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Pferdehaltung

Wahre Flut an Vorschriften

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Externer Autor
am
27.05.2019

Pferdetag an der BBV-Hauptgeschäftsstelle: Fokus liegt auf Baurecht und Fütterung.

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Wenn all diese Vorschriften eingehalten werden müssen, dann sind ja mindestens fünfzig Prozent der landwirtschaftlichen Pferdehaltungen illegal“, empörte sich ein Landwirt über die zahlreichen gesetzlichen Bestimmungen bei der Privilegierung von Bauvorhaben im Außenbereich. Umso mehr war es an der Zeit, dass der Bauernverband in Augsburg einen „Schwäbischen Pferdetag“ für die zunehmende Zahl von Pensionspferdehaltern organisierte. Das Interesse war groß, rund 50 Teilnehmer hatten sich zu dem eintägigen Seminar in der BBV-Hauptgeschäftsstelle angemeldet.

Steuerrechtliche Aspekte

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Begrüßt und durch das Programm geführt wurden sie vom Ansprechpartner der Pensionspferdehalter beim schwäbischen BBV, Josef Mahl, und von Petra Düring, Geschäftsführerin der bayerischen Arbeitsgemeinschaft der Pensionspferdehalter im BBV. Steuerberater Peter Gawronski von der BBV-Buchstelle legte den Pferdehaltern als ersten Programmpunkt zwei steuerrechtliche Fälle vor, mit denen sich die Justiz in jüngster Zeit beschäftigen musste. Im ersten Fall ging es um einen Pferdebetrieb, der mit der Vermietung einer Reitanlage über einen Zeitraum von zehn Jahren ausschließlich Verluste eingefahren hatte. Das Urteil des zuständigen Gerichts lautete auf „Liebhaberei“. Voraussetzung für eine steuerliche Einordnung als landwirtschaftlicher Betrieb sei jedoch eine Überschusserzielungsabsicht, hieß es in der Urteilsbegründung.

Der zweite Fall drehte sich um den Reitunterricht als Bestandteil der Landwirtschaft mit Blick auf die Einkommensteuer. Hier erklärte ein Gericht, dass Einnahmen aus dem Reitunterricht grundsätzlich nicht landwirtschaftlich, sondern entweder aus einer selbständigen Tätigkeit hervorgehen oder gewerblich sind. Selbständig dann, wenn der Landwirt selbst oder aber ein angestellter Reitlehrer unter der Leitung des Landwirts den Unterricht unternimmt. Andernfalls fällt der Reitunterricht in das Gewerbe. Allerdings ist laut Gawronski auch ein Nebeneinander von Landwirtschaft, selbständiger Tätigkeit oder Gewerbe möglich. Umsatzsteuerrechtlich ist beim Reitunterricht keine Pauschalierung möglich. Die Einnahmen müssen also grundsätzlich mit einem Satz von 19 % versteuert werden. Lediglich die Hippotherapie ist von der Umsatzsteuer befreit, falls der Therapeut eine entsprechende berufliche Qualifikation und sein Patient eine ärztliche Verordnung vorweisen können.

Baurechtliche Aspekte

Ans Eingemachte ging es im Vortrag von Ralf Bundschuh vom Fachzentrum Pferdehaltung am AELF Fürstenfeldbruck. Er sprach über die landwirtschaftliche Pferdehaltung im Rahmen des Baugesetzes. Damit ein Pensionspferdehalter ein geplantes Bauvorhaben im Außenbereich verwirklichen kann, muss die Maßnahme privilegiert sein. Dafür gibt es drei Grundvoraussetzungen: Die Pensionspferdehaltung muss landwirtschaftlich sein, es muss sich um einen landwirtschaftlichen Betrieb handeln und die Pferdehaltung muss diesem Betrieb dienen. Nach § 35 Baugesetzbuch ist der Außenbereich nämlich grundsätzlich von Bebauung freizuhalten, um eine Zersiedelung der Landschaft zu verhindern und öffentliche Belange zu schützen. „Privilegiert ist außerdem nicht der Landwirt oder sein Betrieb, sondern lediglich das Bauvorhaben“, stellte Bundschuh klar.
  • Landwirtschaft im Sinn des Baurechts sind Ackerbau, Wiesen- und Weidewirtschaft sowie die Tierhaltung, wenn das Futter zu mehr als der Hälfte im eigenen Betrieb erzeugt werden kann. Ist das der Fall, ist auch der Zukauf von Futter möglich.
  • Zur landwirtschaftlichen Pferdehaltung gehören die Pferdezucht einschließlich der Deckhengsthaltung, Erzeugung von Stutenmilch, Pensionspferdehaltung und die Ausbildung von selbstgezüchteten Jungpferden. Nur Einkommen aus diesen Bereichen werden als landwirtschaftliche Einkommen berücksichtigt. Gewerbliche Tätigkeiten können von der Landwirtschaft „mitgezogen“ werden, solange die Landwirtschaft überwiegt. Zudem muss die Wirtschaftlichkeit der Pferdehaltung gegeben sein, damit sie nicht unter den Bereich „Hobby“ fällt.
  • Nicht zur landwirtschaftlichen Pferdehaltung gehören Reitschule, Reitunterricht, Reittherapie, Beritt, Kutschbetrieb, Pferdehandel, tierärztliche Tätigkeiten, Überlassung eigener Pferde an Dritte im Zug von Reitbeteiligungen und die Vermietung von Stallabteilungen ohne weitere Dienstleistungen für den Mieter.
Wer eine landwirtschaftiche Pferdehaltung betreiben will, muss die Bestimmungen zum Flächenbedarf der Tiere beachten: Mindestens 0,35 ha pro Pferd, davon mindestens 0,15 ha hofnahe, also zu Fuß im normalen täglichen Betriebsablauf erreichbare, unbebaute Auslauffläche. Bei Mehrraum- und Offenfrontställen mit dauerhaft zugänglichem Auslauf kann die Forderung nach einer hofnahen Koppelfläche unter bestimmten Voraussetzungen entfallen. Für Jungpferde und Zuchtstuten mit Fohlen bemisst sich der Flächenbedarf auf mindestens 0,5 ha pro Tier, davon mindestens 0,3 ha hofnahe Auslauffläche. Gefordert wird außerdem eine pferdegerechte Einzäunung von Weiden und Ausläufen. Bei Pachtflächen muss eine Laufzeit des Pachtvertrags von neun, bei Betriebsgründungen von mindestens zwölf Jahren gegeben sein, damit der Landwirt eine nachhaltige und langfristige Planung nachweisen kann.
  • Ein landwirtschaftlicher Betrieb liegt dann vor, wenn eine organisatorische Einheit von Flächen, Ställen und Mechanisierung gegeben ist. Der Betriebsleiter muss seine Sachkunde über eine entsprechende Qualifikation oder Erfahrung nachweisen können, wozu auch die Erfüllung der baurechtlichen Mindestanforderungen für Pferdeställe gehört. Verlangt werden außerdem die Ernsthaftigkeit, Dauerhaftigkeit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit des Betriebs.

Beitrag zum Einkommen

Ist der landwirtschaftliche Betrieb als solcher anerkannt, muss ein geplantes Bauvorhaben im Außenbereich diesem auch dienen. Das zuständige AELF prüft, ob überhaupt ein Bedarf für das Vorhaben vorliegt, ob es zweckmäßig ist und einen ausreichenden landwirtschaftlichen Einkommensbeitrag leistet. Ein solches Bauvorhaben im Außenbereich können ein Pferdestall, eine Reithalle, ein Futter-, Einstreu- oder Mistlager sein, ein befestigter Auslauf, eine Führanlage, eine Sattelkammer oder bei eindeutigem Bedarf auch ein Wohngebäude. Abschließend gilt es auch noch die öffentlichen Belange zu beachten, also mögliche schädliche Einflüsse auf die Umwelt, unwirtschaftliche Aufwendungen für die Erschließung und eine eventuelle Beeinträchtigung des Landschaftsbilds.

Wo gibt es Ausnahmen?

Eine Ausnahme von der Genehmigungspflicht für landwirtschaftliche Baumaßnahmen im Außenbereich besteht für Gebäude mit einer Grundfläche von weniger als 100 m² und einer Dachfläche von weniger als 140 m². Das Gebäude muss frei stehen, darf über keine Feuerungsanlage verfügen, muss eingeschossig und ohne Keller sein, der Unterbringung von landwirtschaftlichen Maschinen oder Futtervorräten oder dem vorübergehenden Schutz von Tieren dienen.
Stets genehmigungspflichtig sind eine Nutzungsänderung oder ein wesentlicher Eingriff in die tragende Bausubstanz des Gebäudes. Dies betrifft beispielsweise den Umbau oder die Nutzung einer Maschinenhalle als Pferdestall ebenso wie den Einbau einer Wohnung in ein Betriebsgebäude.

Vorab Kontakt aufnehmen

Bundschuh empfahl den Pensionspferdehaltern bei einem Antrag auf eine privilegierte Baumaßnahme, gegenüber den Mitarbeitern des zuständigen AELF offen und ehrlich zu sein und sie am besten vorab von der geplanten Maßnahme zu informieren. „Nur rechtssichere Genehmigungen bieten dauerhafte Sicherheit.“ Außerdem wies der Pferdefachmann darauf hin, dass die für die Pferdehaltung geforderten Mindestmaße und Mindestflächen keine Optimalmaße sind, sondern die untere Grenze darstellen. Michael Ammich
  • Ein landwirtschaftlicher Pferdebetrieb muss die Absicht haben, Überschüsse zu erzielen.
  • Einnahmen aus dem Reitunterricht sind grundsätzlich nicht landwirtschaftlich.
  • Bei landwirtschaftlicher Pferdehaltung muss für Bauvorhaben im Außenbereich die Baumaßnahme priviligiert sein.
  • Bestimmungen zum Flächenbedarf müssen beachtet werden.
  • Bei der Fütterung von Pferden gibt es Alternativen zu Heu.

Pferdefütterung: Alternativen für Heu ausloten

In einem weiteren Vortrag ging Günter Koller auf Futter-Alternativen zum Heu in der Pferdehaltung ein. Der Pferdewirtschaftsmeister, Reitwart und Trainer bewirtschaftet in Poggersdorf bei Neunburg vorm Wald einen Pferdebetrieb mit 120 Tieren, darunter 40 Pensionspferde, und einer Nutzfläche von 120 ha. Davon entfallen 60 ha auf Ackerland, 25 ha auf fest eingezäuntes Dauergrünland und 35 ha auf Grünland zum Mähen. Darüberhinaus betreibt er einen Gasthof und 30 Ferienwohnungen. „Über meine Ackerfläche habe ich die Möglichkeit, auf Grünfuttermangel zu reagieren“, erklärte Koller mit Blick auf die Heuknappheit im Trockenjahr 2018.

Sein Ziel ist nicht nur ein gesundes, gut gefüttertes Pferd, sondern ebenso und nicht weniger wichtig ein zufriedener Einsteller. „Dabei ist das Pferd meistens leichter zufrieden zu stellen als sein Besitzer“, merkte Koller an. Der Heumangel durch die extreme Trockenheit im vergangenen Sommer war für ihn Anlass, sich verstärkt Gedanken über eine alternative Fütterung und Aufzucht der Zucht- und Pensionspferde zu machen. Dabei erkannte er zwei Möglichkeiten: Entweder die Kosten für die Einsteller erhöhen und auch zu horrenden Preisen Heu zu kaufen oder nach Ersatzfutter zu suchen. Er entschied sich für Letzteres und informierte seine Einsteller auf einer eigens dazu einberaumten Versammlung über sein weiteres Vorgehen.

Als Alternativen zum Heu kamen Koller verschiedene Rationskomponenten in den Sinn:

  • Stroh: Ein gesundes Pferd benötigt ausreichend Rohfaser im Futter. Pferde sollten in der Box grundsätzlich auf Stroh stehen. Davon sollte so viel vorhanden sein, dass immer auch etwas zum Fressen übrig ist.
  • Cobs: Ein sehr guter Heu-Ersatz mit hohem Eiweißgehalt. Dieser macht es notwendig, Stroh zuzufüttern. Während es mit der Cobsfütterung zuvor keine Probleme gab, beobachtete Koller im vergangenen Jahr anfangs einige Schlundverstopfungen. Er löste das Problem, indem er die Cobs vor dem Füttern einweichte. Dadurch erhöhte sich der Arbeitsaufwand spürbar.
  • Maissilage: Ebenfalls ein guter Ersatz für Heu und eine gute Ergänzung zu den Cobs, da sie wenig Eiweiß enthält. Bis zu 30 % Maissilage in der Ration sind Koller zufolge möglich. Allerdings werden für die Lagerung der Silage ein Silo und zusätzliche Technik benötigt, der Arbeitsaufwand steigt. Zudem lehnen viele Einsteller Maissilage als nicht pferdegerechtes Futter ab.
  • Gras: Wird Heu durch Gras ersetzt, gilt es die erhöhte Eiweißzufuhr zu beachten. Einsteller betrachten das Grünfutter als natürliche Pferdenahrung und werden keine Einwände gegen die Verfütterung haben. Aber auch bei der Grasfütterung werden zusätzliche Technik und Mehrarbeit erforderlich.
  • Öle: Ein Ausgleich bei energiearmen Rationen. Diese Komponente sollte sich auf höchstens 0,5 l pro Pferd und Tag belaufen.
  • Und so sieht auf dem Kollerhof eine typische Ration mit einem ausgewogenen Energie- und Eiweißgehalt für ein 600 kg schweres Pferd mit leichter Arbeit aus: 2 kg Heu, 3 kg Heulage, 8 kg Maissilage, 2 kg Stroh und 1 kg Hafer. Eine alternative Ration könnte aus 10 kg Weizengras, 2 kg Heu, 2 kg Stroh und 1 kg Hafer bestehen.

    Nachdem auch heuer mit Blick auf den Klimawandel ein ausreichender Heuertrag alles andere als sicher ist, sagte Günter Koller: „Mancher Pferdehalter und Einsteller muss erst noch lernen, dass für Geld nicht immer alles zu haben ist.“ Michael Ammich

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