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Schafhaltung

Wanderschäferei - da ist Vielseitigkeit Trumpf

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Patrizia Schallert
am
21.01.2019

Die Wanderschäferei und ein Landcafé mit integriertem Hofladen beim neuen Schafstall sind die Hauptstandbeine des Biobetriebs Edelmann in Wiesenbach.

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Zweihundert Mutterschafe sind heute für das wirtschaftliche Überleben keine Basis mehr. Das musste auch Heinz Georg Edelmann erkennen. Die Wanderschäferei wird immer schwieriger, für das Lammfleisch wird wenig und für die Wolle fast gar nichts mehr bezahlt. Als der Wiesenbacher Biolandwirt 2011 einen neuen Schafstall baute, wurde ihm klar, dass die Nachfrage aus einer anderen Ecke kam. „Es wäre doch schön, wenn es hier im Günztal auch vormittags und nachmittags eine Einkehrmöglichkeit gäbe“, bekam Edelmann von den Radlern zu hören, die an seiner Baustelle vorüberfuhren. Damit war die Idee eines Landcafés mit Hofladen am neuen Schafstall geboren.
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Der 60-Jährige musste als Nebenerwerbslandwirt lange kämpfen, bis ihm die Behörden den Stallbau im Außenbereich genehmigten. Das Baugrundstück hatte er 2008 von einem Berufskollegen übernommen. „Landwirtschaftliche Viehhaltung mitten in einem Dorf ist heute kaum mehr möglich, so dass ich aussiedeln musste“, erklärt Edelmann. Bei den Behörden allerdings stieß Edelmanns Wunsch nach einer Aussiedlung seiner Schafhaltung auf wenig Gegenliebe. Ein Vortrag über Diversifizierung in der Landwirtschaft, den der ehemalige Leiter des AELF Krumbach, Georg Stark, auf einer Schafhalterversammlung hielt, brachte die Wende. „Starks Argument, die Landwirte würden kaum mehr in Neubauten investieren, konnte ich so nicht stehen lassen. Ich sagte dem Amtschef, dass wir ja durchaus bauen würden, wenn man uns denn ließe.“ Dem persönlichen Einsatz von Stark habe er es zu verdanken, dass der Stallbau im Außenbereich schließlich doch noch realisiert werden konnte.
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Seit 2012 war damit das Winterquartier für rund 350 Schafe und Lämmer gesichert und die Muttertiere hatten einen warmen Ablammplatz in der kalten Jahreszeit. Als Ausweichplatz steht noch der alte Stall auf der Hofstelle für 100 Tiere zur Verfügung. Finanzielle Unterstützung erhielt Edelmann vom bayerischen Landwirtschaftsministerium und aus dem EU-Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).

Schäferei: Wenig Erlös, fehlende Flächen

Die Alleinlage des neuen Stalls in ansprechender Natur weckte die Aufmerksamkeit der vielen Einheimischen und Touristen, die am Stall auf einem Radweg vorüberfahren. „Schön wäre es, wenn es hier eine Radlerstation gäbe“, flüsterten sie Edelmann ins Ohr. Dem gefiel die Idee. „Ich habe schon lange nach einem weiteren Standbein gesucht, damit ich den Betrieb im Vollerwerb führen und die Hofnachfolge für meine beiden Söhne Gilbert und Julius sichern konnte.“
Die Schäferei sei ja leider vom Aussterben bedroht, weil die meisten Betriebe keine Nachfolger mehr haben. Das Biofutter für die Schafe ist teuer und die Ökohaltung schlägt sich im Lämmerpreis kaum nieder. Deshalb rentiert sich die Mast im Grunde nicht, sagt Edelmann. Obwohl er für seine Bioschafwolle vom Wollhändler Hans Grupp in Donzdorf im Landkreis Göppingen rund 20 % mehr Geld erhält als seine konventionellen Berufskollegen, sind die Schurkosten nur knapp gedeckt. Eine andere Baustelle sind die fehlenden Flächen und die neue Düngeverordnung. „Die Landwirte haben nur knappe Zeitfenster und müssen ihre Gülle meist dann ausbringen, wenn die Wanderschäfer die Wiesen und Felder als Weiden brauchen.“
Um die Wertschöpfung aus seiner Landwirtschaft zu erhöhen, konzipierte Edelmann ein Projekt: die Einrichtung eines Landcafés mit Hofladen am neuen Schafstall. Dafür galt es allerdings eine neue Hürde zu meistern. Für den Bau des Cafés auf dem Stallgrundstück im Außenbereich benötigte Edelmann die Zustimmung der Gemeinde, die er im Februar 2014 auch erhielt. Zwei Jahre nach der Baugenehmigung wurde „Theodors Berg – das Landcafe“ im Dezember 2018 eröffnet.
Das Konzept für sein neues Betriebsstandbein hatte Edelmann gut durchdacht und viele Recherchen angestellt. Dabei kam ihm seine Ausbildung zum Handelsfachwirt sehr zugute. Gefragt seien heute leichte und gesunde Snacks für Zwischendurch aus qualitativ hochwertigen und ökologisch erzeugten Zutaten. Deshalb werden im Landcafé von Donnerstag bis Sonntag neben Kuchen und Kaffee auch kleine warme Gerichte, Salate, deftige Snacks, Lammgyros und auf Vorbestellung Käsefondues angeboten. „Unser Zugpferd ist aber definitiv ein vielfältiges Frühstücksangebot, das bei unseren Gästen hervorragend ankommt“, betont Edelmann. Zielgruppen des Landcafés sind die einheimische Bevölkerung und Touristen. Das Café bietet Platz für rund 60 Gäste, dazu kommen 120 Plätze im Biergarten.

Regionale und Bio-Lebensmittel in der Küche

In der Küche sollen, soweit möglich, regionale und ökologisch produzierte Lebensmittel verwendet werden. Deren Herkunft soll künftig auf der Speisekarte und im Hofladen dokumentiert werden. So bezieht Edelmann beispielsweise alle Käse- und Milchprodukte von der Landkäserei Herzog in Schießen. Ein Teil der Schaf- und Lammschlachtung und die Herstellung von Lammsalami erfolgt auf dem Biohof Johann Ziegler in Greimeltshofen im Unterallgäu, der eine eigene Hofmetzgerei betreibt. Mit Philipp Schaflitzel vom Gasthaus Hirsch mit Metzgerei in Unterbleichen hat Edelmann ab 2019 einen neuen Kooperationspartner an der Seite. „Er wird als Subunternehmer für uns einmal monatlich einen Bioschlachttag durchführen. Für die Wurstherstellung liefern wir ihm unsere Gewürze.“
Diese wie auch den Schinken und das Fleisch für das Café bezieht Edelmann von der „Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall“ (BESH). Dorthin liefert Edelmann auch den Großteil seiner Lämmer. „Die BESH bietet den Landwirten deutschlandweit die höchsten Auszahlungspreise“, sagt Edelmann. Künftig möchte er wieder selbst Schwäbisch-Hällische Schweine für die Direktvermarktung und den Bedarf in der Landcaféküche mästen. Auf dem Betrieb Edelmann standen früher bis zu 40 Schweine im Stall, vor zwei Jahren immerhin noch fünf.
Seit 25 Jahren wird der Wiesenbacher von seinem Aushilfsschäfer Helmut Groß unterstützt. Im Sommer werden die Tiere mit einem Transport-Lkw zu den Weideflächen gefahren. Im Herbst geht der Aushilfsschäfer mit der Herde auf Wanderschaft zurück zum Stall.

Viele Visionen und Projekte im Blick

Das Sortiment des Hofladens im Café möchte Edelmann noch ausbauen, indem er neben Produkten aus der eigenen Schafzucht wie Fleisch, Wurstwaren oder Schaffelle auch regionale Handelswaren anbietet. Seit drei Jahren bewirtschaftet er einen kleinen Weinberg mit 50 Reben der Weißweinsorte „Solaris“. Außerdem hat er zeitgleich auf einer Versuchsfläche einige Trüffelbäume angepflanzt. Die Bewirtschaftung der Plantage erfolgt extensiv und die Ansprüche der Bäume seien gering. „Nach etwa fünf bis sieben Jahren können die ersten Trüffel geerntet werden, dann jährlich.“

Edelmann ist voller Tatendrang und hat noch viele Visionen zur Diversifizierung. Nachdem er seit zehn Jahren Mitglied der Gesellschaft zur Erhaltung aussterbender Haus- und Nutztierrassen ist, strebt er die Zertifizierung seines Betriebs zum „Archehof“ an. Ausreichend Fläche für die Erweiterung des neuen Stalls sei vorhanden. Setzt er den Plan um, werden die Cafégäste künftig auch das Blöken von Rhönschafen, das Meckern von Thüringer Waldziegen, das Muhen von Original Allgäuer Braunvieh und das Grunzen von Schwäbisch-Hällischen Schweinen vernehmen.

Biobetrieb Edelmann in Wiesenbach

Familie: Heinz Georg Edelmann (60), Ingrid (55), Jasmin (38), die Hofnachfolger Gilbert (33) und Julius (23).

Fremdarbeitskräfte: Landwirtschaft: 1 Aushilfsschäfer, Café: 2 Voll- und 10 Teilzeitarbeitskräfte.

Flächen: 2,4 ha Ackerfläche mit Anbau von Sommerhafer, Winterweizen, Wintergerste und Kleegras, 25 ha Grünland, davon 17 ha Querdämme an der Günz, sowie Beweidung einer 19 ha großen Photovoltaik-Freiflächenanlage.

Vieh: 200 Mutterschafe (vorwiegend Merinoland- und einige Schwarzkopfschafe), 300 bis 400 Stück Nachzucht, Kreuzung im Wechsel mit Ile de France-, Suffolk- und Schwarzkopfböcken.

Vermarktung: Rund 20 % des Biofleisches als Eigenbedarf im Café und für die Direktvermarktung, ein Großteil der Lämmer geht an die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall.

Besonderheiten: Bioschafhaltung, „Theodors Berg – das Landcafé“ mit Hofladen im Günztal. SP

  • Mit 200 Mutterschafen kann eine Schäferei heute nicht mehr wirtschaftlich überleben.
  • Das Futter ist teuer, die Preise für Fleisch und Wolle niedrig, Weideflächen sind knapp und Betriebsnachfolger fehlen.
  • Der Biobetrieb Edelmann setzt deshalb auf Diversifizierung mit Café, Hofladen und weiteren Projekten wie Freilandschweinehaltung.
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