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Den Traum vom Vollerwerb leben

Käseschule
Michael Ammich
am
22.05.2018

Viele Ideen setzt Familie Hach auf ihrem Hof im Donau-Ries um und begräbt aber auch Luftschlösser.

I have a dream - vor dreieinhalb Jahren besuchte das erstmals den Listhof der Familie Hach bei Harburg. Ihr großer Traum war es damals, aus dem Nebenerwerbshof wieder einen Vollerwerbsbetrieb zu machen. Manche der Ideen, die Melanie Hach seither entwickelt hat, haben sich zerschlagen. Einige Projekte haben sie und ihren Mann Hermann jedoch einen Schritt näher ans Ziel gebracht. Dazu gehört auch die Einrichtung einer mobilen Hofkäserei, die Familie Hach auf ihrem Frühlingsfest auf dem Listhof den Besuchern vorgestellt hatte.

2014 hatte Melanie Matuszczyk verschiedene Konzepte entworfen, mit deren Hilfe sie dem Hof ihres damaligen Lebensgefährten Hermann Hach wieder auf Vordermann bringen wollte. Sie besuchte am AELF Krumbach einen Kurs für die Qualifikation zur Erlebnisbäuerin, für die kleinen Hofbesucher schaffte sie fünf Shetland-Ponys an, zwei Kaltblüter sollten eine Kutsche ziehen, die beispielsweise für Hochzeitsfahrten gedacht war. Außerdem plante die studierte Betriebswirtin aus dem Münsterland eine „solidarische Landwirtschaft“ mit Flächen, auf denen Pächter aus dem städtischen Raum ihr eigenes Obst und Gemüse anbauen sollten. Ebenso geplant war die Umwandlung einer hofnahen Wiese in ein Erdbeerfeld, auf dem Kunden die Beeren selbst pflücken konnten. Auf dem Hof wurde neben dem Wohnhaus eine Holzhütte für die Direktvermarktung aufgestellt.

Melanie Hach, die inzwischen ihren Lebenspartner Hermann geheiratet hat, hat einiges Lehrgeld bezahlt. Die fünf Ponys hat sie wieder abgegeben, nachdem sich für sie nicht der vorgeschriebene Equidenpass beschaffen ließ, und die beiden Kaltblüter wurden verkauft, weil die für die Kutschfahrten erforderliche Versicherung zu teuer gewesen wäre.

Vertrauenskühlschrank auf der Terrasse

Auch die „solidarische Landwirtschaft“ hat sich als Luftschloss erwiesen, weil es dafür im ländlich geprägten Donau-Rieser Raum keine Nachfrage gab. Für die Umwandlung einer Wiese zum Erdbeerfeld versagten die Behörden die Genehmigung und die Direktvermarktungshütte war zu personalintensiv. „Es gab Wochen, da kam in der Hütte ein unglaublicher Umsatz zusammen, und dann kamen wieder zwei Wochen, in denen gar nichts ging“, bilanziert Melanie Hach.

Die Hütte bleibt zwar vorerst stehen, doch ihre selbst hergestellten Produkte verkauft die Familie jetzt über einen „Vertrauenskühlschrank“ auf der Terrasse vor dem Wohnhaus. Neben dem Gerät, aus dem die Kunden rund um die Uhr Milch, Käse und Quark, Brotaufstriche oder Eier ziehen können, wird eine Kasse aufgestellt. Dabei setzen die Hachs auf die Ehrlichkeit der Kunden. Bewährt hat sich das Festhalten an der Schweinemast mit 120 Tieren und an der Fleckviehhaltung. Standen vor 3,5 Jahren nur einige Kälber im Stall, so hat sich aus ihnen mittlerweile eine Herde mit 13 Mutterkühen entwickelt.

Trotz der Fehlschläge halten Melanie und Hermann Hach, ein ausgebildeter Landwirt, der in seinem Haupterwerb in Teilzeit arbeitet, an ihrem Traum vom Vollerwerbsbetrieb fest. „Ich möchte eines Tages auf dem Hof und von dem Hof leben, da bin ich sehr geduldig“, sagt die 46-Jährige. „Außerdem möchte ich niemals von einer Bank abhängig sein.“

Frischkaeseherzen

Während sich Hermann vor allem um die Tiere und die Feldarbeit kümmert, hat Melanie im September 2017 das Cafe des Bayerischen Roten Kreuzes in Donauwörth gepachtet. Sie bietet dort nicht nur Kaffee und selbst gebackenen Kuchen an, sondern auch eine Mittagskarte – selbstverständlich mit allem, was ihr Hof hergibt. „Unsere Gerichte kommen sehr gut an“, betont die Bäuerin. Zusätzlich offeriert Hach auf Bauernmärkten in der Region ihre Brotaufstriche, Liköre oder selbst gebackene Kekse.

Mutterkühe auch für die Milchproduktion

Geld bringen auch die 120 Mastschweineplätze. Das Futter für die Schweine und die Mutterkühe bauen die Hachs auf ihrer 35 ha großen Nutzfläche an. Während die Schweine an eine Metzgerei und einen Viehhändler vermarktet werden, dienen die Mutterkühe auch der Milchproduktion. Hermann Hach milkt sie täglich mit einer Eimermelkanlage. Die Milch ist für die mobile Hofkäseschule bestimmt – eine neue Idee, die dazu beitragen soll, dass sich der Familienbetrieb einmal selbst trägt.
Melanie-Hach

Vor drei Jahren begann Melanie Hach mit dem Besuch von Käsereikursen des Verbands für handwerkliche Milchverarbeitung e. V. (VHM). „Ich liebe Käse, seit ich denken kann.“ Was lag da näher, als sich einen Blick hinter die Kulissen des Käsereihandwerks zu verschaffen und sich selbst an die Käseherstellung zu wagen? Über die VHM-Seminare erweiterte sie fortlaufend ihre Kenntnisse und erwarb auch ihre Zertifikate. Schließlich wurde sie Mitglied im VHM und bietet inzwischen auch selbst Käsekurse bei der Volkshochschule Donauwörth und im Bildungswerk Harburg an. Mit ihrer mobilen Käserei wird sie künftig Schulen in der Umgebung anfahren oder Kurse auf ihrem Hof veranstalten, beispielsweise für Kinder in den Sommerferien.

Hofkäseschule ist ein tolles Erlebnis

Die mobile Hofkäseschule besteht aus drei kleinen Käsekesseln, die sich mittels Brennpaste erwärmen lassen, und zwei Bruchschneidern. Dazu braucht es nur noch frische Milch und Kälberlab – und losgehen kann’s. Gleich nach dem Melken kommt die Milch der Mutterkühe in einen Kühlkessel. Später wird sie auf 32 °C erwärmt und eine Stunde lang vorgesäuert. Anschließend gibt Hach jeweils 3 l Milch in die drei Käsekessel und versetzt jeden Kesselinhalt mit 5 ml Lab. Bereits nach fünf bis 15 Minuten wird die Milch dick. Sobald sie schnittfähig ist, wird sie mit den Bruchschneidern in Quadrate geschnitten. Die Bruchquadrate setzen sich ab, während die Molke im Kessel nach oben wandert, abgeschöpft und später an die Schweine verfüttert wird.
Nach dem Abschöpfen der Molke zerteilt Hach die Bruchquadrate in kleine Stücke. Nach einigem Umrühren werden die Käseteilchen in Herzförmchen abgeschöpft.
Von der mobilen Hofkäseschule profitieren aber nicht nur die Kinder an den Schulen und die Erwachsenen in den Käsekursen, sondern auch der Betrieb selbst. Melanie Hach stellt damit Schnittkäse her und lässt dabei ihrer Kreativität freien Lauf. Sie veredelt den Käse beispielsweise mit Wiesenkräutern, Pfeffer oder Sonnenblumenkernen. Am „Vertrauenskühlschrank“ können ihn sich die Kunden dann selbst in die Einkaufstasche stecken. Rund 150 l Milch von der Mutterkuhherde werden derzeit pro Woche zu Käse für den Verkauf verarbeitet. „Mit unserer Hofkäseschule gehen wir ganz neue Wege und bieten in Nordschwaben ein unverwechselbares Erlebnis für Jung und Alt an“, freut sich Melanie Hach über ihren jüngsten Coup. Michael Ammich
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