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Rapsvermarktung

Vorsicht: Gier frisst Hirn

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen.

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Vorstandschaft
Rapspreis folgt dem Sojapreis: (v. l.) Vorsitzender Ulrich Mayerle, Geschäftsführer Michael Haußer und SNE-Geschäftsführer Eugen Bayer konnten den Mitgliedern der Raps-EG Mittelschwaben für heuer keine deutlich steigenden Rapspreise in Aussicht stellen. © Michael Ammich
von , am
13.07.2017

Aislingen/Lks. Dillingen - Die Raps-Erzeugermeinschaft Mittelschwaben rät bei der Vermarktung: Wichtig ist der Zeitpunkt!

Die Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps Mittelschwaben ist zwar alles andere als ein Global Player auf dem Rapsmarkt, aber gemeinsam mit der Schwäbischen Naturenergie (SNE) hat sie durchaus regionales Gewicht. „Wenn es die beiden Organisationen nicht gäbe, dann hätten wir mit Sicherheit schlechtere Preise in Schwaben“, stellte SNE-Geschäftsführer Eugen Bayer auf der Jahresversammlung der Raps-EG in Aislingen fest.
Im letzten Jahr hat die SNE 1230 t Raps für die EG vermarktet, das sind 250 t mehr als im Vorjahr. Von allen Marktpartnern der SNE sei die BayWa der schwierigste, sagt Bayer. „Die BayWa hat ganz andere Strukturen und Preisvorstellungen als die übrigen Abnehmer.“ Dennoch ist das Unternehmen – vorerst noch – ein unverzichtbarer Marktpartner. Über alle Marktpartner hinweg erhielten die rund 200 Mitglieder der EG 2016 im Vorerntepool im Schnitt 35 €/dt Raps, im Nacherntepool war der Preis auf 35,50 € gestiegen. Landwirte, die zu lange auf höhere Preise spekuliert hatten, säßen noch heute auf einem Teil ihrer Ernte, erklärt Bayer und zieht für das ungeschickte Abwarteverhalten das Sprichwort „Gier frisst Hirn“ heran.

Rapspreis macht eine Achterbahnfahrt

Für heuer erwartet der SNE-Geschäftsführer einen Rapspreis von mindestens 36 €. „Der Knackpunkt für die negative Preisentwicklung im zurückliegenden Jahr war das Umschwenken des Biodieselmarkts auf Palmöl.“ Überhaupt habe der Raps- anders als der Getreidemarkt eine Achterbahnfahrt hinter sich. Für den Gewinn bei Raps sei heute nicht mehr so sehr die Menge entscheidend, sondern das Erwischen des richtigen Vermarktungszeitpunkts.
Die Raps-EG ist 50 %iger Gesellschafter der SNE. Diese erzielte 2016 einen Gesamtumsatz von 1,9 Mio € (plus 4 % gegenüber Vorjahr). Vom Jahresumsatz entfielen 450 000 € auf den Raps, den Hauptumsatz machte die SNE mit Getreide. Geld brachte auch die Logistik-Dienstleistung bei der Verteilung des Kalks aus der Bayerischen Rieswasserversorgung an die Landwirte in die Kasse der SNE.
Als EG-Vorsitzender ist Ulrich Mayerle von der Entwicklung des Rapspreises in den zurückliegenden Monaten enttäuscht. Nachdem der Raps gut durch das Frühjahr gekommen war, zog der Preis an der Börse an, um sich dann in den Sinkflug bis auf das Niveau von 34,50 € Ende Mai 2017 zu begeben. Für die negative Tendenz macht auch Mayerle insbesondere die starken Palmöl- und Sojaernten, aber auch den Rückgang des Einsatzes von Biokraftstoffen verantwortlich. Das wundert ihn umso mehr, als der Preis für gentechnikfreies Soja doppelt so hoch ist wie der Rapspreis. Ob die frostigen Frühjahrstage dem Raps heuer etwas anhaben konnten, lasse sich derzeit noch nicht abschätzen. Die Folgen des späten Wintereinbruchs zeigten sich erst, wenn die Ernte naht.
Auf Unverständnis stößt beim EG-Vorsitzenden das Verhalten der Landwirtschaftsämter, die sich immer mehr aus der Teilnahme an Versammlungen zurückzögen. So war auch kein AELF-Vertreter zur Jahresversammlung in Aislingen erschienen. Die Herausforderungen, vor denen die Rapsanbauer stehen, würden immer größer, stellt Mayerle fest. Um diese erfolgreich zu bewältigen, fehlten den Anbauern jetzt die Informationen aus den Ämtern. Auf der anderen Seite suchten diese dann wieder nach Landwirten, die sich an Projekten und Aktionen beteiligen.

Gilt Ausfall-Raps als Zwischenfrucht?

Ein weiteres Problem schneidet Mayerle mit dem Greening an. Unter den Zwischenfrüchten sollten sich in der Rapsfruchtfolge keine Kreuzblütler befinden. Als Lösung böte sich es an, den Ausfall-Raps bis zum Frühjahr stehen zu lassen. Dabei stelle sich jedoch die Frage, ob es sich dann noch um eine Zwischenfrucht handelt, die auf die ökologischen Vorrangflächen angerechnet werden kann.
Einen Blick auf den Rapsmarkt warf Anton Huber, Referent für Ölsaaten im BBV-Generalsekretariat. Dabei beleuchtete er die zwei Seiten des Rapses als Öl- und zugleich auch Eiweißlieferant. In der Kulturlandschaft ist Raps ein wichtiges Element. Aus einem Hektar lassen sich nicht nur 2100 kg Rapsschrot und 1600 kg Rapsöl gewinnen, sondern auch 100 kg Honig. Aktuell wird der Raps in Deutschland auf einer Fläche von 1,31 Mio. ha angebaut. Damit dominiert die BRD gemeinsam mit Frankreich den europäischen Rapsmarkt. Im Hektarertrag liegt Deutschland mit durchschnittlich 39 dt an der Spitze. Allerdings ist der weltweite und europäische Rapsendbestand in den letzten Jahren deutlich gesunken, die enger werdende Versorgungslage stützt die Preisstabilität.
Bei der Preisgestaltung gibt der Sojamarkt den Takt für den Rapsmarkt vor, erklärt Huber. 81 % der globalen Sojamenge stammen aus den USA, Brasilien und Argentinien. Kommt es auch nur in einem dieser drei Länder zu Problemen, hat das auch Auswirkungen auf den Rapsmarkt und -preis. Weitere Faktoren für die Preisbildung an den Börsen sind der Dollar-Euro-Wechselkurs, sich ändernde politische Rahmenbedingungen oder die Entwicklung des Ölpreises. Die genannten Faktoren setzten den Sojamarkt jüngst unter Druck und folglich geriet auch der Rapsreis in den Sog der Abwärtsspirale. Außerdem werden in der EU dem Treibstoff immer weniger Biokraftstoffe beigemischt. Seit 2015 besteht nämlich für die Mineralölkonzerne die Möglichkeit, Treibhausgase auch über die Effizienzsteigerung in der Produktion zu reduzieren. Algen, Tierfette oder Frittenfett, also Biokraftstoffe der zweiten Generation, knöpfen dem Biodiesel zunehmend Marktanteile ab. Dennoch decken heute Biokraftstoffe aus der Landwirtschaft 5 % des Energiebedarfs im Verkehrsbereich ab.
Der Bauernverband und die Raps-EGs wehren sich gegen eine Änderung der Kontraktspezifikationen bei der Rapsqualitätsberechnung, so Huber. „Höhere Basispreise würden die bisherigen Qualitätszuschläge nicht ausgleichen.“ Vorerst jedoch werden an der Euronext-Börse bis 2019 die Rapskontrakte noch auf der Basis eines Ölgehalts von 40 % geschlossen.
Am Ende der Versammlung verabschiedete sich der Geschäftsführer der Raps-EG Mittelschwaben, Michael Haußer von der schwäbischen BBV-Hauptgeschäftsstelle, von den Mitgliedern. Er wird künftig den Schwerpunkt seiner Arbeit auf den eigenen landwirtschaftlichen Betrieb legen. Haußers Nachfolge tritt seine Kollegin an der Hauptgeschäftsstelle, Doris Kreitner, an.

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