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Fleckvieh

Überall ein Plus an Leistung

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Michael Ammich
am
08.02.2019

282 kg mehr Milch gehen auf das Konto der Dillinger Fleckviehzuchtbetriebe

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Auch die genomische Selektion stößt an ihre Grenzen, wenn es nur einen geringen Zuwachs an neuen Zuchtbullen und einen zunehmenden Informationsverlust aus der Verwandschaft zu den „alten“ Bullen gibt. Auf der ersten Kreiszüchterversammlung des Zuchtverbands für das Schwäbische Fleckvieh im neuen Jahr stellte Zuchtleiter Friedrich Wiedenmann in Wertingen die „Weibliche Lernstichprobe beim Fleckvieh“ (FleQS) vor. Das System soll neben dem Genotyp auch den Phänotyp, also das äußere Erscheinungsbild, in die Bewertung von unselektierten, genotypisierten Kühen miteinbeziehen.
Georg Kraus eröffnete die Dillinger Kreiszüchterversammlung mit einem Blick auf das abgelaufene Bauernjahr, das von der bis November anhaltenden extremen Trockenheit bestimmt wurde. Der Vorsitzende des Zuchtverbands beklagte das Bild, das sich die Öffentlichkeit über die Landwirte macht. „Wir Bauern tun alles für unsere Tiere und werden dafür an den Pranger gestellt, ohne dass wir wüssten, warum“, klagte Kraus. Der Lebensmitteleinzelhandel leiste ebenfalls seinen Beitrag, um die Bauernschaft in Misskredit zu bringen.
Als Beispiel für das Bemühen der Landwirte, nachhaltig zu wirtschaften, führte Kraus den verantwortungsbewussten Umgang mit Medikamenten an. So habe sich der Einsatz von Antibiotika in der deutschen Tierhaltung in den letzten fünf Jahren um die Hälfte reduziert. „Wir haben also unsere Hausaufgaben gemacht.“ Gleichwohl sei der Milchviehhalter auf gesunde, robuste und leistungsfähige Rinder angewiesen. „Und genau das lässt sich mit keiner anderen Rasse so gut erreichen wie mit dem Fleckvieh“, betonte Kraus.
Ein Nachweis dieser Leistungsfähigkeit ist einmal mehr die enorme Steigerung der Milchleistung in den Fleckviehbetrieben über alle schwäbischen Landkreise hinweg, wie Zuchtleiter Friedrich Wiedenmann in seinem Jahresbericht erklärte:
  • Im Zuchtverband für das Schwäbische Fleckvieh belief sich die durchschnittliche Milchleistung der Mitgliedsbetriebe über alle Rassen hinweg auf 8138 kg bei 4,11 % Fett und 3,52 % Eiweiß. An der Leistungsprüfung hatten 903 Betriebe mit insgesamt 53 931 Kühen teilgenommen – 45 Betriebe und 186 Kühe weniger als 2017.
  • Im Landkreis Dillingen beteiligten sich 148 Betriebe mit insgesamt 9531 Kühen an der Leistungsprüfung. Das sind 6 Betriebe weniger und 184 Kühe mehr als im Jahr 2017. Die Durchschnittsleistung konnte um 282 kg auf 8234 kg bei 4,09 % Fett und 3,52 % Eiweiß gesteigert werden.
  • 2018 hatten 29 weitere Kühe eine Lebensleistung von mehr als 100 000 kg Milch erreicht – darunter 2 Kühe aus dem Kreis Dillingen: Oma (V: Humrist) von Manfred Hitzler (Kicklingen) und Anja (V: Weinold) von Anton Eberle (Mörslingen).
  • Als Fleckvieh-Profis 2018 wurden im Kreis Dillingen folgende Betriebe mit Stallplaketten ausgezeichnet (in Klammern die von 100 möglichen Punkten erreichte Punktezahl): Werner Häusler (Finningen; 78,5), Johann Seitz-Götz (Schwennenbach; 71,9), Otto Kanefzky (Roggden; 71,7), Käßmeyer GbR (Glött; 70,4), Reinhard Seiler (Reatshofen; 68,5), Konrad Steinle (Buggenhofen; 68,2), Helmut Redel (Pfaffenhofen; 68,2), Horst Weber (Zöschingen; 67,5), Hans Wiedemann (Heudorf; 65,7) und Anton Eberle (Mörslingen; 65,3).
Bei der durchschnittlichen Größe seien die Dillinger Milchviehbetriebe inzwischen bayernweit „absolut führend“, sagte Wiedenmann. Die starke Leistungssteigerung der Milchkühe spricht für sich. Auch im langjährigen Mittel zeigt sich eine jährliche Steigerung um 100 kg.
Fortschritte gibt es ebenso in der Zucht. So wurden 2018 insgesamt 622 Jungkühe mit 98 und 1883 Jungrinder mit 171 verschiedenen Vätern in Anpaarungsvorschläge einbezogen. Der Anteil hornloser Jungrinder und Jungkühe belief sich auf jeweils 17 %. Im Bereich des Embryotransfers wurden 23 Jungrinder, 6 Jungkühe und 2 Kühe gespült, das sind acht Tiere mehr als im Vorjahr. Die gespülten Rinder hatten 22 verschiedene Väter und Mutterväter. Bei 16 Embryotransfers wurden hornlose Bullen mitverwendet.
Eine starke Zunahme verzeichnete die genomische Selektion. Mit 820 männlichen und 576 weiblichen Tieren wurden insgesamt 566 Rinder mehr typisiert als 2017. Gleich blieb der Anteil von Tieren mit mindestens einem kritischen Erbfehler, er lag erneut bei 17 %. Aus dem Zuchtprogramm des schwäbsichen Fleckviehzuchtverbands gingen im vergangenen Jahr 27 Stationsbullen hervor. Auf den Auktionen erzielten sie einen Durchschnittspreis von stattlichen 13 588 €. Sechs dieser Bullen wurden von der Besamungsstation in Höchstädt angekauft.

Fokus auf die weibliche Lernstichprobe

Ausführlich beschäftigte sich Wiedenmann mit der „Weiblichen Lernstichprobe beim Fleckvieh“ (FleQS). Nötig geworden sei dieses Verfahren durch den rückläufigen Bullenzuwachs und die fehlenden Leistungsinformationen bei den Vätern der aktuellen Bullen. Eine Rolle spielten auch Verzerrungen durch die Selektion, woraus sich das Risiko von abnehmenden Zuchtwertsicherheiten ergäbe. Zielgruppe von FleQS sind unselektierte genotypisierte Kühe mit Phänotyp, erklärte der Zuchtleiter. Das heißt: Über Stichproben soll es bei der Zuchtwertschätzung eine größere Sicherheit durch den Einbezug von Leistungsinformation und Exterieurbewertung geben.
Ab dem kommenden Mai wird deshalb eine Stichprobe bei 50 Nachkommen aus dem Bullenersteinsatz mit Nachzuchtbewertung durchgeführt (Bullenmodell), zudem werden gleich ganze Betriebe unter Vertrag genommen, in denen alle Jungkühe bzw. weiblichen Kälber beprobt werden und eine Nachzuchtbewertung aller Erstkalbskühe erfolgt (Betriebsmodell). Bayernweit werden sich die Kosten für FleQS auf jährlich rund 1,7 Mio. € belaufen. Der Freistaat beteiligt sich daran mit einer ansehnlichen Förderung. Voraussetzung für das Betriebsmodell ist ein konsequentes Gesundheitsmonitoring über das Programm „ProGesund“. Doch genau hier hapert es noch, wie der Zuchtleiter bedauerte. Zusammen mit der AHG Kempten decke der schwäbische Fleckviehzuchtverband jene Region in Bayern ab, in der sich die wenigsten Betriebe an ProGesund beteiligten.

Jungkühe der Verkaufsschlager

Verbandsverwalter Georg Veh legte den Dillinger Fleckviehzüchtern die wichtigsten Kennzahlen aus der Vermarktung vor:
  • Über den schwäbischen Zuchtverband wurden 2018 folgende Stückzahlen vermarktet (in Klammern die Vorjahreszahlen): 212 (+49) Bullen, 94 (–132) Kühe, 817 (–81) Jungrinder, 714 (–309) Kalbinnen und 693 (–463) Rinder, 141 (+39) Bullenkälber zur Zucht und 6762 (+140) zur Mast, 781 (+90) Kuhkälber zur Zucht und 312 (+19) zur Mast sowie 914 (+301) Fresser.
  • In den Export gingen 642 (–308) Kalbinnen, 499 (–418) Rinder, 3 (+1) Bullen und 1 (+1) Kuh, überwiegend in die Türkei, nach Russland, Usbeskistan und Kasachstan.
Nach dem Rekordabsatz von 2017 verzeichnete Veh 2018 wieder leicht rückläufige Stückzahlen. Jungkühe waren der „Verkaufsschlager auf den Märkten“, stellte der Verbandsverwalter fest. Auf den Auktionen erzielten sie im Schnitt einen um 226 € höheren Preis als bei einem Verkauf ab Stall. Noch einmal zugenommen hat das Bullenangebot auf den Märkten, während es im Export bei den Jungkühen und Kalbinnen zu einem deutlichen Rückgang kam.
Veh erinnerte die Züchter daran, dass der Zuchtverband dauerhaft laufstallgewohnte Jungkühe und Kühe zur Auktion und ab Stall für größere Aufträge von Aufstockungsbetrieben sucht.

Für das Kuhkalb zur Zucht nannte Veh einen durchschnittlichen Nettopreis von 346 € (–10 €) und für das Bullenkalb zur Mast von 520 € (–12 €). Die Vermarktung der Kälber gestalte sich umso schwieriger, je höher ihr Gewicht ist. Optimal wäre ein Gewicht von nicht mehr als 100 kg. Noch schwieriger zu vermarkten sind mehr als sechs Wochen alte Kälber, die von ihren Verkäufern noch nicht enthornt wurden. Ansonsten aber war Veh mit der Vermarktung im vergangenen Jahr „sehr zufrieden“.

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