn die Gäste da waren. Ich bin also quasi mit Gästen im Haus aufgewachsen“. 1969 gaben seine Eltern die Milchviehhaltung auf und konzentrierten sich seither auf die Forstwirtschaft und die Gästebeherbung. 1987 gaben sich Reinhold und seine Frau Helga das Jawort und übernahmen den Betrieb. „Wir führen eine lange Familientradition fort“, schmunzelt Helga.

Alle Erwartungen wurden übertroffen

Feriengast Dorothea aus Ettlingen bei Karlsruhe kommt dazu und erzählt: „Es waren vor allem die Pferde, die den Ausschlag gaben, dass mein Mann mit unseren beiden Töchtern im Vorjahr fürs Landhaus Eggel entschied“, erzählt sie. „Was er hier erlebte, übertraf alle Erwartungen. So bin ich in diesem Jahr auch mitgekommen und war ebenfalls begeistert.“ Und während Dorotheas Töchter Antonia (11) und Katharina (9) mit glänzenden Augen von den Ponys schwärmen, ist Mutter Dorothea begeistert von der unaufdringlichen Präsenz der Gastgeber und der „großen Empathie und Aufmerksamkeit, die wir hier genießen.“
Reinhold und Helga Eggel waren übrigens völlig überrascht, dass sie zu den 20 gastfreundlichsten Ferienhöfen gewählt wurden. „Wir bieten unseren Gästen zwar ein kleines Programm mit geführten Mountainbike- und Wandertouren, geführte Ausritte und Pony-Kutschfahrten. Nicht mehr und sofern diese das überhaupt wollen. „Ich glaube, es ist wichtig, das Gespür dafür zu haben, wieviel Nähe oder Distanz der Gast sucht und braucht“, betont Helga Eggel. Die Auszeichnung „Goldener Gockel“ zeigt uns, dass wir es offensichtlich richtig machen.“ Anna Munkler
Auch interessant