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Waldprinzessin: Zepter und Krone sind aus Holz

Waldprinzessin
Michael Ammich
am
16.10.2017

Hettlingen im Landkreis Dillingen - Maria Sinning macht sich als Waldprinzessin für den Forst stark.

Seit ihrer Kindheit ist Maria Sinning in den Wald verliebt – kein Wunder, denn sie stammt aus einer schwäbischen Bauernfamilie, die fast 30 ha Wald bewirtschaftet. Eine Motorsäge hat die zierliche Landschaftsarchitektin zwar noch nie in der Hand gehalten, aber dafür trägt sie jetzt in ihrer Rechten ein Zepter aus Douglasienholz und auf ihrem Haupt eine Krone aus Lindenholz.

Maria Sinning aus Hettlingen ist die neue bayerische Waldprinzessin, die sich in der Öffentlichkeit in den kommenden zwei Jahren für die Anliegen der Waldbesitzer stark machen wird. „Damit unsere Wälder ihre wichtige Aufgabe weiterhin erfüllen können, müssen sie auch genutzt werden dürfen“, stellt die Waldprinzessin klar.
Zur Botschafterin des Waldes und der Waldbesitzer wurde Sinning nicht von ungefähr auserkoren. Ihr Vater Elmar agiert schon seit vielen Jahren als Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Dillingen, womit seine Tochter schon einmal eine wichtige Voraussetzung für ihre Bewerbung um das Amt der Waldprinzessin erfüllt hat. Für diese Aufgabe kommen nämlich nur Frauen infrage, die einen engen Bezug zum Wald haben. Ob die Waldprinzessin verheiratet ist oder nicht, zählt dagegen nicht zu den Auswahlkriterien des Bayerischen Waldbesitzerverbands – dafür umso mehr eine andere Eigenschaft: Die Amtsträgerin soll redegewandt sein und über ein fundiertes Wissen rund um den Wald und die Forstwirtschaft verfügen.

„Probieren kannst Du es doch einmal“, ermunterte Elmar Sinning seine Tochter zur Bewerbung. Sie hat es probiert und am 31. August wurde sie im oberbayerischen Kösching im Beisein von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und des Präsidenten des Waldbesitzerverbands, Josef Ziegler, als Nachfolgerin von Maria Rohm als bayerische Waldprinzessin inthronisiert.

Sinnings Eltern bewirtschaften zwei Betriebe, den des Vaters mit Schweinemast und 8 ha Wald in Schwenningen und den der Mutter im kleinen Hettlingen bei Wertingen. Dort stehen ebenfalls Mastschweine und zusätzlich noch Milchvieh in den Ställen. Außerdem gehören zum Hettlinger Betrieb 20 ha Wald und eine Biogasanlage, deren Abwärme zum Trocknen von Hackschnitzeln genutzt wird. Das Energieholz wird wiederum in einer Hackschnitzelheizung in Schwenningen verwertet, an die ein kleines Nahwärmenetz angeschlossen ist. Familie Sinning lebt der Gesellschaft ihre Leidenschaft für die Land- und Forstwirtschaft vor. Von Marias drei Brüdern arbeitet einer als Landwirtschaftsmeister, der andere als Schreinermeister und der dritte als Maschinenbauingenieur. Vater Elmar ist ebenfalls Landwirtschaftsmeister, Mutter Elisabeth gelernte Hauswirtschafterin.

Der Wald lässt die Prinzessin nicht los

Waldprinzessin

Nicht nur in ihrer Jugend, sondern auch in ihrem Studium der Landschaftsarchitektur an der TU München hat Maria Sinning das Thema „Wald“ nie losgelassen. Sie beschäftigte sich an der Universität in ihren Semesterarbeiten mit dem Wald und absolvierte ein Auslandspraktikum in Singapur, in dem sie an einem großen Wald-Projekt mitarbeiten konnte. Auf einer Fläche von 60 ha wurde ein Park angelegt, der die Öffentlichkeit mit den verschiedenen Waldtypen Südostasiens vertraut machen soll. „Ich habe ein Konzept mit­entwickelt, mit dem sich aus einem Budget von 9 Mio. Dollar ein Wald mit vielfältigen Charakteren anlegen lässt, der für die Bevölkerung erlebbar ist“, erklärt Sinning. Heute bringt sie ihr Wissen als Mitarbeiterin eines Planungsbüros in München ein.

Viele Leute haben eine falsche Vorstellung

„Als Waldprinzessin habe ich jetzt die Chance, die Menschen meiner Generation für den Wald und die Forstwirtschaft zu begeistern“, sagt Sinning. „Viele Leute haben nämlich eine falsche Vorstellung davon, was die Waldbesitzer leisten.“ Das zeige sich schon beim Thema „Stilllegung“, bei dem die Gesellschaft an idyllische, artenreiche und ungenutzte Wälder denkt. So sieht es die Waldprinzessin als ihre vornehmliche Aufgabe an, der Bevölkerung klar zu machen, welche ökologischen und ökonomischen Folgen die Stilllegung ganzer Waldflächen hätte. „Der Wald ist eine der wichtigsten Rohstoffressourcen Deutschlands. Von Stilllegungen profitiert niemand, zumal ja ohnehin schon so viele Flächen durch Baumaßnahmen verloren gehen. Wir brauchen eine leistungsfähige Natur- und Kulturlandschaft, die Rohstoffe liefert und Arbeitsplätze bietet. Der Strukturreichtum im Wald kommt nicht davon, dass man ihn sich selbst überlässt.“

Sinning wünscht sich von der Politik mehr Aufmerksamkeit für die Waldbesitzer. „Die Politiker sollten die Forstwirtschaft nicht nur in Sachen Naturschutz, sondern auch ökonomisch aktiv unterstützen.“ Eine erste Gelegenheit, der großen Politik die Anliegen der Forstbesitzer zu verdeutlichen, hatte die Waldprinzessin auf dem Bürgerfest am Amtssitz des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue in Berlin. Am Stand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW – Die Waldeigentümer) konnte sie nicht nur Frank-Walter Steinmeier die Hand schütteln, sondern insbesondere auch den Städtern erklären, für welche Leistungen und Ziele die Waldbesitzer stehen. „Nur Wälder, die genutzt und für die kommenden Generationen erhalten werden, können ihre schützende Funktion im Klimawandel aufrecht erhalten. Der Wald braucht Pflege und den Einsatz der Waldbesitzer.“

Wenn die Waldprinzessin über die gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Bedeutung der Wälder spricht, sprudelt es nur so aus ihr heraus. Sie bedauert, die Abkehr der öffentlichen Hand und vieler Unternehmen von den regenerativen Energien, nachdem die Öl- und Gaspreise stark gesunken sind. Anstatt in nachhaltige Hackschnitzelheizungen werde im öffentlichen Raum wieder vermehrt in fossile Energieträger investiert – ohne Rücksicht auf den Klimaschutz. „Das führt bei den Bürgern zu Vertrauensverlust. Würde die öffentliche Hand bei den erneuerbaren Energien vorangehen, hätte das eine große Symbolwirkung für die gesamte Gesellschaft.“

Viele Messebesuche und Autofahrten

Umso mehr will Maria Sinning ihr Amt als Waldprinzessin nutzen, um Kontakte zu Architekten zu knüpfen und sie bei ihren Projekten zum Bauen und Heizen mit Holz zu ermuntern. Gelegenheit dazu bietet sich ihr beispielsweise auf den vielen Messen und Veranstaltungen, auf denen die Land- und Forstwirtschaft im Mittelpunkt steht, sei es auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin, auf der Interforst in München oder auf den regionalen Waldbesitzertagen.
Im Schnitt wird Maria Sinning alle zwei Wochen einen Termin als Waldprinzessin haben und dabei an die 15 000 km mit dem Auto zurücklegen. „Ich freue mich darauf, dass ich viel herumkomme und viele Menschen treffe. Das Amt der Waldprinzessin ist eine spannende Aufgabe, bei der ich viel dazulernen kann.“

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