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Leguminosenanbau

Weniger abhängig von Soja-Importen

Michael Ammich
am
07.08.2017

Jedelhausen - Kontraproduktiv für die bayerische Eiweißstrategie: EU-Verbot von chemischem Pflanzenschutz auf ökologischen Vorrangflächen.

erntegespraech

Ja was denn nun? Auf der einen Seite will die bayerische Staatsregierung den Anbau von heimischen Eiweißpflanzen fördern, auf der anderen Seite ist künftig der chemische Pflanzenschutz auf den ökologischen Vorrangflächen verboten. Auf genau diesen Flächen bauen jedoch viele Landwirte die eiweißhaltigen Leguminosen an. Auch Hansjörg Schneider hat auf seinem Zuchtsauen- und Schweinemastbetrieb im großen Stil Ackerbohnen angebaut, mit denen er den Sojaschrot aus Übersee ersetzen will. Ohne Pflanzenschutz wird die Kultivierung der wertvollen Eiweißpflanze auf Greeningflächen jedoch uninteressant, ärgerte sich Schneider auf dem Ernte­gespräch des AELF Krumbach in Jedelhausen.
Der Leiter des AELF Krumbach, Axel Heiß, begrüßte die Teilnehmer der Gesprächsrunde. Auch er bedauert, dass EU-Kommission und -Parlament mit ihrer Entscheidung, den chemischen Pflanzenschutz auf ökologischen Vorrangflächen zu verbieten, der bayerischen Eiweißstrategie in den Rücken fallen. Am Beispiel des Betriebs Schneider lasse sich nämlich gut aufzeigen, wie die heimischen Landwirte von den Soja-Importen aus Übersee unabhängiger werden könnten. Auch Heiß‘ Mitarbeiter Dr. Reinhard Bader ist die Problematik bewusst. So hat sich der Anbau der Ackerbohne im Landkreis Neu-Ulm von 3 ha im Jahr 2005 bis heute auf 100 ha ausgedehnt. Künftig wird die Entwicklung wohl rückwärts laufen, befürchtet Bader. Viele Landwirte denken nämlich daran, nach dem Pflanzenschutzverbot aus dem Leguminosenanbau wieder auszusteigen.
Familie Schneider hält auf ihrem ausgesiedelten Betrieb bei Jedelhausen 120 Zuchtsauen und 600 Mastschweine im geschlossenen System. „Unser größter Kostenfaktor ist das Futter“, erklärt Hansjörg Schneider. Als die Schweinepreise vor sieben Jahren einen Tiefpunkt erreicht und zugleich die Getreidepreise rasant angezogen hatten, war ihm klar, dass „es mit den Futterkosten so nicht mehr weitergehen konnte“. Rund 60 000 € steckte er jährlich in 144 t Sojaschrot. Ein Ersatz für die teure Eiweißquelle musste her. Gefunden hat ihn Schneider in der Ackerbohne. Jetzt, nach einem jahrelangen Lernprozess, ist er soweit, dass der Leguminosenanbau gut gelingt. Er würde ihn von derzeit 14 ha sogar noch ausweiten, wenn er mehr Fläche hätte und dadurch nicht an die Grenzen einer vernünftigen Fruchtfolge stoßen würde.

Mit Ackerbohnen gute Leistung in der Mast

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Die Sojabohne ist für Schneider keine Alternative, die schweren Böden rund um Jedelhausen machen ihre Kultivierung schwierig. Außerdem müssten die Sojabohnen weit entfernt zum Toasten gefahren werden. Anders die Ackerbohne: Sie lässt sich sofort nach Ernte und Reinigung einlagern, was wiederum Kosten spart. Auf 14,5 % hat Schneider den Ackerbohnenanteil in der Ration für seine Mastschweine bemessen, wichtige Aminosäuren liefert ein spezielles Mineralfutter. Dass die Schweine täglich um stolze 850 g zunehmen, zeigt, dass der Ersatz des Sojaschrots durch die Ackerbohne nicht zulasten der biologischen Leistung geht.
Neben der Kosteneinsparung nennt der Betriebsleiter weitere Vorteile der Ackerbohne: Sie wurzelt tief, lockert damit den Boden und ist wie alle Leguminosen ein Stickstoffsammler. Deshalb benötigt die Ackerbohne nur eine Grund-, aber keine zusätzliche Stickstoffdüngung. Außerdem muss sie nur einmal mit einem Pflanzenschutzmittel behandelt werden. Zu schaffen machen Schneider jedoch die Graugänse, die sich aufgrund der vielen Baggerseen in der Region immer mehr ausbreiten und zu deren Lieblingsspeise die Sojabohne gehört. Neben der Ackerbohne gibt Schneider folgende Komponenten in die Mastschweineration: 53 % Mais-Kolben-Silage ohne Spindel, je 10 % Weizen und Gerste, 6 % Grascobs und 3,5 % Mineralfutter. Dass er immer noch 3 % Sojaschrot beimischen muss, begründet Schneider mit der aktuellen Knappheit der Ackerbohnen.
Neben der Ausdehnung der Ackerbohnenfläche stechen in der Anbaustatistik des AELF für den Kreis Neu-Ulm zwei weitere Trends ins Auge: Der Anbau von Zuckerrüben steigerte sich gegenüber dem Vorjahr um fast 34 % auf 240 ha und der von Sommergetreide um 35 % auf 703 ha. Diese Entwicklung geht vor allem zulasten des Weizenanbaus.

Viele Landwirte wollen die Treueprämie

Hansjörg Schneider und Vizekreis­obmann Manfred Prestele haben eine Erklärung dafür: Zum einen machen die gesunkenen Niederschläge den Aufwand an Pflanzenschutzmitteln und Dünger immer weniger rentabel, zum anderen steigt der Fusariumgehalt im Weizen an, was beispielsweise in der Schweinefütterung zu Problemen führt. Außerdem macht der gesunkene Weizenpreis die Investition in eine intensive Kultur immer unattraktiver. Die Ausweitung der Zuckerrübenfläche wiederum führt A­ELF-Mitarbeiterin Andrea Bachmeier auf die Abschaffung der Quote zurück. An ihrer Stelle bietet die Südzucker AG Treueprämien an – „und die möchten viele Landwirte mitnehmen“. Dadurch hat sich die Wettbewerbskraft der Rübe gegenüber dem Weizen noch einmal erhöht.
Gestoppt wurde der Grünland-Umbruch zugunsten des Ackerbaus. Seit drei Jahren bewegt sich der Grünlandanteil an der landwirtschaftlichen Gesamtnutzfläche im Kreis Neu-Ulm bei 6260 ha. BBV-Kreisgeschäftsführer Matthias Letzing entlarvt die angebliche „Vermaisung“ der Landschaft als Märchen. Mit einem Gesamtflächenanteil von 30 % habe der Maisanbau in der Region jetzt gerade einmal das Niveau der 1970er Jahre erreicht. „Von einer Monokultur in der Landwirtschaft kann angesichts der Vielfalt an Kulturen keine Rede sein“, bekräftigt Bader.
Bemerkenswert ist auch der Anstieg der Dinkelfläche um fast 6 % auf 1024 ha aufgrund der Nachfrage der Ulmer Schapfenmühle. Die Wintergerste fiel um 11,2 % auf 1919 ha zurück, während das Sommergetreide mit einer Zunahme um satte 35 % auf 703 ha im Vormarsch ist.
Die Witterung wird heuer für allenfalls durchschnittliche Erträge sorgen, sagte Bader. Zwar kamen die Kulturen gut durch den Winter und die Vegetationszeit begann recht früh, aber noch im Mai waren Nachtfröste zu verzeichnen. Außerdem bewegte sich die Temperatur um 1,5 °C über dem langjährigen Mittel, die Niederschlagsmengen waren gering und die Sonne schien wesentlich häufiger als im Vorjahr. Bader zufolge eröffnen der weltweit steigende Nahrungsmittelverbrauch, die zunehmende Flächenverwertung für die Energieproduktion sowie die unter Druck geratenen Preise für Dünger und Pflanzenschutzmittel der Branche „Landwirtschaft“ eine gute Zukunftsperspektive.

Gute Zukunftsaussicht für viele Höfe zu spät

Für viele Neu-Ulmer Betriebe kommt dies jedoch zu spät. Der Strukturwandel hat dafür gesorgt, dass sich ihre Zahl von 1094 im Jahr 1997 auf heute 727 reduziert hat. Zwar wurde das Höfesterben gebremst, doch steigt die Zahl der Nebenerwebsbetriebe an, während sich die Zahl der Haupterwerbsbetriebe kontinuierlich verringert. Und ganz nebenbei gehen im Kreis jährlich 75 ha produktiver Fläche durch Bau-, In­frastruktur- und Ausgleichsmaßnahmen verloren. In den letzten 20 Jahren hat sich die LNF von 24 060 auf 22 875 ha vermindert.

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